Die Endometriose: wenn die Gebärmutterschleimhaut gutartig erkrankt ist
Die Endometriose – auch als Endometriosis bekannt - ist durch eine Fehlposition der Gebärmutterschleimhaut gekennzeichnet. Erkrankte Frauen leiden an einer Gebärmutterschleimhaut, die außerhalb der Gebärmutter gelegen ist. Die Schleimhaut ist als sogenanntes ektopes Gewebe gekennzeichnet, das sich nicht am richtigen Platz befindet. Allerdings reagiert das Gewebe auf hormonelle Einflüsse ebenso wie das gesunde Innere der Gebärmutter. Deshalb vollzieht sich auch an diesen Gewebeteilen die Regelblutung. Die Folge der Endometrioseherde sind unterschiedliche gesundheitliche Probleme, die häufig behandelt werden müssen. Deshalb müssen sich Patientinnen häufig einer operativen Behandlung unterziehen.

Ursachen der Erkrankung
Bis heute können Mediziner keine definitive Ursache für Endometriose bestimmen. Allerdings vermuten Gynäkologen mehrere Theorien, die möglicherweise ineinander übergreifen. Eine dieser Theorien besagt, dass die fehlpositionierte Gebärmutterschleimhaut – das sogenannte Endometrium - möglicherweise schon im Embryonalstadium entstanden ist. Anderenfalls haben sich eventuell Teile aus der Schleimhaut gelöst und über den Blutkreislauf oder die Geschlechtsorgane verstreut. Zusätzlich kann das Gewebe möglicherweise durch ärztliche Eingriffe wie eine Ausschabung oder einen Kaiserschnitt verschleppt werden. Zudem ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass eine Umwandlung von Körperzellen in Gebärmutterschleimhautzellen erfolgt.
Gegenanzeigen für eine OP der Endometriose
Als technisch schwierig erweist sich die Operation bei sehr übergewichtigen Patientinnen. Mussten Betroffene bereits mehrere Voroperationen im Bauchraum über sich ergehen lassen, ist eine Laparoskopie nicht empfehlenswert. In diesem Fall legen Ärzte einen Bauchschnitt nahe. Bei folgenden Krankheitsbildern raten Fachärzte von der Durchführung der OP ab:
- Verdacht auf bösartige Erkrankungen
- spezielle internistische Vorerkrankungen mit eingeschränkter Herz-Lungen-Funktion (zum Beispiel Angina pectoris, COPD oder koronare Herzkrankheit)
- Bauchfellentzündung (Peritonitis)
- gestörte Blutgerinnung (Koagulopathien mit Tendenz zur Blutungsneigung)
- Narben- und Nabelbrüche (Hernien)
- Hiatushernie (Lücke im Zwerchfell)
Vor der Operation: vorbereitende Schritte
Vor dem chirurgischen Eingriff führen Arzt und Patientin ein Aufklärungsgespräch, das beispielsweise über mögliche Komplikationen der Endometriose-OP informiert. Zudem erhalten Betroffene Hinweise auf die direkte Vorbereitung auf die Operation. Folgende Maßnahmen sind strikt einzuhalten:
- Absetzen von Medikamenten mit blutgerinnungshemmender Wirkung, zum Beispiel Marcumar oder Aspirin
- sechs Stunden vor Operation: auf Einnahme von fester Nahrung und trüben Flüssigkeiten verzichten
- zwei Stunden vor Operation: auf Einnahme von klaren Flüssigkeiten verzichten (einzige Ausnahme: Vorbereitungstablette mit einem Schluck Wasser)
Therapiemethoden im Überblick
Konservative Therapie
Eine mögliche Option ist die konservative Therapie. Frauen unterziehen sich einer hormonell-medikamentösen Behandlung, die folgenden Zweck erfüllen soll:
- Beschwerden wie Unterbauchschmerzen werden gelindert
- Endometrioseherde werden verkleinert
- Endometrioseherde verschwinden komplett
Dieses Verfahren wird häufig mit einer Operation kombiniert. Ein Vorteil der Hormontherapie ist, dass auch extrem kleine Gewebeteile behandelt werden können.
