Der Ablauf von Transplantationen der Bauchspeicheldrüse
Die Bauchspeicheldrüse ist eine im Oberbauch befindliche keilförmige Drüse, die mehrere Funktionen wahrnimmt. Einerseits produziert die Bauchspeicheldrüse ein Verdauungssekret. Auf der anderen Seite unterstützt die Drüse die Bildung von Hormonen. Sind diese Funktionen gestört oder überhaupt nicht mehr möglich, ist eine Bauchspeicheldrüsen-Transplantation zumeist der letzte Ausweg.

Eine Organübertragung der Bauchspeicheldrüse – der medizinische Fachbegriff lautet Pankreas-Transplantation - kommt bei einigen an Diabetes leidenden Patienten in Betracht. Häufig wird eine Transplantation der Bauchspeicheldrüse jedoch mit der Einpflanzung einer Niere kombiniert. Diese Verbindung zweier Transplantationen ist sinnvoll, da beim Diabetes Typ 1 in der Bauchspeicheldrüse befindliche Inselzellen nicht funktionieren. Diese Inselzellen produzieren jedoch das Hormon Insulin. Basierend auf dieser Erkrankung, werden Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen. Es droht Nierenversagen.
Zweck der Bauchspeicheldrüsen-Transplantation
Die von einem Organspender erhaltene Bauchspeicheldrüse übernimmt nach der Pankreas-Transplantation die Funktion des im Empfänger-Körper geschädigten Organs. Diese Aufgabe gilt auch für die Spender-Bauchspeicheldrüse, deren Inselzellen nach der Einpflanzung wiederum Insulin produzieren.
Formalitäten der Transplantationen der Bauchspeicheldrüse
Bevor Patienten und Patientinnen eine neue Bauchspeicheldrüse erhalten, müssen sie auf der Warteliste der Organisation Eurotransplant vermerkt werden. Diese Vereinigung gilt neben Deutschland für einige andere europäische Länder. Eurotransplant hat die Aufgabe, die Spenderorgane an Empfänger zu vermitteln. Erfahrungsgemäß ist die Wartezeit auf das neue Organ oder die neuen Organe relativ lang. Möglicherweise müssen Betroffene einige Jahre warten, bis sie eine neue Bauchspeicheldrüse sowie Niere erhalten.
Wann führen Ärzte die Transplantation durch?
Eine Bauchspeicheltransplantation ist nicht bei jeder Erkrankung dieses Organs sinnvoll. Im Regelfall erfolgt die Pankreas-Transplantation bei an Diabetes Typ 1 leidenden Patienten, bei denen ein zusätzliches Nierenversagen droht. Bei diesem Krankheitsbild werden unter Umständen das Pankreas sowie die Niere übertragen.
Diabetes Typ 1 ist eine Erkrankung, die bei Betroffenen zumeist im jungen Alter ausbricht. Diese Erkrankung führt dazu, dass die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse durch eigene Antikörper zerstört werden. Dadurch bilden die Inselzellen nicht mehr genügend Insulin. Die Aufnahme von Zucker aus dem Blut bis in die Körperzellen ist gestört. Diabetes Typ 1-Patienten benötigen Insulin, um den Blutzucker zu regulieren und Folgeschäden zu vermeiden. Eventuell ist die Niere so stark geschädigt, dass Nierenversagen droht. Tritt dieser Fall ein, sollte eine Pankreastransplantation mit der Einpflanzung einer neuen Niere verbunden werden.
Erfolgschancen der Transplantation des Pankreas
Mittlerweile hat sich die Pankreas-Transplantation in der Medizin bewährt. Zumeist erfüllt die operative Behandlung die Erwartungen. Nach rund einem Jahr funktionieren drei Viertel der Bauchspeicheldrüsen noch immer. Allerdings steigt diese Rate aufgrund der stetig verbesserten Operationstechniken stetig an. Nimmt der Körper die Drüse uneingeschränkt an, wird Insulin zumeist zuverlässig produziert. Erfolgt die Funktionsweise zuverlässig, muss dem Körper kein Insulin mehr künstlich zugefügt werden. Die Lebensqualität der Patienten erhöht sich spürbar. In den meisten Fällen profitieren Betroffene ebenfalls von einem Verzicht auf die Dialyse.
