Amputation von Gliedmaßen

Amputation von Gliedmaßen: Was tun, wenn ein Körperteil abgetrennt werden muss?

Eine Amputation bezieht sich auf die willkürliche Abtrennung eines Körperteils. Diese Abtrennung ist entweder das Resultat eines Unfalls oder einer Operation. Eine häufige Ursache für eine Amputation von Gliedmaßen sind Erkrankungen der Blutgefäße mit einem besonders schweren Verlauf. Wird das Gewebe nicht mehr ausreichend durchblutet, ist eine Amputation von Nöten.

Besonderheiten einer Amputation

Im Rahmen einer Amputation wird ein Körperteil chirurgisch oder durch einen Unfall abgetrennt. Ist zwischen dem abgetrennten Körperteil – auch als Amputat bezeichnet – sowie dem Körper eine Verbindung durch die Haut, Muskulatur oder das Gewebe vorhanden, wird dieser Zustand als subtotale Amputation bezeichnet. Bei einer totalen Amputation vollziehen Ärzte eine vollständige Durchtrennung.

Wann ist eine Gliedmaßen-Amputation notwendig?

Chirurgische Amputationen werden vorgenommen, wenn das Körpergewebe der Patienten abgestorben oder massiv geschädigt ist. Liegen irreparable Verletzungen oder totes Gewebe an einem lebenden Körper vor – der medizinische Fachterminus lautet Gangrän oder Nekrose – besteht ein deutlich gesteigertes Infektionsrisiko, das sich über das Blut schlimmstenfalls im gesamten Körper ausbreitet. Lebensgefährliche Komplikationen drohen. Deshalb muss das erkrankte Gewebe beseitigt werden.

Ist nur eine kleine Körperpartie von der Nekrose betroffen, kann ein Chirurg oder Facharzt für Orthopädie die Körperpartie unter Umständen operativ entfernen. Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Amputation unumgänglich. Das Ziel der Gliedmaßen-Amputation besteht jeweils darin, so wenig wie möglich Gewebe abzutrennen. Als häufigste Ursachen zum Amputieren einer Gliedmaße gelten:

  1. Gefäßkrankheiten: bedingt durch Störungen des arteriellen Blutflusses; unzureichende Gewebedurchblutung; Zellen erhalten nicht genügend Sauerstoff und sterben ab
  2. Zuckerkrankheit bzw. Diabetes: verursacht Schädigungen kleiner und großer Blutgefäße sowie der Nerven; aufgrund eingeschränkter Wahrnehmung der Sinnesreize besteht erhöhte Verletzungsgefahr; führt zu Infektionen und Nekrosen
  3. Unfälle: Verletzungen zumeist durch Arbeits- oder Verkehrsunfälle mit industriellen oder landwirtschaftlichen Maschinen; Amputationen bei durchtrennten Nerven und Gefäßen
  4. Krebs: bei bösartigem Knochenkrebs Amputation von Unterschenkeln, Oberschenkeln oder Oberarmen; zur Verhinderung der Streuung bösartiger Krebszellen

Vorbereitende Maßnahmen einer Gliedmaßen-Amputation

Individuelle Umstände entscheiden über die Vorgehensweise vor einer Amputation. Geraten Patienten und Patientinnen in einen lebensgefährlichen Zustand, beschränken sich aufklärende Beratungsmaßnahmen auf ein Minimum. In anderen Fällen werden Betroffene darüber aufgeklärt, dass sie mindestens zwei Wochen vor dem OP-Termin keine Medikamente mit blutverdünnender Wirkung mehr einnehmen dürfen. Spätestens ab sechs Stunden vor dem Eingriff ist die Einnahme von fester Nahrung sowie getrübten Flüssigkeiten untersagt.

Wie erfolgt die Operation?

