Weisheitszahnentfernung per Operation

Die Weisheitszahnentfernung per Operation: Funktionsweise und Risiken

Eine Weisheitszahnentfernung per Operation ist ein chirurgisches Verfahren, das der Beseitigung der Weisheitszähne dient. Häufig raten Zahnmediziner zu der OP, da im Mund nicht ausreichend Platz für die spezielle Art der Zähne ist. Da diese Zähne zum Teil noch nicht einmal durchbrechen, sind sie partiell oder sogar komplett im Kiefer eingeschlossen. Dieser Zustand soll durch eine Operation geändert werden.

Was sind Weisheitszähne?

Ein gesundes bleibendes Gebiss inkludiert im Unter- und Oberkiefer auf jeder Seite jeweils zwei Schneidezähne, einen Eckzahn, zwei Vorderbackenzähne sowie bis zu drei weitere Backenzähne. Der letzte dieser Backenzähne ist der Weisheitszahn. Ist im Kiefer nicht genügend Platz vorhanden, ist dieser Zahn komplett oder partiell im Kiefer eingeschlossen. Dieser Zustand verursacht bei vielen Betroffenen Beschwerden wie verdrängte Zähne oder entzündetes Zahnfleisch.

Wann veranlassen Zahnärzte eine Entfernung der Weisheitszähne?

Der medizinische Fachterminus für den Einschluss der Weisheitszähne lautet in der Oralchirurgie Retention. Verursacht die Retention Spannungsgefühle oder Schmerzen, bedarf es einer Weisheitszahn-Operation. Bei nachfolgenden Gründen ist ebenfalls eine Weisheitszahnbeseitigung notwendig:

Vor der Entfernung des Weisheitszahns: was ist zu beachten?

Ähnlich wie bei einer Wurzelspitzenresektion, führen Zahnarzt und Patient vor einer operativen Beseitigung des Weisheitszahns ein Beratungsgespräch durch. In diesem Gespräch werden die persönliche Krankheitsgeschichte, die Vorgehensweise sowie etwaig aufkommende gesundheitliche Risiken thematisiert. Eine weitere Voraussetzung für die Operation ist eine sorgfältige Untersuchung des Gebisses. Möglicherweise muss ein Röntgenbild angefertigt werden.

Besonders wichtig ist es, dass ein Arzt über eine etwaige Blutungsneigung sowie die regelmäßige Einnahme blutgerinnungshemmender Arzneimittel informiert wird. Diese Informationen tragen dazu bei, das Risiko eventuell auftretender Blutungen während des Eingriffs besser abzuschätzen. Anhand der durch das Gespräch erlangten Untersuchungen entscheidet ein Zahnmediziner darüber, ob Betroffene auf einen Durchbruch des Zahns warten oder die Weisheitszähne vorzugsweise gezogen werden sollen.

Der Verfahrensablauf einer Weisheitszahnoperation

Um das Schmerzempfinden während der Weisheitszahn-Beseitigung auszuschalten, verwenden Ärzte für Oralchirurgie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Lokalanästhetikum. Leiden Patienten und Patientinnen unter massiven Angstzuständen oder ist eine komplizierte Operation geplant, raten Zahnmediziner unter Umständen zu einer Vollnarkose, Dämmerschlafnarkose oder Kombination mit Lachgas.

Bei entsprechender Betäubung beseitigt ein Zahnmediziner oder Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zuerst die über dem Weisheitszahn befindliche Schleimhaut sowie das darum befindliche Zahnfleisch. Falls der Weisheitszahn noch an den Kieferknochen gewachsen ist, erfolgt eine geringfügige Abtragung des Knochens. Anschließend verwendet der Operateur spezielle Zangen und Hebel, um den Weisheitszahn zu lockern und zu entfernen. Liegt der Zahn besonders ungünstig, wird dieser im Rahmen der OP geteilt und stückweise beseitigt. Nach der Entfernung wird die Wunde vernäht. Das Unterkiefergewebe ist wesentlich kompakter als am Oberkiefer. Deshalb ist die Zahnbeseitigung in diesem Bereich wesentlich komplizierter.

Wurde die Weisheitszahnoperation unter Vollnarkose durchgeführt, verbleiben Betroffene nach dem Eingriff noch für einige Stunden zur Beobachtung unter ärztlicher Kontrolle. Nach einer örtlichen Betäubung, Verwendung von Lachgas sowie Dämmerschlafnarkose besteht die Möglichkeit, die Klinik oder Praxis direkt nach der OP zu verlassen. Schmerzmedikamente sowie eine adäquate Kühlung wirken Schwellungen und Schmerzen entgegen.

