Hautverpflanzungen: wenn zerstörtes Hautgewebe wieder aufgebaut werden muss
Hautdefekte sind Krankheitsbilder, die die Lebensqualität von Betroffenen in hohem Maße einschränken. Nicht nur aus optischer Sicht leiden Patienten an defektem Hautgewebe. Die Haut – die schützende Schicht des Körpers – kann ihrer Funktion nicht mehr gerecht werden. Offene Hautstellen müssen medizinisch versorgt und fachmännisch beseitigt werden. Entsprechende Maßnahmen dienen dazu, die Struktur des größten Organs des menschlichen Körpers wieder weitgehend herzustellen.

Beweggründe für eine Hauttransplantation
Bei einer Hauttransplantation wird Haut verpflanzt. Diese Maßnahme dient einer Abdeckung von Hautdefekten. Diese Schäden an der Haut sind durch unterschiedliche Ursachen entstanden:
- Durchblutungsstörungen
- Geschwüre (Basaliom u. a.)
- Hautkrebs
- Verätzungen
- Verbrennungen
- Wunden
Entstehen offene Hautstellen, sind diese Wunden für Patienten und Patientinnen sehr schmerzhaft. Problematisch ist, dass kein ausreichender Schutz mehr für das Gewebe gegeben ist, das sich unter den betroffenen Hautstellen befindet.
Vorbereitungsmaßnahmen für eine Hauttransplantation
Damit Hautverpflanzungen sowie der damit einhergehende Heilungsverlauf weitgehend erfolgreich verlaufen, sollten sich Betroffene an diesen vorbereitenden Maßnahmen orientieren:
Verfahrensweisen für eine Hautverpflanzung
Bei vielen Verletzungen der Haut ist eine Verpflanzung die erfolgreichste und sinnvollste Methode, um die offenen Wunden zu behandeln. Ein bestmöglicher ästhetischer Erfolg wird gewährleistet, indem die Farbe sowie Struktur der Haut der Entnahme- sowie Behandlungspartie weitgehend übereinstimmen. Verschiedene Formen der Verpflanzung werden nach der Herkunft der Transplantate unterschieden:
- autologe Transplantation: Verpflanzungen anderer Hautteile der betroffenen Person
- xenogene Transplantation: Verpflanzung von Tierhaut, beispielsweise Schweinehaut
- alloplastische Transplantation: Verpflanzung von Materialien aus Kunststoff
Die letzten beiden Transplantationsmodelle dienen ausschließlich einer vorübergehenden Abdeckung von offenen Wunden. Für eine endgültige Wiederherstellung der betroffenen Körperstellen kommt nur das autologe Hauttransplantat in Betracht.
Autologe Hauttransplantate werden vorzugsweise von diesen Körperbereichen entnommen:
Im nächsten Schritt wird das entnommene Hautgewebe auf die offenen Körperstellen verpflanzt. Mediziner differenzieren zwischen zwei Transplantationsansätzen.
Spalthauttransplantation
Bei einer Spalthautverpflanzung entnehmen Dermatologen dünne Schichten der Außenhaut. Bei dieser Prozedur überträgt ein Arzt ausnahmslos Teile der Dermis, der sogenannten Lederhaut. Zur Durchführung der Transplantation der Spalthaut verwenden Fachärzte folgende Instrumente:
Das Dermatom ist dafür geeignet, um 0,2 bis 0,6 dicke Hautlappen abzutragen sowie anschließend zur Deckung offener Hautwunden zu verwenden.
Bedingungen zur Durchführung einer Spalthautverpflanzung
Um Spalthaut zu verpflanzen, ist es dringend nötig, dass die zu behandelnde Hautregion granulierend sowie infektionsfrei ist. Eine Stillung etwaiger Blutungen ist zwingend notwendig. Anderenfalls bilden sich vermehrt Flüssigkeitsansammlungen zwischen dem Wundbett sowie Transplantat, das einem Anwachsen der Haut entgegenwirkt.
Weitere Störfaktoren wie Knorpel, Sehnen, Knochen oder Nerven verhindern ebenfalls ein Anwachsen des Hauttransplantats.
