Chirurgische Eingriffe an Blase und Harnröhre: wenn eine Blasenspiegelung unerlässlich ist
Leiden Patienten und Patientinnen unter einer gestörten Funktion der Blase oder Harnröhre, empfehlen Ärzte zumeist eine Blasenspiegelung. Durch diesen Eingriff – auch als Zystoskopie bezeichnet – betrachten Mediziner das Harnsystem von innen. Krankhafte Befunde werden nicht nur erkannt, sondern möglicherweise auch gleich behandelt. In aller Regel nehmen Urologen eine Blasenspiegelung bei folgenden Beschwerden und Verdachtsmomenten vor:
- nicht identifizierbare Beschwerden beim Wasserlassen
- wiederkehrende Entzündungen an der Harnblase
- nachgewiesene Blutspuren im Urin
- Verdacht auf Harnblasentumor

Zusätzlich zur Untersuchung auf krankhafte Veränderungen ist es über eine Zystoskopie möglich, Gewebeproben zu entnehmen und diese feingeweblich kontrollieren zu lassen. Ist der Eingriff aus therapeutischer Sicht notwendig, nehmen Urologen zumeist Entfernungen von Blasentumoren oder Blasensteinen bzw. innere Harnröhrenschlitzungen bei männlichen Patienten mit verengter Harnröhre vor.
Wann führen Urologen einen Eingriff an der Harnröhre oder Blase durch?
Urologen erachten eine therapeutische Notwendigkeit für eine Harnröhrenschlitzung als notwendig, falls ein berechtigter Verdacht auf eine verengte Harnröhre besteht. Löst dieser Engpass einen Harnstau in der Blase aus, müssen Betroffene schlimmstenfalls mit chronischen Harnwegsentzündungen rechnen. Möglicherweise erschlafft die Blasenmuskulatur durch die stetige Überdehnung. Dieser Zustand verursacht eventuell einen dauerhaften Schaden an den Nieren. Bei Blasensteinen wird das Verfahren ebenfalls angewandt.
Falls die Eingriffe an Blase und Harnröhre unbedingt unter Vollnarkose vorgenommen werden sollen, müssen Ärzte im Vorfeld die Narkosefähigkeit der Patienten überprüfen. Möglicherweise findet die OP nicht statt, wenn Bedenken für eine Durchführung der Narkose bestehen. Gerinnungsstörungen sind weitere mögliche Gründe, bei denen Mediziner von der Behandlungsmethode abraten. Nur in Ausnahmefällen sind anatomische Gegebenheiten ein Grund für die Unmöglichkeit des operativen Eingriffs.
Die richtige Vorbereitung auf die Operation
Bevor sich Urologen dem gesundheitlichen Problem durch einen Eingriff zuwenden, führen Arzt und Patient ein Beratungsgespräch. Ziel dieser Unterhaltung ist es, alle offenen Fragen rund um die Behandlung zu klären sowie Betroffene auf mögliche Risiken hinzuweisen. Ein wichtiges Thema dieses Gesprächs betrifft die Vorbereitung auf den Eingriff. Mediziner müssen ihre Patienten unbedingt darauf hinweisen, dass sie ab spätestens sechs Stunden vor der Operation nüchtern bleiben müssen. Eine Einnahme von fester Nahrung, Kaugummis oder Nikotin ist ab diesem Zeitpunkt strengstens untersagt. Auf klare Flüssigkeiten müssen Patienten spätestens ab zwei Stunden vor der Anästhesie verzichten.
Einzelheiten zu den chirurgischen Eingriffen
Die Form der Anästhesie orientiert sich an der beabsichtigten Behandlung. Im Regelfall entscheiden sich Ärzte für eine der beiden Betäubungsmethoden:
- lokale Betäubung
- Vollnarkose
Die Dauer der Operation hängt vom individuellen Krankheitsbild ab. Die Zeitspanne reicht für gewöhnlich von 10 bis 30 Minuten. Zu Beginn müssen Patienten auf einem Untersuchungsstuhl Platz nehmen. Nach einer Desinfektion des Harnröhreneingangs sowie umliegendem Gewebe wird Gleitmittel in die Harnröhre eingeführt. Dieses Gleitmittel verfolgt parallel den Zweck, die Schleimhaut lokal zu betäuben. Die Blasenspiegelung beginnt nach mehrminütiger Einwirkzeit. Das Zystoskop wird als Behandlungsinstrument eingesetzt und entweder als starres bleistiftdickes oder flexibles mehrkanaliges Rohr verwendet. Die Instrumente werden bei stetiger Sicht über die Harnröhre vorsichtig bis zur Harnblase befördert.
