Eine operative Entfernung der Gallenblase: Gründe und Methoden
Die Gallenblase ist ein Hohlorgan in Birnenform, das sich im rechten Oberbauch unterhalb der Leber befindet. Das Körperorgan verfolgt den Zweck, in der Leber produzierte Gallenflüssigkeit einzudicken und abzuspeichern. Das Fassungsvermögen variiert je nach Dehnungszustand zwischen 40 sowie 200 Millilitern an Flüssigkeit. Während des Verdauungsprozesses wird Gallenflüssigkeit an den Dünndarm übertragen. Besonders wichtig ist die Körperflüssigkeit, um Nahrungsfette aufzunehmen und zu verarbeiten. Entzündet sich die Gallenblase, wird diese Erkrankung zumeist durch Gallensteine hervorgerufen. Diese Entzündung bezeichnen Mediziner als Cholezystitis.

Was ist eine Gallenblasen-Entfernung?
Die operative Entfernung der Gallenblase – die sogenannte Cholezystektomie – wird deutschlandweit rund 200.000 Mal pro Jahr durchgeführt. Die geläufigste Methode ist das minimalinvasive laparoskopische Verfahren, das über einen kleinen Schnitt in die Bauchwand erfolgt. Vereinzelt entscheiden sich Chirurgen allerdings auch für die konventionelle Cholezystektomie, die offen-chirurgische OP-Variante.
Anwendungsgebiete für eine Beseitigung der Gallenblase
Verursacht eine entzündete Gallenblase Komplikationen, empfehlen Ärzte im Regelfall eine Cholezystektomie. Bei diesem Krankheitsbild führt die Behandlung normalerweise zum dauerhaften Heilungserfolg. Zusätzlich ist eine Gallenblasen-Beseitigung bei nachfolgenden Beschwerden sinnvoll:
- perforierte Gallenblase (zum Beispiel durch Unfall verursacht)
- biliodigestive Fisteln: Verbindungen zwischen Magen-Darm-Bereich und Gallenwegen
- Gallengang- oder Gallenblasentumore (Beseitigung als Bestandteil umfassender Operationen)
- in Gallenwegen aufkommende Steine, die zu Stau von Gallenflüssigkeit führen (Cholestase)
Diagnostiziert ein Arzt eine asymptomatische Cholezystitis ohne weitere Begleiterscheinungen, entfernen Chirurgen die Gallenblase zumeist nicht. Bei diesem Krankheitsbild bevorzugen Mediziner eine medikamentöse Behandlung.
Kontraindikationen der laparoskopischen Gallenblasen-Entfernung
Obwohl die Gallenblasen-Beseitigung relativ viele Behandlungsfelder abdeckt, dürfen Ärzte die laparoskopische Operation nicht in jedem Fall durchführen. Folgende Kontraindikationen verhindern eine Anwendung des minimalinvasiven Verfahrens:
- schwangere Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel (erschwerte Bedingungen für Einbringen des Gases und der Instrumente)
- Patienten, bei denen Ärzte Verwachsungen des Bauchraums vermuten
- bei bestehendem Verdacht auf Gallenblasentumor (gesteigertes Risiko für Aussaat der Metastasen in Bauchpartie)
- Betroffene mit Blutgerinnungsstörungen (effiziente Blutstillung ist bei laparoskopischer Technik viel schwerer als bei offener OP-Methode)
- bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankung (künstlich eingebrachte Luft erhöht Druck in Bauchraum; erschwerter Rückfluss des Bluts zum Herzen)
Vor der Gallenblasen-Operation: worauf achten?
Spätestens ab einer Woche vor der Operation sollten sich Patienten und Patientinnen keinen gesundheitsschädlichen Einflüssen aussetzen. Deshalb ist es wichtig, übermäßige Anstrengungen zu vermeiden und sich gesund zu ernähren. Erkältungen oder Magen-Darm-Infektionen gelten als mögliches Ausschlusskriterium für die OP. Zusätzlich weisen Ärzte darauf hin, dass Betroffene mindestens sechs Stunden vor der Operation keine Speisen mehr essen, Kaugummi kauen oder trübe Flüssigkeiten trinken sollten. Zwischen sechs und zwei Stunden vor dem Eingriff sind nur noch klare Flüssigkeiten erlaubt. Ein Verzicht auf Nikotin ab sechs Stunden vor der Operation ist unerlässlich. Medikamente dürfen ausschließlich nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.