Besonderheiten der Spalthauttransplantation
Im Gegensatz zu anderen Verpflanzungsansätzen heilt Hautgewebe bei diesem Behandlungsansatz zumeist auch unter erschwerten Bedingungen. Ein Minuspunkt dieser Vorgehensweise ist jedoch, dass die durch die Verpflanzung behandelten Transplantate zu gelbbräunlichen Verfärbungen neigen. Nachteilig ist ebenfalls, dass die Hautgewebe relativ anfällig sind und sich möglicherweise sogar zusammenziehen. Da die Spenderbereiche der entnommenen Haut zu einer geringen Pigmentierung neigen, fallen die Bereiche durch ihren blasseren Hautton markant auf.
Vollhauttransplantation
Das Pendant zur Spalthautverpflanzung ist die Vollhauttransplantation. Im Gegensatz zur anderen Behandlungsmethode wird die abzudeckende Körperpartie bei diesem Verfahren mit der gesamten Lederhaut – der Epidermis – sowie der Lederhaut überdeckt. Um diese Anwendung bei Hautveränderungen durchzuführen, müssen Ärzte die Unterhaut so weit wie möglich beseitigen. Eine Vollhautverpflanzung kommt in erster Linie bei besonders schweren Verletzungen in Betracht.
Eine Voraussetzung zur Realisierung dieser Therapieform ist, dass Hautgewebe von den Körperstellen entnommen wird, an denen sich auftretende Wunden nach den Verpflanzungen komplikationslos wieder zusammenziehen und vernäht werden können. Transplantate in dieser Form eignen sich in besonderer Weise für deutlich erkennbare Körperbereiche wie Hände, das Gesicht, Areale an den Ohren oder dem Hals.
Besonderheiten der Vollhautverpflanzung
Im Gegensatz zur Spalthauttransplantation ist das Vollhauttransplantat wesentlich widerstandsfähiger. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass die Färbungen auf der Haut wesentlich unauffälliger sind. Nimmt ein Facharzt eine Vollhautverpflanzung an einem Kind vor, passen sich die Haut sowie umliegende Hautregionen schrittweise einander an. Ein Nachteil des chirurgischen Ansatzes ist, dass die neuen Hautstellen wesentlich schwieriger als bei einer Spalthautverpflanzung anwachsen.
Erfolgsprognosen der Behandlung
Nach der Verpflanzung werden die Körperstellen Betroffener zumeist mit einem Druckverband versorgt. Der Erfolg von Vollhauttransplantationen ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Müssen umfangreiche Verletzungen der Haut behandelt werden, dauert der Heilungsprozess mitunter über mehrere Jahre an. Die Erfolgsprognose von Hautverpflanzungen kann insbesondere bei großen Verletzungen häufig erst nach einigen Monaten eingeschätzt werden. Um großflächige Befunde sachgemäß zu behandeln, müssen sich Patienten und Patientinnen häufig mehrerer Operationen unterziehen.
Postoperative Pflegehinweise
Aus Sicherheitsgründen sowie zur Förderung des Anwachsens von Hautstücken erhalten Betroffene nach der Verpflanzung normalerweise einen Druckverband. Diese Pflegemaßnahmen begünstigen den Heilungsprozess:
- Ruhigstellung der zu behandelnden Körperpartie
- bis zu 24 Stunden nach der OP: keine Maschinen bedienen, kein Auto fahren
- regelmäßiges Auftragen von Salbe auf behandelte Hautbereiche
- Vermeidung mechanischer Wirkungskräfte auf das Transplantat
- Vermeidung starker Sonneneinstrahlung in ersten Monaten nach der Operation bzw. den Operationen
Mögliche Risiken und Komplikationen der Behandlung
Ähnlich wie bei zahlreichen anderen operativen Eingriffen, besteht auch bei Hautverpflanzungen ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen oder Komplikationen. Allerdings ist nicht jedes gesundheitliche Risiko ein Grund zur Sorge. Beispielsweise ist es völlig normal, dass das behandelte Gewebe in den ersten Tagen nach der OP Schmerzen verursacht. Stößt der Körper das Transplantat ab, stirbt das neu verpflanzte Hautstück ab. Hohe Bewegungsbelastungen oder Infektionen erschweren das sogenannte Einsprossen kleinerer Gefäße. Der Heilungsprozess wird verzögert. Folgende Risiken können ebenfalls im Rahmen einer Hautverpflanzung auftreten:
- Nachblutung
- Blutungen
- Infektionen
- Wundheilungsstörungen
- massive Narbenbildung im Behandlungsbereich
- Empfindungsstörungen (da zumeist Nerven durchtrennt werden)
- allergische Reaktionen
Vor- und Nachteile von Transplantationen der Haut
Hauttransplantationen sind partiell drastische operative Eingriffe, die einen funktionellen sowie ästhetischen Zweck verfolgen. Liegen Hautdefekte vor, sind Verpflanzungen der Haut zumeist die einzige sinnvolle Maßnahme.
