Eine Penisverkrümmung: was tun?

Eine Penisverkrümmung ist eine Erkrankung, die das Selbstwertgefühl betroffener Männer häufig stark einschränkt. Männliche Patienten leiden an Selbstzweifeln. Die eigene Sexualität leidet zumeist stark bei einem verkrümmten Penis. Eine erektile Dysfunktion ist die Folge. Allerdings gibt es mehrere Behandlungsansätze, die Männern dabei helfen, zu einem „normalen“ Leben zurückzufinden und ihre Männlichkeit auszuleben. Diese Behandlungsmethoden variieren – je nachdem, ob eine angeborene oder erworbene Penisverkrümmung vorliegt.

Die Penisverkrümmung: Einzelheiten im Detail

Es gibt verschiedene Formen der Peniskrümmung. Diese Formen unterscheiden sich durch die Position des männlichen Geschlechtsteils.

  1. lateral: männliches Glied steht zu einer Seite ab
  2. dorsal: Glied steht nach oben
  3. ventral: Penis ist nach unten gekrümmt

Bei anderen Erscheinungsbildern der Krümmung ist das Geschlechtsteil wie ein Korkenzieher um seine eigene Achse gewunden.

Liegt eine angeborene Verkrümmung – in der medizinischen Fachsprache auch als kongenitale Penisdeviation bezeichnet – vor, ist das Körperteil zumeist nach unten oder bei einer Erektion nach vorn gekrümmt. Leiden Patienten an einer erworbenen Penisverbiegung – der sogenannten Induratio Penis Plastica –, sind die Schwellkörper entweder nach unten oder zur Seite gebogen. Von einer erworbenen Penisverbiegung sind größtenteils Männer von 45 bis 65 Jahren betroffen. In Deutschland leiden etwa drei Prozent aller Männer an diesem Krankheitsbild.

Tipp der Redaktion: Anfangs tritt eine erworbene Peniskrümmung zumeist nur leicht auf. Allerdings können sich die Symptome im Laufe der Zeit verstärken. Anderenfalls gibt es in der Medizin genügend Fälle, in denen sich die Deviationen zurückbilden.

Verkrümmung des Penis: klassische Symptome

Das Krankheitsbild ist nicht nur durch einen verkrümmten Penis gekennzeichnet. Auch diese medizinischen Details sind typische Symptome des Krankheitsbildes:

  1. Bildung von Plaques: knotenähnliche, tastbare Verhärtungen (zumeist an der Oberseite des Penisschafts)
  2. Fibrosierung: Bindegewebe vernarbt und verhärtet sich
  3. im fortgeschrittenen Stadium: Verhärtungen im Übergangsbereich zwischen Penisschaft sowie Eichel

Diese Symptome treffen in erster Linie für eine erworbene Krümmung zu. Das wichtigste Symptom der angeborenen Form ist die Krümmung selbst.

Ursachen im Überblick

Die Ursachen unterscheiden sich zwischen der angeborenen sowie erworbenen Form. Allerdings sind diese Ursachen nur Mutmaßungen der Mediziner. Erwiesene Gründe gibt es bislang noch nicht.

  1. angeborene Krümmung: Fehler des Erbguts; wahrscheinlicher Grund ist Mangel männlicher Sexualhormone während embryonaler Entwicklung
  2. erworbene Krümmung: Unfall, Vererbung, Stoffwechselstörung

Die wichtigsten Behandlungsmethoden

Für eine Behandlung der erworbenen oder angeborenen Krümmung stehen verschiedene Methoden zur Wahl. Sind die Behandlungsansätze bei einer angeborenen Verkrümmung deutlich eingeschränkt, stehen bei der erworbenen Form unterschiedliche Therapieoptionen zur Verfügung. Im Normalfall rät ein Arzt zuerst zu einer Einnahme von Arzneimitteln.

Erworbene Penisverkrümmung

Medikamente

Das Ziel medikamentöser Verfahren besteht darin, Entzündungsprozesse im männlichen Glied aufzuhalten. Die Pharmazeutika sollen verhindern, dass die Verhärtungen entstehen bzw. sich diese vergrößern. Dieser Therapieansatz ist in einem frühen Stadium der Krümmung empfehlenswert. Die Medikamente werden in Tablettenform, als Injektion oder Salbe verabreicht.

Tipp der Redaktion: Das einzige aktuell in Deutschland zugelassene Präparat ist Kaliumaminobenzoat. Dieses in Kapseln oder als wasserlösliches Pulver verabreichtes Medikament verhindert eine vermehrte Produktion von Bindegewebe und dämmt Die Bildung von Entzündungen verursachenden Abwehrzellen ein.

Streckapparate und Pumpen

Streckapparate sind mit speziellen Teleskopstangen oder elastischen Bändern ausgestattet, die am Penis ziehen. Die Aufgabe der Pumpen besteht darin, ein Vakuum aufzubauen. Diese Pumpen produzieren einen Unterdruck, so dass ein Druck auf dem Peniskörper entsteht. Tragen Patienten die Apparate täglich zwischen sechs und acht Stunden, soll sich deren Effekt positiv auf das gesunde Penisgewebe auswirken. Allerdings empfehlen Fachärzte deren Anwendung erst bei Erkrankungen im fortgeschrittenen Stadium.