Wie verläuft die Operation?
Zum heutigen Stand der Technik wird die Gallenblase über zwei verschiedene Behandlungsansätze beseitigt:
- offen-operative bzw. konventionelle Cholezystektomie
- minimalinvasive bzw. laparoskopische Gallenblasenentfernung
Konventionelle Operation
Nachdem Patienten eine Vollnarkose erhalten haben, wird die zu behandelnde Bauchpartie durch einen Schnitt unterhalb der rechten Rippen eröffnet. Daraufhin bindet ein Operateur die versorgende Arterie Arteria Cystica sowie den abzweigenden Gallengang Ductus Cysticus ab. Wurden die Arterie und der Gallengang durchtrennt, erfolgt im nächsten Schritt die Durchtrennung der Gallenblase. Zumeist wird die Einlage einer Wunddrainage vermieden.
Laparoskopische Operation
Die laparoskopische Cholezystektomie ist heutzutage die bevorzugte Behandlungsmethode zur Beseitigung einer Gallenblase. Hierbei kommt die sogenannte Schlüssellochchirurgie zum Einsatz. Dieses Verfahren ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
- über kleine Schnitte werden drei lange Instrumente sowie eine flexible Kamera in den Bauchraum eingeführt
- Instrumente sind von außen steuerbar
- Kamera überträgt Liveaufnahmen auf Monitor
- Erweiterung des Bauchraums durch Einpumpen von Kohlendioxid (zur Verbesserung der Sichtverhältnisse und Beweglichkeit)
Da der Schnitt in den Bauchraum bei der laparoskopischen Variante wesentlich kleiner als bei der konventionellen Prozedur ist, minimiert sich automatisch der Schmerzpegel nach der Operation. Neben kleineren Narben profitieren Patienten von kürzeren Krankenhausaufenthalten sowie einem ästhetisch ansprechenden Ergebnis. Neuesten Verfahrensansätzen zufolge entscheiden sich Chirurgen nur noch für einen Zugangsweg, durch den alle operativen Instrumente in den Bauchraum eingeführt werden. Alternativ nutzen Mediziner natürliche Körperöffnungen wie die Vagina oder den Magen-Darm-Bereich. Derartige Verfahrensweisen befinden sich aktuell jedoch noch im Erprobungsprozess.
Risiken des Eingriffs
Mediziner bezeichnen die Entfernung der Gallenblase als verhältnismäßig sicheres Verfahren. Dennoch ist ein komplett komplikationsfreier Eingriff nicht garantiert. Relativ selten treten nachfolgende Begleiterscheinungen auf:
- Infektionen
- Verletzungen
- Blutungen
Nach der OP: die Ernährungsumstellung
Der Umfang des Eingriffs sowie das individuelle Krankheitsbild beeinflussen den postoperativen Behandlungsansatz. Generell müssen Patienten jedoch eine mehrtägige bzw. mehrwöchige Genesungszeit sowie regelmäßige Konsultationen beim behandelnden Arzt einplanen. Grundsätzlich sollten operierte Personen bedenken, dass die für eine Fettverdauung erforderliche Gallenflüssigkeit zwar noch durch die Leber hergestellt, jedoch nicht mehr in der Gallenblase zwischengespeichert werden kann. Da die Flüssigkeit auch nicht mehr in größerem Umfang an den Darm abgegeben werden kann, müssen Patienten nach der Einnahme stark fetthaltiger Speisen mit gesundheitlichen Problemen wie Durchfällen rechnen. Deshalb müssen sich Betroffene langfristig an folgende Ernährungsgewohnheiten anpassen:
Die Gallenblasenbeseitigung: Vor- und Nachteile
Verursacht eine erkrankte Gallenblase gesundheitliche Probleme, ist eine operative Entfernung der Gallenblase ein sinnvoller Schritt. Nach einer erfolgreichen OP hat die Gallenblasen-Beseitigung eine Verbesserung des gesundheitlichen Wohlbefindens zur Folge. Deshalb ist die Effizienz der chirurgischen Behandlung medizinisch unumstritten.
