Vorhautverengung

Die Operation bei einer Vorhautverengung: wann ist der Eingriff nötig?

Eine Vorhautverengung des Penis liegt vor, wenn die Vorhaut des männlichen Glieds verengt ist. Aufgrund dieser Verengung kann die Vorhaut nur erschwert oder überhaupt nicht zurückgestreift werden. Allerdings ist dieser Zustand bis zum Vorschulalter unbedenklich. Löst sich die Vorhaut während des Wachstumsprozesses jedoch nicht, ist möglicherweise eine Behandlung erforderlich.

Eine Vorhautverengung: was ist das?

Die Vorhautverengung – in medizinischer Fachsprache als Phimose bezeichnet – ist durch eine Verengung oder rüsselähnliche Verlängerung der Vorhaut (Präputium) bekannt. Dieser Zustand führt dazu, dass die Vorhaut überhaupt nicht, unter Schmerzen oder mit einem erhöhten Verletzungsrisiko hinter die Eichel des Penis bewegt werden kann. Größtenteils ist eine verengte Vorhaut des Penis angeboren. Bei Erwachsenen tritt eine Phimose vergleichsweise selten auf. Sind erwachsene Männer von einer Phimose betroffen, ist diese Erkrankung zumeist die Folge einer Verletzung oder lokalen Entzündung. Eine Vorhautverengung wird nach zwei Formen unterschieden:

  1. absolute vollständige Phimose: Vorhaut schiebt sich weder bei erschlafftem noch bei steifem Penis zurück
  2. unvollständige relative Phimose: Vorhaut kann nur bei steifem Penis nicht zurückgestreift werden

Besonderheiten der Phimose

Das wichtigste Symptom der Fehlbildung besteht darin, dass sich die Vorhaut nur schwer oder überhaupt nicht über die Eichel ziehen lässt. Eventuell entstehen Schmerzen oder Juckreiz. Zudem neigen Patienten zur Bildung von Infektionen und Entzündungen an der Vorhautpartie. Liegt eine ausgeprägte Phimose vor, wirkt sich dieser Zustand sogar auf das Wasserlassen aus. Der Harnstrahl erscheint abgeschwächt und kann zur Seite abweichen. Zudem wirkt sich eine verengte Vorhaut hinderlich auf die Ejakulation und Erektion aus. Sex bereitet möglicherweise Schmerzen.

Erfolgsprognose und Krankheitsverlauf

Häufig raten Ärzte sogar an, die Therapie auf das späte Kindesalter zu verschieben. In vielen Fällen wächst die Vorhautverengung einfach aus. Unbehandelte Erkrankungen können jedoch den Abfluss von Vorhautsekreten verhindern oder Verlegungen der Harnröhre bzw. Entzündungen hervorrufen. Treten an der Eichel vermehrt Infektionen auf, ist ein erhöhtes Risiko für Peniskarzinome gegeben. Dieses Risiko minimiert sich bei beschnittenen Patienten.

Vor der Operation: konventionelle Behandlungsversuche

Verursacht eine Vorhautverengung in den ersten Jahren keine Beschwerden, ist auch keine Behandlung notwendig. Die meisten Mediziner empfehlen einen Therapiestart im Vorschulalter. Die Therapie verfolgt das Ziel, eine sexuelle Funktion des Penis zu erreichen und Probleme beim Wasserlassen zu verhindern.

Als konventioneller Behandlungsansatz hat sich die lokale Anwendung von Kortisonsalben bewährt. Diese Therapie wird insbesondere bei weniger ausgeprägten Phimosen empfohlen. Wird die Salbe über bis zu acht Wochen zweimal pro Tag auf die Vorhaut aufgetragen, sollten Eltern nach zwei Wochen erste Mobilitätsversuche der Vorhaut starten. Verletzungen und Einrisse müssen jedoch dringend vermieden werden. Bei etwa drei Viertel aller Betroffenen erzielt die Kortisontherapie die erhofften Erfolge. Allerdings ist anschließend dafür Sorge zu tragen, dass die Vorhautverengung nicht wieder auftritt. Der Vorteil der Kortisonbehandlung: die häufig befürchteten Nebenwirkungen von Kortisontherapien sind bei lokalen Anwendungen auszuschließen. Schlägt die Therapie mit Kortison fehl, empfehlen Kinderchirurgen unter Umständen eine Operation.

Allgemeine Informationen zur Vorhautverengung-Operation

Eine Vorhautverengung-OP ist die operative Behandlung einer Vorhautverengung, die zumeist in Form einer Beschneidung – der sogenannten Zirkumzision – durchgeführt wird. Im Rahmen dieses Eingriffs wird die Vorhaut entweder partiell oder komplett beseitigt.

Aus medizinischer Sicht hat eine Phimose-OP den Zweck, gestörte Funktionen wiederherzustellen oder überhaupt erst zu ermöglichen. Davon sind das Wasserlassen, die Ejakulation sowie Erektion betroffen.

