Einer Krebserkrankung vorbeugen: mit einer Gewebeentnahme am Gebärmutterhals
Im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchung entnimmt ein Gynäkologe mithilfe eines Tupfers Zellproben des Gebärmutterhalses – dem Zervix – sowie des Muttermunds, dem Portio. Der Zellabstrich der Biopsie – auch als PAP-Abstrich bezeichnet – wird von einem Pathologen kontrolliert. Dieser Facharzt für Pathologie versieht die Zellen der Gewebeprobe mit einem speziellen Farbstoff. Eine Kontrolle unter dem Mikroskop folgt. Erscheint der Befund fragwürdig oder sind gar krebsartige Zellveränderungen mit Hinweis auf Gebärmutterhalskrebs erkennbar, ist eine Weiterbehandlung durch den Frauenarzt erforderlich. Möglicherweise empfiehlt der Mediziner eine Konisation. Im Rahmen dieser Behandlung wird ein kegelförmiges Gewebeteil des Gebärmutterhalses entnommen.

Wann sollten Patientinnen den Eingriff durchführen lassen?
Die Gewebeentnahme – Fachärzte bezeichnen das Verfahren als Konisation – wird aus medizinischer Sicht den Patientinnen empfohlen, deren Zellproben nach dem PAP-Abstrich mehrfach suspekt erscheinen. In diesem Fall verfolgt die Entnahme des Gewebes einen diagnostischen Zweck. Diagnostizieren Pathologen über den Zellabstrich bereits ein frühes Krebsstadium, gilt die Konisation bereits als erster Schritt der Therapie.
Eine mögliche Kontraindikation besteht bei Frauen, deren Zellveränderungen vermutlich auf einer Entzündung basieren. Bei diesem Krankheitsbild raten Gynäkologen dazu, zuerst die Infektion zu behandeln.
Vorbereitende Schritte vor der Entnahme des Gewebes am Gebärmutterhals
Bevor das Gewebe entnommen wird, führen Ärzte eine weitreichende gynäkologische Kontrolle durch. Diese gynäkologische Untersuchung bezieht sich beispielsweise auf Kolposkopie. Im Rahmen dieser medizinischen Untersuchung begutachtet ein Gynäkologe die Scheide sowie Gebärmutter mit einer Art Lupe mit bis zu 40-facher Vergrößerung.
Anschließend werden die Patientinnen auf ihre Narkosefähigkeit hin überprüft. Am Tag der chirurgischen Behandlung sollten Betroffene mindestens sechs Stunden lang nicht geraucht, nichts gegessen und getrunken sowie keinen Kaugummi gekaut haben. Sind die Frauen regelmäßig auf Medikamente angewiesen, dürfen diese möglicherweise wie gewohnt nach Absprache mit dem Anästhesisten eingenommen werden.
Die Gewebeentnahme am Gebärmutterhals: der Verfahrensablauf
Normalerweise dauert die Gewebeentnahme nicht länger als 20 bis 30 Minuten an. Falls nicht anders verordnet, erfolgt die Behandlung unter Vollnarkose. Das Betäubungsverfahren wird eingeleitet, sobald die Frauen auf dem gynäkologischen Stuhl gelagert werden. Zeigt die Vollnarkose ihre Wirkung, werden Schamlippen, Scheide sowie ein Teil der Oberschenkel mit einer Jodlösung desinfiziert. Daraufhin führt ein Gynäkologe ein Spekulum – ein Untersuchungsinstrument in der Form eines Hohltrichters – in die Scheide ein, um den Muttermund abzubilden.
Mithilfe des spezifischen Instrumentariums wird der Muttermund in der gewünschten Position gehalten und langsam geweitet. Nun entnimmt ein Arzt ein spitz zulaufendes Gewebeteil in Form eines kleinen Kegels, das die suspekten Schleimhautareale sowie einen Teil des gesunden Gewebes umfasst. Hegen Frauen nach der Behandlung noch immer einen Kinderwunsch, wird der Kegel möglichst flach entnommen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass der Muttermund bei einer nachfolgenden Schwangerschaft noch immer seiner Funktion gerecht wird. Erfolgt die chirurgische Therapie nach der Menopause, entscheiden sich Frauenärzte zumeist für einen spitzeren Kegel. Mediziner differenzieren zwischen zwei Methoden, die zum Herausschneiden des Kegels in Frage kommen.