Nach der chirurgischen Weisheitszahn-Behandlung: worauf achten?

Nach der Weisheitszahn-Entfernung sind Patienten und Patientinnen gut beraten, so früh wie möglich Schmerzmittel wie Ibuprofen einzunehmen. Die Einnahme blutverdünnender Pharmazeutika wie Aspirin ist strengstens untersagt, da diese ein erhöhtes Risiko für Hämatome oder Nachblutungen darstellen. Größere Schwellungen werden vermieden, indem die Wangen konsequent gekühlt und Eiswürfel gelutscht werden. Bei einer Nutzung von Eis oder Coolpacks sollten die Verpackungen in ein Handtuch gewickelt werden. Dadurch wird die Haut vor Kälteschäden geschützt. Die nachfolgenden Maßnahmen begünstigen ebenfalls einen positiven Genesungsprozess:

  • Mundhygiene nach Weisheitszahn-OP: Wundbereich nach jeder Mahlzeit mit Zahnpastaschaum und weicher Zahnbürste versorgen; tägliche Mundspülung mit antibakterieller Lösung
  • Nikotinkonsum: Tabakkonsum verlangsamt Heilungsprozess massiv; Verzicht bis zum Verheilen der Wunde
  • sportliche Aktivitäten: keine starke körperliche Anstrengung in den ersten Tagen;
  • Nachsorge: regelmäßige Kontrolle der Wunde durch Zahnarzt; Fäden ziehen nach Verheilung; Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist erforderlich

Nach der Weisheitszahnbeseitigung: die Nahrungsaufnahme

Wenn die Anästhetika nach der Weisheitszahnentfernung nachwirken, ist von der Einnahme fester Speisen sowie heißen Getränken abzusehen. Kalte Getränke können Patienten in kleinen Schlucken zu sich nehmen. Nach Nachlassen der Betäubung sind warme Getränke sowie weiche Speisen erlaubt. Möglich sind folgende Nahrungsmittel:

Die Lebensmittel dürfen nicht zu scharf gewürzt, heiß oder hart sein. Reizungen an der Wunde können auftreten. Schlimmstenfalls verursachen die Speisen Schmerzen, Nachblutungen oder Entzündungen. Ist die Wunde verheilt und sind die Fäden gezogen, dürfen Betroffene wieder alle Speisen nach Belieben essen.

Besonders wichtig ist es, keinerlei Milchprodukte zu sich zu nehmen. Produkte wie Quark oder Käse enthalten Milchsäurebakterien, die in die Wunde eindringen und eventuell Infektionen hervorrufen. Weiterhin neigen Milchsäurebakterien dazu, Wundschorf zu schnell aufzulösen. Nachblutungen sind in diesem Fall nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig raten Zahnmediziner dringend von der Einnahme alkoholischer Getränke vor und nach der Operation ab. In Kombination mit Schmerz- oder Betäubungsmitteln löst Alkohol eventuell schwerwiegende Wechselwirkungen aus. Blutgefäße werden erweitert. Die Durchblutung wird angeregt. Öffnet sich durch diesen Effekt die noch nicht verheilte Wunde, muss diese im Bedarfsfall neu genäht werden. Außerdem sind auch in Alkohol Stoffe enthalten, die das Wachstum von Bakterien anregen.

Risiken der Operation

Schmerzen und Schwellungen sind Begleiterscheinungen, die sich bei einer Operation des Weisheitszahns nicht vermeiden lassen. Doch auch nachfolgende Komplikationen können den Genesungsprozess erschweren:

  • Blutungen
  • Verletzungen der Muskeln, Knochen oder Nerven
  • Infektionen
  • Eröffnung an der Kieferhöhle
  • Kieferbruch aufgrund geschädigter Kiefer
  • Schädigung an umliegenden Zähnen

Komplikationen am Oberkiefer

Gelegentlich ragen Zahnwurzeln unmittelbar in die Kieferhöhle, die sich über dem Oberkiefer befindet. Wird der Bereich während der Operation unabsichtlich geöffnet, muss die Öffnung wieder chirurgisch verschlossen werden.

Komplikationen am Unterkiefer

Ist die Distanz zwischen den Zahnwurzeln sowie dem Unterkiefernerv sehr gering, können durch den Eingriff ungewollt Reizungen entstehen. Eventuell klagen Patienten am Kinn oder an der Unterlippe über ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln. Dieses Gefühl legt sich jedoch nach einiger Zeit wieder.

