Der Kaiserschnitt: wenn Babys das Licht der Welt erblicken
Durch einen Kaiserschnitt – der medizinische Fachbegriff lautet Sectio – wird ein Fötus über einen Schnitt durch die Bauchdecke sowie Gebärmutter auf die Welt gebracht. In der Vergangenheit wurde die Operation bei Müttern oder Kindern mit einem erhöhten gesundheitlichen Risiko empfohlen. Heutzutage entscheiden sich viele Frauen ebenfalls für einen Wunschkaiserschnitt ohne medizinische Indikation. Die Zahlen sprechen für sich: mittlerweile erfolgt nahezu jede dritte Geburt über einen Kaiserschnitt.

Ein Kaiserschnitt: was ist das?
Ein Kaiserschnitt ist eine Schnittentbindung, bei dem ein Fötus über einen operativen Eingriff das Licht der Welt erblickt. Diese Behandlung erfolgt durch eine Öffnung der Bauchdecke und Gebärmutter. Das medizinische Verfahren wird nach drei Formen unterschieden:
- Primäre Sectio: Eltern sowie Arzt haben sich bereits vor Geburtsbeginn für einen Kaiserschnitt entschieden; Durchführung aufgrund medizinischer Notwendigkeit an einem geplanten Termin
- Sekundäre Sectio: vaginale Geburt hat bereits begonnen; Wechsel auf Kaiserschnitt ist medizinisch erforderlich
- Wunschkaiserschnitt: es liegt keine medizinische Indikation vor; erfolgt durch persönliche Gründe zu einem geplanten Zeitpunkt
Wann raten Ärzte zu einer Sectio?
Die Schnittentbindung ist aus vielerlei Gründen notwendig. Mediziner differenzieren zwischen absoluten sowie relativen Gründen. Ein Kaiserschnitt gilt als „absolut“ gerechtfertigt, wenn die Gesundheit von Kind und Mutter anderenfalls bedroht ist. Eine „relative“ Indikation liegt vor, wenn eine natürliche Geburt zwar grundsätzlich möglich ist, jedoch ein größeres Risiko als bei einer Sectio besteht. Ein Sonderfall ist die Beckenendlage, bei der ein Fötus falsch herum in der Gebärmutter gelegen ist. Bei der klassischen Geburt wird das Kind mit dem Kopf voraus auf die Welt gebracht. Bei der Beckenendlage liegt das Kind umgekehrt. Bis heute diskutieren Experten darüber, ob bei der Beckenendlage ein Kaiserschnitt notwendig ist. Aktuell empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe einen Kaiserschnitt unter folgenden Umständen:
- Kind befindet sich in Fußlage
- Mutter weist Beckenanomalie auf
- Schätzgewicht des Kindes liegt über 3.800 Gramm
- Fötus ist wachstumsverzögert
Die nachfolgenden medizinischen Gründe sind „absolut“ oder „relativ“ indiziert:
Absolute Notwendigkeit für einen Kaiserschnitt
- Mutterkuchen löst sich vorzeitig ab
- Querlage des Fötus
- Beckenregion der Mutter ist deformiert
- (drohender) Einriss der Gebärmutter
- Missverhältnis zwischen mütterlichem Becken sowie des Babykopfes
- HELLP-Syndrom (akuter, schwerer schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck)
- fetale Azidose (übersäuerter Stoffwechsel des Fötus)
- Plazenta Praevia (Mutterkuchen liegt vor Gebärmutterhals)
- Nabelschnurvorfall einschließlich abknickender Nabelschnur
- Fruchthöhle ist bakteriell infiziert (Amnioninfektionssyndrom)
- Krampfanfälle (sog. Eklampsie) bei schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck
Relative Indikation für eine Sectio
- Kind in Beckenendlage
- mütterliche Erschöpfung im Rahmen der Geburt
- kindliches Gewicht beträgt geschätzt über 4.500 Gramm
- Mehrlingsschwangerschaft (Entbindung von Zwillingen auch vaginal möglich)
- Geburtsstillstand
- längerer Geburtsverlauf
- Kardiotokogramm ist auffällig (berücksichtigt überwachten kindlichen Herzschlag sowie Wehen)
- Kaiserschnitt bei vorhergehenden Geburten
- physischer Zustand aufgrund vaginal-plastischer Operationen
Ein besonderer Fall ist der durch Patientenseite gewünschte Kaiserschnitt. Für diese Schnittentbindung liegt keine medizinische Rechtfertigung vor. Ebenso wie bei einer primären Sectio wird der Termin für die Entbindung im Vorfeld genau festgelegt. Immer mehr Patientinnen bevorzugen den Wunschkaiserschnitt. Typische Gründe sind die Planbarkeit des Termins sowie Sorgen um Verletzungen bei einer vaginalen Geburt. Allerdings raten Gynäkologen von einem Kaiserschnitt in dieser Form ab. Denn ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff, der sich für Mutter und Kind nachteilig auswirken kann.