Behandlung mit CO2-Laser
Mit einem CO2-Laser wird das fragwürdige Gewebe entnommen, indem das in Zellen enthaltene Wasser binnen kürzester Zeit erhitzt wird. Über dieses Verfahren wird die Gewebestruktur gezielt geschädigt. Dennoch wird Nachbargewebe neben der Schnittführung nicht in Mitleidenschaft gezogen. Weil der Laser automatisch kleine Blutgefäße verschmort, ist das Blutungsrisiko sehr gering. Im Bedarfsfall besteht die Möglichkeit, dass die Wunde über eine elektronische Kugelelektrode verschorft wird. Ein Minuspunkt dieses Behandlungsansatzes ist, dass Schnittränder für eine Untersuchung nicht mehr zurate gezogen werden können. Deshalb ist dieses Verfahren nicht für jede Patientin geeignet.
Behandlung mit einem Skalpell
Zu einer Therapie mit einem Skalpell raten Ärzte unter folgenden Bedingungen an:
- veränderte Ränder sind nicht gut einsehbar
- falls bereits ein Frühkarzinom diagnostiziert wurde
In diesem Fall wird die Wundfläche ebenfalls elektrisch verkocht. Möglicherweise muss die Wunde vernäht werden, um die Blutung zu stillen.
Beide Methoden haben gemeinsam, dass der verbliebene Gebärmutterhals nach der Operation ausgeschabt wird. Für diese Behandlung der Gebärmutterhöhle verwenden Ärzte eine Kurette, ein Instrument in Löffelform mit scharfen Rändern. Wurde das Gewebe aufgefangen und mit Formaldehyd fixiert, wird es für eine weitere Überprüfung an den Pathologen versandt. Leiden Patientinnen unter starken Wundblutungen, wird die Scheide mit einer Tamponade versorgt. Diese Mullbinde wird nach ein bis zwei Tagen durch einen Gynäkologen entfernt.
Postoperative Schritte nach der Konisation
Auch im Rahmen einer ambulanten Therapie dürfen Patientinnen den Heimweg erst antreten, wenn sie sich fit genug für den Heimweg fühlen. Es dauert einige Stunden, bis die Wirkung der Narkose nachlässt. Deshalb gelten für den Tag der OP folgende Empfehlungen:
In der ersten Woche nach Operation erfolgen möglicherweise Blutungen, die jedoch wesentlich schwächer als die Monatsblutung sind. Bei einer starken Blutung versorgt ein Arzt die Scheide mit einer Tamponade. Am achten oder neunten Tag tritt möglicherweise eine erneute Blutung auf. In diesem Zeitraum löst sich der Wundschorf. Deshalb ist es erforderlich, dass sich Patientinnen bis zu diesem Zeitpunkt schonen.
Der Genesungsprozess wird ebenfalls durch diese Maßnahmen begünstigt:
Einfaches Duschen ist bereits am Tag nach der Operation erlaubt. Bei einem normalen Behandlungsverlauf nehmen Ärzte den ersten Kontrolltermin nach vier Tagen vor. Zu diesem Termin wird bereits das Resultat der feingeweblichen Probe besprochen. Etwaig erforderliche Maßnahmen können eingeleitet werden. Eine sofortige Kontaktaufnahme ist notwendig, falls die Körpertemperatur auf über 38 Grad Celsius ansteigt oder starke Blutungen auftreten.
Wie riskant ist die Gebärmutterhals-Gewebeentnahme?