Weisheitszahnentfernung per Operation: Vor- und Nachteile

Ein nicht behandelter Weisheitszahn löst im Kiefer möglicherweise folgenschwere Erkrankungen und Beschwerden aus. Empfiehlt ein Zahnarzt eine Beseitigung eines oder mehrerer Weisheitszähne, sollten Patienten diesem Rat dringend folgen:

Vorteile

  • durch Weisheitszahn verursachte Erkrankungen werden vermieden
  • Wahlmöglichkeiten aus verschiedenen Anästhesieverfahren
  • Krankenversicherungen übernehmen bei medizinischer Indikation die Behandlungskosten
  • Risiko für schwerwiegende Komplikationen ist sehr gering
  • Zahnersatz ist nach Behandlung im Regelfall nicht notwendig

Nachteile

  • sorgfältige Nachsorge beeinflusst Behandlungserfolg maßgeblich
  • auftretende Schmerzen nach OP sind unvermeidbar

Häufige Fragen zum Thema Weisheitszahnentfernung per Operation

Wann müssen Weisheitszähne raus?

Wenn der eingeschlossene Zahn, medizinisch Retention, Spannungsgefühle oder Schmerzen verursacht. Weitere Gründe sind Zysten, Karies oder Wurzelentzündungen am Weisheitszahn, Zahnfehlstellungen, Infektionen beim Durchbruch sowie eine Gefährdung benachbarter Zähne und Zahnwurzeln durch Platzmangel.

Welche Betäubung bekomme ich?

Meist eine örtliche Betäubung. Bei massiven Angstzuständen oder einer komplizierten Operation kommen eine Vollnarkose, eine Dämmerschlafnarkose oder Lachgas über eine Nasenmaske in Frage. Bei der Dämmerschlafnarkose ergänzt ein angstlösendes, muskelentspannendes Mittel die örtliche Betäubung.

Wie läuft der Eingriff ab?

Der Zahnarzt entfernt zuerst Schleimhaut und Zahnfleisch über dem Weisheitszahn. Ist der Zahn mit dem Kieferknochen verwachsen, wird etwas Knochen abgetragen. Mit speziellen Zangen und Hebeln lockert und entfernt er den Zahn, bei ungünstiger Lage wird er geteilt und stückweise herausgeholt. Zum Schluss wird die Wunde vernäht.

Alle vier Zähne auf einmal?

Besser nicht. Müssen alle vier Weisheitszähne gezogen werden, empfiehlt sich die Aufteilung auf zwei Termine für die rechte und die linke Seite, damit die jeweils andere Seite zum Kauen bleibt. Im Unterkiefer ist der Eingriff schwieriger, weil das Gewebe dort kompakter ist als im Oberkiefer.

Was darf ich danach essen?

Solange die Betäubung wirkt, weder feste Speisen noch heiße Getränke, kalte Getränke sind in kleinen Schlucken erlaubt. Danach eignen sich lauwarme Suppen, pürierte Kost, Babynahrung sowie weich gekochtes Gemüse, Fisch oder Fleisch. Nichts zu scharf, zu heiß oder zu hart. Milchprodukte sind tabu, ihre Milchsäurebakterien können Infektionen auslösen und den Wundschorf zu schnell auflösen.

Welche Schmerzmittel sind erlaubt?

Ibuprofen und andere Schmerzmittel, am besten früh eingenommen. Blutverdünnende Mittel wie Aspirin sind strikt untersagt, weil sie Hämatome und Nachblutungen begünstigen. Alkohol ist vor und nach dem Eingriff zu meiden: Er erweitert die Gefäße, kann die Wunde wieder öffnen und wechselwirkt mit Schmerz- und Betäubungsmitteln.

Was hilft gegen die Schwellung?

Konsequentes Kühlen der Wangen und das Lutschen von Eiswürfeln. Eis oder Coolpacks gehören in ein Handtuch gewickelt, sonst drohen Kälteschäden der Haut. Nach jeder Mahlzeit wird der Wundbereich mit Zahnpastaschaum und weicher Zahnbürste gereinigt, dazu kommt täglich eine antibakterielle Mundspülung.

Welche Komplikationen sind möglich?

Schmerzen und Schwellungen lassen sich nicht vermeiden. Seltener kommt es zu Blutungen, Infektionen, Verletzungen von Muskeln, Knochen oder Nerven sowie Schäden an Nachbarzähnen. Im Oberkiefer kann die Kieferhöhle eröffnet werden und muss wieder verschlossen werden, im Unterkiefer führt die Nähe zum Nerv mitunter zu Kribbeln oder Taubheit an Kinn und Unterlippe, das sich nach einiger Zeit legt. Kieferbrüche treten bei weniger als einem von 100.000 Patienten auf.