Eine Operation am Mittelohr: Ziele und Methoden
Die Mittelohroperation – ebenfalls als Tympanoplastik bezeichnet – ist durch einen rekonstruierenden operativen Eingriff am Schallleitungsapparat gekennzeichnet. Die chirurgische Behandlung betrifft im Gehörgang die Gehörknöchelchenkette sowie das Trommelfell. Diese Kette setzt sich aus dem Hammer, Amboss sowie Steigbügel zusammen. Der Eingriff verfolgt mehrere Ziele.

Das Ziel der Mittelohr-OP
Eine Mittelohr-Operation ist ein Eingriff der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde im Gehörgang, der einer Verbesserung der persönlichen Hörleistung dient. Das wichtigste Ziel dieses Verfahrens ist es, eine sogenannte Trommelfelldurchlöcherung bzw. Trommelfellperforation chirurgisch zu beheben. Des Weiteren wirkt der Eingriff der Kettenunterbrechung der Ossicula Auditus entgegen.
Ossicula Auditus ist die Bezeichnung des Gehörknöchelchens, das die Funktion der Schallübertragung übernimmt. Zuerst überträgt das Trommelfell die Schallschwingungen auf den Hammer, den sogenannten Malleus. Von diesem Körperteil aus werden die Schwingungen über den Amboss bzw. Incus sowie den Steigbügel bzw. Stapes über eine Membran zum Mittelohr weitergeleitet. Der Schalldruck wird 29-fach verstärkt. Über die das Mittelohr vom Innenohr abtrennende Membran werden Schwingungen bis zur Hörschnecke weitergeleitet. In dieser Hörschnecke befindet sich das ursprüngliche Hörsinnesorgan, dessen medizinischer Fachterminus „cortisches Organ“ lautet. Die Hörschnecke setzt sich aus zwei Kanälen zusammen, die zur Schneckenspitze entlang verlaufen. Die sogenannte Basilarmembran separiert die zwei Kanäle voneinander. Auf dem gesamten Bereich der Hörschnecke befinden sich Hörsinneszellen, die der Wahrnehmung von Schallwellen dienen. Der Hörnerv hat die Aufgabe, das Innenohr mit dem Hörzentrum des Gehirns zu verbinden.
Medizinische Gründe für eine Operation des Mittelohrs
Es gibt mehrere Gründe, bei denen HNO-Ärzte zu einer Mittelohroperation raten. Bei folgenden gesundheitlichen Beschwerden ziehen Mediziner den Behandlungsansatz in Betracht:
- Unterbrechung der Kette der Gehörknöchelchen in jedweder Form
- perforiertes Trommel (beispielsweise nach einer durch einen Unfall verursachten traumatischen Genese)
- chronische Otitis Media (einschließlich pathologischer Veränderungen des Trommelfells)
- Cholesteatom (Perlgeschwulst): Einwucherungen auf mehreren Schichten verhornten Plattenepithels im Mittelohr einschließlich chronisch-vereiterter Mittelohrentzündung
- Otosklerose (Erkrankung des knöchernen Labyrinths mit überschießender Knochenbildung mit negativen Auswirkungen auf Mittel- und Innenohr)
Bei folgenden gesundheitlichen Beschwerden nehmen Mediziner hingegen von einer operativen Korrektur des Mittelohrbereichs Abstand:
- unzureichende Leistung des Innenohrs
- Taubheit des Gegenohrs
- Otitis Externa im akuten Stadium (Entzündung am äußeren Ohr)
- Tympanoplastik auf beiden Ohren gleichzeitig (Mindestabstand zwischen beiden Operationen: mindestens drei Monate)
- massive Otorrhö (austretende Sekrete aus Ohr bei Verletzungen, Tumoren, Infektionen oder anderweitigen Erkrankungen)
- ungenügende Nachbehandlungsoptionen bei Kindern, die erneuten Eingriff am Ohr nicht dulden
Vorbereitung auf die OP des Mittelohrs
Eine unerlässliche vorbereitende Maßnahme ist ein Anamnesegespräch, in dessen Rahmen Betroffene über mögliche Komplikationen des Eingriffs informiert werden. Ein wichtiger Teil der Vorbereitung betrifft eine Ermittlung von Blutgerinnungswerten. Zudem wird Patienten und Patientinnen angeraten, einige Tage vor der operativen Behandlung auf eine Einnahme von gerinnungshemmenden Arzneimitteln zu verzichten. Weitere Untersuchungen schließen den Vorbereitungsprozess ab:
- Röntgenaufnahme
- Computertomografie
- Hörtest bzw. Audiometrie
- präoperative Antibiose (im Bedarfsfall)
Operative Methoden zur Behebung von Schäden am Mittelohr
