Knorpelschäden effizient behandeln: mit einer Knorpeltransplantation
Eine Knorpeltransplantation ist ein relativ neues chirurgisches Verfahren, das für eine Therapie von Knorpelschäden in großen Gelenken eingesetzt wird. Medizinische Termini wie „autologe Knorpelzelltransplantation“ oder „autologe Chondrozyten-Transplantation“ bezeichnen ebenfalls die Therapieform, die Mediziner insbesondere bei lokaler Arthrose anwenden. Sind jüngere Patienten an einem begrenzten Knorpelschaden erkrankt, hat sich die Knorpeltransplantation ebenfalls bewährt. Besonders häufig transplantieren Ärzte die Knorpel bei Knie-, Sprunggelenks- oder Hüftschäden.

Besonderheiten der Transplantation des Knorpels
Mit einer Transplantation des Knorpels verfolgen Fachärzte für Orthopädie das Ziel, vollschichtige Knorpeldefekte durch körpereigenen Knorpel zu therapieren. Dieses durch ein schwedisches Forscherteam entwickelte Konzept beruht auf der Technik, im Rahmen einer Arthroskopie ein kleines Stück Knorpelgewebe eines nicht erkrankten Gelenkbereichs zu entnehmen – beispielsweise dem Kniegelenk. Dieser Knorpelteil wird von seinen Fasern befreit. Die nunmehr vorhandenen Knorpelzellen werden in einem Reagenzglas gezüchtet, um sich dort zu vermehren. Nach einer Wartezeit von mindestens drei Wochen wird der ursprüngliche Knorpelschaden bei einem offenen chirurgischen Verfahren mit Knochenhaut vernäht. Es entsteht eine Gewebetasche, in welche die gezüchteten Knorpelzellen eingeführt werden. Nach einigen Monaten entsteht ein mit einem natürlichen Knorpel vergleichbarer Ersatz.
Wann raten Fachärzte zu einer autologen Knorpeltransplantation?
Im Normalfall sind Knorpelschäden an großen Gelenken die Folge von Unfällen oder Arthrose, dem Gelenkverschleiß. Individuelle Therapieformen richten sich nach dem Umfang des Knorpelschadens. Zur Transplantation eines Knorpels raten Mediziner bei lokal begrenzten Defekten. Ärzte empfehlen eine Knorpeltransplantation bei diesen Beschwerden:
- Schwellneigung
- Ruheschmerzen
- Belastungsschmerzen
Mediziner erstellen die Diagnose über eine Magnetresonanztomographie. Möglicherweise führen Orthopäden zuerst eine Arthroskopie durch, um das Ausmaß des Knorpeldefekts zu bestimmen. Im Anschluss an diese Maßnahme wird über die Notwendigkeit der Transplantation entschieden.
Heilungsprognosen der Behandlung
Die Heilungsaussichten hängen vom individuellen Krankheitsbild ab. Generell sind kleine und isolierte Defekte wesentlich besser behandelbar als größere Schäden. Durch einen Unfall verursachte Schäden sind einfacher therapierbar als arthrosebedingte Knorpelschäden. Da die Transplantation körpereigener Gelenkknorpel erfolgversprechender als andere Verfahren ist, gehen Fachärzte von positiven Langzeitergebnissen aus. Nach aktuellem Stand der Medizin stufen Ärzte etwa 85 Prozent aller Knorpeltransplantationen als Erfolg ein.
Vor dem Transplantieren: worauf müssen Betroffene Acht geben?
Nach der Diagnose besprechen Arzt und Patient die weitere Vorgehensweise. Ist eine Behandlung unter Vollnarkose geplant, dürfen Betroffene spätestens ab sechs Stunden vor der Transplantation keine feste Nahrung oder trübe Flüssigkeiten mehr zu sich nehmen. Um den Heilungsprozess zu verbessern, sollte der Nikotinkonsum bereits einige Tage (vor) sowie nach der Operation eingestellt werden. Ab zwei Stunden vor dem Eingriff ist ebenfalls eine Einnahme klarer Flüssigkeiten untersagt. Alternativ kommt eine Betäubung mit einem Lokalanästhetikum in Betracht.
