Rachenmandeln operativ beseitigen: wenn Polypen die Gesundheit dauerhaft einschränken
Rachenmandeln sind Bestandteil des körpereigenen Immunsystems, die sich hinter der Nase im oberen Bereich des Zäpfchens befinden. Insbesondere bei Kindern ist eine vergrößerte Rachenmandel eine relativ häufig auftretende Erscheinung, die nicht zwangsläufig zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt. Dieser Zustand ändert sich, wenn eine vergrößerte Rachenmandel Symptome wie Schnarchen, eine behinderte Nasenatmung oder Dauerschnupfen verursacht. Zusätzlich wirken sich erkrankte Rachenmandeln – im Volksmund als „Polypen“ bezeichnet – negativ auf Nase sowie Ohr aus. Häufige Infektionen des Mittelohrs sowie Trommelfells sind die Folge. In diesem Fall empfehlen Ärzte eine operative Beseitigung der Rachenmandeln.

Welche Personen sind für eine Entfernung der Rachenmandeln geeignet?
Eine Entfernung der Rachenmandel – der medizinische Terminus lautet Adenotomie – empfiehlt ein HNO-Arzt dann, wenn eine übermäßig vergrößerte Rachenmandel folgende gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorruft:
- Behinderung der Nasenatmung
- Dauerschnupfen
- Schnarchen
Folgende Krankheitsbilder veranlassen Chirurgen bei gehäuftem Auftreten eventuell ebenfalls zu einer Rachenmandel-Operation:
- geschwollene Lymphknoten
- Kieferhöhlenentzündungen
- Mittelohrentzündungen einschließlich Schwerhörigkeit
- gehäuft auftretende Rachen- und Naseninfekte
Ein weiterer Grund für eine operative Beseitigung der Rachenmandeln ist das sogenannte Schlaf-Apnoe-Syndrom. Diese Erkrankung ist durch kurzzeitige Atemaussetzer im Schlaf gekennzeichnet. Typische Gegenanzeigen für die chirurgische Behandlung der Polypen sind Leukämie oder eine Agranulozytose, die durch verminderte Abwehrzellen im Blut festgestellt wird. Die OP kann nicht bei den Patienten und Patientinnen durchgeführt werden, die zum Zeitpunkt des Eingriffs an Fieber, Kinderkrankheiten oder einem akuten Infekt leiden. Ist die Narkosefähigkeit Betroffener zu stark eingeschränkt, raten Operateure oder HNO-Ärzte von der Rachenmandel-Entfernung ab.
Vor der Operation: Vorbereitungsmaßnahmen im Überblick
Spätestens sechs Stunden vor dem Eingriff sollten Jungen und Mädchen auf die Einnahme von Speisen und Getränken verzichten. Einige Anästhesisten erlauben es den jungen Patienten, bis zu zwei Stunden vor der OP klare Flüssigkeiten wie Wasser zu trinken. Der behandelnde Arzt sollte unbedingt darüber informiert werden, falls der Nachwuchs regelmäßig Medikamente einnehmen muss. Bei einigen Pharmazeutika wie blutverdünnenden Substanzen ist es notwendig, diese Arzneimittel einige Tage vor der Operation abzusetzen.
Rachenmandeln operativ entfernen: das chirurgische Verfahren
Adenotomie
Die operative Beseitigung der Mandeln erfolgt unter Vollnarkose. Im Regelfall dauert die Operation etwa 20 Minuten. Dieser Zeitansatz verlängert sich, wenn die OP durch ein Einsetzen von Paukenröhrchen oder einen Schnitt im Trommelfell ergänzt wird. Nach einer Einleitung der Anästhesie lagern Operateure den Kopf der Patienten zurück. Der Mund wird mit einem sogenannten Zugmesser – einer Art Spatel – offen gehalten. Im nächsten Schritt trägt ein Chirurg die Rachenmandel durch den Mund mithilfe eines Schabmessers ab. Alternativ verwenden Mediziner für diese Prozedur einen Laser. Eine Naht ist nicht erforderlich. Erfahrungsgemäß klingen auftretende Blutungen schnell ab.
