Kieferorthopädische Operationen: wenn Zahn- und Kieferfehlstellungen die Lebensqualität senken …
Liegt eine massive Fehlstellung der Zahn- oder Kieferpartie vor, ist eine optimale Zahnstellung gelegentlich nur noch durch eine Kooperation zwischen Fachärzte für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Zahnärzten möglich. Sind die Zahnbögen ausgeformt und kieferorthopädisch vorbehandelt worden, ist die Grundlage für eine kieferorthopädische Operation gelegt. Folgende Eingriffe gehören zum medizinischen Alltag von Zahnmedizinern oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen dazu:
- Zahntransplantationen
- Beseitigung tief einliegender Lippenbändchen bei Zahnlücken
- chirurgische Vorverlagerung des Oberkiefers
- operative Rückverlagerung des Unterkiefers
- Freilegung bzw. Anschlingung von verlagerten Zähnen

Anwendungsbereiche kieferorthopädischer Operationen
Eine kieferorthopädische Operation ist bei einer Fehlstellung stets ein Bestandteil eines umfangreicheren Behandlungskonzepts. Im Einzelfall erforderliche Maßnahmen werden jeweils zwischen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen sowie Kieferorthopäden abgesprochen. Besonderes Hauptaugenmerk liegt auf ästhetischen Komponenten. Zudem wird eine bestmögliche Optimierung der Kau- und Beißfunktion angestrebt.
Ein klassisches Behandlungsfeld der kieferorthopädischen Eingriffe sind überdimensionierte Lippenbändchen. Überdurchschnittlich große Lippenbändchen sind eine Kieferfehlstellung, die in den meisten Fällen einen Zusammenschluss vorderer Zähne verhindern. Deshalb sollte ein Lippenband dieses Ausmaßes nach Möglichkeit kieferchirurgisch entfernt werden. Zahnmediziner empfehlen, die kieferorthopädischen Operationen nach Möglichkeit zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr durchzuführen. Zu der chirurgischen Therapie raten Operateure spätestens dann, wenn benachbarte Seitenzähne durchgebrochen sind. Anderenfalls drohen nachfolgende gesundheitliche Beschwerden:
- Zurückbleiben einer Lücke
- erschwerte Bedingungen zur Entfernung von Zahnbelag
- erhöhte Verletzungsgefahr beim Zähneputzen
- gesteigertes Risiko für Zahnfleischentzündungen
Im Gegenzug führen Zahnmediziner die kieferorthopädischen Operationen bei einem schlechten allgemeinen Gesundheitszustand der Patienten nicht durch. Ist eine Vollnarkose für die OP unabdingbar, muss ein Anästhesist im Vorfeld die Narkosefähigkeit überprüfen. Birgt eine Narkose zu hohe Risiken, wird der Eingriff eventuell nicht durchgeführt.
Vor der Kieferoperation: vorbereitende Schritte
Planen Betroffene eine Operation der Kieferfehlstellung unter Vollnarkose, sollten Patienten ab ca. 22 Uhr des Vorabends keine zähflüssigen Getränke oder feste Nahrungsmittel mehr einnehmen. Ebenso wichtig ist es, ab diesem Zeitraum auf Nikotin sowie Kaugummis zu verzichten. Sind die behandelten Personen aufgrund anderer Erkrankungen auf eine regelmäßige Medikamenteneinnahme angewiesen, sollten der Facharzt und Anästhesist rechtzeitig über diesen Umstand informiert werden. Denn bei bestimmten Präparaten mit blutverdünnender Wirkung ist es notwendig, dass die Substanzen einige Tage vor dem Eingriff abgesetzt werden.