Der Verfahrensablauf der OP
Vor Beginn der OP bereiten Pfleger des Krankenhauses die Patientin auf den Eingriff vor. Die werdenden Mütter werden mit angewinkelten und leicht gespreizten Beinen in Rückenlage auf einem OP-Tisch gelagert. Daraufhin werden die Patientinnen mit sterilen Tüchern abgedeckt. Die zu operierende Körperregion wird rasiert, desinfiziert und bleibt frei. Da betroffene Frauen nach der Operation häufig Probleme beim Wasserlassen haben, erhalten Betroffene einen Blasenkatheter. Aus hygienischen Gründen wird zwischen der Bauchregion sowie dem Kopf der Frauen ein Tuch gespannt. Dadurch wird den Patientinnen der Blick auf das Operationsfeld verwehrt.
Ein Kaiserschnitt erfolgt stets unter Betäubung. Die Wahl der Narkosemethode hängt von individuellen Gegebenheiten ab. Zumeist präferieren Fachärzte jedoch die Regionalanästhesie.
Für eine Regionalanästhesie kommen die Spinal- oder Periduralanästhesie in Betracht. Durch beide Verfahren werden die Rückenmarksnerven narkotisiert. Eine weitere Betäubungsform ist die Vollnarkose. Da Patientinnen bei dieser Form ihr Bewusstsein verlieren, erleben sie die Geburt des Kindes nicht aktiv mit.
Generell bevorzugen Ärzte die lokalen Betäubungen, da diese Anästhesievarianten für das Baby ungefährlicher sind. Die Pharmazeutika gelangen nicht ins mütterliche Blut und dadurch auch nicht zu dem Fötus. Die Wirkungskraft der Lokalanästhetika setzt zwar erst nach einiger Wartezeit ein. Dafür erhalten Patientinnen im Rahmen dieser Anästhesie einen Katheter, der nach der Geburt zur Verabreichung von Schmerzmitteln verwendet werden kann. Zahlreichen Frauen ist es außerdem wichtig, die Geburt ihres Kindes bewusst mitzuerleben und das Baby nach der Entbindung auf den Arm zu nehmen. Zum Kaiserschnitt unter Vollnarkose raten Anästhesisten und Gynäkologen in Notfallsituationen. Damit keine größeren Dosen des Narkosemittels in den kindlichen Kreislauf gelangen, wird die Narkose erst eingeleitet, wenn der Bauch der Mutter bereits desinfiziert sowie steril abgedeckt wurde.
Die Dauer des Kaiserschnitts hängt vom Einzelfall ab. Beispielsweise führen Vernarbungen oder Verwachsungen in der Bauchregion zu einem verlängerten Zeitansatz für die Operation. Die reine OP-Dauer beträgt normalerweise 15 bis 30 Minuten. Diese Zeit verlängert sich um eine weitere halbe Stunde, um die Narkose einzuleiten und die Patientin richtig zu lagern. Der Verfahrensablauf ist bei jedem Kaiserschnitt gleich. Zuerst eröffnet ein Operateur den Eingriff über den sogenannten Pfannenstiel-Schnitt, der sich über acht bis zwölf Zentimeter erstreckt. Dieser Schnitt erfolgt quer am Unterbauch über der Schambeinfuge. Damit die Narbe im Nachhinein optisch nicht auffällt, wird der Schnitt nach Möglichkeit an der Bikinifalte angesetzt. Wurden Fett-, Haut- sowie Muskelschichten durchtrennt, befördert der Chirurg die freigelegte Harnblase zur Seite. Dadurch ist die Gebärmutter frei ersichtlich. Die Gebärmutter - der Uterus - wird mit einem Schnitt geöffnet. Nun wird das Körperteil manuell so weit gedehnt, bis das Kind herausgeholt werden kann. Wurde die Nabelschnur durchtrennt, wickelt die Hebamme das vorerst gesäuberte Baby in Tücher ein und übergibt es den Eltern. Ein Operateur entnimmt den Mutterkuchen. Die Schichten der Gebärmutter sowie die Bauchwand werden mit Fäden vernäht, die sich nach geraumer Zeit von allein auflösen.
