Harnröhrenspiegelung

Eine Harnröhrenspiegelung: wie funktioniert der Eingriff?

Eine Harnröhrenspiegelung bietet Medizinern die Möglichkeit, die Harnröhre von innen in Augenschein zu nehmen. Das Ziel der Spiegelung: krankhafte Veränderungen wie Blasensteine oder Blasentumoren sollen diagnostiziert werden.

Die Spiegelung der Harnröhre: was ist das?

Eine genaue Untersuchung der Harnröhre nimmt im Normalfall ein Urologe vor. Der Fachterminus für den Eingriff lautet Urethroskopie. Das Verfahren wird eingesetzt, wenn Patienten und Patientinnen an folgenden Beschwerden leiden:

  1. Harninkontinenz
  2. Schmerzen in der Unterbauchpartie
  3. Blut im Urin (Hämaturie)
  4. regelmäßig wiederkehrende Harnwegsinfektionen

Falls die Notwendigkeit besteht, wird die Spiegelung der Harnwege mit kleineren Eingriffen kombiniert. Aus medizinischer Sicht weist die Harnröhrenspiegelung zahlreiche Gemeinsamkeiten mit der Blasenspiegelung auf. Der Fokus der Behandlung richtet sich jedoch auf die Harnröhre und nicht auf die Blase. Dennoch ist es bei zahlreichen erkrankten Personen erforderlich, beide Untersuchungsmethoden miteinander zu verbinden. In aller Regel dauert die Untersuchung der Harnröhre nur wenige Minuten an.

Blick ins Detail: Anwendungsgebiete der Harnröhrenspiegelung

Eine medizinische Indikation für eine Urethroskopie liegt bei diagnostiziertem Blut im Urin vor. Diese sogenannte Hämaturie ist möglicherweise ein Indiz für eine entzündete Harnblase, Harnröhre oder Nieren. Möglicherweise ist auch ein Tumor der Grund für das Blut. Neben Harninkontinenz können stetig wiederkehrende Nierenbecken- oder Blasenentzündungen auf einen chronischen Entzündungsherd an der Harnröhre hinweisen. Ist die Harnröhre chronisch entzündet oder verletzt, ist das Risiko der Narbenbildung an dieser Körperpartie relativ hoch.

Diese Narbenbildung kann wiederum zu einer verengten Harnröhre führen. Diese als Strikturen bekannten Verengungen verursachen möglicherweise Schmerzen beim Wasserlassen. Über eine Harnröhrenspiegelung sind diese Strikturen gut erkennbar. Liegt eine Verengung über einen geringen Teilbereich der Harnröhre vor, behandeln Ärzte diese Erkrankung unter Lokalanästhesie.

Möglicherweise ist die Harnröhrenverengung bei Männern durch eine vergrößerte Prostata bedingt. Die Prostata ist ein die Harnröhre umschließendes Organ, das im vergrößerten Zustand auf die Harnröhre drückt. Dieser Zustand erschwert das Wasserlassen ebenfalls. Weiterhin empfehlen Urologen die Spiegelung der Harnröhre bei sogenannten Harnröhrendivertikeln. Dieses als paraurethrale Zysten bekannte medizinische Phänomen bezeichnet eine ausgesackte Harnröhre, in der sich Urin ansammelt. Die Folge dieser Urinansammlung sind aufkommende Entzündungen. Deshalb werden die Divertikel im Rahmen der Harnröhrenspiegelung ausgespült. Zudem ist der Eingriff dafür geeignet, um Tumore oder Fremdkörper an der Harnröhre sicher zu erkennen.

