Sterilisation des Mannes (Vasektomie)

Die Vasektomie: was tun, wenn kein Kinderwunsch mehr besteht?

Die Vasektomie – auch als Sterilisation bezeichnet – ist die sicherste Verhütungsmethode, die ein Mann praktizieren kann. Im Rahmen der kleinen Operation durchtrennt der Operateur die Samenleiter der Patienten. Aufgrund dieser Durchtrennung gelangen Spermien nicht mehr nach außen. Die männliche Potenz wird durch den Eingriff nicht beeinträchtigt. Allerdings sollten Betroffene mögliche psychische Folgen vor der Behandlung in den Entscheidungsprozess einbeziehen.

Wie sicher ist eine Sterilisation beim Mann?

Eine Sterilisation verhindert, dass die Spermien bei einem Orgasmus über die Harnröhre nach außen gelangen. Aus dem Grund stufen Urologen die Vasektomie als eine der sichersten Verhütungsmethoden überhaupt ein. Der sogenannte Pearl-Index, der die Sicherheit eines Verhütungsmittels darstellt, bewertet die Sterilisation mit einem Wert von 0,1 bis 0,15 als sehr gering. Dieses Niveau ist in etwa mit dem Verhütungsniveau der Pille für die Frau vergleichbar. Dennoch beläuft sich der Pearl-Index nicht auf Null. Diese Tatsache ist in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass Samenwege theoretisch noch nach vielen Jahren wieder zusammenwachsen können. Dennoch tritt dieser Fall in der Praxis eher selten ein.

Wie häufig werden Sterilisationen bei Männern vorgenommen?

In Deutschland ist eine Vasektomie die am vierthäufigsten vorgenommene Verhütungsmethode. Zusammen addiert mit der Sterilisation von Frauen, entscheiden sich Deutsche nur noch häufiger für die Verwendung der Pillen oder Kondomen bzw. den Einsatz einer Spirale. Auswertungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge sind in Deutschland etwa fünf Prozent aller Männer sterilisiert. Im Gegensatz zur Sterilisation einer Frau ist es jedoch einfacher und unkomplizierter, einen Mann zu sterilisieren. Zudem ist die Komplikationsrate bei Männern wesentlich geringer. Dennoch ist eine Sterilisation ein Eingriff, den „Mann“ sich gut überlegen sollte.

Mögliche psychische Folgen

Der häufigste Beweggrund für Männer für eine Vasektomie ist das Streben, keine weiteren Kinder zu zeugen. Viele Patienten möchten Frauen mit diesem Schritt die Verantwortung für die Verhütung abnehmen. Zudem sehen sich Betroffene zu dem Eingriff veranlasst, wenn eine Schwangerschaft die Gesundheit der Frau maßgeblich beeinträchtigen könnte. Nichtsdestotrotz sollten Männer etwaige psychische Folgen bedenken. Die OP ist zwar komplikationsarm und bietet eine hohe Sicherheit. Doch was tun, wenn sich zu einem späteren Zeitpunkt ein erneuter Kinderwunsch einstellt? Männer sollten sich vor Augen führen, dass eine Wiederherstellung der eigenen Fruchtbarkeit nicht immer möglich ist. Für diesen rückwirkenden Prozess würden weitere Kosten anfallen. Deshalb wird Betroffenen angeraten, sich diesen Schritt genau zu überlegen.

Die Amerikanische Gesellschaft für Urologie empfiehlt Ärzten, in dem Patientengespräch folgende Aspekte zu thematisieren:

  1. Vasektomie ist zwar sehr sicher, bietet aber dennoch keine 100%ige Garantie
  2. Mann soll sich der Dauerhaftigkeit der Verhütungsmethode bewusst sein
  3. nach Sterilisation muss Verhütung fortgesetzt werden, bis im Samenerguss weniger als 100.000 oder gar keine mobilen Samen angezeigt werden
  4. Männer dürfen nach der Sterilisation für mindestens eine Woche keinen Samenerguss haben
  5. Sterilisation verläuft in weniger als 1 Prozent erfolglos (Vasektomie bedarf einer Wiederholung)
  6. Wiedererlangung der Fruchtbarkeit gelingt nicht immer (mit hohem Kostenaufwand verbunden)
  7. Nebenwirkungen wie Infektionen treten bei ein bis zwei Prozent aller Patienten auf

Details zum Eingriff

Die Sterilisation eines Mannes verfolgt den Zweck, die zwei Samenleiter zu durchtrennen. Ein Arzt eröffnet die Haut um den lokal betäubten Hodensack. An beiden Seiten nimmt der Urologe einen wenige Millimeter umfassenden Einschnitt vor. Damit die Samenleiter durchtrennt werden, beseitigt ein Arzt jeweils ein kleines Stück des linken sowie rechten Samenleiters. Im nächsten Schritt verödet oder vernäht der Mediziner die offenen Samenleiter-Enden.

