Osteosynthese-Materialentfernung

Die Osteosynthese-Materialentfernung: die Nachversorgung nach einem Knochenbruch

Geschädigte Knochen müssen häufig mit Metallteilen versorgt werden, um wieder richtig zusammen zu wachsen. Ist der Heilungsprozess der Knochen abgeschlossen, werden die medizinischen Hilfsutensilien chirurgisch entfernt. Mediziner bezeichnen diesen Vorgang als Osteosynthese-Materialentfernung.

Die Funktion des Osteosynthese-Materials

Nach einem Knochenbruch oder einer anderweitigen Knochenverletzung hat das Osteosynthese-Material die Aufgabe, die Bruchenden der Knochen in der richtigen Position zu halten. Die Materialien verweilen so lange im Körper, bis die Knochen wieder ordentlich zusammen gewachsen sind. Folgende Hilfsmittel sind in der Medizin zur Behandlung dieser Knochenerkrankungen üblich:

Schrauben oder Metallplatten werden von außen an dem erkrankten Knochen angebracht. Marknägel oder Drähte werden hingegen von innen durch den Innenbereich der Knochen eingeführt. Im Gegensatz zur klassischen Gipsbehandlung sind die Knochen durch diese Methoden wesentlich früher wieder belastbar. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, dass Materialien zur Wiederherstellung der Knochenintegrität sowie Gipstherapien miteinander kombiniert werden. Ist der betroffene Knochen wieder komplett verheilt, haben die Implantate ihre Aufgabe erfüllt. Die Metallentfernung wird entweder ambulant oder stationär vorgenommen.

Wann ist diese Behandlung notwendig?

Wann und inwiefern das Osteosynthese-Material überhaupt wieder entfernt werden muss, ist von unterschiedlichen Komponenten abhängig. Bei Kindern ist eine Beseitigung der Metallimplantate unabdingbar. Denn bei Jungen und Mädchen befinden sich die Knochen noch im Wachstum. Diese Maßnahme ist umso wichtiger, wenn die Implantate die sogenannten Wachstumszonen streifen. Bei Erwachsenen empfehlen Chirurgen den operativen Eingriff dann, wenn diese unter folgenden Beschwerden leiden:

Eine sofortige Implantatentfernung sollten Patient und Arzt in Erwägung ziehen, wenn die Materialien nach außen durchbrechen, Infektionen auslösen oder sich gelockert haben.

Eine Grundvoraussetzung zur Durchführung der Materialentfernung ist, dass der knöcherne Heilungsprozess komplett abgeschlossen ist. Das jeweilige Genesungsstadium ist auf dem Röntgenbild ersichtlich. Der genaue Zeitansatz hängt von Faktoren wie der Lokalisation des Knochenbruches ab. Der übliche Zeitraum beläuft sich auf vier bis 18 Monate. Möglicherweise rät ein Arzt von einer Osteosynthese-Materialentfernung ab, wenn die Implantate nicht als störend empfunden werden und keinerlei Komplikationen verursachen. Sind die Risiken einer etwaigen Materialbeseitigung größer als der gesundheitliche Nutzen, sehen Ärzte im Einzelfall auch von der Operation ab. Eine Kompromisslösung wäre beispielsweise ein kleinerer Eingriff, durch den nur leicht zugängliches Material beseitigt wird.

Vor der Materialbeseitigung: worauf müssen Betroffene achten?

Damit die Operation zur Beseitigung der Implantate unkompliziert verläuft, sollten Arzt und Patient diese Vorgehensweise beachten:

Die Verfahrensweise der Osteosynthese-Materialbeseitigung

In den meisten Fällen ist die Entfernung der Marknagel oder von anderem Fremdmaterial eine vergleichsweise kurze Behandlung. Die Art und Menge der verwendeten Implantate sowie die Lokalisation des Knochenbruchs bestimmen den Umfang der Operation maßgeblich. Die Art der Betäubung richtet sich in der Orthopädie nach der Lokalisation der Knochenerkrankung und kommt wie folgt in Betracht:

  • Vollnarkose
  • Leitungsanästhesie
  • Lokalanästhesie

Wurde die Haut nach dem Verabreichen der Betäubung desinfiziert, schneidet der Operateur die Haut des alten Narbenbereichs auf. Der erkrankte Knochen wird freigelegt. Allerdings ist für diese Maßnahme zumeist ein wesentlich kleinerer Schnitt als bei der ersten OP erforderlich. Ärzte setzen spezielle Instrumente ein, um die Metallteile zu beseitigen. Im Anschluss wird die Wunde wieder vernäht, um daraufhin mit einem Verband versorgt zu werden.

Nach der OP: das sollten Betroffene wissen

Auch wenn die Beseitigung der Metallimplantate ambulant durchgeführt wird, verweilen Patienten und Patientinnen nach dem Eingriff noch einige Zeit unter Beobachtung. Lässt die Betäubung nach, können sich Betroffene auf eine baldige Entlassung einstellen. Allerdings sollten behandelte Personen bedenken, dass sie am Tag der Operation nicht selbst Auto fahren oder öffentliche Verkehrsmittel allein nutzen dürfen. Entweder lassen sich Betroffene von einer dritten Person abholen oder fahren mit einem Taxi nach Hause. Wurde die Materialentfernung unter Vollnarkose durchgeführt, dürfen Patienten in den ersten 24 Stunden nicht allein sein.

