Die Knochensubstanz verbessern: mit einer Knochentransplantation
Erleidet ein Knochen in einem bestimmten Bereich einen Verlust der Knochensubstanz, ist es eventuell notwendig, eine Knochentransplantation durchzuführen. Das für diese OP benötigte Knochengewebe kann aus dem eigenen oder einem fremden Körper erlangt werden. Alternativ wäre eine Auffüllung mit Knochenersatzmaterial vorstellbar. Damit die Knochenspäne am Sprunggelenk oder einer anderen Körperpartie implantiert werden können, gibt es vielfältige Möglichkeiten, die in erster Linie von dem auslösenden Defekt oder Befund abhängen.

Ursachen: wann ist eine Knochentransplantation nötig?
Erleidet die Knochensubstanz massive Verluste, ist im Regelfall eine Knochentransplantation erforderlich. Mögliche Ursachen für den Abbau der Knochensubstanz sind folgende:
- schwere Verletzungen (Knochenbrüche)
- Knocheninfektionen
- Falschgelenkbildung (unzureichende Einheilung eines Knochenbruchs)
- Tumoroperation
- Austausch von Gelenkprothesen
Ein Knochenbruch wird normalerweise durch mechanische Gewalt wie einem Sturz, Sport oder Unfall ausgelöst. Eine andere mögliche Ursache ist ein Knochenbruch nach länger andauernder Belastung, der dadurch ermüdet. Erkrankungen mit einem Rückgang der Knochensubstanz oder Osteoporose machen sich ebenfalls durch eine höhere Anfälligkeit für Knochenbrüche bemerkbar. Eine Knocheninfektion ist eine durch Bakterien verursachte Krankheit, die bei Verletzungen eindringen oder über die Blutbahn den Knochen erreichen. Das Risiko für derartige Entzündungen erhöht sich bei HIV, Diabetes Mellitus oder der Einnahme spezieller Medikamente.
Falschgelenke bilden sich heraus, wenn Knochen gebrochen sind oder bei chirurgischen Eingriffen durchtrennt werden. Wachsen die Knochen im Heilungsprozess nicht wieder stabil zusammen, bilden sich Falschgelenke heraus. Typische Auslöser für die Herausbildung eines Falschgelenks sind:
- eingeklemmtes Gewebe zwischen Knochenbruchstücken
- mechanische Belastung
- unzureichende Ruhigstellung des erkrankten Knochens
- Durchblutungsstörungen
- Knocheninfektionen
- Steigerung des Risikos für Falschgelenke durch Medikamenteneinnahme oder Diabetes
Ein Knochentumor entwickelt sich vom Knochen aus, von in der Nähe befindlichen Gewebeteilen oder durch Metastasen anderer Körperorgane. Zumeist können Mediziner keine genaue Ursache für die Herausbildung der Tumoren benennen. Gelenkprothesen werden bei einem massiven Gelenkverschleiß sowie anderen schwerwiegenden Erkrankungen des Knies oder Hüftgelenks eingesetzt. Insbesondere bei einer Lockerung ist es möglich, dass ein Wechsel der Prothesen erforderlich ist.
Symptome einer gestörten Knochenstruktur
Knochenbrüche sind sehr schmerzhaft. Diese Schmerzen verstärken sich insbesondere dann, wenn das jeweilige Körperteil belastet wird. Die natürliche Funktion des Körperteils ist stark eingeschränkt. Schlimmstenfalls funktioniert das Körperareal überhaupt nicht mehr. Häufig ist eine Schwellung erkennbar, die eventuell mit einem Bluterguss kombiniert ist. Bei einem verschobenen Bruch ist das Körperteil deutlich von außen sichtbar verformt. Möglicherweise besteht eine übermäßige Beweglichkeit.
