Hämorrhoiden operieren lassen: wenn der Stuhlgang zur Tortur wird
Hämorrhoiden – die moderne Schreibweise lautet Hämorriden – sind eine Gewebeform, die im äußersten Darmabschnitt in der Nähe des Darmausgangs entsteht. In diesem Bereich hat jeder Mensch das sogenannte Hämorridal-Geflecht, ein gut durchblutetes Gewebepolster in Ringform. Diese Polsterung verfolgt die Aufgabe, den Darm nach außen abzusichern. Dieses Polster ist mit einem Schwellkörper vergleichbar, der sich beim Stuhlgang entspannt und dafür sorgt, dass das Blut während dieses Vorgangs aus dem Hämorridalpolster abläuft. Nach dem Stuhlgang läuft das Blut wieder in die Hämorrhoiden zurück. Das Volumen des Gewebes vergrößert sich und verschließt den After effektiv. Gesundheitlich problematisch wird die Gewebestruktur dann, wenn sich diese Hämorrhoiden vergrößern.

Vergrößerte Hämorrhoiden: die wichtigsten Ursachen
Es gibt verschiedene Ursachen für vergrößerte Hämorrhoiden. Alle Ursachen haben zur Folge, dass das Gewebe in diesem Bereich ausleiert und knotenähnliche Gebilde entstehen. Der wichtigste Entstehungsgrund für vergrößerte Hämorrhoiden ist ein zu intensives Pressen und Nachpressen beim Stuhlgang. Dieser Vorgang tritt beispielsweise bei einer chronischen Verstopfung ein. Zusätzlich stufen Ärzte diese Krankheitsbilder und Zustände als potentielle Risikofaktoren ein:
- häufiges längeres Verweilen auf der Toilette
- chronischer Husten
- Schwangerschaft
- hohes Lebensalter
- Übergewicht
- flüssiger Stuhl, häufige Durchfälle
- genetisch bedingte Bindegewebsschwäche
Wann empfehlen Ärzte die Operation der Hämorrhoiden?
Bei folgendem Krankheitsbild raten Mediziner dringend zu einer OP der Hämorrhoiden, der sogenannten Hämorrhoidektomie:
- größere Gefäßknoten treten bei jeglicher körperlicher Belastung in Erscheinung
- Hämorrhoiden lassen sich immer schwerer zurückdrängen
Die Wahl des operativen Verfahrens hängt von der Ausprägung der Gefäße sowie der Gefährdung des Afterkanals ab. Hämorrhoiden werden nach mehreren Stadien untergliedert:
- Stadium I und II: weniger ausgeprägte Hämorrhoidalknoten
- Stadium III: vergrößerte Knoten müssen nach jedem Stuhlgang wieder zurückgedrängt werden
- Stadium IV: Gefäße lassen sich überhaupt nicht mehr zurückdrängen
Vor einer operativen Therapie der Hämorrhoiden testet ein Anästhesist die Narkosefähigkeit der Patienten. Bei speziellen Grunderkrankungen empfehlen Fachärzte im Normalfall andere Anästhesiemethoden. Ein Aufschub der Hämorrhoiden-OP ist bei einigen Grunderkrankungen wie einer nicht optimal eingestellten Diabetes sinnvoll.
Vor der Operation: Hinweise zur Vorbereitung
Lösen die vergrößerten Schwellkörper Blutauflagerungen auf dem Stuhl aus, empfiehlt der behandelte Arzt vor der Operation möglicherweise eine komplette Darmspiegelung. Durch diese Maßnahme soll sichergestellt werden, dass die Blutung keine Folge eines möglicherweise beginnenden Darmkrebses ist. Vor der Behandlung muss der komplette Darm von Darmresten gereinigt werden. Diese Darmsäuberung erfolgt über diese Maßnahmen:
- unmittelbar vor der OP durchgeführter Einlauf
- alternativ über spezielle Abführmaßnahmen mit besonderen Trinklösungen am Tag vor der Behandlung
Ist eine Hämorrhoiden-Operation durch Vollnarkose geplant, dürfen Patienten und Patientinnen sechs Stunden vor der Betäubung nichts mehr essen oder trübe Flüssigkeiten trinken. Spätestens zwei Stunden vor der Anästhesie müssen Betroffene auch von einer Einnahme klarer Flüssigkeiten absehen. Am Anästhesietag ist Rauchen strengstens untersagt. Wer morgens regelmäßig aus gesundheitlichen Gründen Arzneimittel einnehmen muss, sollte diese Anwendung mit einem Facharzt für Anästhesie absprechen.
