Nierentransplantationen

Die Nierentransplantation: was tun, wenn die eigenen Nieren versagen?

Leiden Menschen an einem nicht mehr zu behebenden Nierenversagen, ist eine Transplantation des Organs zumeist die effektivste Behandlungsoption. Erfahrungsgemäß ist eine Spenderniere ausreichend, um all die Funktionen zu übernehmen, die die eigenen kranken Nieren nicht mehr durchführen können. Theoretisch kann eine Person mit einer Niere leben. Aus dem Grund kann das Organ auch von Lebendspendern entnommen werden.

Die Anzahl an Interessenten für eine neue Niere ist dennoch größer als die Zahl der Spendernieren. Deshalb müssen Betroffene häufig mehrere Jahre lang auf ein neues Organ warten. In diesem Zeitraum wird die Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktion durch die Dialyse – die sogenannte Blutwäsche – übernommen. Denn ohne die Dialyse würden an schweren Nierenschäden erkrankte Personen ohne ein Spenderorgan versterben. Die Dialyse rettet Leben, ist jedoch keine Heilung. Denn dieses Verfahren kann nicht alle Funktionen der Niere zu 100 Prozent übernehmen. So lange keine neue Niere transplantiert wird, müssen Patienten ein beeinträchtigtes Leben führen.

Nach einer erfolgreich verlaufenen Transplantation einer Niere fühlen sich Betroffene zumeist besser. Die eingepflanzte Niere verrichtet alle Aufgaben der einstigen körpereigenen Niere. Diese Auswirkung betrifft auch die Lebenserwartung Betroffener. Statistisch gesehen ist die Überlebensrate von nierentransplantierten Menschen höher als von Dialysepatienten. Aktuell werden in Deutschland pro Jahr etwa 2.500 Transplantationen der Niere durchgeführt.

Stufen der Nierentransplantation

Der klassische Weg einer Nierentransplantation ist mit dem zahlreicher anderer Organspenden vergleichbar. Der Prozess vollzieht sich von der ersten bis zur letzten Etappe wie folgt:

  1. Wartezeit: Patienten werden auf Warteliste gesetzt, falls Notwendigkeit für eine Transplantation besteht
  2. Operation: nach Wartezeit erfolgt Operation, um Niere zu transplantieren
  3. erste Monate nach Transplantation: Organ muss Arbeit aufnehmen; Betroffene müssen lebenslang Medikamente einnehmen, damit Körper die Niere nicht abstößt
  4. neues Leben mit der Niere: Gesundheitszustand hat sich stabilisiert

Die Voraussetzung für eine Nierentransplantation: Diagnose Nierenversagen

Versagen die Nieren, bezeichnen Ärzte diese Erkrankung als chronisches Nierenversagen oder chronische Niereninsuffizienz. Dieser Zustand kann durch unterschiedliche Erkrankungen ausgelöst werden:

  1. Diabetes Mellitus Typ 2: Schädigungen der Blutgefäßwände durch zu hohe Blutzuckerkonzentration; Organe werden schlechter durchblutet; Organschäden folgen
  2. Bluthochdruck: Schädigungen der Gefäßwände; erhöhte Druckbelastung resultiert in Verdickung und Verhärtung von Gefäßwänden; durch aufkommende Arteriosklerose werden Nieren schlechter durchblutet
  3. Glomerulonephritis
  4. interstitielle Nephritis
  5. Zystennieren

Die Wartezeit bis zur Transplantation bewältigen: mit der Dialyse

Können die Nieren aufgrund der Insuffizienz das Blut nicht mehr ausreichend reinigen, verhindert die Dialyse eine Vergiftung des Körpers. Neben der Nierentransplantation ist die Dialyse die einzige Möglichkeit, diesem Vergiftungsprozess entgegenzuwirken. Regelmäßige Dialysebehandlungen ersetzen die Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktion der Nieren weitgehend. Die Dialyse wird zur Überbrückungszeit angewandt, bis eine neue Niere für Patienten und Patientinnen verfügbar ist. Die Dialyse ist für schwer Nierenkranke eine lebensrettende Maßnahme. Allerdings können nicht alle Funktionen der Niere ersetzt werden. Einige mit einem Nierenversagen verbundene gesundheitliche Probleme können durch die Blutwäsche nicht kompensiert werden. Dazu gehören Begleiterscheinungen wie Blutarmut, ein gestörter Knochenstoffwechsel, Appetitlosigkeit oder Bluthochdruck. Die häufigsten Formen der Dialyse sind die Hämodialyse sowie die Bauchfelldialyse.

Formen der Transplantation: Lebend- oder postmortale Spende

Die neue Niere stammt entweder von einer noch lebenden oder bereits verstorbenen Person. Ein markanter Unterschied zwischen beiden Spendenformen besteht in der Wartezeit. Müssen Betroffene auf eine postmortale Spende hoffen, sind sie auf eine Vergabe über die Warteliste der Stiftung Eurotransplant angewiesen.

