Lebertransplantationen

Menschenleben retten: mit einer Lebertransplantation

Die Leber ist das zentrale und wichtigste Stoffwechselorgan des menschlichen Körpers. Ist die Funktion der Leber gestört, bilden sich im Organismus Giftstoffe. Lebenswichtige Stoffe wie Blutgerinnungsfaktoren entstehen hingegen nicht mehr ausreichend. Versagt die Funktion der Leber komplett, tritt der Tod der Patienten zumeist binnen weniger Stunden ein.

Die Leber ist mit einem Gewicht von 1,5 Kilogramm das größte innere Organ der Menschen. Die Leber nimmt verschiedene Speicher-, Synthese- und Stoffwechselprozesse vor:

  1. Bildung/Ausscheidung der Galle
  2. Abbau/Entgiftung
  3. Regulation des Fett-, Eiweiß- sowie Kohlenhydratstoffwechsels
  4. Speicherung von Spurenelementen, Vitaminen, Fett und Glykogen
  5. Entstehung unterschiedlicher Enzyme sowie Faktoren für Blutgerinnung

Wann ist eine Transplantation der Leber notwendig?

Leiden Betroffene an akutem oder chronischem Leberversagen, ist eine Transplantation die einzige Überlebenschance. Zwar bietet die Medizin sogenannte Leberdialysemethoden an. Allerdings übernimmt diese Behandlungsform die Entgiftungsfunktion nur für einen beschränkten Zeitraum. Ein adäquater Ersatz für die Leber ist die Dialyse allerdings nicht.

Grundsätzlich ist die Leber zwar in der Lage, sich nach einer Schädigung zu regenerieren. Ist eine Erkrankung zu schwerwiegend und können Medikamente die Heilung nicht unterstützen, erholt sich das Lebergewebe auch nicht. Zumeist bemerken Ärzte die Lebererkrankung erst zu spät, da das Körperorgan Funktionsausfälle für einen gewissen Zeitraum von allein reguliert. Denn zu Beginn auftretende Symptome wie Appetitverlust, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit oder Abgeschlagenheit sind relativ unspezifisch. Erst im fortgeschrittenen Stadium sind Beschwerden deutlicher erkennbar. Bei nachfolgenden Diagnosen werden Patienten und Patientinnen auf die Warteliste für Lebertransplantationen aufgenommen:

  1. alkoholische Leberkrankheit
  2. Leberzirrhose
  3. Leberfibrose
  4. Krebserkrankung
  5. angeborene Fehlbildung (zum Beispiel des Gallengangs)
  6. angeborene Stoffwechselerkrankung (Morbus Wilson, Hämochromatose)

Für erkrankte Menschen ermittelt ein Arzt den sogenannten MELD-Score. Diese Einstufung nach der „Model for End-Stage Liver Disease“ wird aufgrund verschiedener Laborwerte ermittelt. Über das Modell wird der individuelle Schweregrad der Lebererkrankung eingestuft.

Die Erfolgsaussichten von Lebertransplantationen

Aufgrund des aktuellen Stands der medizinischen Technik hat sich die Lebenserwartung behandelter Personen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Diese positive Entwicklung ist insbesondere Fortschritten in der Immuntherapie zu verdanken. Die Überlebensrate bis zu einem Jahr nach der Operation beträgt 90 Prozent. Nach zehn Jahren leben noch immer 70 Prozent der operierten Personen. Ausschlaggebende Faktoren für die Erfolgsaussichten der Transplantation sind die Grunderkrankung Betroffener sowie deren allgemeiner Gesundheitszustand.

Transplantationsverfahren im Überblick

Um eine Leber zu transplantieren, kommen zwei verschiedene Methoden in Betracht. Diese zwei Behandlungsansätze basieren auf dem Zustand der Spender. Möglich sind Spenden von bereits verstorbenen oder lebenden Personen.

Split-Lebertransplantation

Bei einer postmortalen Organspende wird die Leber des verstorbenen Spenders nach dessen Ableben komplett verpflanzt oder vor der Transplantation geteilt. Eine Teilung der transplantierten Leber bezeichnen Mediziner als Split-Leber. Nehmen Chirurgen eine Split-Lebertransplantation vor, wird das Organ des Spenders in zwei Teile separiert. Die einzelnen Teile werden jeweils einem Empfänger transplantiert.

Teilleber-Lebendspende

Das aus zwei Leberlappen bestehende Körperorgan kann sich nach einem kurzen Zeitraum regenerieren. Deshalb ist es bereits zu Lebzeiten möglich, einen Teil der Leber zu spenden. Allerdings ist diese Form der Spende für Lebendorganspender nur unter gewissen Voraussetzungen erlaubt. Denn der Eingriff ist nicht komplett risikofrei. Generell ist der Schutz des Lebendorganspenders das wichtigste Ziel. Deshalb müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:

  1. enges persönliches Verhältnis zu Spender muss vorhanden sein
  2. Patient sollte auf Warteliste für Lebertransplantation geführt werden

Nach der Transplantation: worauf achten?