Der Verfahrensablauf der Operation
Der Zeitansatz für die Behandlung von Hämorrhoiden richtet sich nach dem Ausmaß des Krankheitsbildes sowie der verwendeten Technik. Einige OP-Methoden dauern nur 15 Minuten an. Als Anästhesieverfahren kommen folgende Verfahrensweisen in Frage:
- Vollnarkose
- Epidural- oder Periduralanästhesie (in der Nähe des Rückenmarks)
- Lokalanästhesie (bei HAL-Methode)
Für eine Beseitigung der vergrößerten Gewebeknoten kommen unterschiedliche Techniken in Betracht. Generell legen Fachärzte wie Chirurgen heutzutage den Fokus darauf, die Haut um den Afterkanal besonders schonend zu behandeln. Durch diese Behandlungsansätze werden die durch eine Operation verursachten Schmerzen deutlich gelindert. Deshalb ist bei vielen OP-Ansätzen ein ambulanter Eingriff möglich.
Milligan-Morgan-Methode
Die Milligan-Morgan-Methode verfolgt den Zweck, das krankheitsbedingt vergrößerte Hämorrhoidalgewebe zu beseitigen. Diese Verfahrensweise kommt bei einzeln auftretenden Gefäßknoten in Betracht, indem einzelne Knoten hervorgezogen, umstochen und anschließend beseitigt werden. Zur Förderung des Heilungsprozesses sowie zum Abfließen des Wundsekrets bleibt die Wundregion offen. Wird die Wunde nach dem gleichen Behandlungsansatz vernäht, bezeichnen Mediziner diese Prozedur als Parks-Methode.
Methode nach Longo (Stapler-Hämorrhoiden-Operation)
Umfasst das Krankheitsbild Stadium III, legen Ärzte häufig eine Behandlung nach der Longo-Methode nahe. Bei dieser Vorgehensweise beseitigen Mediziner über eine ringförmige Klammernaht einen etwa drei Zentimeter breiten Streifen aus der Mastdarmschleimhaut. Durch diese Prozedur wird die Blutzufuhr zu den Hämorrhoidalknoten eingestellt. Das nunmehr vorgefallene Schleimhautgebiet wird gerafft und anschließend vernäht. Für diesen Behandlungsansatz benötigen Chirurgen einen sogenannten Stapler. Dieses Gerät in Fingerform klammert die Schleimhaut.
HAL-Verfahren
„HAL“ ist die Abkürzung für eine dopplersonographisch unterstützte Hämorrhoidalarterienligatur. Chirurgen führen eine Dopplersonographie via Ultraschall durch, um im sogenannten Hämorrhoidalkissen befindliche Gefäße im unteren Mastdarm aufzuspüren und diese per Faden abzuschnüren. Diese Maßnahme führt zu einer Trennung der Blutzufuhr. Nach einigen Wochen verkümmern die Gefäße. Eine Wunde entsteht in dem behandelten Bereich nicht. Die HAL-Therapie ist für Hämorrhoiden im Stadium II empfehlenswert.
Bedürfen Einrisse der Analschleimhaut – sogenannte Fissuren – einer chirurgischen Behandlung, muss der Schließmuskel durch Vollnarkose eingekerbt werden. Leiden Patienten und Patientinnen an Fisteln – speziellen Verbindungen zwischen Haut und Darm –, werden diese Gewebestrukturen freigelegt und daraufhin verschlossen. Einzelne Details zu den Vorgehensweisen besprechen Ärzte mit ihren Patienten.
Nach der Behandlung: was sollten Betroffene beachten?
Nach dem Eingriff müssen Betroffene einige Stunden einplanen, bis sie das Krankenhaus oder die Klinik verlassen dürfen. Die Narkose lässt zwar relativ schnell wieder nach. Allerdings dauert es länger, bis alle Wirkungen der Anästhesie komplett vom Körper abgebaut wurden. Deshalb ist es wichtig, dass sich Betroffene am Tag der Operation von einer dritten Person begleiten lassen und nicht allein Auto fahren. Am Behandlungstag ist es völlig normal, dass sich behandelte Personen schläfrig fühlen. Nach einer ausgiebigen Erholungspause sollten Patienten erste Schritte tun, um den Kreislauf zu aktivieren. Diese Hinweise treiben den Genesungsprozess ebenfalls voran:
Am Tag der OP wird ein Arzt der behandelten Person mitteilen, wann der Termin für die nächste Kontrolluntersuchung geplant ist. Bei Unannehmlichkeiten wie Fieber, Harnverhalt oder stärkeren Blutungen ist eine sofortige Konsultation beim Arzt notwendig.