Die Tympanoplastik kann nur erfolgreich durchgeführt werden, wenn das Innenohr in ausreichender Weise funktioniert. Ohne diese Voraussetzung sind die Prognosen für eine Verbesserung des Hörvermögens sehr schlecht. Generell empfiehlt ein HNO-Arzt eine Mittelohr-Operation, wenn die Gehörknöchelchen oder das Trommelfell aufgrund entzündlicher Prozesse oder traumatischer Ereignisse in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ohne den rekonstruierenden Eingriff wäre eine komplette Ausheilung nicht mehr möglich. Mittelohr-OPs finden entweder unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose statt. Im Rahmen der Operation wird der Kopf des Patienten in Rückenlage auf der Gegenseite fixiert. Zur Durchführung der Operation ist es erforderlich, dass die Körperregion um das Ohr von Haaren befreit wird. Mediziner differenzieren zwischen fünf unterschiedlichen OP-Modellen:
Myringoplastik
Die Myringoplastik – auch als Trommelfellplastik bezeichnet – zielt auf eine Rekonstruktion des Trommelfells ab. Eine wichtige Voraussetzung für dieses Verfahren ist eine intakte Gehörknöchelchenkette. Eine Korrektur des Defekts beheben HNO-Ärzte mit körpereigenem Material. Hierfür benutzen Chirurgen eine dünne Schicht straffen Bindegewebes.
Ossikuloplastik
Ist der verbindende Teil zwischen dem Trommelfell sowie der Labyrinthwand zur Paukenhöhle geschädigt, dient die Ossikuloplastik der Wiederherstellung dieses Körperteils. Im Rahmen der OP ersetzt ein Operateur die Knöchelchen durch Prothesen. Anschließend werden die Gehörknöchelchen wieder an ihrer ursprünglichen Position fixiert.
Zugang zum Innenohr
Diese Operationsmethode bevorzugen Chirurgen dann, wenn Knöchelchen am Mittelohr nicht mehr vorhanden sind und das sogenannte ovale Fenster verschlossen ist. Allerdings ist dieser Behandlungsansatz in der heutigen Medizin nicht mehr von Bedeutung. Alternativ sind Ärzte dazu übergegangen, bei diesem Krankheitsbild das ovale Fenster wieder zu öffnen und Prothesen einzusetzen.
Schallprotektion
Diese Mittelohr-OP ist die richtige Methode für die Patienten, deren Gehörknöchelchen nicht vorhanden oder vollständig geschädigt sind. In diesem Fall übertragen sich die Schallschwingungen unmittelbar auf das im Ohr befindliche ovale Fenster. Als Schallschutz legen Chirurgen eine künstliche Pauke an. Diese Pauke gilt als der Hohlraum des Ohrs, in dem eigentlich die Gehörknöchelchen angelegt sind.
Operation bei defekter Gehörknöchelchenkette mit geschädigtem Hammer und Amboss
Diese OP-Variante ist für die Betroffenen sinnvoll, deren Gehörknöchelchen defekt sind. Weiterhin leiden die zu operierenden Personen unter einem partiell fehlenden oder erhaltenen dritten Gehörknöchelchen im Ohr. Eine Möglichkeit dieser Methode beschränkt sich auf den Einsatz eines Transplantats zwischen zwei Gehörknöchelchen. Alternativ zu dieser Vorgehensweise wird eine Lageveränderung des noch existenten Amboss erzielt. Dieses Verfahren unterscheidet sich durch zwei Varianten:
- PORP: Stapeserhöhung der Partial Ossicular Chain Reconstructive Prothesis (funktionierender Steigbügel ist vorhanden; Schallübertragung verläuft von Trommelfell über Prothese oder Amboss bis zum Steigbügel)
- TORP: Total Ossicular Chain Reconstructive Prothesis (Fuß des Steigbügels besteht noch; verbleibender Steigbügel wird durch Prothese ersetzt)
Postoperative Maßnahmen nach der Mittelohr-Operation
Nach der Operation bedarf die operierte Körperregion eines besonderen Schutzes. Flugreisen sowie Tauchen sind in den ersten Wochen strengstens untersagt. Betroffene sollten alle ärztlich empfohlenen Kontrolluntersuchungen unbedingt wahrnehmen.
Risiken der OP des Mittelohrs
Eigentlich hat eine Operation am Mittelohr die Aufgabe, den gesundheitlichen Zustand erkrankter Personen zu verbessern. Dennoch schließt ein Arzt etwaig auftretende Komplikationen nicht komplett aus. Folgende Risiken können, müssen jedoch nicht auftreten.
