Endlich wieder durchatmen: Besonderheiten einer Lungentransplantation
Die Lunge ist ein wichtiges Körperorgan, das für die Atmung sowie den Gasaustausch verantwortlich ist. Bestehend aus zwei Lungenflügeln, ist das Organ in insgesamt fünf Lungenlappen aufgeteilt. Die Lungenflügel zeichnen sich durch feine Verästelungen aus. Während der Einatmung wird Sauerstoff aus der Lunge über Luftröhre und Bronchien bis in die Lungen zurück befördert. An dieser Stelle wird der Sauerstoff ins Blut abgegeben, Kohlendioxid aus Blut aufgenommen und anschließend über das Ausatmungssystem ausgeschieden. Doch was tun, wenn die Lunge nicht funktioniert sowie Ein- und Ausatmung gefährdet sind? Sind alle Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft, ist die Transplantation einer Spenderlunge dringend notwendig.

Wann benötigen Patienten Lungentransplantationen?
Patienten und Patientinnen werden auf der Warteliste für eine Transplantation der Lunge vermerkt, wenn ein endgültiges Lungenversagen diagnostiziert wurde. Darauf basierend, muss die Notwendigkeit der lebenserhaltenden Behandlung attestiert werden. Mehrere Erkrankungen können Lungenversagen verursachen. Diese Krankheiten hängen zumeist vom Alter ab:
- Ödem bzw. Wasseransammlung in der Wunde
- Lungenfibrose (vernarbtes Lungengewebe)
- Mukoviszidose (Erkrankung an Drüsen)
- COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
- Bronchiektasen (ausgeweitete Bronchien)
- pulmonale Hypertension (Bluthochdruck bei Lungenkreislauf)
- exogen allergische Alveolitis (Lungenbläschen sind allergisch entzündet)
- Sarkoidose (entzündliche Lungenerkrankung einschließlich Gewebeveränderung)
Voraussetzung für eine Transplantation der Lunge
Die Nachfrage nach Spenderorganen ist groß. Deshalb existieren strenge Richtlinien, an denen sich die Vergabe der Lungen orientiert. Diese Kriterien fokussieren sich in erster Linie auf Erfolgsaussichten sowie die Dringlichkeit der Transplantation.
- Es sind keine anderen schwerwiegenden Erkrankungen vorhanden.
- In persönlicher Krankengeschichte taucht keine Krebserkrankung auf.
- Prognostizierte Lebenserwartung beläuft sich auf weniger als 18 Monate. Die Lungenfunktion verschlechtert sich messbar.
- Bei einseitiger Lungentransplantation sind Patienten jünger als 60 Jahre. Bei beidseitiger Transplantation haben Patienten noch nicht das 50. Lebensjahr überschritten.
Wie hoch sind die Erfolgsaussichten der Lungen-Operation?
Pro Jahr werden in Deutschland etwa 300 Lungentransplantationen durchgeführt. Die Zahl der Interessenten ist jedoch um einiges höher. Wird Patienten eine Lunge transplantiert, profitieren sie von guten Erfolgsaussichten. Insbesondere in den vergangenen Jahren hat sich die Lebenserwartung der transplantierten Patienten und Patientinnen deutlich verbessert. Durchschnittlich hält die Lebenserwartung der Patienten nach einer Transplantation fünf bis sechs Jahre an. Grundlegende Faktoren sind die Grunderkrankung sowie der generelle Gesundheitszustand. Zwischen 60 und 80 Prozent aller Betroffenen haben die ersten zwei Jahre nach der Lungentransplantation überlebt.
Formen der Lungen-OP
Lungentransplantationen werden von lebenden oder verstorbenen Spendern vorgenommen. Diese zwei Verfahren unterscheiden sich wie folgt.
Lungenlebendspende
Die Lungenlebendspende gilt zwar in Deutschland nicht als medizinischer Standard, ist jedoch grundsätzlich möglich. In diesem Fall nimmt ein Empfänger zwei Lungenlappen von zwei geeigneten Spendern entgegen. Problematisch ist die Lungenlebendspende dahingehend, dass diese Form der Transplantation massive Risiken für die zwei gesunden Lebendspender mit sich bringt. Deshalb wird die Prozedur nur in ausgewählten internationalen Transplantationszentren angewandt.
Postmortale Transplantation der Lunge
Transplantationen der Lunge sind entweder einseitig bzw. unilateral oder doppelseitig bzw. bilateral möglich. Diese Varianten unterscheiden sich maßgeblich voneinander.
- unilateral: Organempfänger behält einen der zwei Lungenflügel; Patienten und Patientinnen erhalten nur einen Lungenflügel von anderen Organspendern
- bilateral: beide Lungenflügel werden implantiert
Beide Varianten der postmortalen Transplantation werden in etwa gleich häufig angewandt.
