Eine Bandscheiben-Operation: ein gesunder Rücken für mehr Lebensqualität
Rückenschmerzen sind einige der in Deutschland am häufigsten auftretenden Beschwerden. Die Zahlen sprechen für sich: über 90 Prozent aller Bundesbürger geben an, gelegentlich oder häufiger unter Rückenschmerzen zu leiden. Ein relativ häufiger Grund für die Rückenbeschwerden ist ein Bandscheibenvorfall, der überwiegend an der Lendenwirbelsäule auftritt. Erbringen konventionelle Behandlungsansätze nicht den erwünschten Erfolg, ist eine OP der erkrankten Bandscheibe die letzte Option.

Schlagen konservative Therapieansätze fehl, ist die Bandscheiben-OP zumeist die letzte Möglichkeit, um einen Bandscheibenvorfall sowie damit verbundene Schmerzen zu behandeln. Während der Operation wird die verletzte Bandscheibe beseitigt und durch ein künstliches Modell ersetzt. Diese Operation wird aktuell in Deutschland etwa 150.000 Mal pro Jahr durchgeführt.
Anwendungsgebiete der Bandscheiben-OP
Untersuchungen von Fachärzten für Radiologie sowie Fachärzten für Orthopädie entscheiden über die Notwendigkeit der Operation an den Bandscheiben im Bereich der Lendenwirbelsäule. Für den Behandlungserfolg konventioneller Therapien ist ein Zeitansatz von drei Monaten vorgesehen. Stellt sich der Erfolg nicht ein, ist die Bandscheiben-OP die letzte Option.
Voruntersuchungen und Vorbereitungen zur chirurgischen Behandlung der Bandscheiben
In aller Regel werden alle für eine Bandscheibenoperation erforderlichen Voruntersuchungen im Krankenhaus vorgenommen. Neben einer Blutentnahme sowie einem aktuellen Röntgenbild erfolgt eine Untersuchung durch eine Magnetresonanztomographie. Bei vielen Patienten und Patientinnen wird zusätzlich ein EKG angefertigt, um sich ein Bild von den Herz-Kreislauf-Funktionen zu verschaffen. Ein Vorgespräch mit dem Anästhesisten ist wichtig, um über mögliche Risiken aufzuklären und die regelmäßige Einnahme von Arzneimitteln zu besprechen. Vorbereitende Maßnahmen sehen folgende Schritte vor:
Besonderheiten der Operation an den Bandscheiben
Eine Bandscheiben-Operation wird generell unter Vollnarkose durchgeführt. Zur Wahl stehen zwei verschiedene chirurgische Ansätze, deren Wahl vom Sitz der erkrankten Wirbelkörper abhängt. Einerseits ist es möglich, die verletzte Bandscheibe durch ein künstliches Pendant zu ersetzen. Der Vorteil der hier verwendeten Bandscheibenprothese besteht darin, dass die Beweglichkeit der Bandscheibe auch nach dem Eingriff weitgehend erhalten bleibt. Eine andere Möglichkeit ist es, die Bandscheibe operativ zu beseitigen und über eine Metallschraube zu fixieren. Bei diesem Verfahren – der sogenannten Spondylodese oder Wirbelsäulenversteifung – werden beide Wirbelkörper miteinander verbunden und versteift.
Allgemeine Umstände der OP weichen bei beiden Formen nur marginal voneinander ab. Bei beiden Operationsansätzen werden Patienten und Patientinnen schon einen Tag vor der Behandlung ins Krankenhaus aufgenommen. In der Vergangenheit setzten Chirurgen einen etwa 30 Zentimeter langen Schnitt entlang des Brustkorbs, um bis zur Wirbelsäule zu gelangen. Mittlerweile wird für einen Zugang zur Halswirbelsäule zwar noch immer ein Schnitt an der Halsvorderseite vorgenommen. Allerdings wurden ältere OP-Varianten mittlerweile durch minimal-invasive Verfahren ersetzt, deren Einsatzgebiete von der Position der verletzten Bandscheibe abhängen.
Mit einem sogenannten Operationsmikroskop wird der Bandscheibenvorfall mikrochirurgisch behandelt. Auf Höhe der verletzten Bandscheibe setzt ein Facharzt einen etwa drei Zentimeter langen Hautschnitt, durch den das chirurgische Mikroskop geführt wird. Ein Behandlungsansatz ist die sogenannte Schlüssellochchirurgie, bei der ein Chirurg den Bandscheibenvorfall mit einem Endoskop operiert. Am seitlichen Oberkörper werden vier kurze Hautschnitte gesetzt, durch die unterschiedliche OP-Bestecke eingeführt werden können. Eine Kamera sowie Licht geben Einblick in den operierten Bereich. Über kleine Instrumente wird die Bandscheibenerkrankung behoben. Im Vergleich zur herkömmlichen OP-Methode verspricht die minimal-invasive Therapie sehr viele Vorteile. Beispielsweise ist die Genesungszeit wesentlich kürzer.
