Die Gebärmutterentfernung: Ablauf und Methoden
Pro Jahr werden in Deutschland rund 150.000 Gebärmutterentfernungen durchgeführt. Insbesondere in den USA ist der Eingriff gang und gäbe. Dort hat ein Drittel aller über 60-jährigen Frauen die Operation bereits erfolgreich hinter sich gebracht.

Gründe für die operative Entnahme der Gebärmutter
Beweggründe für eine Gebärmutterbeseitigung gibt es viele. In 90 Prozent aller Fälle gelten gutartige Krankheitsbilder als ausschlaggebender Faktor für diese Maßnahme. Zahlreiche dieser Erkrankungen lösen massive Menstruationsbeschwerden aus. Die geläufigsten Krankheiten sind folgende:
- Endometriose
- Vorfall der Gebärmutter (Uterusprolaps)
- Myome (an der Gebärmutter auftretende Muskelgeschwülste)
Für Erkrankungen wie diese existieren zwar auch sanftere Behandlungsansätze als eine Organentnahme. Dennoch raten Mediziner bei zahlreichen Patientinnen zu diesem Schritt. Das Für und Wider der Gebärmutter-Operation sollten Patientin sowie Mediziner detailliert besprechen. Denn in einigen Fällen ist diese Maßnahme unabdingbar.
Die Gebärmutterbeseitigung – medizinische Fachtermini heißen Uterusexstirpation oder Hysterektomie – ist beispielsweise bei schweren Entzündungen oder Verletzungen der Gebärmutter notwendig. Die nachfolgenden Diagnosen dienen ebenfalls als Anhaltspunkt zur Durchführung der Entfernung:
- unstillbare Blutung nach einer Geburt
- Geschlechtsangleichung von Frau zu Mann für transsexuelle Patienten
- bösartige Erkrankung (Krebs an den Eierstöcken, am Gebärmutterhals oder Gebärmutterkörper)
Vorbereitende Schritte auf die OP
Vor der Operation führen Arzt und Patientin ein Aufklärungsgespräch durch. Die Funktion dieses Informationsgesprächs ist es, beispielsweise mögliche Risiken der Behandlung zu thematisieren. Müssen Patientinnen durch andere Erkrankungen regelmäßig Arzneimittel einnehmen, sollte der behandelnde Frauenarzt darüber informiert werden. Vor der OP in Vollnarkose sollten sich Betroffene an folgenden Vorschriften orientieren:
- sechs Stunden vor der Operation: Verzicht auf Nikotin, feste Nahrung und trübe Flüssigkeiten
- zwei Stunden vor der Operation: Verzicht auf klare Flüssigkeiten
Verfahrensweisen der Gebärmutterbeseitigung
Die Betäubungsform hängt von der individuell gewählten OP-Methode ab. Für die nachfolgenden Operationsformen sind diese Anästhesieverfahren wählbar:
- vaginale Hysterektomie: Vollnarkose oder regionale Anästhesie (wie Spinalanästhesie)
- abdominelle Uterusexstirpation: Vollnarkose
- laparoskopische Operationsmethode: Vollnarkose (keine Alternative möglich; Kohlendioxid wird in Bauchhöhle eingebracht; Gas kann die Atmung behindern)
Die Uterusexstirpation wird über mehrere unterschiedliche Verfahren durchgeführt. Die Wahl des geeigneten Behandlungsansatzes hängt vom individuellen Gesundheitszustand der Frau, möglicherweise zu erwartenden Komplikationen sowie der Erkrankung ab.
Vaginale Hysterektomie
Die vaginale Hysterektomie wird vorzugsweise bei gutartigen Veränderungen der Gebärmutter angewandt. Bei diesem Behandlungsansatz entnimmt ein Operateur die Gebärmutter durch spezielle Instrumente über die Scheide. Dieses Verfahren hat sich als sanfte Methode bewährt, durch die an der Bauchwand keine Narben entstehen. Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass die Scheide nicht zu eng ist. Dieser Eingriff ist insbesondere für Patientinnen schwierig, die keine Kinder geboren haben. Muss die Gebärmutter in mehreren Teilen aus dem Körper entfernt werden, bezeichnen Ärzte dieses Vorgehen als Morcellierung.
