Knochenbrüche

Einen Knochenbruch operieren: Mittel und Methoden

Ein Knochenbruch ist durch den Umstand gekennzeichnet, dass die Kontinuität eines Knochens partiell oder vollständig unterbrochen ist. Typische Symptome eines Knochenbruchs sind ein Funktionsverlust des betroffenen Körperteils sowie daran auftretende Schmerzen. Brüche an einem Knochen werden durch direkte oder indirekte Gewalt ausgelöst. Weitere Ursachen wie Vorerkrankungen oder eine Ermüdung der Knochen treten ebenfalls relativ häufig auf. In diesen Fällen kann die Notwendigkeit bestehen, die Knochen operativ zu therapieren.

Eine Fraktur: was ist das?

Ein Knochenbruch – die medizinische Bezeichnung lautet „Fraktur“ – zeichnet sich durch eine Spaltung von zwei oder mehreren Bruchstücken aus, die partiell verschoben sein können. Jeder Mensch hat insgesamt 206 unterschiedliche Knochen, die an einigen Stellen sogenannte „Soll-Bruchstellen“ aufweisen. Diese Soll-Bruchstellen – ein typisches Beispiel ist der Oberarm – gelten als besonders bruchanfällig.

Besonderheiten der Frakturheilung

Im Gegensatz zum Hautgewebe heilt ein Knochen ohne Narbe ab. Betroffene unterziehen sich einer sogenannten Knochenbruchbehandlung, die in einer schnellmöglichen Belastung des erkrankten Knochens resultiert. Ärzte treiben den Heilungsprozess voran, indem die Position des gebrochenen Knochens den ursprünglichen anatomischen Achsenverhältnissen des betroffenen Knochens angepasst wird. Wichtige Voraussetzungen für einen optimalen Heilungsverlauf sind eine Ruhigstellung des Bruchs sowie eine angemessene Blutversorgung.

Die Heilungsdauer ist von Knochen zu Knochen unterschiedlich. Einige Beispiele im Überblick:

  1. Schlüsselbeinbruch: Heilungsdauer 3 bis 4 Wochen (bei konservativer Behandlung)
  2. Oberschenkelbruch: Heilung nach etwa 10 bis 14 Wochen

Das Ziel der OP von Knochenbrüchen

Das Ziel der Operation eines Knochenbruchs ist es, dass der erkrankte Knochen in seiner funktionsgerechten ursprünglichen Stellung zusammenwächst. Bei einigen Krankheitsbildern ist ein konservativer Behandlungsansatz durch eine Ruhigstellung in einem Gipsverband möglich. Andere Frakturen bedürfen einer operativen Therapie, bei denen die Bruchenden mit Nägeln, Schrauben, Platten oder Drähten wieder zusammengefügt und in der richtigen Stellung positioniert werden. Die chirurgische Versorgung der Knochen erfolgt ambulant oder stationär.

Wann ist die Knochenbruch-Operation notwendig?

Eine Fraktur-OP ist dann unumgänglich, wenn die Bruchenden durch äußere Manipulation nicht in der ursprünglichen Position aneinandergefügt werden können. Sogenannte offene Brüche bedürfen ebenfalls stets einer operativen Versorgung. Ein derartiges Krankheitsbild ist dadurch gekennzeichnet, dass ein Bruchende des Knochens durch die Haut nach außen dringt. In diesen Fällen raten Chirurgen dringend zu einer Knochenbruch-OP:

  1. Knochen ist sehr hohen Belastungen ausgesetzt (beispielsweise bei Leistungssportlern)
  2. langwierige Ruhigstellung des Knochens würde für Patienten erhöhtes gesundheitliches Risiko bedeuten (beispielsweise bei älteren Menschen)

Über den Nutzen einer Operation beraten sich Arzt sowie Patient zusammen. Liegen besonders schwere Brüche oder gar ein offener Bruch vor, ist der chirurgische Eingriff in jedem Fall nötig. Bei anderen Erkrankungsbildern muss das Nutzen-Risiko-Verhältnis sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Argumenten wie einem erhöhten Operationsrisiko bei Senioren steht die gesteigerte Thrombosegefahr bei einer längeren Ruhigstellung gegenüber. Die Entscheidung basiert stets auf individuellen Aspekten.