Leiden Patienten an einer sogenannten Falschgelenkbildung – der Pseudarthrose – sind Muskelschwund, Gelenkbeschwerden oder Fehlstellungen die Folge. Die Stabilität des erkrankten Körperteils ist massiv eingeschränkt. Zudem können die Gliedmaße oder das Körperteil ihrer Funktion nicht mehr ausreichend gerecht werden. Eine Knochenentzündung – die sogenannte Osteitis – verursacht am erkrankten Knochen Schwellungen, Schmerzen oder eine Überwärmung. Es entsteht eine Entzündung, die die Eiterbildung anregt. Diese Infektion schädigt das Knochen- und Weichteilgewebe zum Teil irreparabel. Im weiteren Krankheitsverlauf bilden sich eventuell unnatürliche Verbindungen mit entzündlichem Sekret heraus, sogenannte Fisteln. Gelangt der Erreger in die Blutbahn, drohen allgemeine Infektionen, die bis zu einer Sepsis führen können.
Knochentumore verlaufen für einen längeren Zeitraum völlig asymptomatisch. Der Knochen verdickt und ist möglicherweise schmerzhaft. Möglicherweise ist die Beweglichkeit massiv eingeschränkt. Gelegentlich entstehen krankhafte Knochenbrüche. Bei einem Tumor mit bösartigem Gewebe siedeln sich Metastasen an anderen Körperpartien an.
Vor der Transplantation der Knochen: die Diagnostik
Bevor eine Transplantation der Knochenspäne durchgeführt wird, müssen Fachärzte für Orthopädie eine Diagnose stellen. Folgende diagnostische Verfahren kommen vor der Behandlung zum Einsatz:
- Anamnese
- körperliche Untersuchung
- Anwendung bildgebender Methoden wie Röntgen, Szintigraphie, Magnetresonanztomographie und Computertomographie
- Blutuntersuchungen
Wie hoch sind die Erfolgschancen?
In aller Regel heilen die Knochen durch den Einsatz von Ersatzmaterialien oder natürlichen Knochensubstanzen effektiver aus. Eine 100%ige Wiederherstellung der ursprünglichen funktionellen Ausgangsposition kann jedoch nicht immer gewährleistet werden. Das Material heilt nur in Ausnahmefällen schlecht ein. Möglicherweise muss eine Folgeoperation vorgenommen werden.
Vor der Operation: wichtige Hinweise
Nach einer gründlichen Untersuchung und Anamnese werden Patienten und Patientinnen über vorbereitende Schritte vor der Knochentransplantation instruiert. Beispielsweise ist es dringend notwendig, blutgerinnungshemmende Substanzen wie Aspirin oder Marcumar vor der OP abzusetzen. Solche Maßnahmen erfolgen stets nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.
Die wichtigsten Therapieansätze im Überblick
Die erste Grundlage vor einer Knochentransplantation bilden möglicherweise konservative Therapieansätze. Allerdings lassen sich die Knochenerkrankungen durch Krankengymnastik, Ruhigstellung oder Pharmazeutika nicht komplett therapieren. Konservative Verfahren bilden möglicherweise eine erste Grundlage für die Behandlung. Knochentransplantationen sind bei diesen Krankheitsbildern jedoch unumgänglich.
Operationen für eine Transplantation der Knochen erfolgen unter Vollnarkose. Ist eine OP am Arm oder Bein geplant, wird eine stramme Manschette angelegt, damit die Durchblutung über eine Blutsperre zeitweilig gestoppt wird. Blutungen werden auf ein Minimum reduziert. Die Sicht auf das zu operierende Areal wird deutlich verbessert.
Soll für die Transplantation Eigenknochen entnommen werden, entnehmen Chirurgen ein kleines Knochenteil aus einer Körperregion, die statisch von untergeordneter Bedeutung ist. Im Rahmen desselben Eingriffs oder einer nachfolgenden Operation wird der Knochenspan an der erkrankten Position eingesetzt. Das verwendete Knochenfragment wird zwar üblicherweise abgebaut. Dennoch schreitet der Heilungsprozess massiv voran. Schließlich wird der umgebende Knochen in seinem Wachstum unterstützt. Fällt die Wahl auf einen Fremdknochen, entstammt das Körpermaterial entweder von hirntoten Menschen oder Lebendspendern, denen die Knochen zumeist aus dem Hüftkopf entnommen werden. Diese Spender erhalten zumeist sowieso eine Hüftprothese, für deren Einsetzen die Knochenteile ohnehin entnommen werden müssen.