Einzelheiten zu den kieferorthopädischen Operationen
Im Vorfeld können Fachärzte nur schwer eine genaue Angabe über die Dauer der Kiefer-OP zur Behebung der Fehlstellung machen. Muss beispielsweise durch einen Facharzt für Chirurgie nur das Lippenbändchen durchtrennt werden, ist der Eingriff nach wenigen Minuten abgeschlossen. Ein Teil der Operationen des Kiefers wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Ist ein größerer Eingriff zur Behandlung der Dysgnathie (des Fehlbisses) geplant, raten Ärzte zu einer Behandlung unter Vollnarkose. Eine mögliche Ausweichoption ist die Analgosedierung. Dieses Verfahren vereint eine Lokalanästhesie mit einem starken Schlafmittel. Diese Prozedur ist zwar wesentlich weniger aufwendig wie eine Vollnarkose. Allerdings müssen die behandelnden Ärzte eine spezielle Qualifikation aufweisen.
Eine kieferorthopädische OP ist ein Teil einer umfangreicheren Behandlung, die häufig mit einer kieferorthopädischen Therapie mit Zahnspangen kombiniert wird. In der medizinischen Praxis erstreckt sich der komplette Behandlungszeitraum häufig über mehrere Jahre. Die genaue Vorgehensweise hängt hauptsächlich vom Krankheitsbild des jeweiligen Patienten ab. Eine mögliche Maßnahme wird bei Betroffenen durchgeführt, deren Ober- und Unterkiefer nicht richtig aufeinander passen. Bei dieser Diagnose haben Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen die Möglichkeit, den Unterkiefer nach hinten oder den Oberkiefer nach vorn zu verlagern. Im Rahmen der Operation wird der betroffene Kiefer komplett vom Gesichtsschädel gelöst. Daraufhin wird der Kiefer in der angestrebten Position mithilfe von Metallplatten am Gesichtsschädel verankert. An diesen Eingriff schließt sich im Normalfall eine Therapie mit Halteapparaten wie Spangen an, um eine Stabilität der Kieferposition zu erzielen.
Andere Kieferoperationen sehen die chirurgische Freilegung eines Zahns vor, der an der richtigen Stelle positioniert werden soll. Gelegentlich ist es notwendig, den Zahn an einer bestimmten Position herauszunehmen und im Anschluss an einer anderen Stelle zu implantieren. In diesem Zusammenhang ist manchmal ebenfalls das Ziehen eines gesunden Zahns erforderlich. Häufig wird in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie oder Zahnheilkunde die Beseitigung eines zu hoch positionierten Lippenbändchens praktiziert. Dieses zwischen den Frontzähnen befindliche Bändchen verhindert eventuell die komplette Schließung einer Zahnlücke. Über einen kleinen Schnitt wird das überdimensionierte Lippenband aufgeweitet und in anderer Position wieder vernäht. Als logische Konsequenz der Operation wachsen die Zähne zumeist von allein wieder zusammen.
Postoperative Pflegemaßnahmen
Bei einfachen und kurzen Eingriffen wählen die meisten Patienten und Patientinnen zwar die ambulante Behandlungsvariante aus. Dennoch sollten Betroffene ausreichend Zeit einplanen, um sich einige Stunden nach der OP noch in ärztliche Obhut zu begeben.
Bis zum Abklingen der Betäubung sollten Patienten keine Getränke oder Nahrungsmittel zu sich nehmen. Durch die Behandlung aufkommende Schmerzen können mit rezeptfreien Arzneimitteln therapiert werden. Diese Nachsorgemaßnahmen begünstigen den Heilungsverlauf:
Zur Vorbeugung vor Infektionen muss die Mundhygiene auch nach der Operation aufrechterhalten werden. Falls Zähneputzen zu große Schmerzen erzeugt, sollte der Mund morgens und abends mit einer desinfizierenden Lösung gespült werden. Diese Nachbehandlung erfolgt nach Absprache mit dem behandelnden Arzt. Bereits am OP-Tag werden Betroffene über den nächsten Kontrolltermin informiert. Bei auftretenden Nachblutungen, starken Schmerzen oder Fieber ist der Facharzt umgehend zu kontaktieren.
Risiken der kieferorthopädischen OPs
Genaue Prognosen über Risiken können aufgrund der Vielfalt möglicher Operationen nicht getroffen werden. In einem vorbereitenden Beratungsgespräch klärt der Zahnmediziner seine Patienten umfassend über etwaige Komplikationen auf. Eine Durchtrennung des Lippenbändchens ist beispielsweise ein sehr risikoarmes Verfahren. Bei keiner Operation sind lokale Infektionen oder Nachblutungen ausgeschlossen.
Vor- und Nachteile der Kiefer-Operationen
Kieferorthopädische Operationen sind Behandlungen, die im Rahmen eines umfangreicheren medizinischen Konzepts erfolgen. Da Ärzte die OPs bei medizinischer Notwendigkeit anraten, sollten sich Betroffene bei stabiler Gesundheit für die Eingriffe entscheiden.
Vorteile
- unterschiedliche Anästhesieverfahren sind möglich
- Großteil der Operationen ist ambulant durchführbar
- mehrere Optionen für unterschiedliche Krankheitsbilder
- Krankenversicherungen übernehmen die Kosten
- Verbesserung der Lebensqualität und des Gesundheitszustands
Nachteile
- verhältnismäßig pflegeintensive Nachsorgemaßnahmen
- spezifische Erkrankung ist nach der Operation nicht ausgeheilt
Häufige Fragen zum Thema Kieferorthopädische Operationen
Welche Eingriffe gehören dazu?
Zahntransplantationen, die Entfernung tief einliegender Lippenbändchen bei Zahnlücken, die chirurgische Vorverlagerung des Oberkiefers, die Rückverlagerung des Unterkiefers sowie das Freilegen und Anschlingen verlagerter Zähne. Der Eingriff ist immer Teil eines umfangreicheren Behandlungskonzepts.
Warum ist ein zu großes Lippenbändchen ein Problem?
Es verhindert meist, dass die vorderen Zähne zusammenschließen. Bleibt es, drohen eine dauerhafte Lücke, erschwerte Entfernung von Zahnbelag, eine erhöhte Verletzungsgefahr beim Zähneputzen und ein gesteigertes Risiko für Zahnfleischentzündungen. Am besten wird es zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr entfernt, spätestens wenn die benachbarten Seitenzähne durchgebrochen sind.
Wie wird ein Fehlbiss korrigiert?
Passen Ober- und Unterkiefer nicht zusammen, verlagert der Chirurg den Unterkiefer nach hinten oder den Oberkiefer nach vorn. Dafür wird der betroffene Kiefer vollständig vom Gesichtsschädel gelöst und in der gewünschten Position mit Metallplatten verankert. Anschließend folgt in der Regel eine Therapie mit Halteapparaten wie Spangen.
Wie wird betäubt?
Ein Teil der Eingriffe erfolgt unter örtlicher Betäubung, etwa das Durchtrennen des Lippenbändchens, das nur wenige Minuten dauert. Bei größeren Eingriffen zur Behandlung eines Fehlbisses raten Ärzte zur Vollnarkose. Eine Alternative ist die Analgosedierung, eine Kombination aus Lokalanästhesie und starkem Schlafmittel, für die der Arzt eine spezielle Qualifikation braucht.
Wie lange dauert die gesamte Behandlung?
Die Operation ist nur ein Baustein. In der Praxis zieht sich der komplette Behandlungszeitraum, meist kombiniert mit einer kieferorthopädischen Therapie mit Zahnspangen, häufig über mehrere Jahre.
Was ist nach dem Eingriff zu beachten?
Bis die Betäubung abgeklungen ist, nichts essen und trinken. Kühlpacks von außen wirken Schwellungen entgegen. In den ersten zwei Tagen keine heißen oder kohlenhydrathaltigen Getränke und keine Fruchtsäfte, in der ersten Woche kein Sport, keine Sauna, kein schweres Heben und keine Milchprodukte, Alkohol, Kaffee, Zigaretten oder schwarzer Tee. Nach jeder Mahlzeit mit lauwarmem Wasser spülen.
Welche Risiken gibt es?
Sie hängen stark vom jeweiligen Eingriff ab, das Durchtrennen des Lippenbändchens etwa ist sehr risikoarm. Bei keiner Operation lassen sich lokale Infektionen oder Nachblutungen ganz ausschließen. Bei Nachblutungen, starken Schmerzen oder Fieber gehört man umgehend zum Facharzt.