Diese Untersuchungen sind vor der Transplantation notwendig
Damit Betroffene überhaupt auf der Warteliste von Eurotransplant registriert werden, müssen sie bestimmte Untersuchungsmaßnahmen über sich ergehen lassen. Einige dieser Kontrollen müssen regelmäßig wiederholt werden. Folgende Maßnahmen müssen vor der Bauchspeicheldrüsen-Transplantation eingeleitet werden:
- Anamnese: Beratungsgespräch zwischen Arzt und Patient
- körperliche Untersuchung
- Blutuntersuchung
- Anwendung bildgebender Verfahren (Ultraschall, Röntgen etc.)
Besonderes Hauptaugenmerk liegt auf Herz-Kreislauf-Funktionen, den Nieren sowie dem Magen-Darm-Bereich. Leiden Patienten an Krebs oder einer Infektionskrankheit, führen Ärzte die Transplantation für gewöhnlich nicht durch. Unmittelbar vor der Operation kontrollieren die behandelnden Ärzte beispielsweise, wie gut das Spenderorgan zum Gewebe des Empfängers passt.
Befinden sich Patienten auf der Warteliste, sollten sie sich in stetiger Abrufbereitschaft befinden. Zusätzlich entscheidet der behandelnde Mediziner darüber, ob Betroffene unmittelbar vor dem Eingriff regelmäßig einzunehmende Arzneimittel absetzen sollen.
Einzelheiten zur Pankreas-Transplantation
Um eine Bauchspeicheldrüse zu transplantieren, erhalten behandelte Personen eine Vollnarkose. Die OP verläuft in folgenden Schritten:
- Eröffnung der Bauchdecke mit einem Schnitt
- falls Niere mit transplantiert wird: Einsetzung dieses Organs
- Anschluss der Blutgefäße der Niere an Blutkreislauf der Betroffenen
- anschließende Verbindung des Nierenabflusses mit dem Harnleiter
- Stabilisierung der Verbindung mit Harnkatheter und einer Schiene
- Einsetzen der Bauchspeicheldrüse
- Einfügen und Vernähen des Darmstücks in Darm der Patienten
- Zunähen des Bauchs
- Abdeckung der Wunde per Verband
Die Bauchspeicheldrüse ist über einen Bauchspeicheldrüsengang an einen Teil des Zwölffingerdarms gekoppelt. Dieser Teil des Darms wird ebenfalls vom Spender entnommen. Da das Pankreas sowie die Niere fremde Organe sind, werden die neuen Organe vermutlich vom Immunsystem der Patienten und Patientinnen abgestoßen. Sogenannte Immunsuppressiva tragen in medikamentöser Form dazu bei, den Vorgang auf Lebenszeit zu unterdrücken. Um die Abstoßungsreaktion zu minimieren, müssen die Blutgruppen von Spender sowie Empfänger unbedingt kompatibel sein.
Nach der Transplantation: darauf müssen Patienten achten
Jede Organ-Transplantation bedarf einer sorgfältigen und umfangreichen Nachsorge. Damit die Bauchspeicheldrüsen-Transplantation erfolgreich verläuft, müssen Ärzte und Patienten auf einige Aspekte besonders Acht geben. Beispielsweise wird das Abwehrsystem des Körpers ein Leben lang versuchen, das „fremde“ Organ abzustoßen. Damit dieser Abwehrprozess nicht einsetzt, sollten Betroffene Immunsuppressiva gegen die Abwehrreaktionen ein Leben lang einnehmen. Diese medikamentöse Therapie führt zwar zu einem geschwächten Immunsystem. Im Gegenzug erfüllen die Transplantate jedoch im Körper ihre Funktion.
Weiterhin müssen Betroffene diese Nachsorgemaßnahmen einhalten:
Mit welchen Risiken müssen Patienten nach den Transplantationen rechnen?
Möglicherweise verursacht eine Organübertragung Schäden am umliegenden Gewebe. Da die OP im Bauchraum vorgenommen wird, werden eventuell der Darm, Blutgefäße oder Harnorgane verletzt. Folgende Komplikationen erschweren den Heilungsprozess eventuell ebenfalls:
- Blutergüsse
- Nachblutungen
- Entzündung der Operationswunde
- Heilungsstörungen
- Auftreten störender und auffälliger Narben
- Entzündung der Bauchspeicheldrüse
- Bauchfellentzündung (Peritonitis)
- allergische Reaktionen
- Körper stößt neue Organe trotz Einnahme der Immunsuppressiva ab
Vor- und Nachteile von Bauchspeicheldrüsen-Transplantationen
Eine Transplantation der Bauchspeicheldrüse ist eine Operation, bei der ein erkranktes durch ein gut funktionierendes Organ ersetzt wird. Allerdings ist der Weg zur neuen Drüse beschwerlich. Die Wartezeiten auf ein neues Organ sind lang. Wer den Weg beschreitet, wird die Entscheidung vermutlich nicht bereuen. Wird eine Bauchspeicheldrüse erfolgreich transplantiert, erhöht sich die Lebensqualität merklich.