Risiken und Komplikationen der Operation
Die modernen Techniken zur Behandlung der Hämorriden sind so schonend, dass Verletzungen des Schließmuskels oder Bildungen von Fisteln zwischen Mastdarm und Scheide weitgehend ausgeschlossen sind. Dennoch kann kein Operateur garantieren, dass durch den Eingriff keine Komplikationen entstehen. Möglicherweise müssen Patienten und Patientinnen mit diesen Beschwerden rechnen:
- vorübergehender Harnverhalt
- Wundinfektionen
- Blutungen
Wer übernimmt die Kosten für die Behandlung?
Eine OP der Hämorrhoiden ist ein Eingriff, der medizinisch notwendig ist. Aus dem Grund tragen private sowie gesetzliche Krankenversicherungen die Behandlungskosten.
Eine Hämorrhoiden-Operation: Vor- und Nachteile in der Übersicht
Eine Operation der Hämorrhoiden ist ein medizinisch notwendiger Eingriff. Patienten leiden an einem spezifischen Krankheitsbild, das durch die Behandlung effektiv therapiert wird.
Vorteile
- unterschiedliche Behandlungsansätze für verschiedene Stadien der Erkrankung
- die meisten Operationen sind ambulant durchführbar
- nur wenige Kontraindikationen sprechen gegen eine Durchführung der Maßnahmen
- Kosten werden von Krankenkassen getragen
Nachteile
- sorgfältige Nachsorgemaßnahmen sind für günstigen Heilungsprozess erforderlich
- einige operative Methoden sind mit relativ hohen Schmerzen verbunden
- Ausschluss von gesundheitlichen Komplikationen kann nicht komplett garantiert werden
Häufige Fragen zum Thema Hämorrhoiden
Warum vergrößern sich Hämorrhoiden?
Hauptursache ist zu starkes Pressen und Nachpressen beim Stuhlgang, etwa bei chronischer Verstopfung. Das Gewebe leiert aus, es entstehen knotenähnliche Gebilde. Weitere Risikofaktoren sind langes Verweilen auf der Toilette, chronischer Husten, Schwangerschaft, hohes Alter, Übergewicht, häufige Durchfälle und eine erbliche Bindegewebsschwäche.
Welche Stadien gibt es?
In den Stadien I und II sind die Knoten weniger ausgeprägt. Im Stadium III müssen die vergrößerten Knoten nach jedem Stuhlgang zurückgedrängt werden. Im Stadium IV lassen sie sich überhaupt nicht mehr zurückdrängen.
Wann muss operiert werden?
Wenn größere Gefäßknoten bei jeder körperlichen Belastung hervortreten und sich immer schwerer zurückdrängen lassen. Hämorrhoiden der Stadien I und II werden meist nur verödet oder mit einem Gummiband abgeschnürt. Analfissuren operieren Ärzte erst, wenn durchblutungsfördernde Salben, Stuhlregulierung oder Zäpfchen nicht helfen.
Welche Operationsmethoden gibt es?
Die Milligan-Morgan-Methode entfernt einzelne Knoten und lässt die Wunde offen, bei der Parks-Methode wird sie vernäht, beides verursacht relativ starke Schmerzen. Die Longo-Methode entfernt per Klammernaht einen etwa drei Zentimeter breiten Schleimhautstreifen und ist schmerzarm. Beim HAL-Verfahren spürt der Arzt die Gefäße per Ultraschall auf und schnürt sie ab, ganz ohne Wunde.
Wie wird betäubt und wie lange dauert es?
Je nach Ausmaß und Technik, manche Methoden dauern nur 15 Minuten. Betäubt wird per Vollnarkose, per Epidural- oder Periduralanästhesie in Rückenmarksnähe oder beim HAL-Verfahren örtlich. Viele Eingriffe sind ambulant möglich, die klassischen Methoden erfolgen meist stationär.
Was ist nach der Operation zu beachten?
Bis zu drei Wochen körperliche Schonung, dazu tägliche Sitzbäder und gründliche Reinigung des Afters mit warmem Wasserstrahl nach jedem Stuhlgang. Ballaststoffreiche Kost hält den Stuhl weich, Abführmittel sind tabu. Bei Schmerzen helfen Schmerzmittel. Bei Fieber, Harnverhalt oder stärkeren Blutungen gehört man sofort zum Arzt.
Welche Risiken bestehen?
Die modernen Techniken sind so schonend, dass Verletzungen des Schließmuskels oder Fisteln zwischen Mastdarm und Scheide weitgehend ausgeschlossen sind. Vorkommen können ein vorübergehender Harnverhalt, Wundinfektionen und Blutungen. Weil der Eingriff medizinisch notwendig ist, übernehmen gesetzliche wie private Kassen die Kosten.