Für ein verbessertes Fingerspitzengefühl: eine Operation der Dupuytren-Kontraktur
Die Dupuytren-Kontraktur kennzeichnet eine Erkrankung an der Hand befindlicher Sehnen, bei der sich die sogenannte Palmaraponeurose narbenähnlich und strangförmig verkürzt. Mediziner bezeichnen dieses Krankheitsbild ebenfalls als Dupuytren-Krankheit, Dupuytrensche Kontraktur oder Morbus Dupuytren. Da Sehnenstrukturen in der Hohlhand verkürzen, gelingt es Patienten nicht mehr, ihre Finger komplett zu strecken. Diese Beschwerden können zwar operativ gelindert werden. Aber dennoch treten die Symptome häufig nach geraumer Zeit erneut auf. Dennoch raten Ärzte im Bedarfsfall zu einer chirurgischen Korrektur.

Was ist eine Dupuytren-Kontraktur?
Als Dupuytren-Kontraktur bezeichnen Mediziner in der Handchirurgie eine Erkrankung der Handsehnen, die nach dem gleichnamigen französischen Arzt benannt wurde. Die Kontraktur tritt hauptsächlich bei Männern ab dem 50. Lebensjahr auf. Bei Frauen verläuft die Krankheit nach einer Diagnose zumeist wesentlich milder. Die Bezeichnung „Kontraktur“ bezieht sich auf ein „Zusammenziehen“. Schrumpfen oder verkürzen sich Sehnen oder Muskeln, werden Gelenke automatisch in Mitleidenschaft gezogen. Die Beweglichkeit ist massiv eingeschränkt. Die Erkrankung ist in verschiedene Stadien unterteilt, die die Intensität der Kontrakturen an allen Fingern erfasst:
- Stadium 0: beschwerdefrei
- Stadium 1: Kontrakturen zwischen 0 und 45°
- Stadium 2: Kontrakturen zwischen 45 und 90°
- Stadium 3: Kontrakturen zwischen 90 und 135°
- Stadium 4: Kontrakturen über 135°
Häufig verläuft Morbus Dupuytren in Schüben. Deshalb ist es durchaus möglich, dass sich an einen rasanten Schub ein längerer Stillstand reiht. Durch Verletzungen der Handinnenfläche kann die Kontraktur beschleunigt werden. Genaue Ursachen zur Entstehung der Erkrankung sind bis heute unerforscht. Fachärzte gehen jedoch davon aus, dass erbliche Komponenten eine wichtige Rolle spielen. Als gefährdete Personengruppen gelten folgende Patienten:
- hellhäutige Männer mit nordeuropäischem Ursprung
- Epileptiker
- Diabetiker
- Alkoholiker mit Leberzirrhose
Wann ist eine chirurgische Behandlung der Kontraktur empfehlenswert?
Eine besonders wichtige Rolle spielt bei diesem Eingriff der Zeitpunkt der Operation. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, da die Erkrankung bei etwa 40 Prozent aller Betroffenen innerhalb der ersten fünf Jahre erneut auftritt. Leiden Patienten und Patientinnen ausschließlich unter vereinzelten Knoten ohne versteifte Beugestellung, raten Ärzte normalerweise noch von der operativen Behandlung ab. Die Entscheidung für den richtigen Zeitpunkt ist eine Gratwanderung. Denn im Gegenzug darf die chirurgische Therapie auch nicht zu spät erfolgen. Sind Nerven, die Haut oder Gelenkkapseln bereits eingeschränkt, ist es bereits zu spät für ein erfolgversprechendes operatives Verfahren. Um den richtigen Zeitpunkt zu finden, empfehlen Mediziner jährliche Kontrolluntersuchungen.
Generell gilt eine OP der Dupuytren-Kontraktur nicht als lebenswichtige Behandlung. Deshalb legt ein Chirurg vor der Operation großen Wert darauf, dass zu behandelnde Personen rundum fit und gesund sind. Beispielsweise ist es erforderlich, dass keine Hautinfektionen, Wunden oder Ekzeme an der erkrankten Körperpartie vorhanden sind. Eine klassische Gegenanzeige einer Dupuytren-Kontraktur-Operation sind Durchblutungsstörungen.
Vorbereitende Maßnahmen auf die Operation
Müssen Patienten durch andere Grunderkrankungen regelmäßig Pharmazeutika einnehmen, sollten sie ihren behandelnden Arzt unbedingt vor dem Eingriff darüber informieren. Ein besonders hohes Risiko besteht bei blutverdünnenden Substanzen, die Betroffene normalerweise einige Tage vor der Operation absetzen müssen.
Was geschieht bei der OP?
Im Normalfall wird die Operation der Dupuytren-Kontraktur durch eine Plexusanästhesie vorgenommen. Anatomische Voraussetzungen sowie die geplante Verfahrensweise wirken sich maßgeblich auf die Dauer des Eingriffs aus. Bei einem einfachen Verlauf unterschreitet die chirurgische Behandlung eine Stunde. Befindet sich die Dupuytrensche Kontraktur im fortgeschrittenen Stadium, erstreckt sich die OP möglicherweise auf mehrere Stunden.