Vor Beginn der OP planen Chirurgen genau, in welchem Bereich die Arme, Beine oder Füße amputiert werden sollen. Unterstützend werden unterschiedliche bildgebende Verfahren wie die Computertomografie eingesetzt. Mit einem Ultraschallgerät kontrollieren Mediziner die Durchblutung des Gewebes. Durch diese Kontrolle wird verhindert, dass nach dem operativen Eingriff totes Gewebe am Stumpf zurückbleibt.

Die eigentliche Amputation beginnt, nachdem Betroffene in Vollnarkose versetzt wurden. Die erkrankten Körperteile werden neben der Vollnarkose zusätzlich betäubt.

Zumeist legt ein Operateur am Arm oder Bein eine straffe Manschette an. Auf diese Weise wird das Blutungsrisiko minimiert, indem die Blutung vorübergehend gestoppt wird. Die Ausdehnung von Amputationen wird durch die jeweilige Verletzung und Erkrankung bestimmt.

Amputation des Arms

Amputationen an der Hand verfolgen den Zweck, die Greiffunktion zu erhalten. Muss ein Arzt beispielsweise Finger operativ entfernen, steht eine Spaltung der verbleibenden Mittelhand zur Wahl. Trainieren Patienten nach dieser Maßnahme intensiv, ist diese Körperfunktion weiterhin ausführbar. Wird der Unterarm amputiert, durchtrennt ein Operateur Elle und Speiche. Dieser Schritt wird in der Orthopädie ebenfalls eingeleitet, damit Patienten auch zukünftig zugreifen können. Ist eine Amputation im Ellenbogenbereich, am Oberarm oder der Schulter nötig, sollten Mediziner nach Möglichkeit viel Muskulatur erhalten. Je mehr Muskulatur vorhanden ist, umso besser können Betroffene den Stumpf nach der OP bewegen. Zusätzlich ermöglichen Chirurgen einen Stumpf in Birnenform, der im Nachhinein mit einer Prothese kombiniert werden kann.

Amputation des Fußes

Bei Amputationen am Fuß differenzieren Ärzte zwischen folgenden Vorgehensweisen:

  1. Majoramputation: Amputation geht über Entfernung von Vorfußanteilen hinaus
  2. Minoramputation: kleine Operation, bei der nur Vorfußanteile wie Zehen und Mittelfußknochen beseitigt werden

Bei Amputationen am Fuß versuchen Operateure, so wenig wie möglich Knochen zu amputieren. Mit dieser Strategie verfolgen Ärzte das Ziel, dass Patienten auch nach dem Eingriff gut stehen und laufen können. Bei kleinen Eingriffen werden nur eine oder mehrere Zehen amputiert. Muss der Eingriff in größerem Umfang durchgeführt werden, muss der Fuß an einem höheren Bereich wie dem Mittelfußknochen amputiert werden. Andere Optionen sind Chopart- oder Lisfranc-Amputationen. Bei diesen Methoden verbleiben nur der Fersenknochen oder die Fußwurzel an dem Körperteil.

Amputation am Bein

Führt ein Operateur eine Amputation am Unterschenkel durch, bleibt nach Möglichkeit ein etwa zehn Zentimeter langer Stumpf unterhalb des Knies übrig. An diesem Stumpf kann später eine Prothese befestigt werden. Muss aus medizinischen Gründen der gesamte unter dem Knie befindliche Unterschenkel beseitigt werden, ist die Funktion des Kniegelenks massiv eingeschränkt. Diese Methode bezeichnen Ärzte als Exartikulation. Nach der OP ist das Bewegungsvermögen der Patienten deutlich eingeschränkt.

Benötigt ein Patient eine Amputation am Oberschenkel, ist der Knochen auf jeder Höhe abtrennbar. Weil an dem Oberschenkelknochen jedoch sehr viele Muskeln ansetzen, sollte der Schnitt so tief wie möglich am Knie vorgenommen werden. Durch dieses Verfahren ist eine relativ hohe Beweglichkeit des Oberschenkelstumpfes gegeben. Ist eine sogenannte Hüftexartikulation notwendig, verbleibt nach einer Amputation des Beins nur die Hüftpfanne im Becken zurück. Genügt diese Maßnahme aufgrund des Schweregrads der Verletzung oder des Unfalls nicht, beseitigen Ärzte zusätzlich knöcherne seitliche Beckenteile. Diese Amputationsvariante bezeichnen Mediziner als Hemipelvektomie.