Die Urethroskopie: der Verfahrensablauf

Im Rahmen einer Urethroskopie führt der behandelnde Arzt das Endoskop in die Harnröhre ein. Der Zugang hängt vom Geschlecht der Patienten ab:

  1. bei Männern: Zugang erfolgt über die Eichel
  2. bei Frauen: Zugang erfolgt durch die Scheide

Für die Spiegelung verwenden Mediziner ein sogenanntes Zystoskop. Die Harnröhrenspiegelung findet für Betroffene in liegender Position statt. Zur Wahl stehen zwei verschiedene Arten von Zystoskopen. Ein starres Modell ist ein mehrteiliges metallisches Zystoskop, das sich aus folgenden Teilen zusammensetzt:

  1. Optik
  2. Arbeitsgerät
  3. Obturator
  4. Außenschaft

Das flexible Zystoskop ist hingegen einteilig und mit einem flexiblen Schaft ausgestattet. Eine Besonderheit dieses Instruments ist die flexible, steuerbare Spitze, an der eine Linse eine befestigt ist. Die Linse ist über Glasfasern an das Okular gekoppelt. Der Innenbereich des Zystoskops ist mit einem Arbeits- und Spülkanal aufgewertet. Die Form der Betäubung orientiert sich am Umfang der Behandlung. In den meisten Fällen empfehlen Ärzte für eine Harnröhrenspiegelung die örtliche Betäubung. Wünschen Betroffene eine Vollnarkose, wenden Urologen diese Betäubungsmethode an. Die örtliche Anästhesie erfolgt über ein mit Betäubungsmitteln versehenes Gleitgel, das auf den vorderen Teil der Harnröhre aufgetragen wird. Nach einer gründlichen Säuberung des Harnröhreneingangs und Einsetzen der betäubenden Wirkung führt der Arzt unter einer Wasserspülung das Zystoskop in die Harnröhre ein. Bei der Untersuchung der Harnröhrenstruktur werden Verengungen, Tumoren, Epithelveränderungen, Schwellungen sowie Rötungen diagnostiziert.

Nach der Harnröhrenspiegelung: darauf müssen Betroffene achten

Obwohl die Urethroskopie in den meisten Fällen ambulant verläuft, bleiben Betroffene nach dem Eingriff noch für einige Stunden unter ärztlicher Beobachtung. Patienten und Patientinnen verlassen die Arztpraxis erst dann, wenn sie sich fit genug für den Heimweg fühlen. Am Tag der Behandlung ist es nicht erlaubt, selbst Auto zu fahren oder ohne Begleitperson öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Generell raten Ärzte nach einer Harnröhrenspiegelung an, nach der Behandlung übermäßig viel zu trinken. Je mehr Flüssigkeit Betroffene zu sich nehmen, umso effizienter werden in die Harnröhre verschleppte Keime wieder ausgespült.

Am Tag der Operation schlagen behandelnde Ärzte den ersten Kontrolltermin vor. Diese Untersuchung sollten Betroffene aus eigenem Interesse unbedingt wahrnehmen. Bei auftretenden gesundheitlichen Beschwerden wie Harnverhalt, massiven Schmerzen oder Blutungen muss unbedingt ein Mediziner konsultiert werden.

Risiken und Nebenwirkungen der Untersuchung der Harnröhre

Generell bewerten Mediziner eine Spiegelung an der Harnröhre als unkompliziert. Trotzdem sind Komplikationen eine mögliche Begleiterscheinung. Folgende Beschwerden erschweren nach einer Harnröhrenspiegelung eventuell den Heilungsprozess:

  1. Harnwegsinfektionen (durch eingeschleppte Erreger): Entzündungen der Harnröhre, Nieren oder Prostata
  2. Verletzungen der Harnröhre durch Endoskop
  3. Verletzung der Blase oder des Schließmuskels der Blase (bei kombinierter Spiegelung von Harnröhre sowie Harnblase): einhergehend mit vorübergehender Inkontinenz
  4. brennende Schmerzen beim Wasserlassen
  5. Blut im Urin

Blut im Urin oder Schmerzen beim Wasserlassen sind durch mechanische Gewebereizungen aufgrund der Spiegelung bedingt. Diese Symptome sind harmlos und verschwinden zumeist binnen kurzer Zeit von allein. Immunsupprimierte Patienten und Patientinnen leiden unter einem erhöhten Infektionsrisiko. Zusätzlich ordnen Mediziner von Stoffwechselerkrankungen betroffene Personen als Risikogruppen ein.