Operative Behandlungen an der Hand führen Chirurgen vorzugsweise in Blutleere durch. Diese Strategie ist aus zwei Gründen sinnvoll:
- Blutverlust wird auf ein Minimum reduziert
- Operateur erhält bessere Übersicht über die Handregion
Diesen Effekt erzielen die Fachärzte, indem sie eine Gummibinde fest vom Finger um den erkrankten Arm wickeln. Haben die Venen das Blut weitgehend entleert, pumpt sich eine Blutdruckmanschette am Arm auf, die einem erneuten Bluteinstrom während der OP entgegenwirkt. Die Gummibinde wird zu einem späteren Zeitpunkt wieder beseitigt.
Das Ausmaß der Operation hängt vom Stadium der Dupuytren-Kontraktur ab. Bei einer einfachen Verlaufsform genügt es, bindegewebige Stränge vereinzelt zu beseitigen. In einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium muss ein Arzt möglicherweise die komplette Bindegewebsplatte von der Handinnenfläche heraustrennen. Im Bedarfsfall ist es ebenfalls notwendig, dass Verwachsungen an Gefäßen, Nerven oder Gelenkkapseln zusätzlich gelöst werden müssen. Um eine Schrumpfung des Gewebes durch die Narbenbildung zu vermeiden, wenden Chirurgen normalerweise einen Z-förmigen Schnitt an. Eine Spaltung des bindegewebigen Mittelbands unmittelbar über dem Handgelenk ist sinnvoll, um starke Schwellungen an der Hand zu vermeiden. Zur Ableitung des Wundsekrets setzen Ärzte nach der OP einen dünnen Plastikschlauch in die Hand ein. Diese Drainage wird nach spätestens zwei Tagen beseitigt. Die Unterarm-Gipsschiene ist erforderlich, um den operierten Arm ruhigzustellen.
Postoperative Pflege- und Behandlungsmaßnahmen
Die Behandlung wird entweder ambulant oder stationär durchgeführt. Doch auch bei einem ambulanten Eingriff müssen Patienten einige Stunden nach der Operation unter ärztlicher Aufsicht verweilen. Die Betäubung an dem Arm hält gewöhnlich noch geraume Zeit nach der OP an. Aus diesem Grund ist es operierten Personen nicht gestattet, am Tag des Eingriffs allein Auto zu fahren oder öffentliche Verkehrsmittel ohne Begleitperson zu nutzen.
Betroffene sollten sich nach der Operation darauf einstellen, dass die erkrankte Hand für etwa eine Woche durch eine Gipsschiene am Unterarm ruhiggestellt wird. Der Vorteil dieser Schiene besteht darin, dass die Finger stets frei beweglich bleiben. Anschließend wird die Gipsschiene durch einen gepolsterten Verband ausgetauscht, der möglichen Schwellungen entgegenwirkt. Die individuell angepasste Wundbehandlung ist ein maßgeblicher Faktor für den richtigen Zeitpunkt zur Beseitigung der Fäden sowie des Verbands. Die folgenden Maßnahmen begünstigen den Heilungsprozess:
Es ist vollkommen normal, dass die Narben an den Händen während der ersten Monate noch dick und gerötet sind. Die Narben sind an dieser Körperpartie besonders empfindlich, da in diesem Bereich besonders viele Gefühlsnerven aufeinandertreffen.
Am Tag der Operation wird der Arzt genau mitteilen, wann Betroffene die nächsten Kontrolluntersuchungen einplanen müssen. Eine sofortige Konsultation beim behandelnden Arzt ist gewünscht, wenn Beschwerden wie Fieber, Schwellungen, ein drückender Verband oder starke Schmerzen auftreten.
Welche Risiken birgt die Behandlung der Dupuytren-Kontraktur?
Obwohl eine chirurgische Behandlung der Dupuytren-Kontraktur als relativ risikoarmer Eingriff gilt, können Komplikationen nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Vereinzelt klagen Patienten und Patientinnen über diese Beschwerden:
- Wundinfektionen
- überschießende Narbenbildung
- Verletzungen benachbarter Gewebestrukturen
- Nachblutungen
- Taubheitsgefühl an operierter Körperpartie (falls kleine Hautnerven durchtrennt werden)
Vor- und Nachteile der Operation von Morbus Dupuytren
Morbus Dupuytren ist eine Erkrankung, die die Beweglichkeit der Finger massiv einschränkt. Die Lebensqualität ist gemindert. Aber dennoch ist die OP eine Behandlung, zu der Mediziner nicht in jedem Fall raten.
Vorteile
- risikoarme Behandlung
- keine Vollnarkose erforderlich
- partiell erfolgt OP durch ambulanten Aufenthalt
- bei medizinischer Notwendigkeit übernehmen Krankenversicherungen die Behandlungskosten
Nachteile
- umfangreiche Nachsorgemaßnahmen
- Operation führt in vielen Fällen zu erneutem Auftreten der Erkrankung
- OP ist nicht für alle Personengruppen geeignet