Nach dem Eingriff: hilfreiche Schritte

Nach der Beendigung der Amputation erhalten operierte Personen einen Druckverband. Um aufkommende Schmerzen zu lindern, werden Schmerzmittel verabreicht. Neben dem körperlichen Schmerz sind Betroffene zumeist psychischen Qualen ausgesetzt. Der Verlust eines Körperteils ist für Patienten und Patientinnen zumeist eine große Belastung, die möglicherweise der Unterstützung eines Psychologen bedarf. Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Orthopädietechniker helfen dabei, sich im Alltag zu orientieren. In Rehabilitationskliniken wird der Umgang mit der neuen Prothese trainiert. Betroffene müssen diszipliniert und konsequent üben, um sich an die Prothesen zu gewöhnen.

Risiken der Gliedmaßen-Amputation

Unmittelbar nach der Operation werden Patienten möglicherweise mit diesen Komplikationen konfrontiert:

  1. Wundheilungsstörungen
  2. Wundinfektionen
  3. Nachblutungen an der Stumpfregion

Im Nachhinein besteht ein erhöhtes Risiko für diese Beschwerden:

  1. Haltungsschäden (bedingt durch verändertes Gang- und Standbild von Patienten)
  2. Druckgeschwüre an Stumpfpartie durch unsachgemäße Protheseneinstellungen
  3. Phantomschmerz

Der Phantomschmerz: ein Schreckensszenario?

Nach einer Amputation beklagen sich viele Patienten über sogenannte Phantomschmerzen. Betroffene klagen unter Schmerzen an der Extremität, die chirurgisch entfernt wurde. Neben Schmerzen berichten Betroffene von Kälte, Wärme oder einem übermäßigen Juckreiz. Diese Vorstellung erscheint paradox, beruht jedoch auf der Verarbeitung von Nervensignalen im Gehirn. Pro Körperbereich gibt es spezielle Abbildungen im Gehirn, in denen Empfindungen zugehöriger Sinnesreize verarbeitet werden. Die Körperteile sind zwar nach der Amputation nicht mehr vorhanden. Dennoch ist die Hirnpartie noch für die abgenommenen Gliedmaßen zuständig. Wird der Hirnbereich angeregt, spüren Patienten Empfindungen der amputierten Körperpartie.

Der genaue Weg der Aktivierung sowie das häufige Auftreten der schmerzlichen Empfindungen können sich Mediziner bis heute nicht eindeutig erklären. Da die Entstehung von Phantomschmerz allerdings immer plausibler erscheint, kann die Begleiterscheinung heute effektiver als vor einigen Jahren behandelt werden.

Amputation von Gliedmaßen: Vor- und Nachteile

Ist eine Amputation von Gliedmaßen notwendig, haben Betroffene keine Wahl. Die operative Entfernung der Extremitäten muss durchgeführt werden. Diese Maßnahme rettet Leben.

Vorteile

  • Amputationen von Beinen, Armen oder Füßen ist im Bedarfsfall eine lebensrettende Maßnahme
  • zur Vorbeugung vor Schmerzen wird operiertes Areal mehrfach betäubt
  • verhältnismäßig risikoarme Prozedur (geringe Infektionsgefahr)
  • Krankenversicherungen tragen Behandlungskosten komplett

Nachteile

  • massiver Einschnitt in körperliches Wohlbefinden
  • Begleiterscheinungen wie psychische Probleme oder Phantomschmerzen sind zumeist nicht vermeidbar
  • lange Nachsorgephase nach der Amputation