Eine Verwendung künstlichen Knochenersatzmaterials ist insbesondere bei stark strapazierten Körperbereichen empfehlenswert. Als Knochenersatz dienen beispielsweise diese Materialien:
- Knochenzement
- Hydroxylapatit
Häufig werden die Materialien mit antibiotischen Wirkstoffen vermengt, um der Entstehung von Krankheitserregern entgegenzuwirken. Allerdings heilen die Knochenersatzmaterialien schlechter als natürliche Knochen ein. Deshalb werden den Substanzen häufig Eigen- oder Fremdknochen beigefügt. Um das nach der Operation aufkommende Wundsekret aufzufangen, werden Patienten und Patientinnen für gewöhnlich mit Drainagen versorgt. Diese Drainagen werden zumeist nach einigen Tagen wieder entfernt. Als nächsten Versorgungsschritt erhalten Betroffene einen Verband, Gips oder Schienen zur Stabilisierung.
Eine spontane Erweiterung der ursprünglich geplanten Operation ist notwendig, falls bei einer Eigenknochenentnahme mehr Gewebe des Ursprungsknochens entnommen werden muss als im Vorfeld vermutet. Ist der Knochen nach dieser Behandlung nicht mehr stabil genug, muss das Körperteil möglicherweise mit Nägeln, Schrauben oder Platten fixiert werden.
Postoperative Maßnahmen nach der Transplantation
Leiden Betroffene nach der Knochentransplantation unter starken Schmerzen, ordnen behandelnde Ärzte im Bedarfsfall schmerzhemmende Medikamente an. Nach der Operation sollten Patienten folgende ärztliche Hinweise beachten:
Sport sowie andere Aktivitäten mit einer belastenden Einwirkung sollten durch operierte Personen erst ausgeübt werden, wenn Mediziner nach der Behandlung einen stabilen Gesundheitszustand attestieren. Vermuten Betroffene Komplikationen, sollte umgehend ein Facharzt konsultiert werden.
Welche Komplikationen können auftreten?
Eine Knochentransplantation ist mit einigen Risiken verbunden. Die nachfolgend aufgelisteten Komplikationen können, müssen jedoch nicht auftreten. Attestieren Mediziner eine medizinische Notwendigkeit zur Durchführung des Eingriffs, überwiegen die Vorteile der Behandlung im Vergleich zu den Risiken. Möglicherweise werden Körperstrukturen geschädigt, die sich in der Nähe des operierten Körperareals befinden. Möglicherweise treten diese Komplikationen auf:
- Blutergüsse
- Nachblutungen
- Blutungen
- Infektionen
- Wundheilungsstörungen
- Narbenbildung
- Lähmungserscheinungen oder gestörtes Empfindungsvermögen durch verletzte Nerven
- Lähmungen bzw. Druckschäden durch Blutstauungsmanschette
- vermehrte Knochenbrüche an Entnahmestelle
- Einheilung der Knochen in falscher Position
- Gelenksteifigkeit
- verringerte Beweglichkeit
- Verschleiß
- Schwächung von Knochen und Muskulatur
- Sudeck-Syndrom: massiver Knochenabbau mit schmerzhaften Entzündungen
- verminderte Durchblutung
- allergische Reaktionen
- Infektion mit HIV oder Hepatitis bei Fremdknochenübertragung
Die Risiken lassen sich reduzieren, indem sich Betroffene ausschließlich an versierte und renommierte Operateure oder Orthopäden wenden. Je größer der Erfahrungsreichtum der Ärzte ist, umso sicherer führen sie die Behandlungen durch.