- Ohrgeräusche
- verminderte Flug- und Tauchfähigkeit
- Otorrhö
- Hörverschlechterung
- mangelnde Verbesserung des Hörvermögens
- Schmerzen
- Schwindel
- Ertaubung
- Fazialisschaden: geschädigte Gesichtsnerven, der Beweglichkeit der Gesichtsmuskeln beeinflusst
- Geschmacksveränderungen durch geschädigten Geschmacksnerv bzw. Chorda Tympani
- erhöhtes Risiko für Operationen zur Nachbesserung
- Keloidbildung an Ohrmuschel
Eine Operation des Mittelohrs: Vor- und Nachteile
Eine Mittelohr-OP findet aus medizinischen Gründen statt. Darauf basierend, trägt diese Operation zur Verbesserung des Hörvermögens bei. Dieser Effekt wirkt sich in erster Linie positiv auf die Lebensqualität aus.
Vorteile
- Wahlmöglichkeiten aus unterschiedlichen operativen Methoden
- Operation ist in jedem Lebensalter durchführbar
- gute Erfolgsaussichten
- überschaubare Methoden der Vor- und Nachbereitung
Nachteile
- verhältnismäßig hohe Anzahl etwaig auftretender Risiken
- Kontraindikationen erschweren möglicherweise Erfolgsaussichten der OP
Häufige Fragen zum Thema Operationen am Mittelohr
Was ist eine Tympanoplastik?
Ein rekonstruierender Eingriff am Schallleitungsapparat, der Trommelfell und Gehörknöchelchenkette aus Hammer, Amboss und Steigbügel betrifft. Ziel ist eine bessere Hörleistung, vor allem durch das Schließen einer Trommelfellperforation und die Behebung einer unterbrochenen Gehörknöchelchenkette.
Wann wird operiert?
Bei einer Unterbrechung der Gehörknöchelchenkette, bei perforiertem Trommelfell etwa nach einem Unfall, bei chronischer Mittelohrentzündung mit Veränderungen des Trommelfells, bei einem Cholesteatom sowie bei Otosklerose, einer Erkrankung des knöchernen Labyrinths mit überschießender Knochenbildung.
Wann wird davon abgeraten?
Bei unzureichender Leistung des Innenohrs, bei Taubheit des Gegenohrs und bei akuter Entzündung des äußeren Ohrs. Beide Ohren gleichzeitig werden nicht operiert, zwischen den Eingriffen sollten mindestens drei Monate liegen. Auch massiver Sekretaustritt aus dem Ohr spricht dagegen.
Welche Verfahren gibt es?
Die Myringoplastik rekonstruiert das Trommelfell mit körpereigenem Bindegewebe und setzt eine intakte Gehörknöchelchenkette voraus. Die Ossikuloplastik ersetzt geschädigte Gehörknöchelchen durch Prothesen. Bei fehlenden Knöchelchen legen Chirurgen als Schallschutz eine künstliche Pauke an. Bei defekter Kette kommen die Prothesenvarianten PORP oder TORP zum Einsatz.
Spielt das Alter eine Rolle?
Bei Kindern mit perforiertem Trommelfell wirkt sich das Alter vermutlich nicht auf den Erfolg aus, der Eingriff muss also nicht verschoben werden. Eine Ausnahme ist eine Mittelohrentzündung auf der Gegenseite mit Ausfluss. Grundsätzlich ist die Operation in jedem Lebensalter durchführbar.
Wie bereite ich mich vor?
Nach dem Anamnesegespräch werden die Blutgerinnungswerte bestimmt, gerinnungshemmende Medikamente sollten einige Tage vorher abgesetzt werden. Dazu kommen Röntgenaufnahme, Computertomografie und ein Hörtest, bei Bedarf auch eine Antibiotikagabe vor dem Eingriff.
Was ist nach der Operation zu beachten?
Die operierte Region braucht besonderen Schutz. Flugreisen und Tauchen sind in den ersten Wochen strengstens untersagt. Alle empfohlenen Kontrolluntersuchungen sollten wahrgenommen werden.
Welche Risiken bestehen?
Möglich sind Ohrgeräusche, eine verminderte Flug- und Tauchfähigkeit, Sekretaustritt, Hörverschlechterung oder ausbleibende Verbesserung, Schmerzen, Schwindel und im Extremfall Ertaubung. Dazu kommen Schäden am Gesichtsnerv mit Auswirkung auf die Mimik, Geschmacksveränderungen durch einen geschädigten Geschmacksnerv sowie Keloidbildung an der Ohrmuschel.