Vorteile
- sehr gute (und sich stetig verbessernde) Erfolgsaussichten
- Grunderkrankungen wie Diabetes Typ 1 werden automatisch therapiert
- mehrere operative Verfahren stehen zur Wahl
Nachteile
- keine 100%ige Garantie auf Behandlungserfolg
- langwierige Nachsorgemaßnahmen erforderlich
- auf Warteliste vermerkte Personen müssen stetige Abrufbereitschaft aufweisen
- riskanter Eingriff
Häufige Fragen zum Thema Transplantationen Bauchspeicheldrüse
Wann wird eine Bauchspeicheldrüse transplantiert?
In der Regel bei Patienten mit Diabetes Typ 1, denen zusätzlich ein Nierenversagen droht. Bei dieser Erkrankung zerstören körpereigene Antikörper die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse, die kein Insulin mehr bilden. Häufig wird die Pankreas-Transplantation deshalb mit dem Einsetzen einer neuen Niere kombiniert.
Wie lange muss ich auf ein Organ warten?
Oft mehrere Jahre. Patienten werden auf die Warteliste von Eurotransplant gesetzt, der Organisation, die in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern Spenderorgane vermittelt. Wer auf der Liste steht, muss ständig abrufbereit sein.
Welche Untersuchungen sind vorher nötig?
Ein Beratungsgespräch zur Anamnese, eine körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen sowie bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Röntgen. Besonderes Augenmerk liegt auf Herz und Kreislauf, den Nieren und dem Magen-Darm-Bereich. Einige Kontrollen werden regelmäßig wiederholt. Bei Krebs oder einer Infektionskrankheit wird in der Regel nicht transplantiert.
Wie läuft die Operation ab?
Unter Vollnarkose. Der Chirurg eröffnet die Bauchdecke, setzt zuerst die Niere ein, schließt deren Blutgefäße an den Kreislauf an und verbindet den Nierenabfluss mit dem Harnleiter, stabilisiert durch Harnkatheter und Schiene. Danach folgt die Bauchspeicheldrüse, deren Gang über ein mitentnommenes Stück Zwölffingerdarm an den Darm des Patienten genäht wird.
Was ist eine Inselzell-Transplantation?
Ein Verfahren, bei dem nur die insulinbildenden Inselzellen aus einer Spender-Bauchspeicheldrüse gelöst und als Lösung in die Leber, eine Nabelvene oder die Pfortader übertragen werden. Ein chirurgischer Eingriff entfällt. Nachteil: Für einen Empfänger werden zwei bis drei intakte Bauchspeicheldrüsen benötigt, und Organe sind knapp.
Wie gut sind die Erfolgsaussichten?
Nach rund einem Jahr arbeiten noch drei Viertel der transplantierten Bauchspeicheldrüsen, und die Rate steigt mit den verbesserten Operationstechniken weiter. Nimmt der Körper das Organ an, produziert es zuverlässig Insulin, künstliche Insulingaben entfallen und meist auch die Dialyse.
Muss ich dauerhaft Medikamente nehmen?
Ja. Das Abwehrsystem versucht ein Leben lang, das fremde Organ abzustoßen. Immunsuppressiva unterdrücken diese Reaktion und müssen lebenslang eingenommen werden. Sie schwächen allerdings das Immunsystem, weshalb die Anfälligkeit für Infektionen und Tumoren steigt und Vorbeugung dauerhaft wichtig bleibt.
Welche Risiken bestehen?
Weil im Bauchraum operiert wird, können Darm, Blutgefäße oder Harnorgane verletzt werden. Dazu kommen Blutergüsse, Nachblutungen, Entzündungen der Operationswunde, Heilungsstörungen, auffällige Narben, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, eine Bauchfellentzündung und allergische Reaktionen. Trotz Immunsuppressiva kann der Körper die neuen Organe abstoßen.