Eine Lebertransplantation ist ein relativ umfassender Eingriff. Deshalb müssen Patienten und Patientinnen bis zu sieben Tage nach der OP auf der Intensivstation verbringen. Anschließend müssen Betroffene weitere ein bis zwei Wochen auf Normalstationen eines Transplantationszentrums einplanen. In diesem Zeitraum werden operierte Personen in eine medikamentöse Therapie eingeführt. Zusätzlich werden sie therapeutisch unterstützt. Durch diese physiotherapeutischen Maßnahmen werden Patienten auf ihren Alltag vorbereitet.

Risiken und Komplikationen nach der Leber-Transplantation

Die Transplantation der Leber ist eine Operation, die alle klassischen Risiken einer OP birgt. Deshalb können Wundinfektionen oder eine Blutgerinnselbildung nicht komplett ausgeschlossen werden. Typische Begleiterscheinungen einer Transplantation der Leber sind folgende:

  1. verschlossene Leberarterie
  2. gesteigertes Blutungsrisiko
  3. nicht funktionierendes Transplantat (eventuell ist Zweittransplantation erforderlich)
  4. Gallengangsstenose (verengte Gallenwege)
  5. deutlich erhöhtes Infektionsrisiko (bedingt durch Arzneimittel, die Immunsystem aufgrund drohender Abstoßung gegen Leber unterdrücken)

Bei dieser Abstoßungsreaktion nimmt der Körper des Leberempfängers das Organ nicht an. Das Immunsystem wehrt sich gegen die Leber. Als typische Symptome einer Abstoßungsreaktion gelten:

  1. lehmfarbiger Stuhl
  2. dunkler Urin
  3. Appetitlosigkeit
  4. schmerzender Bauchraum
  5. gelblicher Farbton an Haut und Augen

Vor- und Nachteile einer Lebertransplantation

Die Leber ist ein überlebenswichtiges Organ, das beispielsweise die Entgiftungsfunktion des Körpers regelt. Ist das Organ schwerwiegend erkrankt und kann es sich nicht selbst regenerieren, ist eine Transplantation für viele Betroffene die einzige Überlebensmöglichkeit.

Vorteile

  • gute Erfolgsaussichten bei positivem Verlauf der Transplantation
  • mehrere Transplantationsoptionen stehen zur Wahl
  • deutlich verbesserte Lebensqualität bei erfolgreichem Verlauf

Nachteile

  • umfangreiche Nachsorgemaßnahmen erforderlich
  • verhältnismäßig riskanter Eingriff
  • bei erfolglosem Transplantationsverlauf droht lebensgefährlicher Zustand für Patienten
  • keine Alternativbehandlung zu Lebertransplantation vorhanden

Häufige Fragen zum Thema Lebertransplantationen

Wann ist eine Lebertransplantation nötig?

Bei akutem oder chronischem Leberversagen ist sie die einzige Überlebenschance. Aufgenommen auf die Warteliste werden Menschen mit fortschreitender, nicht regenerationsfähiger und lebensbedrohlicher Lebererkrankung ohne Behandlungsalternative, etwa bei Leberzirrhose, Leberfibrose, alkoholischer Leberkrankheit, Krebs, angeborenen Fehlbildungen oder Stoffwechselerkrankungen wie Morbus Wilson.

Warum wird die Erkrankung oft spät erkannt?

Die Leber reguliert Funktionsausfälle eine Zeit lang selbst, und die frühen Symptome sind unspezifisch: Appetitverlust, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Deutlich erkennbar werden die Beschwerden erst im fortgeschrittenen Stadium.

Was ist der MELD-Score?

Ein Modell zur Einstufung des Schweregrads einer Lebererkrankung, ermittelt aus verschiedenen Laborwerten. Die Abkürzung steht für Model for End-Stage Liver Disease.

Ist eine Lebendspende möglich?

Ja. Weil sich die aus zwei Lappen bestehende Leber nach kurzer Zeit regeneriert, lässt sich ein Teil zu Lebzeiten spenden. Voraussetzung ist ein enges persönliches Verhältnis zum Spender, und der Empfänger sollte auf der Warteliste geführt werden. Vorteile sind die genaue Planbarkeit und die kurze Zeit ohne Durchblutung des Spenderorgans.

Was ist eine Split-Lebertransplantation?

Bei einer postmortalen Spende wird die Leber vor der Transplantation in zwei Teile getrennt, sodass zwei Empfänger versorgt werden können.

Wie sind die Überlebenschancen?

Ein Jahr nach der Operation leben noch 90 Prozent der Betroffenen, nach zehn Jahren 70 Prozent. Entscheidend sind die Grunderkrankung und der allgemeine Gesundheitszustand. Verantwortlich für die Verbesserung der vergangenen Jahre sind vor allem Fortschritte in der Immuntherapie.

Wie lange dauert der Klinikaufenthalt?

Bis zu sieben Tage auf der Intensivstation, danach ein bis zwei Wochen auf Normalstation eines Transplantationszentrums. In dieser Zeit werden Patienten in die medikamentöse Therapie eingeführt und physiotherapeutisch auf den Alltag vorbereitet.

Woran erkenne ich eine Abstoßungsreaktion?

An lehmfarbenem Stuhl, dunklem Urin, Appetitlosigkeit, Schmerzen im Bauchraum sowie einem gelblichen Farbton von Haut und Augen. Weitere Komplikationen sind eine verschlossene Leberarterie, erhöhtes Blutungsrisiko, verengte Gallenwege und ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko durch die Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken.