Einsatzmöglichkeiten der medikamentösen Schmerztherapie

Leiden Patienten dauerhaft unter starken Schmerzen, ist die Lebensqualität deutlich eingeschränkt. Häufig fallen schon die kleinsten Bewegungen und Anstrengungen schwer. Eine medikamentöse Behandlung betrachten viele Betroffene oft als letzten Ausweg. Über welche Darreichungsformen und Wirkstoffe die Beschwerden individuell gelindert werden, hängt vorrangig von der Schmerzart sowie Schmerzintensität ab.

Unterschiedliche Schmerztherapien für verschiedene Krankheitsbilder

Die Wirkungsweise der Schmerzmittel in verschiedenen Dosierungen und Kombinationen ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Mehrere Faktoren wirken sich maßgeblich auf die schmerzlindernden Effekte der Pharmazeutika aus. Beispielsweise erfolgt eine Behandlung akuter Schmerzen nach Operationen im Regelfall relativ unproblematisch. Wesentlich schwieriger ist eine Therapie dauerhaft bestehender chronischer Beschwerden oder starker Krebsschmerzen, deren Ursachen häufig sehr schwierig und komplex sind. In diesen Fällen sind sofortige Behandlungserfolge zumeist die Ausnahme. Langwierige Erfolge stellen sich zumeist erst durch Kombinationen mehrerer Arzneimittel sowie anderweitiger Maßnahmen ein.

Tipp der Redaktion: Eine wichtige Grundlage für eine erfolgreich verlaufende Schmerztherapie ist ein gut funktionierendes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Damit die medizinische Unterstützung den erhofften Erfolg erzielt, sollten Betroffene die Mediziner detailliert über die Wirksamkeit der Schmerzmittel informieren. Nur dann ist es für behandelnde Ärzte möglich, die Therapien individuellen Umständen anzupassen.

Eine maßgebliche Komponente: das WHO-Stufenschema

Das WHO-Stufenschema verfolgt den Zweck, die Notwendigkeit einer langfristigen Schmerztherapie einzuschätzen. Die Einstufung basiert auf dem Prinzip, dass die Einnahme von Pharmazeutika auf einem festen Schema aufbaut. Dementsprechend sollte eine Einnahme der Arzneimittel nach Bedarf vermieden werden. Dieses Muster verfolgt die Funktion, dass Schmerzen bei Betroffenen gar nicht erst aufkommen sollen. Treten sogenannte Schmerzspitzen auf, wird die Behandlung einer zusätzlich kurz wirksamen Bedarfsmedikation angepasst.

Tipp der Redaktion: Ist die medikamentöse Schmerztherapie nicht ausreichend, werden diese Maßnahmen durch andere schmerztherapeutische Verfahren ergänzt.

Nicht-Opioid-Analgetika im Überblick

Das WHO-Stufenschema sieht vor, dass unter Schmerzen leidende Personen zuerst Nicht-Opioid-Analgetika erhalten. Erzielen diese Arzneimittel nicht den gewünschten Erfolg, werden die Medikamente durch stark wirksame Opioide ergänzt. Wichtige Vertreter dieser Kategorie sind folgende Arzneimittel:

  • Paracetamol
  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Indometacin
  • Ibuprofen
  • Metamizol
  • Diclofenac

Der Wirkungsort dieser Arzneimittel bezieht sich größtenteils auf die Region der Schmerzentstehung sowie das im Rückenmark befindliche Nervensystem. Zusätzlich zum analgetischen Effekt wirken Pharmazeutika wie Paracetamol ebenfalls fiebersenkend. Andere Medikamente wie Diclofenac zeichnen sich durch eine ergänzende abschwellende sowie antientzündliche Wirkung aus. Ein Großteil dieser Nicht-Opioid-Analgetika ist in Apotheken frei verkäuflich.

Tipp der Redaktion: Obwohl die Arzneimittel frei verkäuflich sind, weisen die Medikamente Nebenwirkungen auf. Wer die Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat einnimmt, sollte sich unbedingt an der empfohlenen Höchstdosis orientieren. Eine regelmäßige längerfristige Einnahme sollte unbedingt durch Absprache mit einem Mediziner erfolgen

Opioid-Analgetika im Überblick

Opium ist ein Wirkstoff, der sich hinsichtlich der Linderung von Schmerzen seit Jahrhunderten bewährt. So spielt Opium bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts in der Medizin eine wichtige Rolle – um Schmerzpatienten in Form von Morphin oder Morphium Erleichterung zu verschaffen. Heutzutage sind Opioid-Analgetika als chemisch synthetisierte Abwandlungen verfügbar. Diese Wirkstoffe mit den Bezeichnungen „Opiate“ oder „Opioide“ variieren durch folgende Komponenten:

  • Wirkungsstärke
  • Nebenwirkungen
  • Verstoffwechselung im Körper

Alle Pharmazeutika dieser Form verbinden die gemeinsamen Angriffspunkte im Rückenmark sowie Gehirn. Des Weiteren wirken sich die Arzneimittel am Nozizeptor in peripherer Form aus. In diesem Bereich wird die Schmerzübertragung blockiert. Nebenwirkungen der Opioid-Analgetika treten bei allen Medikamenten in ähnlicher Form auf. Diese unangenehmen Begleiterscheinungen therapieren Mediziner im Regelfall durch zusätzliche Arzneimittel oder begleitende Maßnahmen. Klassische Nebenwirkungen der Medikamente sind:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Verstopfung
  • dämpfende Effekte einschließlich starker Müdigkeit

Die Pharmazeutika werden nach unterschiedlichen Wirkstärken differenziert. Zur Kategorie schwach wirksamer Arzneimittel gehören Dihydrocodein, Codein, Tramadol oder Tilidin. Der Gruppe stark wirksamer Medikamente gehören Pharmazeutika an, für die Mediziner spezielle Betäubungsmittelrezepte ausstellen müssen.

Tipp der Redaktion: Eine Anwendung mit Opioiden muss in jedem Fall ärztlich überwacht werden. Führen Fachärzte sowie Patienten eine medizinisch kontrollierte Dauertherapie durch, ist die Suchtgefahr für diese Arzneimittel nahezu komplett ausgeschlossen.

Die Pharmazeutika werden bei auftretendem Schmerz als Tabletten, Kapseln oder Pflaster für Dauertherapien verabreicht. Zur kurzfristigen Behandlung bevorzugen Ärzte Injektionsspritzen. Um Schmerzspitzen kurzfristig entgegenzuwirken, sind Sticks oder Tropfen als begleitende Komponente zu Dauertherapien empfehlenswert. Eine Spezialform zur Verabreichung der Schmerzmittel sind Schmerzpumpen, die eine intravenöse Gabe ermöglichen. Bei diesem Therapieansatz wird der Wirkstoff durch eine Pumpe schrittweise in den Blutkreislauf abgegeben. Der Magen-Darm-Trakt wird umgangen. Die Gesamtdosis kann durch diese Methode reduziert werden. Dadurch erzielen Arzt und Patient eine gezielte Senkung etwaig auftretender Nebenwirkungen. Diese Schmerzpumpen haben sich bei der Behandlung starker Krebsschmerzen sowie unangenehmen Schmerzen nach Operationen bewährt.

Weitere Arzneimittel bei der medikamentösen Schmerztherapie

Bei ausgewählten Schmerzformen empfehlen Fachärzte antidepressive oder antiepileptische Pharmazeutika. Diese Wirkstoffe haben sich bewährt, um sogenannten neuropathischen Schmerzen entgegenzuwirken. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Schmerztherapie dieser Form ist, dass die Ursache des Schmerzes eine markante Nervenschädigung ist. Bei diesem Krankheitsbild sind die Substanzen in der Lage, einen durch innere Organe hervorgerufenen krampfartigen Schmerz zu bekämpfen. Als typische Arzneimittel der medikamentösen Schmerztherapie gelten:

  • Spasmolytika (krampflösende Arzneimittel) wie Metamizol oder Butylscopolamin
  • Bisphosphonate
  • Calcitonin

Die letzten beiden Wirkstoffe wirken sich positiv auf den Knochenstoffwechsel sowie Knochenschmerzen aus. Diese Medikamente dienen als schmerzbefreiende Unterstützung bei Knochenmetastasen oder Knochenkrebs.

Tipp der Redaktion: Das sogenannte NSAR, ein nichtsteroidales Antirheumatikum, wird ebenfalls im Kampf gegen Schmerz eingesetzt. Dieses von Sterinen abgeleitete entzündungshemmende Arzneimittel hemmt den Schmerz sowie Entzündungsanzeichen.

Vor- und Nachteile der medikamentösen Schmerztherapie

Eine medikamentöse Schmerztherapie steigert die Lebensqualität betroffener Personen deutlich. In vielen Fällen ist es jedoch dringend erforderlich, dass die Einnahme der Arzneimittel ärztlich überwacht wird.

Vorteile

  • Schmerzen betroffener Personen werden gelindert
  • deutlich gesteigerte Lebensqualität
  • Nicht-Opioid-Analgetika sind frei im Handel erhältlich
  • unterschiedliche Krankheitsbilder sind behandelbar
  • Auswahl aus verschiedenen Medikamenten

Nachteile

  • Einnahme der Arzneimittel sollte bei dauerhafter Einnahme stets ärztlich überwacht werden
  • Schmerztherapien bekämpfen Symptome (in vielen Fällen nicht den Auslöser)
  • Schmerzmittel können unangenehme Nebenwirkungen auslösen
  • Suchtrisiko kann nicht zu 100 Prozent gedämmt werden