Wann raten Ärzte zu einer Phimose-Operation?

In aller Regel ziehen Kinderchirurgen eine Vorhaut-OP in Betracht, wenn die Therapie mit Kortisonsalbe fehlgeschlagen ist. Auch dann operieren Ärzte die verengte Vorhaut nur dann, wenn der Zustand der Patienten tatsächlich behandlungsbedürftig erscheint. Dieser Fall ist bei folgenden Beschwerden gegeben:

  1. Paraphimose (verengte Vorhaut klemmt Eichel des Penis ein)
  2. wiederkehrende Entzündungen an der Vorhaut
  3. Probleme beim Wasserlassen (Schmerzen, „Aufblasen“ der Vorhaut)
  4. Vernarbungen
  5. Lichen Sclerosus (chronische, entzündliche Hauterkrankung)

Vorbereitungen auf die Vorhautverengung-Operation

Bevor die Phimose chirurgisch therapiert wird, werden Kinder und deren Eltern in einem Beratungsgespräch umfassend über den Ablauf sowie OP-Risiken informiert. Ist ein Eingriff unter Vollnarkose geplant, dürfen Patienten spätestens ab sechs Stunden vor der Anästhesie keine trüben Flüssigkeiten oder feste Speisen mehr einnehmen. Ab zwei Stunden vor der Phimose-OP ist zusätzlich eine Einnahme klarer Flüssigkeiten untersagt.

Ablauf der Phimose-Operation

Eine Phimose-OP wird bei Kindern mit einer Kombination aus Vollnarkose sowie einer lokalen Betäubung der Penis-Nerven vorgenommen. Bei Erwachsenen verzichten Anästhesisten unter Umständen auf eine Vollnarkose. Je nach Beschwerdebild wenden Chirurgen unterschiedliche Techniken an.

Sparsame Beschneidung bzw. subtotale Zirkumzision

Bei dieser Methode wird die Vorhaut nicht vollständig beseitigt. Ein Teil der Vorhaut bleibt am Penis erhalten.

Vollständige Beschneidung bzw. komplette Zirkumzision

Bei diesem Verfahrensansatz entfernt ein Chirurg die Vorhaut komplett. Dementsprechend liegt die Eichel nach der Phimoseoperation frei. Dieser Eingriff vollzieht sich in folgenden Schritten:

  1. Vorhaut wird von darunter befindlicher Eichelhaut gelöst
  2. zu kurzes Vorhautband – das Frenulum – wird durchtrennt
  3. Einschnitt der Vorhaut am Penisrücken
  4. Abtrennung der Vorhaut am Übergangsbereich zwischen Penisschaft und Eichel
  5. Vernähen der inneren und äußeren Vorhaut

Erweiterungsplastik

Im Rahmen der Erweiterungsplastik nehmen Ärzte eine Erweiterung der Vorhautöffnung vor. Dieses Ziel erreicht ein Operateur, indem bestimmte Körperpartien eingeschnitten und daraufhin vernäht werden. Bei einigen Patienten ist eine vorsichtige Vorhautlösung von der darunter befindlichen Eichelhaut bereits ausreichend. Allerdings bezeichnen Mediziner diesen Zustand nicht als echte Vorhautverengung. In diesem Fall ist die Vorhaut weit genug gedehnt, aber nicht genügend von der Eichelhaut gelöst.

Informationen zur Nachbehandlung

Spätestens nach drei bis vier Monaten nach der Phimose-OP rät ein Arzt zu einer Kontrolluntersuchung. Leiden Patienten an Lichen Sclerosus, nehmen Chirurgen die postoperative Untersuchung nach spätestens zwei bis vier Wochen vor. Erfahrungen zufolge heilt der Lichen Sclerosus jedoch nach vier bis sechs Monaten nach der Operation aus.

Risiken und Komplikationen der operativen Behandlung einer verengten Vorhaut

Eine operative Therapie einer verengten Vorhaut ist nicht ganz risikofrei. Ein Vorteil der Operation ist jedoch, dass der Eingriff in den meisten Fällen zum Erfolg führt. Mit folgenden Risiken müssen Betroffene rechnen:

  1. Narbenbildung
  2. Infektionen
  3. Nachblutungen
  4. erhöhte Gefahr für Narbenbildung (insbesondere bei Erweiterungsplastik und subtotaler Zirkumzision)

Eine erhöhte Narbenbildung kann nicht nur funktionelle Störungen verursachen. Möglicherweise werden Patienten einer starken psychischen Belastung ausgesetzt. Vernarbungen können beim Wachstum ebenfalls entstehen, falls die vernarbte Vorhaut nicht adäquat mitwächst. Bei diesem Krankheitsbild bildet sich möglicherweise eine sekundäre Phimose heraus, die einer weiteren OP einschließlich kompletter Vorhautentfernung bedarf.