Eine Sonderform: der „sanfte“ Kaiserschnitt
Der sanfte Kaiserschnitt, basierend auf der Misgav-Ladach-Technik, hat sehr viel mit der klassischen Sectio gemeinsam. Denn der Ablauf sowie vorbereitende Maßnahmen stimmen in weiten Teilen mit der klassischen Schnittentbindung überein. Der große Unterschied besteht darin, dass die Gewebeschichten nach dem Pfannenstiel-Schnitt nicht geschnitten, sondern gedehnt und gerissen werden. Durch diese Prozedur profitieren Patientinnen von einem geringeren Blutverlust sowie verkürzten Krankenhausaufenthalt. Diese Vorteile sprechen ebenfalls für diese Methode:
- geringere Schmerzen nach der OP
- geeignet für Notsituationen durch geringeren Zeitaufwand
- weniger Gewebe wird verletzt
Postoperative Schritte: darauf müssen junge Mütter Acht geben
Nach der Operation erholt sich die junge Mutter auf der Wöchnerinnenstation. Frauen werden bereits einige Stunden nach der Sectio dazu aufgefordert, sich aufzusetzen oder auch aufzustehen. Durch diese Aktivität wird die Bildung von Blutgerinnseln gehemmt. Je mobiler die Frauen nach der OP sind, desto stärker wird die Darmtätigkeit angeregt. Unangenehme Verstopfungen werden vermieden. Die Bauchnaht ist nach spätestens zwölf Tagen verheilt. Die Frauen müssen nach der Operation für etwa vier bis sieben Tage im Krankenhaus bleiben. Längere Klinik- oder Krankenhausaufenthalte sind nur bei größeren Komplikationen oder eventuell einer Notfallsectio notwendig.
Hat sich der Kreislauf der Frauen stabilisiert, sind normalerweise auch Duschen wieder erlaubt. Dies ist erfahrungsgemäß am dritten Tag nach der OP der Fall. Die Bauchnaht sollte nicht mit Duschgel oder Shampoos in Berührung kommen. Mögliche Kontakte werden durch ein Duschpflaster verhindert. Wird die Naht trotzdem feucht, sollte die Wunde mit einem sterilen Tuch trocken getupft werden. Das erste Bad ist erst nach Versiegen des Wochenflusses erlaubt. Sitzbäder sind jederzeit gestattet. Nachwehen sind keine reine Folge einer vaginalen Geburt. Auch nach einem Kaiserschnitt zieht sich die Gebärmutter wieder krampfähnlich zusammen. Diese Nachwehen sind ein wichtiger Teil des Rückbildungsprozesses. Die Gebärmutter stößt dadurch abgestorbenes Gewebe ab. Aus der Gebärmutterschleimhaut entstehende Blutungen werden auf diese Weise gestillt.
Ist die Bauchnaht verheilt und der Bereich um die Wunde schmerzfrei, führen Hebammen möglicherweise eine Bauchmassage durch. Diese Maßnahme hat mehrere Effekte:
- Anregung der Darmtätigkeit
- Entspannung
- Aktivierung des Wochenflusses
- Rückbildung der Gebärmutter
Der Bauch fühlt sich für viele Frauen veränderter oder weicher an. Vielen Frauen fällt es schwer, den nunmehr „leeren“ Bauch zu akzeptieren. Wichtig ist es für Patientinnen deshalb, dass sie durch die Massagen ihr altgewohntes Körpergefühl wieder zurückerlangen. Eine weitere unterstützende Maßnahme ist die Rückbildungsgymnastik. In hierfür vorgesehenen Kursen kräftigen junge Mütter die durch die Schwangerschaft sowie Geburt stark in Mitleidenschaft gezogenen Gewebeteile des Beckenbodens sowie Bauchs. In den Kursen führen die Frauen leichte Übungen durch. Der Kursbeginn ist frühestens sechs Wochen nach der Geburt. Patientinnen wird angeraten, die Übungen bis zu vier Monate nach der Entbindung fortzuführen. Damit die Bauchdecke nicht zu sehr beansprucht wird, sollten die Trainingseinheiten jedoch sanft vollführt werden.
