Blinddarm-Operationen

Die Blinddarmoperation: was tun, wenn ein kleines Gewebeteil großen Schaden anrichtet?

Der Blinddarm ist der Teil des Dickdarms, der an den Dünndarm mündet, jedoch keine Funktion hat. Im verbleibenden Teil des Dickdarms werden Nahrungsreste zum After transportiert. Diese Aufgabe trifft nicht auf den Wurmfortsatz – die medizinische Bezeichnung lautet Appendix – zu. Aufgrund der Position und Struktur des rund zehn Zentimeter langen Wurmfortsatzes neigt das Gewebe zu Entzündungen. Der Fachterminus für diese Entzündung lautet Appendizitis. Tritt die Entzündung ein, ist eine Blinddarmoperation zumeist unausweichlich.

Den meisten Menschen ist die Appendizitis als „Blinddarmentzündung“ bekannt. Allerdings ist bei der Erkrankung nicht der gesamte Blinddarm, sondern nur der Wurmfortsatz entzündet. Besonders häufig leiden Menschen zwischen dem ersten und dritten Lebensjahrzehnt unter der Erkrankung.

Der Wurmfortsatz: was ist das?

Als Bestandteil des Immunsystems des Darms setzt sich der Wurmfortsatz aus lymphatischem Gewebe zusammen. Nach aktuellem Stand der Medizin vermuten Wissenschaftler, dass dem Wurmfortsatz sowie Blinddarm eine Speicherfunktion für gesunde Darmflora zuteilwird. Wird der verbleibende Darm bei einer Magen-Darm-Erkrankung mit Durchfall von innen „gereinigt“, breiten sich anschließend von diesem Teilbereich gesunde Darmbakterien über den Dickdarm aus. Allerdings hat diese Funktion im Laufe der Zeit an Bedeutung verloren. Denn diese „Reinigungsfunktion“ war insbesondere in den Zeitaltern wichtig, in denen sich Magen-Darm-Keime durch unhygienische Zustände ausbreiteten.

Risiken einer Blinddarmentzündung

Entzündet sich der Wurmfortsatz akut, droht eine Perforation der entzündeten Darmwand. Die Darmwand reißt ein. Menschen leiden dabei unter einem sogenannten Blinddarmdurchbruch. Von dieser Komplikation sind bis zu 30 Prozent aller Patienten betroffen. Erfahrungsgemäß perforiert die Darmwand nach etwa 24 bis 36 Stunden nach der Entzündung. Die Perforation wird zwischen zwei Formen unterschieden:

  1. Gedeckte Perforation: Darmschlingen überdecken Öffnung; im Bauchraum bilden sich Abszesse bzw. Eiteransammlungen; Abszesse befinden sich hinter Darm, der Leiste oder anderen Regionen
  2. Offene Perforation: Darminhalt entleert sich in Bauchhöhle; es droht lebensgefährliche Bauchfellentzündung

In einigen Fällen droht eine chronische Appendizitis. Diese Erkrankung zeichnet sich durch rechtsseitig wiederkehrende Unterbauchschmerzen ohne Anzeichen einer akuten Blinddarmentzündung aus. Ein typischer Grund für eine chronische Appendizitis sind Verwachsungen oder Narben des Wurmfortsatzes mit umliegendem Gewebe.

Die Diagnose der Appendizitis

Die Diagnose einer Appendizitis ist nicht immer vom ersten Moment an eindeutig. Als deutliches Symptom eines entzündeten Wurmfortsatzes gelten wandernde Bauchschmerzen, die sich über die Nabelregion bis zum Unterbauch erstrecken. Eine Kombination aus diesen Beschwerden sowie einer Bauchuntersuchung weisen auf eine akute Appendizitis hin. Daraufhin werden entsprechende medizinische Maßnahmen eingeleitet.

Wann nehmen Chirurgen eine Blinddarmoperation vor?

In den nachfolgenden Fällen entscheiden sich Ärzte für eine Blinddarmoperation, die sogenannte Appendektomie:

  1. bei vermuteter oder sicherer Wurmfortsatz-Entzündung
  2. bei sicherem oder vermutetem Wurmfortsatz-Durchbruch
  3. bei Anzeichen einer Abszessbildung in der Region des Wurmfortsatzes

Eine wichtige Grundlage für die Diagnose ist der klinische Befund, der über körperliche Untersuchungen durch einen Arzt erfolgt. Diese Untersuchungsergebnisse werden durch Ultraschall sowie Blutuntersuchungen ergänzt. Möglicherweise verschafft eine CT-Untersuchung Gewissheit. Die Appendektomie verspricht die notwendigen Behandlungserfolge, wenn eine Eileiter- oder Blasenentzündung bei chronischen Schmerzen des rechtsseitigen Unterbauchs ausgeschlossen werden kann. Ein Ausnahmefall ist eine Blinddarmoperation, die aufgrund eines bös- oder gutartigen Tumors im Wurmfortsatz vorgenommen werden muss. Diese Tumoren wachsen zumeist versteckt und verursachen erst in einem späten Stadium Beschwerden.