Die Transplantation von Knochen: Vor- und Nachteile
Knochen werden nur bei medizinischer Indikation transplantiert. Deshalb wirkt sich die Operation auf Dauer vorteilhaft auf Betroffene aus. Die Folgen von Knochenerkrankungen werden gelindert oder gar komplett geheilt. Die Erfolgsaussichten sind gut. Patienten und Patientinnen sind aus dem Grund beraten, die ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Vorteile
- sehr gute Erfolgsprognosen für Knochentransplantation
- unterschiedliche Behandlungsansätze durch Eigen- oder Fremdknochen
- gesteigerte Lebensqualität bei erfolgreichem Behandlungsverlauf
- Nachsorgemaßnahmen schränken Betroffene nur für kurzen Zeitraum ein
Nachteile
- Eingriff ist mit gewissen Risiken verbunden
- keine Garantie auf erfolgreichen OP-Verlauf
- möglicherweise schließen sich an Operation weitere Behandlungen an
Häufige Fragen zum Thema Knochentransplantation
Wann ist eine Knochentransplantation nötig?
Bei massivem Verlust der Knochensubstanz, etwa nach schweren Knochenbrüchen, bei Knocheninfektionen, bei Falschgelenkbildung durch unzureichend verheilte Brüche, nach Tumoroperationen oder beim Austausch von Gelenkprothesen.
Was ist ein Falschgelenk?
Wachsen gebrochene oder chirurgisch durchtrennte Knochen im Heilungsprozess nicht stabil zusammen, bildet sich eine Pseudarthrose. Auslöser sind eingeklemmtes Gewebe zwischen den Bruchstücken, mechanische Belastung, unzureichende Ruhigstellung, Durchblutungsstörungen oder Knocheninfektionen. Folgen sind Muskelschwund, Gelenkbeschwerden und Fehlstellungen.
Welches Material kommt zum Einsatz?
Eigenknochen aus einer statisch unbedeutenden Körperregion, Fremdknochen von hirntoten Menschen oder Lebendspendern, meist aus dem Hüftkopf, oder künstliches Ersatzmaterial wie Knochenzement und Hydroxylapatit. Ersatzmaterialien werden oft mit Antibiotika versetzt, heilen aber schlechter ein als natürlicher Knochen, deshalb mischt man ihnen häufig Eigen- oder Fremdknochen bei.
Wie läuft die Operation ab?
Unter Vollnarkose. Bei Eingriffen an Arm oder Bein legt der Chirurg eine stramme Manschette an, die die Durchblutung vorübergehend stoppt, das mindert Blutungen und verbessert die Sicht. Der defekte Bereich wird freipräpariert und der Knochenspan eingesetzt. Zum Auffangen des Wundsekrets kommen Drainagen hinein, die nach einigen Tagen entfernt werden, danach folgen Verband, Gips oder Schiene.
Wie gut heilt der übertragene Knochen ein?
In der Regel heilen Knochen mit Ersatzmaterial oder natürlicher Knochensubstanz effektiver aus. Das eingesetzte Fragment wird zwar üblicherweise abgebaut, unterstützt aber das Wachstum des umgebenden Knochens. Eine hundertprozentige Wiederherstellung der Funktion lässt sich nicht immer erreichen, und in Ausnahmefällen ist eine Folgeoperation nötig.
Was ist nach dem Eingriff wichtig?
Die operierte Region einige Wochen schonen und hochlagern, zur Fortbewegung bei Bedarf Gehhilfen nutzen und die übrigen Gelenke viel bewegen. Krankengymnastik gehört dazu. Sport und belastende Aktivitäten sind erst erlaubt, wenn der Arzt einen stabilen Zustand attestiert.
Welche Komplikationen sind möglich?
Blutungen, Nachblutungen und Blutergüsse, Infektionen, Wundheilungsstörungen, Narbenbildung, Nervenverletzungen mit Lähmungen oder Empfindungsstörungen, Druckschäden durch die Blutsperre, Knochenbrüche an der Entnahmestelle, Einheilung in falscher Position, Gelenksteifigkeit und das Sudeck-Syndrom. Bei Fremdknochen besteht theoretisch ein Infektionsrisiko mit HIV oder Hepatitis.