Abdominale Hysterektomie
Im Rahmen einer abdominalen Hysterektomie nimmt ein Arzt die Gebärmutterentnahme über einen Bauchschnitt vor. Ein Vorteil der Therapieform ist, dass der gesamte Bauchraum eingesehen und das Operationsgebiet im Bedarfsfall erweitert werden kann. Diese Erweiterung ist möglicherweise bei bösartigen Erkrankungen notwendig, die schon andere Organe befallen haben. Zudem ist diese Technik bei einer massiv vergrößerten Gebärmutter oder Verwachsungen empfehlenswert.
Laparoskopisch assistierte Hysterektomie
Die laparoskopisch assistierte Hysterektomie ist eine relativ moderne Operationsmethode. Ein Pluspunkt dieses minimal-invasiven Behandlungsansatzes ist es, dass eine zuerst nicht vaginal entfernbare Gebärmutter eventuell doch über die Scheide entnommen wird. Zuerst löst ein Chirurg die Gebärmutter im Rahmen einer Bauchspiegelung, um das Beckenorgan anschließend doch noch über die Vagina nach außen zu befördern. Ein größerer Bauchdeckenschnitt ist nicht notwendig. Kleine Schnitte, die dem Einsatz der Instrumente dienen, sind vollkommen ausreichend.
Laparoskopisch assistierte suprazervikale Hysterektomie
Der erste Schritt dieser Behandlungsform ist wiederum eine Bauchspiegelung. Im Anschluss entnehmen Ärzte die Gebärmutter nicht über die Scheide, sondern stückweise durch kleine Schnitte in der Bauchdecke. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass der Gebärmutterhals von dem Eingriff unberührt bleibt. Periodenblutungen treten weiterhin auf.
Postoperative Pflegemaßnahmen
Nach dem chirurgischen Eingriff ist es völlig normal, dass sich operierte Frauen noch benommen fühlen und an leichten Schmerzen leiden. Damit der Scheidenverschluss keinen unnötigen Belastungen ausgesetzt wird, ist Geschlechtsverkehr in den ersten sechs Wochen untersagt. Auf schwere körperliche Belastungen sollten Patientinnen im gleichen Zeitraum ebenfalls verzichten.
Studien haben belegt, dass Betroffene nach der Operation eine erhöhte Lebensqualität haben. Ein möglicher Libidoverlust oder Inkontinenz wird durch den Eingriff nicht ausgelöst.
Komplikationen des Eingriffs
Eine Hysterektomie birgt die klassischen Komplikationen einer Operation. Beispielsweise müssen Patientinnen auf diese Risiken aufmerksam gemacht werden:
- starke Blutungen
- Narkoseprobleme
- Verletzungen an benachbarten Organen
- Infektionen
- Wundheilungsstörungen
- Verwachsungen
- Nachblutungen
Nach der Hysterektomie: worauf müssen sich Patienten einstellen?
Nach der Gebärmutter-OP müssen betroffene Frauen mit Änderungen rechnen, die sich gravierend auf den Alltag und das eigene Körpergefühl auswirken. Einerseits können Patientinnen nach der Gebärmutterentnahme nicht mehr schwanger werden. Andererseits werden Frauen auch keine Regelblutung mehr haben. Bleibt im Rahmen der Operation mindestens ein Eierstock enthalten, regt dieses Beckenorgan auch zukünftig die Bildung von Geschlechtshormonen an. Werden aufgrund von Grunderkrankungen wie einem Tumor hingegen beide Eierstöcke entnommen, kann der Körper keine Geschlechtshormone mehr ausbilden. Wurde der Eingriff bei Frauen vor den Wechseljahren durchgeführt, leiden Betroffene nach der Beseitigung von beiden Eierstöcken an klassischen Symptome der Wechseljahre. Nehmen Beschwerden wie Hitzewallungen überhand, können die Beschwerden jedoch beseitigt oder zumindest minimiert werden.
In der Regel wirkt sich die Hysterektomie nicht auf das sexuelle Empfindungsvermögen aus. Dennoch gibt es keine Garantie dafür, dass die Gebärmutterentfernung keine psychischen Folgen hinterlässt. Aus diesem Grund ist es vor der Operation besonders wichtig, Patientinnen mit dem nötigen Einfühlungsvermögen aufzuklären. Eine psychologische Beratung ist bereits vor der chirurgischen Behandlung dabei behilflich, Ängste vor der Operation abzubauen und sich aktiv mit den Auswirkungen der Organbeseitigung auseinanderzusetzen.
