Eine Bypassoperation bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße
Um den Blutfluss zu gewährleisten, müssen Engstellen an Gefäßen partiell mit einem Bypass versehen werden. Bei dieser Operation überbrückt ein Mediziner den verengten Bereich mit einem körpereigenen Blutgefäß.

Arten von Gefäß-Bypässen
Ein Bypass kann an verschiedenen Körperregionen eingesetzt werden. Insbesondere bei den nachfolgenden Erkrankungen raten Ärzte zu einer Bypass-OP:
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK) an den Beinen
- Koronare Herzerkrankung (kHK) an den Herzkranzgefäßen
Der häufigste Eingriff in dieser Form bezieht sich auf eine Versorgung der Herzkranzgefäße mit einem Bypass. Als überbrückende Elemente verwenden Operateure zumeist Beinvenen, die sie im Vorfeld den Ober- oder Unterschenkeln der betroffenen Person entnehmen. Dieses Verfahren wird als aortokoronarer Venenbypass bezeichnet, da dieser von der Aorta zu einem Herzkranzgefäß führt. Eine andere Variante führen Herzchirurgen durch, indem sie ein Ende der Brustwandarterie auf ein Herzkranzgefäß nähen. Als Folge dieses Vorgangs – der medizinische Terminus lautet Arteria-mammaria-interna-Bypass – unterstützt die Arterie automatisch die Blutversorgung. Eine dritte Möglichkeit mit der Bezeichnung Arteria-radialis-Bypass sieht eine Entnahme von Arterien aus dem Unterarm vor.
Wann empfehlen Ärzte eine Bypass-Operation bei koronarer Herzkrankheit?
Verursacht Arterienverkalkung eine Verengung der Herzkranzgefäße, kommen folgende unterschiedlichen Behandlungsansätze in Betracht:
- Ballonaufweitung (PTCA)
- Implantation einer Gefäßprothese (Stent)
- Therapie mit Medikamenten
- Bypass-Operation
Die Wahl der individuellen Therapiemethode wird durch verschiedene Komponenten beeinflusst. Neben dem Alter des Patienten wirken sich Begleiterkrankungen wie Diabetes maßgeblich auf die Behandlungsform aus. Weitere Beachtung gilt der Frage, an welchen Positionen sich die Verengungen befinden, wie stark diese ausgeprägt sind und ob das Herz noch voll funktionstüchtig ist.
In vielen Fällen raten Chirurgen zu dieser OP am Herzen, wenn mehrere Herzkranzgefäße an unterschiedlichen Stellen oder das Hauptkranzgefäß der linken Herzkammer betroffen sind. Eine wichtige Maßnahme für diese Entscheidung ist eine Herzkatheteruntersuchung, bei der die Herzkranzgefäße mit sämtlichen Verengungen abgebildet werden. Daraufhin beurteilt ein Team aus Herzchirurgen und Kardiologen, welcher Behandlungsansatz als besonders sinnvoll gilt.
Vorbereitung auf die Bypass-Operation am Herzen
Bevor die Operation durchgeführt wird, nehmen Fachärzte für gewöhnlich folgende Untersuchungen vor:
- Röntgenbild der Lunge
- Lungenfunktionstest
- Ultraschallkontrollen des Herzens und der Halsgefäße
- Blutgruppenbestimmung
Im Rahmen eines ausführlichen Aufklärungsgesprächs erläutern Herzchirurgen dem Patienten den geplanten Eingriff.
Spätestens sechs Stunden vor der OP ist Patienten und Patientinnen die Einnahme von festen Nahrungsmitteln sowie verdickten Flüssigkeiten untersagt. Ab zwei Stunden vor der Operation dürfen Betroffene ebenfalls keine klaren Flüssigkeiten mehr zu sich nehmen. Eine Ausnahme ist die Vorbereitungstablette auf die operative Behandlung, die mit einem Schluck Wasser kombiniert wird.
So verläuft die Bypassoperation am Herzen
Eine Bypassoperation führen Chirurgen in Vollnarkose unter Nutzung einer Herz-Lungen-Maschine durch. Mediziner legen das Herz für den Zeitraum der Operation zum Einsetzen der Bypässe still. Der Blutkreislauf wird durch die Herz-Lungen-Maschine aufrechterhalten. Eine Öffnung des Brustkorbs ist unerlässlich. Hierfür klappt ein Arzt das Brustbein der Länge nach auseinander, nachdem dieses durchtrennt wurde. Im Anschluss werden Hohlvene sowie die Hauptschlagader an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Da die Gefäße zur Formung des Bypasses bereits im Vorfeld entnommen wurden, werden diese Körperpartien wie die Arteria Radialis nun an die Hauptschlagader hinter der Engstelle direkt auf die Herzkranzgefäße genäht. Besteht die Möglichkeit, die rechte oder linke Brustwandarterie als Bypass zu nutzen, wird die entsprechende Arterie freigelegt. Im Anschluss wird diese Arterie als Bypassgefäß angenäht. Die Anzahl der Bypässe hängt von der Menge der Engstellen ab. Im Bedarfsfall legt ein Arzt bis zu vier Bypässe.
Im nächsten Schritt überprüft ein Herzchirurg den Blutfluss an den operierten Körperstellen. Funktioniert das Herz ohne Einschränkungen, erfolgt die Leitung des Blutflusses wieder durch das Herz. Ist die Funktionsweise nicht mehr beeinträchtigt, beseitigt ein Chirurg die Herz-Lungen-Maschine und verschließt im Anschluss den Brustkorb. Für einige Tage werden zwei bis drei Drainagen eingesetzt, die eine Verbindung zur Brusthöhle stabilisieren sowie für einen Ablauf von Blut und Sekret sorgen. Zudem verweilen in der ersten Zeit Herzschrittmacherkabel im Körper, die das Herz bei zu niedrigem Herzschlag aktivieren. Die Dauer der gesamten Operation beläuft sich auf zwei bis drei Stunden.