Bei einer Lebendspende ist die Wartezeit zumeist wesentlich geringer. Möglicherweise entfällt die Dialysetherapie komplett. Allerdings muss ein potentieller Spender vorhanden sein, der sich für die Nierenspende bereit erklärt. Diese Person müsste folgende Bedingungen erfüllen:

  1. Spender befindet sich in gutem Gesundheitszustand
  2. Spender ist mit Empfänger verwandt oder steht der erkrankten Person nahe
  3. Übereinstimmungen der Gewebemerkmale von Spender sowie Empfänger
  4. Nierenentnahme ist für Spender kein unangemessenes Risiko
  5. Zustimmung der Nierentransplantation durch Lebendspende-Kommission

Besonderheiten der Lebendspende

Ein Vorteil der Lebendspende besteht darin, dass sich Spender sowie Empfänger zumeist im gleichen Krankenhaus befinden. Der Zeitraum zwischen der Entnahme der Niere sowie Transplantation ist dementsprechend kurz. Da sich die Spender zum Entnahmetermin in guter gesundheitlicher Verfassung befinden müssen, ist die Niere zumeist auch in einem besseren Zustand als das Organ eines postmortalen Spenders. Dadurch ist die Niere qualitativ hochwertiger. Folgende Statistiken geben Aufschluss:

  1. durch Lebendspende verpflanzte Niere ist nach einem Jahr in 95 Prozent aller Fälle noch voll funktionsfähig
  2. postmortal gespendete Niere ist nach einem Jahr in 85 Prozent aller Fälle voll funktionsfähig
  3. nach fünf Jahren sind Nieren durch Lebendspenden bei 84 Prozent aller Patienten funktionsfähig
  4. nach fünf Jahren sind Nieren einer postmortalen Spende in 70 Prozent aller Fälle voll funktionsfähig

Diese Statistik wirkt sich ebenfalls auf die Lebenserwartung der Patienten aus. Nach fünf Jahren leben Empfänger einer Lebendspende in 91 Prozent aller Fälle. Bei Empfängern einer postmortalen Spende ist der Anteil um fünf Prozent verringert.

Dennoch ist die Lebendspende bei einer Nierentransplantation ethisch umstritten. Schließlich lässt sich ein gesunder Mensch operieren und muss alle klassischen OP-Risiken in Kauf nehmen. Im Gegenzug belaufen sich die für Spender tödlich verlaufenden Eingriffe auf deutlich weniger als ein Prozent. Da der gesundheitliche Nutzen für die Empfänger wesentlich größer ist, bewerten Mediziner die Operation als moralisch vertretbar.

Besonderheiten der postmortalen Spende

Bei der Verteilung der postmortalen Nierenspende spielen Übereinstimmungen von HLA-Antigenen eine wichtige Rolle. Um nach der Spende erfolgende Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, sind Empfänger auf ein Spendeorgan angewiesen, dessen HLA-Antigene weitgehend mit denen des Spenders übereinstimmen.

Komplikationen und Risiken der Nierentransplantationen

Organtransplantationen der Niere helfen schwer nierenkranken Menschen dabei, ein Leben ohne Dialyse zu führen. Dennoch sind gesundheitliche Komplikationen nach der Behandlung nicht komplett ausgeschlossen. Folgende gesundheitlichen Probleme können auftreten:

  1. primäre Nichtfunktion: Niere funktioniert nicht sofort nach Transplantation; Nichtfunktion ist zumeist behandelbar
  2. gestörte Nierenfunktion: Bestimmung durch Serum-Kreatininwert bzw. glomeruläre Filtrationsrate des Urins
  3. Blutungen
  4. Thrombosen
  5. Wundheilungsstörungen

Gründe für unzureichende Funktionsweisen der Nieren basieren partiell auf zu langen Konservierungszeiten. Möglicherweise sind die Organe anderenfalls durch eingenommene nierenschädigende Pharmazeutika geschädigt. Weitere Gründe für geschädigte Nieren sind Infektionen oder eine mangelhafte Durchblutung des Organs.

Hat die Niere nach der Transplantation wie erhofft ihre Tätigkeit aufgenommen, müssen Patienten dennoch regelmäßig ärztliche Kontrolluntersuchungen wahrnehmen. Zudem sollten Transplantierte genau auf sich achten und etwaig bestehende Symptome ernst nehmen. Folgende Begleiterscheinungen deuten möglicherweise auf eine Abstoßung hin:

  1. erhöhter Blutdruck
  2. Gewichtszunahme
  3. geringere Urinausscheidung
  4. Schmerzen an der Körperpartie um die transplantierte Niere
  5. Fieber bzw. erhöhte Temperatur
  6. Müdigkeit, Abgeschlagenheit
  7. Bildung von Ödemen bzw. Wasseransammlungen im Körper

Langfristig ist eine Nierentransplantation mit einem erhöhten Risiko für folgende Erkrankungen verbunden:

  1. chronische Allograftnephropathie: Nierenfunktion des Transplantats nimmt kontinuierlich ab
  2. Tumore (beispielsweise Hautkrebs)
  3. erkranktes Herz-Kreislauf-System
  4. Diabetes Mellitus
  5. Virusinfektionen: bedingt durch Einnahme von immunsuppressiven Medikamenten (Immunsystem ist geschwächt)

Die richtige Ernährungsweise nach den Transplantationen

Chronisch nierenkranke Menschen oder Dialysepatienten müssen extrem auf ihre Ernährung achten. An diese Einschränkungen sind Nierentransplantierte jedoch nicht gebunden. Dennoch sind Betroffene nach der Nierenoperation angehalten, sich in den ersten Wochen nach der OP keimarm zu ernähren.