Generell stufen Mediziner die Gewebeentnahme am Gebärmutterhals als risikoarme Prozedur ein. Deshalb erfolgt der Eingriff normalerweise ambulant. Relativ häufig treten Nachblutungen ein, die jedoch zumeist nicht lebensbedrohlich sind. Sehr selten leiden Patientinnen unter diesen Begleiterscheinungen:
- Thrombosen
- Entzündungen
- Verletzungen der Gebärmutter
Die Entnahme des Gewebes am Gebärmutterhals: Vor- und Nachteile
Eine Entnahme des Gebärmutterhals-Gewebes basiert jeweils auf einer medizinischen Notwendigkeit. Deshalb ist diese Operation keine medizinische Maßnahme, deren Vor- und Nachteile Patientinnen gegeneinander abwägen sollten. Bestenfalls rettet die Gewebeentnahme ein Menschenleben.
Vorteile
- Frauen erhalten Gewissheit über ihren gesundheitlichen Zustand
- erster Schritt, um weitere medizinisch notwendigen Maßnahmen einzuleiten
- Verfahren ambulant durchführbar
- Krankenversicherungen übernehmen Behandlungskosten
- risikoarmer Eingriff
Nachteile
- Nachsorgemaßnahmen sind relativ langwierig
- möglicherweise erster Schritt für weiteren Behandlungsweg
- Mediziner empfehlen Durchführung des Eingriffs unter Vollnarkose
Häufige Fragen zum Thema Gewebsentnahme Gebärmutterhals
Wann wird eine Konisation nötig?
Wenn die Zellproben des PAP-Abstrichs mehrfach auffällig erscheinen. Dann dient die Gewebeentnahme der Diagnose. Zeigt der Abstrich bereits ein frühes Krebsstadium, ist die Konisation zugleich der erste Behandlungsschritt.
Wann sollte der Eingriff verschoben werden?
Wenn die Zellveränderungen vermutlich auf einer Entzündung beruhen, wird zuerst die Infektion behandelt. Bei Schwangeren raten Ärzte, die Entnahme auf die Zeit nach der 30. Schwangerschaftswoche zu verlegen, weil das Kind bei einer ausgelösten Geburt dann bessere Überlebenschancen hat. Am besten liegt der Termin in der ersten Zyklushälfte nach der Regelblutung.
Wie läuft die Gewebeentnahme ab?
Sie dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten, meist unter Vollnarkose. Nach Desinfektion führt der Gynäkologe ein Spekulum ein, hält den Muttermund und weitet ihn langsam. Dann entnimmt er ein kegelförmiges Gewebestück, das die auffälligen Schleimhautareale und einen Teil gesunden Gewebes umfasst. Anschließend wird der verbliebene Gebärmutterhals ausgeschabt.
Laser oder Skalpell?
Der CO2-Laser erhitzt das Zellwasser, schont das Nachbargewebe und verschmort kleine Blutgefäße, wodurch das Blutungsrisiko sinkt. Nachteil: Die Schnittränder lassen sich anschließend nicht mehr untersuchen. Zum Skalpell raten Ärzte, wenn die veränderten Ränder schlecht einsehbar sind oder bereits ein Frühkarzinom festgestellt wurde.
Bleibt ein späterer Kinderwunsch möglich?
Ja. Besteht weiterhin Kinderwunsch, entnimmt der Arzt den Kegel möglichst flach, damit der Muttermund seine Funktion bei einer späteren Schwangerschaft behält. Nach der Menopause wählen Frauenärzte dagegen meist einen spitzeren Kegel. Für vier bis sechs Monate nach dem Eingriff ist sichere Empfängnisverhütung nötig.
Welche Blutungen sind danach normal?
In der ersten Woche schwächere Blutungen als bei der Monatsblutung. Am achten oder neunten Tag löst sich der Wundschorf, dann kann es erneut bluten, bis dahin sollten Frauen sich schonen. Auch eine Körpertemperatur um 38 Grad ist normal. Steigt sie deutlich darüber oder treten starke Blutungen auf, gehört man sofort zum Arzt.
Was ist in den ersten Wochen zu beachten?
Drei bis vier Wochen lang keine Tampons, kein Geschlechtsverkehr, kein Schwimmen und kein Baden. Auf Sport sollte wegen der erhöhten Nachblutungsgefahr verzichtet werden. Duschen ist bereits am Tag nach der Operation erlaubt. Der erste Kontrolltermin mit dem Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung folgt bei normalem Verlauf nach vier Tagen.