Postoperative Maßnahmen nach der Bypass-OP
Nach der Bypassoperation müssen Patienten und Patientinnen nach der Durchführung des OPCAB- oder MIDCAB-Verfahren für ein bis drei Tage auf einer Intensivstation verweilen. Anschließend müssen Betroffene ein bis zwei Wochen auf einer Normalstation einplanen. In dieser Zeit erfolgt ein Aufbautraining unter der Anleitung eines Krankengymnasten. Daraufhin müssen Patienten und Patientinnen eine mindestens dreiwöchige Anschlussbehandlung durchführen.
Risiken der Herz-Operation
Die Bypass-OP ist einer der am häufigsten durchgeführten Eingriffe am Herzen. Herzchirurgen sind besonders erfahren im Umgang mit älteren Patienten. Folgende Risiken können bei der OPCAB oder einer anderen Herz-OP nicht gänzlich ausgeschlossen werden:
- Nachblutungen
- Wundinfektionen
- Entstehung von Blutgerinnseln (mit erhöhter Gefahr für einen Schlaganfall bei etwa 2 Prozent aller Betroffenen)
- Schwächung der Herzfunktion
- Herzinsuffizienz
- Auftreten von Herzrhythmusstörungen (medikamentös behandelbar)
- Herzinfarkt (bei etwa fünf Prozent aller operierten Personen)
Eine Bypass-Operation am Herzen: Vor- und Nachteile
Das Einsetzen der Bypässe ist ein Eingriff, der aus medizinischer Notwendigkeit heraus durchgeführt wird. Schlimmstenfalls kann diese Behandlung sogar Leben retten. Deshalb ist der medizinische Nutzen dieser Operation im Regelfall höher als die damit verbundenen Nachteile.
Vorteile
- Herzfunktion wird durch Operation verbessert bzw. wieder hergestellt
- unterschiedliche Behandlungsansätze und OP-Methoden versprechen optimalen Behandlungserfolg
- überschaubare Nachsorgemaßnahmen
- Behandlungskosten werden vollumfänglich von Krankenkassen übernommen
Nachteile
- Operation kann vergleichsweise hohe Risiken verursachen
- relativ aufwendige Vorbereitungsmaßnahmen erforderlich
Häufige Fragen zum Thema Bypass
Was ist ein Bypass?
Ein Bypass überbrückt eine Engstelle in einem Gefäß mit einem körpereigenen Blutgefäß, sodass das Blut wieder fließen kann. Nötig wird das vor allem bei der koronaren Herzkrankheit an den Herzkranzgefäßen und bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit an den Beinen.
Welche Gefäße dienen als Bypass?
Meist Beinvenen aus Ober- oder Unterschenkel, die von der Aorta zu einem Herzkranzgefäß führen, der aortokoronare Venenbypass. Beim Arteria-mammaria-interna-Bypass näht der Chirurg ein Ende der Brustwandarterie auf ein Herzkranzgefäß. Eine dritte Variante, der Arteria-radialis-Bypass, verwendet eine Arterie aus dem Unterarm.
Wann raten Ärzte zur Bypass-Operation?
Vor allem, wenn mehrere Herzkranzgefäße an unterschiedlichen Stellen betroffen sind oder das Hauptkranzgefäß der linken Herzkammer verengt ist. Alternativen sind Ballonaufweitung, Stent oder eine medikamentöse Therapie. Grundlage der Entscheidung ist eine Herzkatheteruntersuchung, anschließend beurteilt ein Team aus Herzchirurgen und Kardiologen den besten Weg.
Wie läuft die Operation ab?
In Vollnarkose und meist mit Herz-Lungen-Maschine, die den Kreislauf aufrechterhält, während das Herz stillgelegt ist. Der Chirurg durchtrennt das Brustbein und näht die vorbereiteten Gefäße hinter der Engstelle auf die Herzkranzgefäße. Je nach Zahl der Engstellen legt er bis zu vier Bypässe. Der Eingriff dauert zwei bis drei Stunden.
Geht es auch ohne Herz-Lungen-Maschine?
Ja, wenn die erkrankten Herzkranzgefäße günstig liegen, operieren Ärzte am schlagenden Herzen, was das Operationsrisiko senkt. Bei der OPCAB-Methode wird der Brustbeinbereich geöffnet, bei der minimal-invasiven MIDCAB-Methode nur die Rippen.
Wie lange dauert die Erholung?
Ein bis drei Tage auf der Intensivstation, danach ein bis zwei Wochen auf Normalstation mit Aufbautraining unter Anleitung eines Krankengymnasten. Anschließend folgt eine mindestens dreiwöchige Anschlussbehandlung. Für einige Tage bleiben Drainagen und Herzschrittmacherkabel im Körper.
Wie hoch sind die Risiken?
Möglich sind Nachblutungen, Wundinfektionen, Herzrhythmusstörungen, eine Schwächung der Herzfunktion und Herzinsuffizienz. Etwa zwei Prozent erleiden durch Blutgerinnsel einen Schlaganfall, rund fünf Prozent einen Herzinfarkt. Etwa ein Prozent der Operierten verstirbt während des Eingriffs, besonders gefährdet sind Patienten mit bereits vorher eingeschränkter Herzfunktion. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen vollständig.