Operative Therapie
Das operative Verfahren wird unter Vollnarkose durchgeführt. Häufig nehmen Chirurgen eine Bauchspiegelung – die Laparoskopie – vor, indem ein kleiner Schnitt am Bauchnabel gesetzt und anschließend ein Laparoskop mit einer Videokamera in den Bauchbereich eingeführt wird. Falls weitere Instrumente für den operativen Eingriff notwendig sind, werden diese Geräte über weitere Einschnitte in den Bauchraum befördert. Auf einem Monitor überwacht der Frauenarzt das operierte Körperareal in Echtzeit. Darauf basierend, werden Entscheidungen über etwaig erforderliche Maßnahmen gefällt. Im Bedarfsfall wird ein chirurgisches Instrument über die Scheide bis zur Gebärmutter eingeführt, damit die Gebärmutter behandelt werden kann. Im Rahmen dieser diagnostischen Bauchspiegelung diagnostiziert ein Operateur eventuell vorhandene Endometrioseherde.
Häufig tritt der Fall ein, dass die Therapie bereits im Rahmen dieses operativen Verfahrens vorgenommen wird. Für die Behandlung der Herde stehen folgende Varianten zur Wahl:
- manuelle Beseitigung der Endometrioseherde
- Herde werden verödet bzw. verkocht (durch Verwendung von Strom, Hitze oder Laserstrahlen)
Liegt ein ausgedehnter Befund vor, ist ein Bauchschnitt – die sogenannte Laparotomie – erforderlich. Weiterhin können in Abhängigkeit der individuellen Erfordernisse Endometrioseherde auf mikrochirurgischer Basis aus dem Eileiter oder Eierstock beseitigt werden. Falls erforderlich, sind Schäden an den Organen auf diese Weise behandelbar. Nach der erfolgten Operation wird der Bauchraum mit einer Drainage versorgt, um Wundflüssigkeit abzuleiten. Dieser Schlauch darf nach wenigen Tagen beseitigt werden.
Nach der Operation: postoperative Maßnahmen
In Abhängigkeit des individuellen Befundes ist die Operation ambulant durchführbar. Patientinnen dürfen die Praxis oder Klinik jedoch erst dann verlassen, wenn sie sich fit genug dafür fühlen. Folgende Handlungen sind am OP-Tag untersagt:
Ärztlich empfohlene Kontrolltermine sind akribisch genau wahrzunehmen. Treten mögliche Zeichen für eine Komplikation auf, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.
Komplikationen und Risiken der Endometriose-Operation
Gesundheitliche Probleme sind bei einer Endometriose-OP oder Bauchspiegelung nicht gänzlich ausgeschlossen.
Andere Risiken können wie folgt auftreten:
- Schädigungen der Bauchorgane durch Verwendung medizinischer Instrumente
- Nervenverletzungen
- Nachblutungen
- Blutungen
- Bauchfellentzündung
- Darmverschluss
- Wundheilungsstörungen
- Narbenbildung (verbunden mit ästhetischen oder funktionellen Auswirkungen)
- Narbenbrüche an der Bauchdecke
- Streuung des erkrankten Endometriosegewebes (verursacht durch Riss im Bauchraum oder einer Zyste)
- allergische Reaktionen
Generell stufen Mediziner den Eingriff dennoch als sehr sicheres Verfahren ein.
Wie hoch sind die Erfolgsaussichten der Behandlung der Endometriose?
In vielen Fällen können die Krankheitsherde oder andere Symptome vollständig oder weitgehend komplett entfernt werden. Problematisch sind besonders kleine Gewebeteile, die operativ eher selten zu 100 Prozent beseitigt werden können. In diesem Fall bedarf es der Kombination mit einer medikamentösen Behandlung. Möglicherweise ist nach einer Therapie mit Pharmazeutika eine weitere Operation nötig, damit existente Herde beseitigt oder möglicherweise entstandene Schäden behoben werden können. Eine erfolgreiche Endometriose-Operation bietet keine Garantie dafür, dass die Gewebeteile wie Zysten nicht wieder erneut auftreten oder wiederum Schmerzen entstehen.