Vor- und Nachteile der Urethroskopie

Eine Urethroskopie ist eine Behandlung, die bei verschiedenen Erkrankungen der Harnwegsysteme in Betracht kommt. Einerseits ist die Harnröhrenspiegelung ein probates Mittel, um bestimmte Erkrankungen zu bekämpfen. Andererseits dient die Spiegelung der Diagnosestellung und verschafft Gewissheit.

Vorteile

  • bei bestimmten Krankheitsbildern erhalten Betroffene durch Urethroskopie Gewissheit
  • (einfacher) Eingriff ist ambulant mit Lokalbetäubung durchführbar
  • Behandlung bedarf nur weniger Maßnahmen zur Nachbehandlung
  • etwaig auftretende Komplikationen sind einfach behandelbar
  • Untersuchungsinstrumente werden anatomischen Gegebenheiten Betroffener angepasst

Nachteile

  • Eingriff ist nicht komplett risikofrei
  • erweiterte Untersuchung bedarf einer Vollnarkose

Häufige Fragen zum Thema Harnröhrenspiegelung

Wann ist eine Harnröhrenspiegelung angezeigt?

Bei Harninkontinenz, Schmerzen im Unterbauch, Blut im Urin und regelmäßig wiederkehrenden Harnwegsinfektionen. Blut im Urin kann auf eine Entzündung von Harnblase, Harnröhre oder Nieren hindeuten, manchmal steckt auch ein Tumor dahinter. Die Untersuchung dauert in der Regel nur wenige Minuten.

Was findet der Arzt dabei?

Erkennbar sind Verengungen, sogenannte Strikturen, sowie Tumoren, Epithelveränderungen, Schwellungen und Rötungen. Strikturen entstehen durch Narbenbildung nach chronischer Entzündung oder Verletzung und verursachen Schmerzen beim Wasserlassen. Auch Harnröhrendivertikel, in denen sich Urin sammelt und Entzündungen entstehen, lassen sich erkennen und ausspülen.

Wie kommt das Endoskop in die Harnröhre?

Bei Männern über die Eichel, bei Frauen durch die Scheide. Verwendet wird ein Zystoskop, entweder ein starres Metallmodell aus Optik, Arbeitsgerät, Obturator und Außenschaft oder ein einteiliges flexibles Gerät mit steuerbarer Spitze und Linse. Die Untersuchung erfolgt im Liegen unter Wasserspülung.

Wird der Eingriff betäubt?

Meist genügt eine örtliche Betäubung über ein Gleitgel mit Betäubungsmittel im vorderen Teil der Harnröhre. Auf Wunsch ist eine Vollnarkose möglich. Eine kurzstreckige Verengung behandeln Ärzte per endoskopischer Schlitzung unter Lokalanästhesie, eine lange narbige Striktur erfordert eine Vollnarkose.

Wann darf nicht gespiegelt werden?

Bei einer akuten Entzündung von Harnröhre, Harnblase oder Prostata. Deshalb prüfen Ärzte vor jeder Urethroskopie den Urin, um eine Infektion der Harnwege auszuschließen.

Was ist nach der Spiegelung wichtig?

Viel trinken, damit verschleppte Keime ausgespült werden. Am Tag der Behandlung sind Autofahren und öffentliche Verkehrsmittel ohne Begleitung untersagt. Bei Harnverhalt, massiven Schmerzen oder Blutungen gehört man sofort zum Arzt.

Welche Nebenwirkungen sind normal?

Brennende Schmerzen beim Wasserlassen und Blut im Urin entstehen durch mechanische Gewebereizung und verschwinden meist rasch von allein. Seltener kommt es zu Harnwegsinfektionen, Verletzungen der Harnröhre durch das Endoskop oder, bei kombinierter Blasenspiegelung, zu einer vorübergehenden Inkontinenz. Erhöhtes Infektionsrisiko haben immungeschwächte Patienten und Menschen mit Stoffwechselerkrankungen.