Das Stillen nach der Sectio ist in mehrfacher Sicht empfehlenswert. Aus psychischer Sicht soll das Stillen zur seelischen Verarbeitung der Operation beitragen. Der Körper schüttet automatisch Hormone aus, wenn das Kind an die Brust der Mutter angelegt wird. Die Mutter-Kind-Bindung wird gestärkt. Deshalb hilft es Frauen insbesondere nach einem traumatisierenden Kaiserschnitt sehr, das Kind so häufig wie möglich an die Brust anzulegen. Die Bauchnaht wird beim Stillen effektiv geschont, indem Mütter ihre Kinder in Seitenlage stillen. Zur Pflege der Kaiserschnittnarbe ist es hilfreich, die Wunde regelmäßig mit Narbensalben einzumassieren. Diese Mittel werden nicht auf eine geschwollene Kaiserschnittnarbe aufgetragen. Auch bei späterem Heilungsverlauf tragen die Cremes und Salben zu einer wirksamen Wundheilung bei.
Risiken der Sectio
In den vergangenen Jahren wurden die negativen Folgen eines Kaiserschnitts deutlich minimiert. Verbesserte Narkoseverfahren, Operationstechniken sowie der Einsatz von Antibiotika trugen zu dieser Verbesserung bei. Denn ist eine Sectio ein operativer Eingriff mit allen Vor- und Nachteilen. Die Zahlen geben Aufschluss: die Sterblichkeitsrate ist bei einem Kaiserschnitt dreimal so hoch wie bei einer vaginalen Geburt. Akut müssen Patientinnen mit folgenden Komplikationen rechnen:
- Infektionen
- Blutgerinnselbildung (Embolie, Thrombose)
- massiver Blutverlust (während oder nach der Operation)
- Anästhesiezwischenfälle
- Wundheilungsstörung (einschließlich ästhetisch auffälliger Narbenbildung)
- Verletzungen an benachbarten Organen wie Darm, Harnleiter oder Harnblase
Zur Kategorie langfristiger Komplikationen gehören Bindungsstörungen zum Kind, Gewebe-Verwachsungen, Lagerungsschäden oder posttraumatische Belastungsstörungen. Bei einer erneut auftretenden Schwangerschaft müssen Frauen nach einem Kaiserschnitt ein erhöhtes Risiko für folgende Begleiterscheinungen beachten:
- erneute Notwendigkeit für eine Sectio
- Einriss an der Gebärmutter
- fehlgelagerte Plazenta
Ein Kaiserschnitt ist für Babys risikoärmer als eine vaginale Geburt. Dennoch können während oder nach der Geburt einige Probleme für die Kinder auftreten. So werden bei den Neugeborenen vermehrt Anpassungsstörungen festgestellt, die sich zumeist auf Atemprobleme beziehen. Verletzungen wie Schnittwunden sind im Rahmen der Operation nicht gänzlich ausgeschlossen. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für Bindungsstörungen, die durch Probleme beim Stillen entstehen. Da das Kind zur Geburt nicht mit der natürlichen Bakterienflora der Mutter konfrontiert wurde, leiden Kaiserschnitt-Babys unter einer verstärkten Infektanfälligkeit.
Ein Kaiserschnitt: Vor- und Nachteile
Operationen wie der Kaiserschnitt gehören heutzutage zum Standardprogramm der meisten Gynäkologen dazu. Dennoch ist der Eingriff insbesondere bei einem Wunschkaiserschnitt stark umstritten. Der wichtigste Grund für diese Kritik sind die typischen OP-Risiken, die die Sectio für Patientinnen birgt.
Vorteile
- Geburt ist für Babys risikoärmer als bei einer vaginalen Geburt
- Wahlmöglichkeiten aus verschiedenen Betäubungsmethoden
- Kaiserschnitt ist bewährte Lösung für Problemgeburten
- Genesungszeit beschränkt sich auf überschaubaren Zeitraum
Nachteile
- drohende Risiken für Kinder aufgrund der Sectio
- Kaiserschnitt ist klassische Operation mit allen Risiken für die Mutter
- Narbenbildung ist unabdingbar
- zumeist längere Verweildauer in Klinik oder Krankenhaus als nach einer spontanen Geburt
Häufige Fragen zum Thema Kaiserschnitt
Welche Arten von Kaiserschnitt gibt es?