Weitere Risiken und Komplikationen können durch eine Phimose-Operation wie folgt verursacht werden:

  1. narbige Verengung der Harnröhrenöffnung bei Lichen Sclerosus
  2. Anschwellen der Eichel
  3. Sensibilitätsstörungen an der Eichel
  4. unzureichendes zufriedenstellendes OP-Resultat

Vor- und Nachteile der Vorhautoperation

Eine Operation der verengten Vorhaut führen Chirurgen nur dann durch, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. Deshalb sollten Betroffene dem ärztlichen Rat folgen – insbesondere dann, wenn die Vorhautverengung gesundheitliche Beschwerden verursacht.

Vorteile

  • relativ hohe Erfolgsaussichten
  • Wahlmöglichkeiten aus unterschiedlichen Behandlungsoptionen
  • verbesserte Lebensqualität (durch Linderung verschiedener Beschwerden)
  • Eingriff wird ambulant durchgeführt
  • geringer Zeitaufwand für Nachbehandlung

Nachteile

  • operative Verfahren gelten als relativ risikobehaftet
  • möglicherweise ist zweite OP erforderlich

Häufige Fragen zum Thema Vorhautverengung

Was ist eine Phimose?

Eine Verengung oder rüsselartige Verlängerung der Vorhaut, die sich gar nicht, nur unter Schmerzen oder mit Verletzungsrisiko hinter die Eichel schieben lässt. Bei der absoluten Phimose gelingt das weder im erschlafften noch im steifen Zustand, bei der relativen Phimose nur bei steifem Penis.

Ab wann ist die Verengung behandlungsbedürftig?

Bei Säuglingen und Neugeborenen ist die Vorhaut als Schutz vor Kot und Urin verklebt, das ist normal. Die Verklebung löst sich im Laufe der Entwicklung, spätestens ab dem fünften Lebensjahr sollte die Vorhaut beweglich sein. Verursacht sie vorher keine Beschwerden, ist keine Behandlung nötig, die meisten Ärzte empfehlen einen Therapiestart im Vorschulalter.

Geht es auch ohne Operation?

Ja, mit einer Kortisonsalbe. Sie wird bis zu acht Wochen zweimal täglich auf die Vorhaut aufgetragen, nach zwei Wochen können vorsichtige Mobilisierungsversuche beginnen. Bei etwa drei Vierteln der Betroffenen führt das zum Erfolg. Die gefürchteten Nebenwirkungen einer Kortisontherapie treten bei lokaler Anwendung nicht auf.

Wann wird operiert?

Wenn die Kortisontherapie fehlgeschlagen ist und tatsächlich Behandlungsbedarf besteht, etwa bei einer Paraphimose, wiederkehrenden Entzündungen der Vorhaut, Schmerzen oder Aufblasen der Vorhaut beim Wasserlassen, Vernarbungen oder Lichen sclerosus. Bei akuter Entzündung wird vorher mit Antibiotika behandelt.

Welche Operationsmethoden gibt es?

Die sparsame oder subtotale Zirkumzision, bei der ein Teil der Vorhaut erhalten bleibt, die vollständige Beschneidung, nach der die Eichel frei liegt, sowie die Erweiterungsplastik, bei der nur die Vorhautöffnung durch Einschnitte und Nähte erweitert wird. Bei manchen Patienten genügt das vorsichtige Lösen der Vorhaut von der Eichelhaut.

Was darf mein Kind vorher essen?

Ist eine Vollnarkose geplant, ab sechs Stunden vor der Anästhesie keine festen Speisen und keine trüben Flüssigkeiten mehr, ab zwei Stunden vorher auch keine klaren Flüssigkeiten. Bei Kindern wird meist eine Vollnarkose mit örtlicher Betäubung der Penis-Nerven kombiniert, bei Erwachsenen kann die Vollnarkose entfallen.

Welche Risiken bestehen?

Narbenbildung, Infektionen und Nachblutungen zählen dazu, das Narbenrisiko ist bei Erweiterungsplastik und subtotaler Zirkumzision erhöht. Wächst vernarbte Vorhaut nicht mit, kann eine sekundäre Phimose entstehen, die eine weitere Operation mit vollständiger Entfernung nötig macht. Weiter möglich sind eine narbige Verengung der Harnröhrenöffnung bei Lichen sclerosus, ein Anschwellen der Eichel und Sensibilitätsstörungen.

Was passiert, wenn nicht behandelt wird?

Das Sekret kann nicht mehr abfließen, es drohen Verlegungen der Harnröhre und Entzündungen. Treten an der Eichel gehäuft Infektionen auf, steigt das Risiko für ein Peniskarzinom. Wichtig: Die Vorhaut darf niemals gewaltsam zurückgeschoben werden.