Den Herzrhythmus korrigieren: mit einer Katheterablation
Mediziner bezeichnen eine Katheterablation als Therapie von Herzrhythmusstörungen. Das Ziel des Verfahrens ist es, erkrankte Areale des Herzmuskelgewebes zu veröden. Die Behandlungsmethode ist in der Lage, spezielle Störungen des Herzrhythmus auf Dauer auszuschalten. Heutzutage ist die in den 1980er Jahren eingeführte Behandlung ein anerkanntes Verfahren in den meisten kardiologischen Abteilungen.

Die Funktionsweise des medizinischen Verfahrens
Wer das System der Katheterablation verstehen möchte, muss zuerst die Funktion des Herzens hinterfragen. Beispielsweise ist es erforderlich zu wissen, dass ein Herz aus diesen Teilen besteht:
- zwei Hauptkammern
- zwei Vorhöfe
- vier Herzhöhlen
Elektrische Impulse führen zu einem Schlagen des Herzens. Diese Impulse werden in einem speziellen Bereich des rechten Vorhofs gebildet. Dieses Areal ist der sogenannte Sinusknoten, über den sich die Impulse über die zwei Vorhöfe, den AV-Knoten bzw. Atrioventrikularknoten bis auf die Herzkammern auswirken. Diese elektrischen Strömungen erzeugen ein Zusammenziehen des Herzmuskels. Aktivieren einige Bereiche des Herzmuskelgewebes oder fehlerhafte Leitungsbahnen zusätzliche Erregungen, entsteht ein dauerhaftes oder anfallähnliches Herzrasen. Dieses Herzjagen ist über die Katheterablation behandelbar. Abhängig von der Ursache, veröden Herzspezialisten die abnormen Leitungsbahnen oder die organische Ursache der vermehrten Herzschläge.
Wann kommt die Behandlungsform in Betracht?
Eine Katheterablation ist für die Patienten und Patientinnen sinnvoll, bei denen eine medikamentöse Behandlung von Herzrhythmusstörungen nicht den erwünschten Erfolg gebracht hat. Bei einigen der folgenden Krankheitsbilder ist das Verfahren geeignet, um eine dauerhafte Beschwerdefreiheit zu erzielen.
Vorhofflattern
Es besteht eine kreisende Erregung im rechten Vorhof des Herzens. Diese Krankheitsform lässt sich durch die Behandlung in 95 Prozent aller Fälle auf Dauer heilen.
Vorhofflimmern
Eine grundlegende Ursache für Vorhofflimmern sind elektrische Impulse aus den Lungenvenen. Leiden Betroffene durch das Vorhofflimmern unter Begleiterscheinungen wie Herzschwäche oder Atemnot, nehmen Kardiologen über eine Katheterablation eine elektrische Isolierung der Lungenvenen vor. Sinn und Zweck dieser Maßnahme ist es, dass die Störimpulse nicht mehr bis zu den Vorhöfen vordringen. Die Erfolgsaussichten betragen bei einem anfallsweisen Vorhofflimmern 70 Prozent. Bei chronischem Vorhofflimmern beläuft sich die Erfolgsquote auf etwas mehr als die Hälfte.
Erscheint eine Isolierung der Lungenvenen unmöglich, kommt eventuell eine AV-Knoten-Ablation in Betracht. Bei dieser Verödungsmethode werden die Herzkammern sowie Vorhöfe komplett elektrisch separiert. Weil Patienten nach dieser Behandlung auf einen Herzschrittmacher angewiesen sind, gilt das Verfahren als Notlösung.
Atriale Tachykardie bzw. Vorhoftachykardie
Bei der atrialen Tachykardie werden elektrische Impulse durch verschiedene Bereiche des rechten Vorhofs mit Ausnahme des Sinusknotens verursacht. Allerdings sind die Erfolgsaussichten der Ablation bei dieser Methode geringer als bei anderen Verfahren.
AV-Knoten-Reentry-Tachykardie
Bei diesem Krankheitsbild gehen elektrische Impulse vom AV-Knoten aus. Es entsteht Herzrasen. Diese Herzrhythmusstörung tritt verhältnismäßig häufig auf. Die Erfolgschancen sind mit einer Quote von 95 Prozent sehr hoch.
WPW-Syndrom bzw. Wolff-Parkinson-White-Syndrom
Dieses angeborene Syndrom ist durch einen Kurzschluss zwischen den Kammern und Vorhöfen gekennzeichnet. Aufgrund der Kurzschlussverbindung steuern die Erregungen vorzeitig auf die Kammern zu. Patienten verspüren ein anfallsweises Herzrasen. Diese Herzrhythmusstörung wird durch eine Katheterablation in 95 Prozent aller Fälle behoben.
Ablauf der Katheterablation
Im Regelfall erfolgt die Ablation während einer elektrophysiologischen Untersuchung – der EPU – im Krankenhaus. Die standardisierte Behandlungsform ist die Hochfrequenzablation. Bei diesem System wird über die Katheterspitze exakt Hitze an das Körpergewebe abgegeben. Andere Verfahrensansätze wie Kryoablation beruhen auf Anwendungen mit Kälte.
Im Normalfall werden Patienten und Patientinnen einen Tag vor der Behandlung stationär aufgenommen. Im Vorfeld werden erforderliche Voruntersuchungen durchgeführt oder Aufklärungsgespräche geführt. Ähnlich wie beim Legen eines Herzkatheters oder der EPU, wird die Katheterablation mit einer Lokalanästhesie durchgeführt.