Parazentese und Paukenröhrchen
Leiden Betroffene zusätzlich unter einer Mittelohrschwerhörigkeit, nehmen Chirurgen außerdem einen kleinen Schnitt im Trommelfell vor. Dieser Vorgang wird als Parazentese bezeichnet. Diese Maßnahme verfolgt den Zweck, eine verbesserte Belüftung des Mittelohrs wieder herzustellen. Ein Einsatz kleiner Paukenröhrchen im Trommelfell soll einen Abfluss des im Ohr befindlichen zähen Sekrets bewirken.
Was geschieht nach der Operation?
Auch wenn die OP im Normalfall ambulant erfolgt, dürfen die Kinder die medizinische Einrichtung nach dem Eingriff nicht sofort verlassen. Die Narkose muss so stark nachgelassen haben, dass die behandelten Kinder wieder ansprechbar sind und allein nach Hause gehen können. Dass die Jungen und Mädchen nach der Polypenentfernung schläfrig sind, ist vollkommen normal. Am Tag der OP gehört es zum Aufgabengebiet der Eltern, die Rachenhinterwand mit einer Taschenlampe sowie Holzspatel auf etwaig auftretende Blutungen zu kontrollieren. Diese Kontrollen erfolgen am Operationstag aller 30 Minuten und verlängern sich später auf eine Stunde.
Weiterhin begünstigen diese Verfahrensweisen den Heilungsprozess:
Ärztlich empfohlene Termine zur Nachkontrolle sind unbedingt einzuhalten. Durch Bluterbrechen oder Blutaustritt aus Nase bzw. Mund gekennzeichnete Nachblutungen sind stets ein medizinischer Notfall. Diese Nachwirkung bedarf einer sofortigen medizinischen Behandlung. Weiterhin raten Ärzte dringend an, bei starken Schmerzen oder Fieber einen Mediziner aufzusuchen.
Gesundheitliche Risiken der Rachenmandelbeseitigung
Generell stufen HNO-Ärzte und Chirurgen eine Rachenmandelentfernung als verhältnismäßig risikoarme Behandlung ein. Das heißt jedoch nicht, dass Komplikationen in jedem Fall ausgeschlossen werden können. Aus dem Grund informiert ein behandelnder Mediziner vor der Polypenbeseitigung über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen, die durch die Operation hervorgerufen werden.
- Infektionen
- Lungenentzündungen
- Schäden an der Haut oder Weichteilen
- Nachblutungen
- leichtes Näseln (bei Beseitigung sehr großer Rachenmandeln)
- Juckschmerz (in den ersten Tagen)
Nach etwa sieben Tagen wird der Wundschorf abgestoßen. Bedingt durch diesen Heilprozess ist es möglich, dass die Wunde erneut etwas bluten kann. War für eine eingeschränkte Nasenatmung ausschließlich die Rachenmandel verantwortlich, stellt sich eine Verbesserung dieses Zustands unmittelbar nach der Behandlung ein. Bei Folgekrankheiten wie einer Mittelohrentzündung oder Infektneigung dauert es zumeist länger, bis diese Erkrankungen nicht mehr auftreten. Es besteht ein geringes Grundrisiko dafür, dass die Polypen wieder nachwachsen. In diesem Fall raten Ärzte zu einem erneuten operativen Eingriff.
Rachenmandelentfernung: Vor- und Nachteile
Vergrößerte Rachenmandeln gelten als Auslöser für unterschiedliche Folgeerkrankungen. Werden die Polypen diagnostiziert, raten Ärzte in den meisten Fällen zu einer operativen Entfernung. Denn nach der OP verbessert sich das allgemeine Wohlbefinden betroffener Patienten und Patientinnen bei erfolgreichem Verlauf massiv.