Vor- und Nachteile der Nierentransplantation

Obwohl sich die Dialyse als Methode zur Blutreinigung bewährt hat, ziehen Ärzte für eine Behandlung einer chronischen Niereninsuffizienz die Transplantation vor. Für eine Nierentransplantation sprechen folgende Vorteile, denen nur wenige Nachteile gegenüberstehen:

Vorteile

  • neue Niere übernimmt (im Gegensatz zur Dialyse) alle wichtigen Funktionen des Organs: Filterung des Bluts, Produktion von Vitamin D und Erythropoetin
  • kontinuierliche Reinigung des Bluts (erzeugt stabilere Blutwerte)
  • geringere Wahrscheinlichkeit der durch Dialysebehandlung auftretenden Erkrankungen wie verminderte physische Leistungsfähigkeit, Blutarmut oder Knochenstoffwechselstörungen
  • wesentlich geringeres Sterberisiko als bei gleichaltrigen Dialysepatienten
  • geringere Risiken durch fehlende Operation
  • keine Notwendigkeit, lebenslang Arzneimittel gegen Abstoßung des Organs einzunehmen

Nachteile

  • lange Wartezeit auf ein Transplantat

Häufige Fragen zum Thema Nierentransplantationen

Wann ist eine Nierentransplantation nötig?

Bei chronischem Nierenversagen, also einer nicht mehr behebbaren Niereninsuffizienz. Auslöser sind unter anderem Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, eine Glomerulonephritis, eine interstitielle Nephritis oder Zystennieren. Eine einzige Spenderniere reicht aus, um die Aufgaben der erkrankten Nieren zu übernehmen.

Wie lange muss ich auf eine Niere warten?

Bei einer postmortalen Spende fünf bis sechs Jahre, gerechnet ab dem ersten Tag der Dialyse. Vermittelt wird über die Warteliste der Stiftung Eurotransplant. Bei einer Lebendspende ist die Wartezeit meist deutlich kürzer, mitunter entfällt die Dialyse ganz.

Was leistet die Dialyse in der Zwischenzeit?

Sie ersetzt weitgehend die Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktion der Nieren und verhindert, dass sich der Körper vergiftet. Eine Heilung ist sie nicht: Begleiterscheinungen wie Blutarmut, ein gestörter Knochenstoffwechsel, Appetitlosigkeit oder Bluthochdruck bleiben. Die häufigsten Formen sind die Hämodialyse und die Bauchfelldialyse.

Wer kommt als Lebendspender in Frage?

Eine gesunde Person, die mit dem Empfänger verwandt ist oder ihm nahesteht und deren Gewebemerkmale übereinstimmen. Die Entnahme darf für den Spender kein unangemessenes Risiko bedeuten, und die Lebendspende-Kommission muss zustimmen. Sie achtet darauf, dass keine Organspende unter Zwang oder gegen Bezahlung erfolgt.

Hält eine Niere aus Lebendspende länger?

Ja. Nach einem Jahr arbeiten 95 Prozent der Nieren aus Lebendspende noch voll, gegenüber 85 Prozent bei postmortaler Spende. Nach fünf Jahren sind es 84 gegenüber 70 Prozent. Auch die Überlebensrate der Empfänger liegt nach fünf Jahren mit 91 Prozent um fünf Prozentpunkte höher.

Woran erkenne ich eine Abstoßung?

An erhöhtem Blutdruck, Gewichtszunahme, geringerer Urinausscheidung, Schmerzen rund um die transplantierte Niere, Fieber, Müdigkeit und Abgeschlagenheit oder Wasseransammlungen im Körper. In den ersten Wochen sollte man Gewicht, Blutdruck, Flüssigkeitsbilanz und Temperatur genau dokumentieren, das hilft dem Arzt bei der Diagnose.

Welche Risiken bestehen?

Kurzfristig eine primäre Nichtfunktion der Niere, die meist behandelbar ist, eine gestörte Nierenfunktion, Blutungen, Thrombosen und Wundheilungsstörungen. Langfristig steigt das Risiko für eine chronische Allograftnephropathie, für Tumoren wie Hautkrebs, für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Virusinfektionen infolge der immunsuppressiven Medikamente.

Muss ich nach der Transplantation Diät halten?

Nein. Die strengen Ernährungsvorgaben für chronisch Nierenkranke und Dialysepatienten entfallen. In den ersten Wochen nach der Operation sollte die Ernährung allerdings keimarm sein.