In jüngster Vergangenheit setzt sich in der Urologie zunehmend die sogenannte No-Scalpel-Sterilisation durch. Dieses Verfahren ist besonders schonend, da die Haut des Hodensacks nicht mehr per Skalpell geöffnet werden muss. Die Haut wird lediglich punktiert. Dementsprechend wird die Hautpartie nicht aufgeschnitten, sondern nur leicht eingestochen. Über diese kleine Öffnung werden Operationsinstrumente eingeführt. Heutzutage ist es gängig, dass die Sterilisation ambulant mit einer Lokalanästhesie durchgeführt wird. Eine Vollnarkose bildet die Ausnahme.

Nach der Sterilisation des Mannes: darauf müssen Betroffene Acht geben

Nach der OP sollten Männer bedenken, dass die Samenflüssigkeit noch viele Monate später befruchtungsfähige Spermien enthalten kann. In diesem Zeitraum sollten Patienten auf zusätzliche Verhütung achten. Diese Maßnahme hält so lange an, bis im Sperma weniger als 100.000 oder gar keine mobilen Samen mehr gefunden werden. Zur Kontrolle dieses Status müssen Betroffene nach der Vasektomie regelmäßig ihren Samenerguss überprüfen lassen. Für dieses Verfahren nutzen Ärzte ein sogenanntes Kontrollspermiogramm. Sind die Analysewerte sicher ausgewertet, ist eine zusätzliche Verhütung nicht mehr notwendig. Sorgen um einen Verlust der Potenz sind völlig unbegründet. Denn nach der Sterilisation gelten folgende Regeln:

  1. Potenz ist nach Vasektomie in keiner Weise gefährdet
  2. Hormonsystem bleibt von Sterilisation unbeeinflusst
  3. Erektionsfähigkeit sowie Möglichkeit eines Samenergusses bleiben komplett erhalten
  4. optisch unterscheidet sich Ejakulat vor bzw. nach der Sterilisation überhaupt nicht

Risiken und Komplikationen einer Vasektomie

Urologen weisen darauf hin, dass eine Vasektomie ein sehr komplikationsarmes medizinisches Verfahren ist. Allerdings können Ärzte die Risikofreiheit nicht garantieren. Möglicherweise müssen Patienten nachfolgende Risiken in Kauf nehmen:

  1. Schmerzen an der Hodenpartie (klingen erfahrungsgemäß nach wenigen Tagen ab)
  2. Nachblutungen
  3. schleppender Heilungsverlauf
  4. Infektionen

Sehr selten, aber relativ gefährlich sind durch die Vasektomie verursachte Dauerschmerzen an der Hodenpartie. Problematisch ist dieser dauerhafte Schmerz, da die Beschwerden nur schwer behandelt werden können. Eventuell ist eine erneute Sterilisation notwendig. Mediziner sind sich darüber uneinig, ob sterilisierte Männer eher zu Prostatakrebs neigen. Dennoch beweisen nach aktuellem Stand der Dinge die meisten Studien das Gegenteil.

Können sterilisierte Männer ihre Fruchtbarkeit zurückerlangen?

Theoretisch ist es möglich, dass sterilisierte Männer ihre Fruchtbarkeit über einen weiteren Eingriff wieder zurückerlangen. Diese Behandlung wird vorgenommen, indem die im Vorfeld vernähten oder verödeten Samenleiter-Enden nunmehr wieder zusammengenäht werden. Die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg dieses Eingriffs liegt bei 85 Prozent. Jedoch müssen behandelte Männer bedenken, dass Spermien nach der Operation weniger mobil sind. Zudem erreicht die Anzahl der Spermien nie wieder den Status vor der OP. Weil der Aufwand für diesen Eingriff wesentlich höher ist, müssen Betroffene mit einem Kostenaufwand von 2.000 bis 5.000 Euro rechnen.

Vor- und Nachteile der Sterilisation des Mannes

Für eine Sterilisation besteht keine medizinische Notwendigkeit. Lassen Männer die Vasektomie durchführen, sollte der Eingriff aus freien Stücken erfolgen. Der Weg zurück gelingt nicht immer. Deshalb müssen Interessenten die Auswirkungen einer Sterilisation genau durchdenken.

Vorteile

  • Sorgen um Verhütung gehören dauerhaft der Vergangenheit an
  • risikoarme Methode
  • Eingriff ist ambulant unter Lokalanästhesie durchführbar
  • ist Sterilisation durchdacht, steigert Behandlung die Lebensqualität

Nachteile

  • schlimmstenfalls beeinträchtigt Entschluss für Sterilisation die Psyche
  • Fruchtbarkeit kann möglicherweise nicht zurückerlangt werden
  • Patienten müssen Kosten selbst tragen