Vorteile
- Durchführung der Operation erfolgt ambulant
- risikoarme chirurgische Behandlung
- Krankenkassen tragen Behandlungskosten
- deutliche Verbesserung des allgemeinen gesundheitlichen Zustands
Nachteile
- umfassende Nachsorgemaßnahmen beeinflussen Behandlungserfolg immens
- erneutes Nachwachsen der Rachenmandel kann nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden
- größte Behandlungserfolge bei Durchführung der Polypenbeseitigung im Kindesalter
Häufige Fragen zum Thema Entfernung der Rachenmandeln
Wann müssen Rachenmandeln entfernt werden?
Wenn die vergrößerte Rachenmandel die Nasenatmung behindert, Dauerschnupfen oder Schnarchen verursacht. Auch häufige Mittelohrentzündungen mit Schwerhörigkeit, Kieferhöhlenentzündungen, geschwollene Lymphknoten sowie wiederkehrende Rachen- und Naseninfekte sprechen dafür. Ein weiterer Grund ist das Schlaf-Apnoe-Syndrom mit kurzen Atemaussetzern im Schlaf.
In welchem Alter wird operiert?
Vorzugsweise im Kindesalter, denn ab der Pubertät schrumpfen die Polypen ohnehin. Kinder unter einem Jahr werden nur in Ausnahmefällen operiert, weil ihr Abwehrsystem noch nicht ausgereift ist.
Wann darf nicht operiert werden?
Bei Leukämie oder einer Agranulozytose mit verminderten Abwehrzellen im Blut. Auch Fieber, Kinderkrankheiten oder ein akuter Infekt zum Operationszeitpunkt schließen den Eingriff aus. Infekte müssen mindestens sieben Tage abgeklungen sein, die letzte Impfung 14 Tage zurückliegen. Bei stark eingeschränkter Narkosefähigkeit raten Ärzte ab.
Wie läuft die Operation ab?
Die Adenotomie erfolgt unter Vollnarkose und dauert etwa 20 Minuten. Der Kopf wird zurückgelagert, der Mund mit einem Zugmesser offen gehalten, dann trägt der Chirurg die Rachenmandel durch den Mund mit einem Schabmesser oder per Laser ab. Genäht werden muss nicht, auftretende Blutungen klingen erfahrungsgemäß schnell ab.
Was hat es mit den Paukenröhrchen auf sich?
Bei zusätzlicher Mittelohrschwerhörigkeit setzt der Chirurg einen kleinen Schnitt ins Trommelfell, die Parazentese, um das Mittelohr wieder besser zu belüften. Kleine Paukenröhrchen im Trommelfell sorgen dafür, dass das zähe Sekret aus dem Ohr abfließen kann. Der Eingriff dauert dadurch entsprechend länger.
Worauf müssen Eltern nach der Operation achten?
Am Operationstag sollte die Rachenhinterwand alle 30 Minuten mit Taschenlampe und Holzspatel auf Blutungen kontrolliert werden, später stündlich. Schlafende Kinder weckt man dafür nicht. Leichte Hochlagerung und Bettruhe in den ersten 24 Stunden senken das Blutungsrisiko deutlich. Bluterbrechen oder Blutaustritt aus Nase oder Mund ist ein medizinischer Notfall.
Was darf mein Kind nach dem Eingriff essen und tun?
In den ersten Tagen nur kühle, weiche Speisen, keine scharfkantigen Lebensmittel wie Chips oder Brötchen und nichts Heißes, stark Gewürztes oder Säurehaltiges. Acht Tage keine körperliche Anstrengung, keine heißen Bäder und kein Haarewaschen, Duschen mit lauwarmem Wasser ist erlaubt. Schule oder Kita pausieren drei bis vier Tage, vom Sportunterricht sind Kinder etwa 14 Tage befreit.
Welche Risiken bestehen?
Der Eingriff gilt als risikoarm. Möglich sind Infektionen, Lungenentzündungen, Schäden an Haut oder Weichteilen, Nachblutungen, leichtes Näseln bei sehr großen Rachenmandeln sowie Juckschmerz in den ersten Tagen. Nach etwa sieben Tagen löst sich der Wundschorf, dabei kann die Wunde noch einmal leicht bluten. Ein Nachwachsen der Polypen ist nicht völlig auszuschließen.