Vorteile
- Schutzeffekt der Haut wird wieder hergestellt
- bei medizinischer Notwendigkeit übernehmen Krankenkassen Behandlungskosten
- Wahlmöglichkeiten aus mehreren Behandlungsverfahren
- Hautverpflanzungen werden in vielen medizinischen Zentren angeboten
- verbessertes Erscheinungsbild nach erfolgreicher Behandlung
Nachteile
- Behandlungserfolg nicht garantiert
- Heilungsprozess dauert zum Teil über mehrere Jahre
- möglicherweise mehrere Operationen erforderlich
Häufige Fragen zum Thema Hautverpflanzungen
Wann ist eine Hautverpflanzung nötig?
Wenn Hautdefekte abgedeckt werden müssen, etwa nach Verbrennungen, Verätzungen, Wunden, Durchblutungsstörungen, Geschwüren oder Hautkrebs. Offene Stellen sind schmerzhaft und schützen das darunterliegende Gewebe nicht mehr. Eine schnelle Abdeckung ist wichtig, sonst dringen Keime in den Körper ein.
Woher kommt die verpflanzte Haut?
Für die endgültige Wiederherstellung kommt nur körpereigene Haut in Frage, meist von Gesäß, Oberschenkel oder Kopfhaut. Tierhaut, etwa vom Schwein, und Kunststoffmaterialien dienen ausschließlich der vorübergehenden Abdeckung offener Wunden.
Was unterscheidet Spalthaut und Vollhaut?
Bei der Spalthauttransplantation überträgt der Arzt nur dünne Schichten von 0,2 bis 0,6 Millimetern, abgetragen mit Skalpell oder Dermatom. Sie heilt auch unter erschwerten Bedingungen an, neigt aber zu gelbbräunlichen Verfärbungen. Die Vollhauttransplantation überträgt die gesamte Lederhaut, ist widerstandsfähiger und unauffälliger gefärbt, wächst dafür schwerer an.
Wann wird welche Methode gewählt?
Vollhaut eignet sich besonders für gut sichtbare Bereiche wie Gesicht, Hände, Ohren oder Hals und kommt vor allem bei schweren Verletzungen zum Einsatz. Voraussetzung ist, dass sich die Entnahmestelle wieder zusammenziehen und vernähen lässt. Bei Kindern passen sich Vollhauttransplantat und Umgebung im Lauf der Zeit einander an.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Die Empfangsstelle muss granulierend und infektionsfrei sein, Blutungen müssen gestillt sein, sonst sammelt sich Flüssigkeit zwischen Wundbett und Transplantat und die Haut wächst nicht an. Freiliegender Knorpel, Sehnen, Knochen oder Nerven verhindern das Anwachsen ebenfalls. Auf Nikotin sollte mehrere Wochen verzichtet werden, blutgerinnungshemmende Medikamente gehören rechtzeitig abgesetzt.
Wie lange dauert die Heilung?
Sehr unterschiedlich. Bei umfangreichen Verletzungen zieht sich der Heilungsprozess mitunter über mehrere Jahre, und oft sind mehrere Operationen nötig. Bei großen Befunden lässt sich der Erfolg häufig erst nach einigen Monaten einschätzen.
Was gehört zur Nachsorge?
Ein Druckverband unterstützt das Anwachsen. Die behandelte Körperpartie wird ruhiggestellt, mechanische Belastung des Transplantats ist zu vermeiden, und regelmäßig wird Salbe aufgetragen. In den ersten Monaten sollte starke Sonneneinstrahlung wegbleiben. Bis zu 24 Stunden nach dem Eingriff darf weder Auto gefahren noch eine Maschine bedient werden.
Welche Komplikationen sind möglich?
Schmerzen im behandelten Gewebe in den ersten Tagen sind normal. Stößt der Körper das Transplantat ab, stirbt es ab, hohe Bewegungsbelastung und Infektionen erschweren das Einwachsen der Gefäße. Möglich sind außerdem Blutungen und Nachblutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen, starke Narbenbildung, Empfindungsstörungen durch durchtrennte Nerven sowie allergische Reaktionen.