Postoperative Verfahrensweise nach der Lungen-Operation
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus überprüft der behandelnde Arzt den Allgemeinzustand der Betroffenen wöchentlich. Blutwerte werden regelmäßig kontrolliert. Zusätzlich nehmen Mediziner Röntgen- sowie Ultraschalluntersuchungen vor. Die Medikamentenspiegel im Blut bedürfen einer regelmäßigen Kontrolle. Nach der Transplantation ist eine Immuntherapie dringend notwendig. Die Dosis dieser Therapie muss jedoch stets individuell angepasst werden. Möglicherweise müssen Mediziner diese Dosierung mehrfach verändern. Falls keine weiteren gesundheitlichen Probleme auftreten, verlängern sich die Zeitabschnitte zwischen den medizinischen Kontrollen schrittweise.
Risiken der Transplantationen von Lungen
Eine Lungentransplantation ist eine Operation, die alle klassischen OP-Risiken birgt. Möglicherweise leiden Betroffene nach dem Eingriff an Blutungen oder Wundinfektionen. Nachfolgende Komplikationen sind typische Begleiterscheinungen der Transplantation einer Lunge:
- verengte Atemwege
- Spender- sowie Empfängerbronchus klappen auseinander
- Abstoßungsreaktion (möglicherweise ist zweite Transplantation notwendig)
Wird eine Abstoßungsreaktion rechtzeitig festgestellt, kann diese Komplikation relativ gut therapiert werden. Diese Symptome weisen auf eine Abstoßung des Körpers auf die transplantierte Lunge hin:
- Fieber
- andauernder Hustenreiz
- massive Atemnot trotz geringer körperlicher Belastung
- Schwächegefühl
Eine Lungentransplantation: Vor- und Nachteile
Die Transplantation einer Lunge ist ein kompliziertes operatives Verfahren. Dennoch sollten Betroffene, denen der Eingriff angeboten wird, das Risiko nicht scheuen. Erhalten Patienten die Zusage für eine Lungentransplantation, ist ihre Gesundheit stark gefährdet.
Vorteile
- deutliche Verbesserung der Lebensqualität Betroffener (Entwicklung der letzten Jahre)
- nach erfolgreichem Verlauf fühlen sich Betroffene nach OP wesentlich wohler
- regelmäßige ärztliche Kontrolle über viele Jahre hinweg bietet Sicherheit
Nachteile
- Transplantation wird lungenkranken Menschen nur unter Einhaltung festgelegter Voraussetzungen gewährt
- gesundheitliche Komplikationen sind nach OP zum Teil relativ schwerwiegend und können nicht 100%ig ausgeschlossen werden
- deutschlandweit sind mehr Interessenten als Spender vorhanden
Häufige Fragen zum Thema Lungentransplantationen
Wann ist eine Lungentransplantation nötig?
Bei endgültigem Lungenversagen, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind. Ursachen sind unter anderem Lungenfibrose, Mukoviszidose, COPD, Bronchiektasen, pulmonale Hypertension, exogen allergische Alveolitis und Sarkoidose. Ist auch das Herz betroffen, kann eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation nötig werden.
Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?
Es dürfen keine anderen schwerwiegenden Erkrankungen vorliegen und keine Krebserkrankung in der Krankengeschichte auftauchen. Die prognostizierte Lebenserwartung muss unter 18 Monaten liegen und die Lungenfunktion sich messbar verschlechtern. Für eine einseitige Transplantation gilt eine Altersgrenze von 60 Jahren, für eine beidseitige von 50 Jahren.
Ein Lungenflügel oder beide?
Bei der unilateralen Transplantation behält der Empfänger einen eigenen Lungenflügel und erhält nur einen vom Spender. Bei der bilateralen werden beide Flügel implantiert. Beide Varianten kommen etwa gleich häufig zum Einsatz.
Ist eine Lebendspende möglich?
Grundsätzlich ja, in Deutschland ist sie aber kein medizinischer Standard. Der Empfänger erhält dabei je einen Lungenlappen von zwei geeigneten Spendern. Weil das Verfahren erhebliche Risiken für beide gesunden Spender birgt, wird es nur in ausgewählten internationalen Transplantationszentren angewandt.
Wie sind die Erfolgsaussichten?
In Deutschland werden pro Jahr etwa 300 Lungen transplantiert, die Zahl der Wartenden liegt deutlich höher. Zwischen 60 und 80 Prozent der Betroffenen überleben die ersten zwei Jahre, die durchschnittliche Lebenserwartung nach der Transplantation liegt bei fünf bis sechs Jahren. Entscheidend sind Grunderkrankung und allgemeiner Gesundheitszustand.
Wie sieht die Nachsorge aus?
Nach der Entlassung prüft der Arzt den Allgemeinzustand zunächst wöchentlich, dazu kommen Blutwerte, Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen sowie die Kontrolle der Medikamentenspiegel. Die Immuntherapie wird individuell angepasst, oft mehrfach. Später finden die Kontrollen regelmäßig alle drei Monate statt, um chronische Abstoßungsreaktionen zu erkennen.
Woran erkenne ich eine Abstoßungsreaktion?
An Fieber, anhaltendem Hustenreiz, massiver Atemnot schon bei geringer Belastung und einem Schwächegefühl. Früh erkannt lässt sich eine Abstoßung relativ gut behandeln. Weitere typische Komplikationen sind verengte Atemwege und ein Auseinanderklaffen von Spender- und Empfängerbronchus.