Darauf müssen Betroffene vor der OP achten

Vor der Behandlung kontrollieren Fachärzte für Anästhesie die erkrankten Personen stets auf ihre Narkosefähigkeit. Wird die Anästhesie als zu riskant eingestuft, ist möglicherweise von der OP abzusehen oder auf eine andere Betäubungsmethode auszuweichen. Eventuell ist es sinnvoll, sich bereits im Vorfeld um eine häusliche Versorgung für die Zeit nach dem Eingriff zu kümmern. Es ist davon auszugehen, dass erkrankte Personen nach der Therapie nur eingeschränkt handlungsfähig sind. Erfolgt die Fraktur-Operation unter Vollnarkose, müssen Patienten und Patientinnen diese Maßnahmen beachten:

  1. Anästhesist über Einnahme von regelmäßig verabreichten Medikamenten informieren
  2. sechs Stunden vor der Operation: Verzicht auf Nahrung und trübe Flüssigkeiten
  3. zwei Stunden vor der Operation: Verzicht auf klare Flüssigkeiten
  4. keine Nikotinzufuhr am Tag der Anästhesie

Was geschieht bei der Fraktur-Operation?

Eine Pauschalaussage zur Dauer der Fraktur-OP kann nicht getroffen werden. Individuell notwendige Maßnahmen sowie die jeweiligen Verletzungen beeinflussen den Zeitansatz der Operation maßgeblich. Die Form der Betäubung hängt von der Lokalisation der Fraktur ab. Möglich sind folgende Anästhesien:

  1. Plexusanästhesie: für Knochenbrüche an Arm und Hand
  2. Spinalanästhesie: für Frakturen an Bein und Fuß
  3. Vollnarkose

Die genaue Vorgehensweise zur chirurgischen Behandlung einer Fraktur wird durch diese Faktoren beeinflusst:

  1. Position der Bruchenden
  2. eventuell aufgetretene Begleitverletzungen
  3. Umfang der Verletzung
  4. Lokalisation des Bruchs

Zu Beginn legt ein Operateur normalerweise den Knochen frei, um die Bruchenden von dem verletzten Knochengewebe zu befreien. Nach diesem Schritt ist es im Einzelfall sinnvoll, den entstandenen Knochendefekt mit Knochenspäne aus dem Beckenkamm aufzupolstern. Bruchenden werden in der richtigen Position zusammengeführt und durch Kirschnerdrähte, Platten oder Schrauben fixiert. Müssen Platten von außen angebracht werden, erfolgt eine Befestigung mit Schrauben. Nehmen Ärzte eine Nagelung vor, fixieren diese den Knochen von innen durch einen Nagel. Kirschnerdrähte kommen zum Einsatz, falls kein gerader Knochenanteil betroffen ist. Die Wahl des richtigen Materials wird zumeist erst während der Operation gefällt. Individuelle Gegebenheiten wie der betroffene Knochen bestimmen diese Entscheidung maßgeblich. Im nächsten Schritt versorgen Mediziner die etwaig auftretenden Weichteilverletzungen wie Bandschäden oder Muskelabrisse. Zuletzt wird die Hautwunde wieder vernäht.

Postoperative Pflegemaßnahmen nach der OP des Knochenbruchs

Auch wenn die Operation der Fraktur ambulant erfolgt, verbleiben Betroffene nach der operativen Behandlung noch für einige Zeit unter Beobachtung. Eine ärztliche Betreuung ist so lange erforderlich, bis Patienten fit genug für den Heimweg sind. Bis sich behandelte Personen wieder rundum fit fühlen, dauert es zumeist einige Stunden. Deshalb ist es am Tag der Behandlung nicht gestattet, allein Auto zu fahren oder öffentliche Verkehrsmittel ohne Begleitperson zu nutzen. Es ist sinnvoll, sich von Angehörigen abholen zu lassen oder mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Folgende Verfahrensweisen begünstigen den Genesungsprozess maßgeblich:

  • Schmerzmittel einnehmen (falls Schmerzen auftreten)
  • viel Bewegung von nicht ruhiggestellten Gelenken
  • Hochlagerung der erkrankten Gliedmaße im frühen Erkrankungsstadium
  • Kühlung (zur Vermeidung von Schwellungen)
  • regelmäßige Durchführung von krankengymnastisch verordneten Übungen

Betroffenen wird angeraten, die empfohlenen Kontrolluntersuchungen akribisch wahrzunehmen. Patienten sollten ihren Arzt umgehend kontaktieren, wenn starke Schmerzen, Fieber, ein drückender Verband oder Schwellungen auftreten.