Eine verbreitete Form der Bandscheibenoperation in Deutschland ist der Einschnitt am Hals. Von vorn wird ein Zugang an die Wirbelsäule ermöglicht. Der ungefähr sechs Zentimeter lange Hautschnitt verläuft parallel zum Schlüsselbein. Nach Möglichkeit empfehlen Ärzte dennoch die minimal-invasiven Optionen, indem bei der Mikrochirurgie ein Mikroskop oder bei der Schlüssellochchirurgie eine Kamera verwendet werden. Bei beiden minimal-invasiven Methoden ist die Bandscheibe über einen oder mehrere kurze Hautschnitte erreichbar. Für die Operation erforderliche Instrumente gelangen über kurze Hautschnitte in das entsprechende Areal. Die Kamera – das Endoskop – oder das Mikroskop gewähren Einblicke in das Operationsgebiet, ohne dass die Region komplett geöffnet werden muss. Da Instrumente in die Öffnungen eingeführt oder Gewebe entnommen werden kann, werden Betroffene nicht zu stark strapaziert. Im Rahmen der Operation ist es problemlos möglich, zu entfernende Gewebeteile oder Bandscheiben in einem sterilen kleinen Sack zu verpacken. Das daraufhin verschlossene Säckchen wird über einen kleinen Hautschnitt beseitigt. Weiterhin zeichnen sich Bandscheiben-Operationen durch folgende Besonderheiten aus:
- Einsetzen der Ersatz-Bandscheiben oder Vernähen des operierten Areales erfolgt ebenfalls über Einschnitte
- nach Beseitigung benötigter OP-Instrumente werden alle Haut- sowie Gewebeschnitte verschlossen
- Beseitigung von Fäden oder Klammern nach etwa zehn Tagen oder Verheilen des Hautschnitts
- kleine Narben verheilen schnell und sind zumeist unauffällig
- kein hohes Risiko für Entstehung von Verhärtungen
Nachbereitung nach der Operation
Da die Bandscheibenoperation unter Vollnarkose durchgeführt wird, werden Patienten im Anschluss an den Eingriff intensivmedizinisch überwacht. Das Pflegepersonal überwacht Puls sowie Blutdruck in kurzen Zeitabständen. Nach der Operation sollte ein stabiler Herz-Kreislauf-Zustand gewährleistet werden. Am Tag nach der chirurgischen Behandlung folgen körperliche Untersuchungen, durch die mithilfe bildgebender Verfahren erste Resultate der OP überprüft werden. Als wichtigster Teil der Nachbehandlung gelten eine gezielte Physiotherapie sowie Wirbelsäulenkurse. Zur Stärkung der Rücken- und Nackenmuskulatur sind diese Trainings Bestandteil eines umfangreicheren Rehabilitationsprogramms, das eine verbesserte Heilung sowie Funktionalität erzielen soll.
Risiken und Komplikationen der Bandscheibenoperation
Jede unter Vollnarkose durchgeführte OP unterliegt einem gewissen Anästhesie-Risiko. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen operativen Eingriffen ist eine Bandscheiben-Operation mit einem zusätzlichen Risiko verbunden: es ist keinesfalls garantiert, dass eine beseitigte vorgefallene Bandscheibe eine Linderung der gesundheitlichen Beschwerden erschafft. Nach dieser OP ist Schmerzfreiheit keineswegs gesichert. Unter der Ärzteschaft besteht Uneinigkeit darüber, ob konventionelle Maßnahmen aus Massagen, Schmerz- sowie Physiotherapie nicht den gleichen Effekt erzielen. Deshalb ist die Operation der Bandscheiben mit folgenden Risiken verbunden:
- keine Sicherheit über Linderung der Rückenbeschwerden
- möglicherweise sind gesundheitliche Probleme noch größer als vor der OP
- Überlastung der Bandscheiben bleibt bei unzureichendem Sportprogramm bestehen
Vor- und Nachteile der Bandscheiben-Behandlung
Eine operative Bandscheibenbehandlung ist ein Eingriff, der sehr gut durchdacht sein sollte. Das größte Problem: ein erfolgreiches Behandlungsergebnis ist keineswegs garantiert.
Vorteile
- mehrere OP-Methoden sind möglich (minimal-invasives Verfahren ist nach Möglichkeit vorzuziehen)
- kurze Heilperiode nach minimal-invasivem Eingriff
- Krankenversicherungen tragen Behandlungskosten
Nachteile
- kein Behandlungserfolg garantiert
- intensive Nachbehandlung beeinflusst Behandlungserfolg maßgeblich
- Eingriff wird stets stationär unter Vollnarkose vorgenommen