Wird das Instrument bis in die Harnblase vorgeschoben, leiten Ärzte automatisch eine keimfreie Flüssigkeit bis zur Harnröhre vor. Diese Flüssigkeit erfüllt den Zweck, die Platzverhältnisse an der Blase sowie Harnröhre zu erweitern und besser in das Harnareal einzusehen. Bei männlichen Patienten bietet diese Prozedur die Gelegenheit, die Prostatagröße objektiv einschätzen zu können.
Zystoskopie bei Frauen und Männern
Bei Frauen ist die Blasenspiegelung wesentlich unkomplizierter als bei Männern. Denn bei Patientinnen ist der Verlauf der Harnröhre wesentlich kürzer und gerade. Die Harnröhre von Männern ist bis zu fünfmal länger als bei Frauen und zudem gebogen. Beschwerlich ist der enge Bereich der Prostata, der während der Untersuchung passiert werden muss. Deshalb ist es für Betroffene besonders wichtig, im Vorfeld einen versierten und erfahrenen Urologen auszuwählen. Werden an der Blasenschleimhaut Polypen diagnostiziert, entfernt der Operateur das Gewebe unter Sicht. Zudem hat die Zystoskopie die Funktion, Fremdkörper aus der Blase zu beseitigen.
Harnröhrenschlitzung
Besondere Achtung ist bei der Harnröhrenschlitzung gefragt, bei der ein Spezialinstrument bis zur Harnröhren-Engstelle befördert wird. Das Instrument enthält ein kleines Messer, mit dessen Hilfe die Engstelle geöffnet wird. Diese Öffnung wird so weit geführt, bis der Harn aus der Harnröhre wieder problemlos abfließen kann. Da die durch die Spiegelung entstehende Wunde so klein ist, muss das operierte Körperareal anschließend auch nicht vernäht werden. Der Heilungsprozess wird begünstigt, indem ein Katheter für einen gewissen Zeitraum zur Harnableitung eingelegt wird.
Die richtige Nachsorge nach den Eingriffen an der Harnröhre und der Blase
Möglicherweise wird die Zystoskopie ambulant durchgeführt. Dennoch dürften Patienten die Arztpraxis erst nach einigen Stunden verlassen, wenn die Narkose bereits nachgelassen hat. Da es vermutlich jedoch bis zum nächsten Tag dauert, bis die Wirkung der Anästhesie komplett verflogen ist, sollte nach Möglichkeit innerhalb der ersten 24 Stunden eine Aufsichtsperson verfügbar sein. Diese Aufsichtsperson dient als Begleitung, da das eigenständige Fahren eines Autos oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ohne Begleitperson am Tag der OP untersagt ist. Sinnvoll ist es deshalb, sich nach dem Eingriff von Bekannten abholen zu lassen oder zumindest ein Taxi zu nutzen.
Wurde den Betroffenen ein Blasenkatheter eingelegt, werden behandelnde Mediziner den Umgang damit genau erklären. Ärzte raten dazu, nach der Behandlung überdurchschnittlich viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Durch diese Maßnahme werden durch die Behandlung verschleppte Keime wieder ausgespült.
Gesundheitliche Risiken der Behandlung
Gesundheitliche Komplikationen sind nach der Zystoskopie nicht ausgeschlossen. Das Risiko, dass gesundheitlich bedenkliche Komplikationen eintreten, ist zwar sehr gering. Dennoch kann kein Arzt einen reibungslosen Verlauf garantieren. Folgende Begleiterscheinungen sind möglich:
- Infektionen
- Verletzungen an der Blase oder ableitenden Harnwegen
- Reizungen der Blase oder Harnröhre
- Schmerzen beim Wasserlassen
- Blutungen (einschließlich Rotfärbung des Urins)
- vorübergehende Blasenschwäche (einschließlich unkontrollierbarem Harnabgang)
Ein Eingriff an Blase und Harnröhre: Vor- und Nachteile
Einen Eingriff an der Blase oder Harnröhre führen Urologen nur bei medizinischer Indikation durch. Deshalb sollten Betroffene die Behandlung auf Anraten des Arztes unbedingt wahrnehmen. Die Risiken sind gering: falls diese auftreten, sind die Beschwerden in aller Regel einfach kontrollierbar.
Vorteile
- Eingriff kann ambulant und partiell auch unter lokaler Betäubung durchgeführt werden
- Nachsorgemaßnahmen sind auf ein Minimum beschränkt
- möglicherweise gibt Eingriff Aufschluss über weitere behandlungsbedürftige Krankheitsbilder
- möglicherweise trägt Zystoskopie zur Verbesserung der Lebensqualität bei
Nachteile
- bei reiner Diagnosestellung ist Eingriff nur ein Behandlungsschritt unter vielen
- bei einigen Behandlungsansätzen ist Einsatz von Vollnarkose unabdingbar