Bei der primären Sectio steht die Entscheidung schon vor Geburtsbeginn fest und der Termin ist geplant. Die sekundäre Sectio erfolgt, wenn eine bereits begonnene vaginale Geburt medizinisch abgebrochen werden muss. Beim Wunschkaiserschnitt liegt keine medizinische Indikation vor. Inzwischen erfolgt nahezu jede dritte Geburt per Kaiserschnitt.
Wann ist ein Kaiserschnitt zwingend nötig?
Bei absoluter Indikation, wenn die Gesundheit von Mutter oder Kind sonst bedroht wäre: vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens, Querlage des Kindes, deformiertes Becken, drohender Gebärmutterriss, Missverhältnis zwischen Becken und Kindskopf, HELLP-Syndrom, fetale Azidose, Plazenta praevia, Nabelschnurvorfall, Amnioninfektionssyndrom oder Eklampsie.
Und wann ist er nur eine Option?
Bei relativer Indikation, wenn eine natürliche Geburt grundsätzlich möglich wäre, aber riskanter ist: Beckenendlage, Erschöpfung der Mutter, geschätztes Kindsgewicht über 4.500 Gramm, Mehrlingsschwangerschaft, Geburtsstillstand, langer Geburtsverlauf, auffälliges Kardiotokogramm oder ein vorangegangener Kaiserschnitt.
Wie wird betäubt?
Meist per Regionalanästhesie, also Spinal- oder Periduralanästhesie: Das Schmerzempfinden ist ausgeschaltet, die Mutter erlebt die Geburt aber bei vollem Bewusstsein. Die Medikamente gelangen nicht ins mütterliche Blut und damit nicht zum Kind. Zur Vollnarkose raten Ärzte in Notfallsituationen, sie wird erst eingeleitet, wenn der Bauch bereits steril abgedeckt ist.
Wie läuft die Operation ab?
Über den acht bis zwölf Zentimeter langen Pfannenstiel-Schnitt quer am Unterbauch, möglichst in der Bikinifalte. Nach Durchtrennen von Haut-, Fett- und Muskelschichten wird die Harnblase zur Seite geschoben und die Gebärmutter geöffnet und gedehnt, bis das Kind herausgeholt werden kann. Die reine Operationsdauer beträgt 15 bis 30 Minuten, dazu kommt eine halbe Stunde für Narkose und Lagerung.
Was ist der sanfte Kaiserschnitt?
Bei der Misgav-Ladach-Technik werden die Gewebeschichten nach dem Pfannenstiel-Schnitt nicht geschnitten, sondern gedehnt und gerissen. Vorteile sind geringerer Blutverlust, kürzerer Krankenhausaufenthalt, weniger Schmerzen nach der Operation und weniger verletztes Gewebe. Wegen des geringeren Zeitaufwands eignet sich die Methode auch für Notsituationen.
Wie verläuft die Erholung?
Schon wenige Stunden nach der Operation sollten Frauen sich aufsetzen und aufstehen, das beugt Blutgerinnseln vor und regt die Darmtätigkeit an. Der Klinikaufenthalt dauert vier bis sieben Tage, die Bauchnaht ist nach spätestens zwölf Tagen verheilt. Duschen ist meist ab dem dritten Tag erlaubt, gebadet wird erst nach Versiegen des Wochenflusses. Rückbildungsgymnastik beginnt frühestens sechs Wochen nach der Geburt.
Welche Risiken bestehen?
Die Sterblichkeitsrate liegt dreimal höher als bei einer vaginalen Geburt. Akut drohen Infektionen, Thrombosen und Embolien, starker Blutverlust, Narkosezwischenfälle, Wundheilungsstörungen und Verletzungen von Darm, Harnleiter oder Harnblase. Langfristig kommen Verwachsungen und Belastungsstörungen dazu, bei späteren Schwangerschaften ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterriss und fehlgelagerte Plazenta. Kaiserschnitt-Babys sind infektanfälliger.