Vorbereitende Maßnahmen auf die Operation des Blinddarms

Bei bestehendem Verdacht auf eine Blinddarmentzündung wird Patienten angeraten, die Nahrungsaufnahme einzustellen. Ist die Appendizitis bereits fortgeschritten, verabreichen Mediziner zumeist Flüssigkeit sowie Antibiotika über die Vene. Dadurch soll das Entzündungsrisiko vor der Operation reduziert werden. Normalerweise wird die OP in Vollnarkose durchgeführt.

Formen der Blinddarmoperationen

Eine Blinddarmoperation wird über zwei Formen vorgenommen, die konventionelle oder laparoskopische Methode. Diese zwei Verfahren unterscheiden sich eklatant voneinander.

Konventionelle „offene“ Operation

Bei diesem Verfahren beseitigt ein Chirurg den Wurmfortsatz durch einen etwa sechs Zentimeter langen und schräg verlaufenden Bauchschnitt am rechten Unterbauch. Der Appendix wird an der Verbindung zum Blinddarm abgetrennt. Daraufhin wird die am Blinddarm befindliche Öffnung durch die sogenannte Tabaksbeutelnaht verschlossen. Der an der Bauchwand vorgenommene Schnitt wird schichtweise mit einem selbstauflösenden Faden vernäht.

Liegt eine Perforation des Wurmfortsatzes vor, muss ein Mediziner den Bauchraum spülen. Diese Maßnahme verfolgt den Zweck, Eiter, Bakterien sowie Stuhl zu beseitigen. Oft legen Mediziner Drainagen in die Wunde. Über diese Schläuche fließt die Entzündungsflüssigkeit nach der Operation ab.

Laparoskopische Operation

Über eine sogenannte Führungshülse führt ein Operateur ein Endoskop samt Lichtquelle und kleiner Kamera in die Bauchhöhle ein. Im Vorfeld wird ein kleiner Schnitt gesetzt, um in den Bauch einzudringen. Damit der Darm von der Bauchwand gelöst wird, wird Kohlendioxid-Gas in die Bauchpartie eingelassen. Zusätzlich führt der Arzt über zwei weitere kleine Schnitte am Unterbauch die entsprechenden Instrumentarien in den Körper ein. Daraufhin trennt der Arzt den Wurmfortsatz von der Verbindung zum Blinddarm durch zwei selbstknotende Schlingen sowie ein Klammernahtgerät ab. Der Wurmfortsatz wird über eine Führungshülse aus dem Körper entnommen. Im letzten Schritt werden die einzelnen Bauchschichten mit einem selbstauflösenden Faden von innen nach außen vernäht.

Nach der Operation am Blinddarm: postoperative Schritte

Verläuft die Blinddarmoperation wie geplant und unkompliziert, erholen sich Patienten und Patientinnen zumeist nach kurzer Zeit. Die Nachbehandlung gestaltet sich wie folgt:

  1. erster Tag nach Operation: Einnahme von Tee und Suppe
  2. zweiter Tag nach Operation: Ernährung mit Schonkost
  3. bei laparoskopischer Operation: körperliche Schonung für zwei Wochen
  4. bei konventioneller Operation: körperliche Schonung für vier bis sechs Wochen

In Abhängigkeit vom Befund müssen Betroffene eine drei- bis fünftägige Aufenthaltsdauer im Krankenhaus einplanen. Ärztliche Termine zur Nachuntersuchung sind im eigenen Interesse strikt einzuhalten.

Gesundheitliche Risiken nach der Blinddarm-OP

Die Operation des Blinddarms gilt als risikoarme medizinische Prozedur. Dennoch sind Komplikationen nicht ausgeschlossen. Nachfolgende Begleiterscheinungen könnten den Heilungsprozess einschränken:

  1. Verletzungen einzelner Darmbereiche oder umliegender Organe
  2. Nachblutungen
  3. Wundinfektionen
  4. Abszesse im operierten Bereich
  5. Nahtinsuffizienz (Aufplatzen der Naht in dem Bereich, in dem Wurmfortsatz vom Blinddarm abgetrennt wurde)
  6. Entleerung des Darminhalts in Bauchraum, verbunden mit Peritonitis

Blinddarmoperation: Vor- und Nachteile

Erachten Chirurgen eine Blinddarmoperation als notwendig, ist dieser Schritt unumgänglich. Denn bei einem entzündeten Blinddarm ist eine OP an dem Teil des Darms eine lebenserhaltende Maßnahme.

Vorteile

  • mehrere OP-Ansätze sind möglich
  • Verfahren gilt als weitgehend risikofrei
  • Operation rettet bestenfalls ein Menschenleben
  • kurze Genesungszeiten (vor allem bei laparoskopischem Verfahren)
  • überschaubare Nachsorgemaßnahmen

Nachteile

  • Narbenbildung ist unvermeidbar
  • Operation erfolgt stets in Verbindung mit einem Krankenhausaufenthalt