Ablauf der autologen Knorpeltransplantation
Als für eine Transplantation geeignete Gelenkanteile gelten das obere Sprunggelenk der Talusgelenkfläche, die Rückfläche der Kniescheibe sowie Oberschenkelrollen des Kniegelenks. Liegt an einer Kniegelenksverletzung ein Kreuzband- oder Meniskusschaden vor, müssen diese Defekte automatisch mit therapiert werden. Diese Strategie bedarf einer individuellen Therapieplanung. Die Knorpeltransplantation verläuft in folgenden Schritten:
- Knorpelgewebe von unbelasteter Stelle wird bei erster Gelenkspiegelung durch minimal-invasive Schlüsselloch-Technik entnommen
- körpereigener Knorpel wird in Labor zwischen drei und vier Wochen über verschiedene Trägermaterialien auf großem Knorpeltransplantat herangezüchtet
- Transplantat wird bei offenem Eingriff auf defektem Knorpel transplantiert
- bei tiefen bis in die Knochen reichenden Defekten wird Knochen mit Spongiosaplastik unterfüttert
Nach der Transplantation: postoperative Pflegemaßnahmen
Unmittelbar nach dem Eingriff sollten behandelte Personen bedenken, dass das frisch transplantierte Gewebe noch nicht stark belastet werden kann. Abhängig vom erkrankten Gelenk, müssen sich Betroffene an einem speziellen Nachbehandlungsmuster orientieren. Ärztliche Empfehlungen lauten wie folgt:
Risiken und Komplikationen nach der Operation
Genauso wie jede andere Operation, birgt die autologe Knorpeltransplantation gewisse Risiken. Generell sollten sich Patienten und Patientinnen vor Augen führen, dass die Transplantation ein Standardeingriff ist, bei dem Komplikationen die Ausnahme sind. Dennoch sollten Betroffene Risiken sowie Heilungschancen gegeneinander abwägen. Bedenken sind insbesondere bei den Patienten und Patientinnen angebracht, die unter Begleiterkrankungen leiden, die wiederum ein erhöhtes Eingriffsrisiko darstellen. Leiden zu behandelnde Personen beispielsweise unter einer Herz-Kreislauf-Schwäche oder einem schlechten Allgemeinzustand, ist möglicherweise von den Operationen abzuraten. Folgende Risiken kommen in Betracht:
- Entstehung von Narben
- Schmerzen nach der Operation
- Blutungen
- Verletzungen an umliegendem Gewebe wie Gefäßen, Gelenken oder Nerven
- Infektion (schlimmstenfalls Sepsis)
- Versteifung des Gelenks
- allergische Reaktionen
Die Knorpeltransplantation: Vor- und Nachteile
Die autologe Knorpeltransplantation ist ein relativ neuer medizinischer Behandlungsansatz, dessen kurz- und mittelfristige Erfolge mittlerweile unumstritten sind. Obwohl Langzeitergebnisse über den Verlauf der Transplantationen noch nicht vorliegen, gibt es einige Gründe, die für das Verfahren sprechen.
Vorteile
- gute Behandlungserfolge bei Knorpelschäden in großen Gelenken
- minimal-invasive Methode mit relativ geringen Risiken
- Erfolgsquote beläuft sich bei aktuellem medizinischem Stand auf 85 Prozent
- Krankenversicherungen übernehmen Behandlungskosten
Nachteile
- Behandlungsansatz auf bestimmte Gelenke beschränkt
- Patienten müssen mindestens zwei Eingriffe in Kauf nehmen
- für Therapie liegen noch keine Langzeitresultate vor
- relativ eingeschränkte Erfolge bei arthrosebedingten Knorpelschäden
- mehrwöchige Nachsorgemaßnahmen erforderlich
Häufige Fragen zum Thema Knorpeltransplantation
Wie funktioniert eine Knorpeltransplantation?
Bei einer ersten Gelenkspiegelung entnimmt der Arzt ein kleines Stück Knorpelgewebe aus einem unbelasteten Gelenkbereich. Im Labor werden die Knorpelzellen drei bis vier Wochen lang auf Trägermaterialien vermehrt. In einem zweiten, offenen Eingriff wird das Transplantat auf den defekten Knorpel gesetzt. Nach einigen Monaten entsteht ein Ersatz, der natürlichem Knorpel nahekommt.
Für welche Gelenke eignet sich das Verfahren?
Besonders häufig für Knie, Sprunggelenk und Hüfte. Geeignet sind das obere Sprunggelenk an der Talusgelenkfläche, die Rückfläche der Kniescheibe und die Oberschenkelrollen des Kniegelenks. Liegen am Knie zusätzlich Kreuzband- oder Meniskusschäden vor, müssen diese mitbehandelt werden.
Wann raten Ärzte dazu?
Bei lokal begrenzten Knorpeldefekten, vor allem bei jüngeren Patienten. Beschwerden, die dafür sprechen, sind Belastungsschmerzen, Ruheschmerzen und eine Schwellneigung. Die Diagnose stellen Mediziner per Magnetresonanztomografie, häufig ergänzt durch eine Arthroskopie zur Bestimmung des Ausmaßes.
Wie hoch sind die Erfolgsaussichten?
Nach aktuellem Stand stufen Ärzte etwa 85 Prozent aller Knorpeltransplantationen als Erfolg ein. Kleine, isolierte Defekte lassen sich deutlich besser behandeln als große, unfallbedingte Schäden besser als arthrosebedingte. Langzeitergebnisse liegen noch nicht vor, kurz- und mittelfristig sind die Resultate aber positiv.
Wie viele Eingriffe sind nötig?
Mindestens zwei: die Gelenkspiegelung zur Entnahme des Knorpelgewebes und der offene Eingriff zur Transplantation, dazwischen liegen drei bis vier Wochen Zuchtzeit im Labor.
Was ist nach der Operation zu beachten?
Das frisch transplantierte Gewebe darf zunächst nicht stark belastet werden. Je nach Gelenk sind mehrwöchige Entlastung, unter Umständen mit Gehhilfen, und Einschränkungen des Bewegungsumfangs nötig. Ist das Transplantat gut eingeheilt, folgen Muskelaufbau und Konditionstraining, bei jüngeren Patienten mit dem Ziel, die Sportfähigkeit wiederherzustellen.
Welche Risiken bestehen?
Komplikationen sind die Ausnahme. Möglich sind Narbenbildung, Schmerzen nach der Operation, Blutungen, Verletzungen von Gefäßen, Nerven oder Gelenken, Infektionen bis hin zur Sepsis, eine Gelenkversteifung sowie allergische Reaktionen. Bei Herz-Kreislauf-Schwäche oder schlechtem Allgemeinzustand raten Ärzte unter Umständen ganz ab.