Folgende Maßnahmen sind wichtiger Teil der Nachsorge:

  • kein direkter Kontakt mit Wasser in erster Woche nach OP (einschließlich Baden und Duschen)
  • vorübergehende Schonung der betroffenen Körperpartie (denn Knochen ist ohne Implantat noch geschwächt)
  • Wahrnehmung krankengymnastischer Therapien zur Verbesserung und Stärkung der Gelenkbeweglichkeit

Patienten und Patientinnen wird angeraten, alle ärztlich empfohlenen Kontrolltermine sorgfältig wahrzunehmen. Treten Symptome wie Fieber, starke Schmerzen, Rötungen oder Anzeichen einer Infektion ein, ist der behandelnde Arzt umgehend zu kontaktieren.

Die Risiken einer Osteosynthese-Materialbeseitigung

Eine Implantatbeseitigung aus dem Knochen ist ein vergleichsweise risikoarmes Verfahren. Allerdings kann kein Arzt garantieren, dass sich nicht dennoch irgendwelche Risiken einstellen. Folgende Komplikationen treten zwar selten auf, lassen sich aber dennoch nicht gänzlich ausschließen:

  • Blutergüsse
  • Wundinfektionen
  • erneute Operation

Eine erneute Korrektur der Knochenposition ist dann notwendig, wenn Ärzte während des Eingriffs bemerken, dass der Knochen nicht optimal zusammen gewachsen ist. In diesem Fall verweilt das Material zur Stabilisierung entweder im Körper oder wird neu befestigt.

Vor- und Nachteile der Osteosynthese-Materialentfernung

Nach einem Knochenbruch oder einer anderweitigen Knochenerkrankung trägt eine Osteosynthese-Materialbeseitigung in vielen Fällen zum Erhalt der Knochengesundheit bei. Die OP wird auf ärztlichen Rat hin durchgeführt, dem Patienten und Patientinnen folgen sollten.

Vorteile

  • in den meisten Fällen unterstützt die Operation die Knochengesundheit
  • vergleichsweise risikoarme Behandlung
  • Nachwirkungen dieses Eingriffs sind wesentlich schmerzfreier als ursprüngliche OP am Knochen
  • bei medizinischer Indikation tragen Krankenversicherungen die Behandlungskosten

Nachteile

  • Narbenbildung nicht ausgeschlossen
  • möglicherweise ist Stabilität des erkrankten Knochens nach Osteosynthese-Materialbeseitigung für bestimmten Zeitraum eingeschränkt
  • verhältnismäßig umfangreiche Nachsorge erforderlich

Häufige Fragen zum Thema Osteosynthese-Materialentfernung

Warum werden Platten und Schrauben wieder entfernt?

Weil der geschiente Knochenbereich durch die Implantate geschwächt wird: Durch die mechanische Unterstützung ist der Knochenaufbau auf Dauer eingeschränkt, und das Risiko für erneute Brüche steigt, wenn das Material dauerhaft im Körper bleibt. Deshalb raten Operateure in der Regel zur Entfernung.

Muss das Material bei Kindern immer raus?

Ja. Bei Kindern befinden sich die Knochen noch im Wachstum, deshalb ist die Entfernung unabdingbar. Besonders wichtig ist sie, wenn die Implantate die Wachstumszonen streifen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Erst wenn der knöcherne Heilungsprozess vollständig abgeschlossen ist, das zeigt das Röntgenbild. Je nach Lage des Bruchs vergehen dafür vier bis 18 Monate.

Wann muss sofort operiert werden?

Wenn die Materialien nach außen durchbrechen, Infektionen auslösen oder sich gelockert haben. Auch bei fehlender Beweglichkeit angrenzender Gelenke sowie bei Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Implantatregion empfehlen Chirurgen den Eingriff.

Wann wird das Material belassen?

Wenn es nicht stört und keine Komplikationen verursacht oder die Risiken der Entfernung den Nutzen übersteigen. Bei älteren, gebrechlichen Patienten raten Mediziner häufig ganz davon ab, weil die Knochen ohnehin nicht mehr ihre ursprüngliche Festigkeit erreichen. Auch Gerinnungsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sprechen dagegen.

Wie läuft der Eingriff ab?

Betäubt wird je nach Lage per Vollnarkose, Leitungs- oder Lokalanästhesie. Der Operateur schneidet die alte Narbe auf, legt den Knochen frei, meist über einen deutlich kleineren Schnitt als beim ersten Eingriff, und entfernt die Metallteile mit speziellen Instrumenten. Anschließend wird die Wunde vernäht und verbunden.

Was ist nach der Operation zu beachten?

In der ersten Woche kein direkter Kontakt mit Wasser, also weder duschen noch baden. Die betroffene Region sollte vorübergehend geschont werden, weil der Knochen ohne Implantat noch geschwächt ist. Krankengymnastik verbessert die Gelenkbeweglichkeit. Bei Fieber, starken Schmerzen, Rötungen oder Infektionszeichen gehört man sofort zum Arzt.

Welche Risiken bestehen?

Das Verfahren gilt als risikoarm. Selten kommt es zu Blutergüssen, Wundinfektionen oder der Notwendigkeit einer erneuten Operation, etwa wenn sich zeigt, dass der Knochen nicht optimal zusammengewachsen ist. Nach der Entfernung fehlt dem Knochen noch einige Zeit Widerstandsfähigkeit, bei zu hoher Belastung droht ein erneuter Bruch.