Vorteile
- Wahlmöglichkeiten aus verschiedenen OP-Methoden
- erfolgreicher Eingriff verbessert Lebensqualität
- Operation wird als risikoarm eingestuft
- unterschiedliche Erkrankungen können durch Entfernung der Gallenblase behandelt werden
- Krankenversicherungen übernehmen Behandlungskosten
Nachteile
- dauerhafte Ernährungsumstellung nach Eingriff erforderlich
- Wechsel der OP-Methode innerhalb des Eingriffs ist nicht auszuschließen
- bestimmte Kontraindikationen schließen Operation aus
Häufige Fragen zum Thema Entfernung der Gallenblase
Wann muss die Gallenblase raus?
Vor allem, wenn eine entzündete Gallenblase Komplikationen verursacht, dann führt die Operation meist zur dauerhaften Heilung. Weitere Gründe sind eine perforierte Gallenblase, Fisteln zwischen Magen-Darm-Bereich und Gallenwegen, Tumoren an Gallenblase oder Gallengang sowie Steine, die den Abfluss der Gallenflüssigkeit stauen. Bei beschwerdefreier Entzündung behandeln Ärzte dagegen meist medikamentös.
Welche Operationsverfahren gibt es?
Bevorzugt wird die minimalinvasive laparoskopische Methode: Über kleine Schnitte kommen drei Instrumente und eine flexible Kamera in den Bauchraum, Kohlendioxid erweitert das Sichtfeld. Bei der konventionellen offenen Operation eröffnet der Chirurg den Bauch über einen Schnitt unterhalb der rechten Rippen. In Deutschland wird der Eingriff rund 200.000 Mal pro Jahr durchgeführt.
Warum ist die Schlüssellochmethode im Vorteil?
Der Schnitt ist deutlich kleiner, entsprechend geringer sind die Schmerzen nach der Operation. Dazu kommen kleinere Narben, ein kürzerer Krankenhausaufenthalt und ein ästhetisch ansprechenderes Ergebnis.
Wann ist die laparoskopische Methode ausgeschlossen?
Im letzten Schwangerschaftsdrittel, bei vermuteten Verwachsungen im Bauchraum und bei Verdacht auf einen Gallenblasentumor wegen der Gefahr, Metastasen zu streuen. Auch Blutgerinnungsstörungen sprechen dagegen, weil die Blutstillung schwieriger ist, ebenso Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da die eingebrachte Luft den Druck im Bauchraum erhöht. Ein Wechsel zur offenen Methode während der Operation ist nie ganz auszuschließen.
Wie lange dauert der Klinikaufenthalt?
Bei komplikationslosem Verlauf verlassen Patienten das Krankenhaus nach der konventionellen Operation spätestens nach fünf Tagen, nach dem laparoskopischen Eingriff früher. Klare Flüssigkeiten sind gleich nach der Operation erlaubt, mit leichter Kost geht es bereits am Tag danach los.
Muss ich meine Ernährung dauerhaft umstellen?
Ja. Die Leber produziert weiterhin Gallenflüssigkeit, gespeichert werden kann sie aber nicht mehr. Nach stark fetthaltigen Speisen drohen deshalb Durchfälle. Sinnvoll sind höchstens drei Gramm Fett pro Portion, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag, weniger Kaffee, Süßes, Fettiges und Milchprodukte sowie langsam mehr Ballaststoffe aus Gerste, Weizen und Roggen.
Wie hoch ist das Risiko?
Die Entfernung gilt als verhältnismäßig sicher, die Sterblichkeit liegt unter 0,1 Prozent. Selten kommt es zu Infektionen, Verletzungen oder Blutungen. Bei der konventionellen Methode ist die Komplikationsrate etwas höher, was Ärzte mit dem schwereren Krankheitsbild erklären, das diese Operation überhaupt erst erfordert.