Der Eingriff läuft in folgenden Schritten ab:
- Untersuchung der Herzrhythmusstörungen sowie des Entstehungsorts in der EPU
- gezieltes Setzen kleiner Narben im Herzgewebe über die Ablation, damit keine Herzrhythmusstörungen mehr entstehen oder weitergeleitet werden
- nach Verödung: Herzrhythmusstörung testen
Der Zeitansatz für das Verfahren ist sehr variabel. Die reguläre Dauer erstreckt sich auf zwei bis sechs Stunden. Im Einzelfall wird diese Zeitspanne deutlich überschritten. Nach der Behandlung entfernt ein Kardiologe oder Herzchirurg die Katheter aus dem Herzen. Nachblutungen werden verhindert, indem die Einstichareale mit einem Druckverband versorgt werden. Dieser Druckverband muss von sechs bis zwölf Stunden an Ort und Stelle verweilen. Um ein Verrutschen des Verbands zu vermeiden, müssen Patienten strikte Bettruhe einhalten.
Maßnahmen zur Nachbereitung
Damit der Genesungsprozess voranschreitet und die Ablation den erhofften Erfolg bietet, sollten sich Betroffene an folgenden Nachsorgetipps orientieren:
Risiken der Behandlung
Normalerweise ist der Eingriff völlig komplikationslos. Da die Ablation als schonendes minimal-invasives Verfahren gilt, treten spezifische Komplikationen am Herzen vergleichsweise selten auf. Dennoch sind Patienten nicht garantiert vor folgenden Risiken gefeit:
- Infektionen
- Verschluss/Verengung der Lungenvenen
- Verletzung umliegender Organe und Strukturen
- Nachblutungen oder Blutergüsse an der Punktionsstelle
- Bildung von Blutgerinnseln (häufig wirksame Verhinderung durch blutgerinnungshemmende Pharmazeutika)
- Schädigungen des Erregungsleitungssystems (mit einem Herzschrittmacher behandelbar)
- Perikarderguss bzw. Herzbeutelerguss (Einriss in Muskel, der zu Blutung im Bereich zwischen Herzbeutel sowie Herz führt)
Vor- und Nachteile der Katheterablation
Die Katheterablation ist eine von mehreren Methoden, um Herzrhythmusstörungen zu therapieren. Häufig verspricht dieser Behandlungsansatz bei den Erkrankungen gute Erfolgsaussichten, bei denen medikamentöse Verfahren versagen.
Vorteile
- minimal-invasiver Eingriff mit relativ geringer Wahrscheinlichkeit für Komplikationen
- hohe Erfolgschancen bei unterschiedlichen Krankheitsbildern
- Operation bzw. Verödung kann unter Lokalanästhesie durchgeführt werden
- verschiedene Erkrankungen sind über Katheterablation behandelbar
Nachteile
- einige der (selten auftretenden) Risiken bedrohen Gesundheit massiv
- umfassende Nachsorgemaßnahmen bestimmen Behandlungserfolg maßgeblich
- Ablation ist keine Garantie auf Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes
Häufige Fragen zum Thema Katheterablation
Was passiert bei einer Katheterablation?
Der Arzt verödet gezielt die Stellen im Herzmuskelgewebe, von denen die Rhythmusstörung ausgeht, und setzt dort kleine Narben. Dadurch können keine falschen Erregungen mehr entstehen oder weitergeleitet werden. Standard ist die Hochfrequenzablation mit Hitze über die Katheterspitze, daneben gibt es die Kryoablation mit Kälte.
Wann kommt die Behandlung in Frage?
Wenn eine medikamentöse Therapie der Herzrhythmusstörung nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat. Behandelt werden unter anderem Vorhofflattern, Vorhofflimmern, die atriale Tachykardie, die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie und das WPW-Syndrom.
Wie hoch sind die Erfolgsaussichten?
Beim Vorhofflattern heilt die Behandlung 95 Prozent der Fälle dauerhaft, ebenso hoch liegt die Quote bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie und beim WPW-Syndrom. Bei anfallsweisem Vorhofflimmern sind es 70 Prozent, bei chronischem etwas mehr als die Hälfte. Bei der atrialen Tachykardie fallen die Aussichten geringer aus.
Wie läuft der Eingriff ab?
Meist während einer elektrophysiologischen Untersuchung im Krankenhaus, wo Patienten einen Tag vorher aufgenommen werden. Betäubt wird örtlich, sodass Betroffene bei Bewusstsein bleiben, bei Bedarf gibt es Schmerz- oder Beruhigungsmittel. Erst wird der Entstehungsort der Rhythmusstörung gesucht, dann verödet und anschließend getestet. Der Eingriff dauert in der Regel zwei bis sechs Stunden.
Was passiert direkt danach?
Die Einstichstellen bekommen einen Druckverband, der sechs bis zwölf Stunden liegen bleibt. Damit er nicht verrutscht, ist strikte Bettruhe nötig.
Was ist in den Wochen danach zu beachten?
Mindestens zwei Wochen kein Sport und keine schweren körperlichen Anstrengungen, um Nachblutungen zu vermeiden, und kein starkes Pressen beim Stuhlgang. Die üblichen Medikamente zur Arrhythmiebehandlung werden mindestens drei Monate weiter eingenommen, dazu kommt eine dreimonatige Therapie zur Hemmung der Blutgerinnung. Kontrolliert wird per Ultraschall, Ruhe- und Langzeit-EKG.
Welche Risiken bestehen?
Als minimal-invasives Verfahren gilt die Ablation als schonend, Komplikationen am Herzen sind selten. Möglich sind Infektionen, eine Verengung oder ein Verschluss der Lungenvenen, Verletzungen umliegender Strukturen, Nachblutungen und Blutergüsse an der Punktionsstelle, Blutgerinnsel, Schäden am Erregungsleitungssystem sowie ein Herzbeutelerguss.