Vor- und Nachteile der Operation der Endometriose
Endometriose ist eine Erkrankung mit unangenehmen Begleiterscheinungen. Beispielsweise führt die Krankheit bei zahlreichen Frauen zu einer ungewollten Kinderlosigkeit. Wer unter Endometriose leidet und eine Schwangerschaft plant, sollte sich auf Anraten der Ärzte der Behandlung unterziehen.
Vorteile
- mehrere Behandlungsansätze mit guten Erfolgsaussichten
- bei bestehender medizinischer Notwendigkeit übernehmen Krankenversicherungen die Behandlungskosten
- Eingriff ist unter Umständen ambulant durchführbar
- überschaubare postoperative Maßnahmen
Nachteile
- erfolgreiche Operation garantiert nicht, dass Erkrankung nicht wieder entsteht
- chirurgischer Behandlungserfolg nicht 100%ig planbar
- mögliche Komplikationen führen zu massiver Beeinträchtigung des Heilungsverlaufs
Häufige Fragen zum Thema Endometriose
Was passiert bei einer Endometriose?
Gebärmutterschleimhaut siedelt sich außerhalb der Gebärmutter an, besonders häufig an Eileitern oder Eierstöcken. Dieses fehlplatzierte Gewebe reagiert genauso auf Hormone wie die gesunde Schleimhaut, es blutet also mit der Regel mit. Beschwerden treten deshalb nur während der Geschlechtsreife vom 15. bis 50. Lebensjahr auf.
Woher kommt die Erkrankung?
Eine eindeutige Ursache kennen Mediziner bis heute nicht. Diskutiert werden mehrere Theorien: eine Entstehung bereits im Embryonalstadium, eine Verschleppung von Schleimhautteilen über Blutkreislauf oder Geschlechtsorgane, eine Verschleppung durch Eingriffe wie Ausschabung oder Kaiserschnitt sowie eine Umwandlung von Körperzellen in Gebärmutterschleimhautzellen.
Geht es ohne Operation?
Eine hormonell-medikamentöse Therapie kann die Beschwerden lindern und die Herde verkleinern oder ganz zum Verschwinden bringen. Häufig wird sie mit einer Operation kombiniert, denn sie erreicht auch sehr kleine Gewebeteile, die sich operativ kaum vollständig entfernen lassen.
Wie läuft die Operation ab?
Meist als Bauchspiegelung unter Vollnarkose: Über einen kleinen Schnitt am Bauchnabel führt der Arzt ein Laparoskop mit Videokamera ein, weitere Instrumente folgen über zusätzliche Einschnitte. Die Herde werden manuell entfernt oder mit Strom, Hitze oder Laser verödet. Bei ausgedehntem Befund ist ein Bauchschnitt nötig. Zum Ableiten von Wundflüssigkeit legt der Arzt eine Drainage, die nach wenigen Tagen wieder herauskommt.
Wann kommt eine Bauchspiegelung nicht in Frage?
Bei starkem Übergewicht wird sie technisch schwierig, nach mehreren Voroperationen im Bauchraum raten Ärzte zum Bauchschnitt. Gegen den Eingriff sprechen außerdem der Verdacht auf bösartige Erkrankungen, eingeschränkte Herz-Lungen-Funktion etwa bei Angina pectoris oder COPD, eine Bauchfellentzündung, Gerinnungsstörungen sowie Narben-, Nabel- und Zwerchfellbrüche.
Wie sind die Erfolgsaussichten?
In vielen Fällen lassen sich die Herde vollständig oder weitgehend entfernen. Sehr kleine Gewebeteile bleiben jedoch oft zurück, dann ist die Kombination mit Medikamenten nötig, manchmal auch eine weitere Operation. Eine Garantie, dass Zysten und Schmerzen nicht wiederkehren, gibt es nicht.
Welche Risiken bestehen?
Mediziner stufen den Eingriff als sehr sicher ein. Möglich sind dennoch Schäden an Bauchorganen durch die Instrumente, Nervenverletzungen, Blutungen und Nachblutungen, Bauchfellentzündung, Darmverschluss, Wundheilungsstörungen, Narbenbildung und Narbenbrüche sowie eine Streuung des erkrankten Gewebes.