Die Gebärmutter entfernen lassen: Vor- und Nachteile
Es gibt viele verschiedene Gründe, die Frauen zu einer Gebärmutterentfernung bewegen. Neben gesundheitlichen Gründen überzeugt insbesondere eine Tatsache die Frauen zu dieser Entscheidung: die Lebensqualität soll sich nach der Gebärmutterbeseitigung merklich verbessern.
Vorteile
- Verbesserung der Lebensqualität (laut Studienergebnissen)
- keine Auswirkungen auf das sexuelle Empfindungsvermögen
- kein erhöhtes Risiko für Inkontinenz
- Wahlmöglichkeiten aus mehreren Behandlungsverfahren
- Gebärmutter-OP fungiert zum Teil als lebensrettende Maßnahme (bei Krebserkrankung)
Nachteile
- Resultat der Operation kann nicht rückgängig gemacht werden
- psychologische Belastung (durch Verlust eines Teils der Weiblichkeit) ist nicht ausgeschlossen
- verhältnismäßig langwierige Nachsorgemaßnahmen für optimalen Heilungsverlauf erforderlich
- Hormonhaushalt stellt sich (bei gleichzeitiger Entnahme beider Eierstöcke) um
Häufige Fragen zum Thema Gebärmutterentfernung
Aus welchen Gründen wird die Gebärmutter entfernt?
In 90 Prozent der Fälle wegen gutartiger Erkrankungen wie Endometriose, einem Vorfall der Gebärmutter oder Myomen, die oft massive Menstruationsbeschwerden auslösen. Weitere Gründe sind schwere Entzündungen oder Verletzungen, unstillbare Blutungen nach einer Geburt, eine Geschlechtsangleichung sowie Krebs an Eierstöcken, Gebärmutterhals oder Gebärmutterkörper. In Deutschland wird der Eingriff rund 150.000 Mal jährlich durchgeführt.
Welche Operationsmethoden gibt es?
Bei der vaginalen Hysterektomie entnimmt der Arzt die Gebärmutter über die Scheide, ohne Narben an der Bauchwand. Die abdominale Hysterektomie erfolgt über einen Bauchschnitt und erlaubt den Blick in den gesamten Bauchraum. Die laparoskopisch assistierte Hysterektomie löst die Gebärmutter per Bauchspiegelung und entnimmt sie anschließend doch vaginal. Bei der suprazervikalen Variante bleibt der Gebärmutterhals erhalten.
Wann ist die vaginale Methode nicht geeignet?
Wenn die Scheide zu eng ist, was vor allem Frauen betrifft, die keine Kinder geboren haben. Bei bösartigen Veränderungen scheidet sie ebenfalls weitgehend aus, weil der Chirurg dabei nicht den gesamten Bauchraum einsehen kann. Bei stark vergrößerter Gebärmutter oder Verwachsungen empfiehlt sich der Bauchschnitt.
Was ändert sich nach der Operation?
Eine Schwangerschaft ist nicht mehr möglich, und die Regelblutung bleibt aus. Bleibt mindestens ein Eierstock erhalten, produziert der Körper weiter Geschlechtshormone. Werden beide entnommen, treten bei Frauen vor den Wechseljahren typische Wechseljahresbeschwerden auf, die sich behandeln lassen. Bei der suprazervikalen Methode bleiben Periodenblutungen bestehen.
Leidet das Sexualleben darunter?
In der Regel nicht. Studien zufolge steigt die Lebensqualität nach der Operation sogar, ein Libidoverlust oder eine Inkontinenz werden durch den Eingriff nicht ausgelöst. Psychische Folgen sind trotzdem nicht ausgeschlossen, deshalb ist eine einfühlsame Aufklärung wichtig, bei Bedarf auch eine psychologische Beratung vor der Operation.
Wie lange muss ich mich schonen?
Damit der Scheidenverschluss nicht belastet wird, ist Geschlechtsverkehr in den ersten sechs Wochen untersagt. Im selben Zeitraum sollten Frauen auf schwere körperliche Belastungen verzichten. Benommenheit und leichte Schmerzen direkt nach dem Eingriff sind normal.
Welche Komplikationen sind möglich?
Starke Blutungen und Nachblutungen, Narkoseprobleme, Verletzungen benachbarter Organe, Infektionen, Wundheilungsstörungen und Verwachsungen. Wie hoch das Risiko ausfällt, hängt vom Zustand der Patientin und vom gewählten Eingriff ab. Wichtig zu wissen: Das Ergebnis der Operation lässt sich nicht rückgängig machen.