Mögliche Risiken der Fraktur-OP

Das individuelle Risiko der Eingriffe richtet sich nach den Verletzungen. Dennoch bestätigen Chirurgen, dass die Risiken einer Operation von Frakturen sehr gering sind. Komplikationen können zwar nicht von vornherein ausgeschlossen werden, sind aber dennoch selten. Möglicherweise leiden Betroffene unter diesen unangenehmen Begleiterscheinungen:

  1. Nervenverletzungen
  2. Gefäßverletzungen
  3. Knochenentzündungen
  4. erhöhtes Thromboserisiko (bei Verletzungen von Knie- oder Fußgelenken)

Nach der ersten Operation der Knochenbrüche können Mediziner keine nachfolgende Fehlstellung einzelner Knochenteile ausschließen. Möglicherweise ist eine zweite OP erforderlich. Falls der Bruch durch eine Wachstumsfuge läuft, kann das Wachstum in den erkrankten Gliedmaßen wieder gestört sein. Damit die chirurgische Behandlung erfolgreich verläuft, müssen Patienten nach der Operation eventuell ein muskuläres Aufbautraining durch krankengymnastische Maßnahmen durchführen.

Knochenbrüche operieren lassen: Vor- und Nachteile

Raten Ärzte zu einer Operation von Knochenbrüchen, ist dieser Eingriff auch notwendig. In den meisten Fällen spricht das Nutzen-Risiko-Verhältnis eindeutig für den hohen Nutzen. Schlimmstenfalls führen nicht operierte Knochenbrüche zu massiven Einschränkungen kompletter Gliedmaßen.

Vorteile

  • Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit und Unversehrtheit von Knochen und Gliedmaßen
  • Vollnarkose für Operationen nicht dringend notwendig
  • geringe Risiken
  • Krankenkassen tragen Behandlungskosten
  • Genesungszeit beschränkt sich häufig auf wenige Wochen

Nachteile

  • bei erfolglosem Heilungsverlauf ist möglicherweise eine zweite Operation nötig
  • schlechtere Heilungsprognosen bei unzureichenden Nachsorgemaßnahmen

Häufige Fragen zum Thema Knochenbrüche

Wann muss ein Knochenbruch operiert werden?

Wenn sich die Bruchenden nicht von außen in die ursprüngliche Position bringen lassen und bei offenen Brüchen, bei denen ein Bruchende durch die Haut nach außen dringt. Auch wenn der Knochen sehr hohen Belastungen ausgesetzt ist, etwa bei Leistungssportlern, oder eine lange Ruhigstellung ein gesundheitliches Risiko bedeuten würde, raten Chirurgen zur Operation.

Wie lange dauert die Heilung?

Das hängt vom betroffenen Knochen ab. Ein Schlüsselbeinbruch heilt bei konservativer Behandlung in drei bis vier Wochen, ein Oberschenkelbruch braucht etwa 10 bis 14 Wochen. Bei Kindern heilen Frakturen schneller, weil sich die Knochen noch im Wachstum befinden, oft genügt dort ein Gipsverband.

Womit wird der Knochen fixiert?

Mit Platten und Schrauben von außen, mit einem Nagel von innen oder mit Kirschnerdrähten, wenn kein gerader Knochenanteil betroffen ist. Größere Knochendefekte polstert der Operateur mit Knochenspänen aus dem Beckenkamm auf. Welches Material zum Einsatz kommt, entscheidet sich meist erst während der Operation.

Wie wird betäubt?

Das richtet sich nach der Lage des Bruchs: Für Arm und Hand kommt die Plexusanästhesie in Frage, für Bein und Fuß die Spinalanästhesie, daneben ist eine Vollnarkose möglich. Der Anästhesist prüft vorher immer die Narkosefähigkeit.

Brauche ich nach der Operation einen Gips?

Meist nicht. Nach einer operativen Versorgung sprechen Ärzte von einer übungsstabilen Verbindung, ein Gipsverband ist dann in der Regel nicht mehr nötig.

Was fördert die Heilung?

Die betroffene Gliedmaße im frühen Stadium hochlagern und kühlen, um Schwellungen zu vermeiden. Nicht ruhiggestellte Gelenke sollten viel bewegt werden, dazu kommen die verordneten krankengymnastischen Übungen, die aber keine starken Schmerzen verursachen dürfen. Bei Schmerzen helfen Schmerzmittel.

Wann muss ich zum Arzt?

Bei starken Schmerzen, Fieber, einem drückenden Verband oder Schwellungen umgehend. Die empfohlenen Kontrolluntersuchungen sollten genau eingehalten werden.

Welche Komplikationen sind möglich?

Die Risiken sind gering. Selten kommt es zu Nerven- oder Gefäßverletzungen, Knochenentzündungen oder, bei Verletzungen an Knie- und Fußgelenken, zu einem erhöhten Thromboserisiko. Eine Fehlstellung einzelner Knochenteile nach der Operation lässt sich nicht ausschließen, dann ist ein zweiter Eingriff nötig. Verläuft der Bruch durch eine Wachstumsfuge, kann das Wachstum gestört sein.