Tipp der Redaktion: Männern wird angeraten, von im Internet zur Schau gestellten Präparaten abzusehen. Vor allem die Wirkungsweise von rezeptfreien Pharmazeutika ist medizinisch überhaupt nicht erforscht.

Der letzte Ausweg: die Operation

Erzielen die nicht-operativen Verfahren nicht die erhofften Effekte, kommen chirurgische Methoden in Betracht. Die Form der gewählten Operation basiert hierbei auf dem Ausmaß der Penisverkrümmung. Eine wichtige Voraussetzung zur Durchführung der OP ist der Aspekt, dass sich Patienten in einer stabilen Erkrankungsphase befinden müssen. Dementsprechend wird der Eingriff keinesfalls bei den Personen vorgenommen, bei denen durch die Operation eine Verschlechterung ihres Zustands erwartet wird.

1. Plikaturverfahren bei Verkrümmungen bis 60 Grad

Liegt eine leichte bis mittelmäßige Krümmung bis 60 Grad vor, kommen zwei operative Ansätze zur Anwendung. Die erste Option ist das sogenannte Plikaturverfahren nach Nesbit. Bei dieser Vorgehensweise schneidet ein Chirurg auf dem erkrankten Bereich einen Teil der bindegewebsartigen Schwellkörperhülle heraus. Anschließend heften die Operateure das dadurch entstandene Loch mit einer Naht zu. Das zweite Verfahren basiert auf der Technik nach Essed-Schröder. Diese Methode ist weniger umfangreich, weil keine Schwellkörperhüllen herausgeschnitten werden. Im ersten Schritt zieht ein Facharzt bei dieser Behandlung die nach außen gewölbte Penisseite zusammen. Daraufhin wird der Bereich festgenäht.

Tipp der Redaktion: Bei beiden Behandlungsansätzen werden die Plaques gezielt im Penisschaft gelassen. Weil sich Gewebeverletzungen dadurch minimieren, ist das Risiko einer Erektionsschwäche weitgehend ausgeschlossen.

2. Operation bei Penisverkrümmung über 60 Grad Bei diesem Krankheitsbild sind die bereits aufgeführten Plikaturverfahren ausgeschlossen. Diese Methoden würden eine zu starke Verkürzung des männlichen Glieds verursachen. Deshalb versuchen Fachärzte bei dieser Therapievariante, den Grund der Penisverbiegung – die Plaques – zu beseitigen. Wurden vernarbte und verhärtete Bereiche entfernt, werden die dadurch entstandenen Lücken aufgefüllt. Weil OPs in dieser Form wesentlich komplizierter sind, ist die Verletzungsgefahr für Gefäße oder Nerven deutlich höher. Taubheitsgefühle und Erektionsstörungen können auftreten. Außerdem ist es möglich, dass neue Plaques entstehen und eine erneute Verkrümmung herbeiführen. An diese Behandlung schließt sich eine Rehabilitation an, in deren Rahmen regelmäßig bewusst Erektionen hervorgerufen werden. Diese Maßnahmen dienen einer Stabilisierung der Dehnbarkeit des Gewebes.

Die Penisprothese

Treten eine Penisverkrümmung sowie Erektionsstörung zusammen auf, greifen Mediziner auf Penisprothesen zurück. Das Einsetzen der Implantate verläuft über mehrere Schritte.

  1. Einsetzen der Prothese (mit dem Bauchraum verbundener mit einem flüssigkeitsgefüllten Ballon versehener Penisschwellkörper)
  2. über im Hodensack verankerte Pumpe werden Schwellkörper mit Flüssigkeit aus Ballon aufgepumpt

Tipp der Redaktion: In der medizinischen Praxis kann sich dieses Verfahren nur bedingt durchsetzen. Ein markantes Problem ist die dauerhafte Steifheit des Glieds. Der Penis lässt sich nur schwer verbiegen.

Angeborene Penisverkrümmung

Die einzige Möglichkeit, einer angeborenen Peniskrümmung entgegenzuwirken, ist eine Operation. Bei der angeborenen Erkrankungsform leiten Mediziner die chirurgischen Maßnahmen dann ein, wenn Patienten unter deutlichen Einschränkungen beim Geschlechtsverkehr leiden. Die persönlichen Vorstellungen der Betroffenen entscheiden über das Ausmaß der OP. Wünschen Männer beispielsweise nur eine optische Aufwertung des Penis, sind die Plikaturverfahren völlig ausreichend.

Mögliche Komplikationen und Risiken

Das Ausmaß möglicher Komplikationen hängt hauptsächlich von der gewählten Behandlungsmethode ab. Das größte Risiko besteht bei Anwendungen wie Penispumpen oder Streckapparaten darin, dass diese Ansätze nicht die dauerhaft erhofften Effekte erzielen. Operative Maßnahmen bergen Risiken, die bei jedem chirurgischen Eingriff vorhanden sind. Beispielsweise müssen Betroffene mit diesen Nebenwirkungen rechnen:

  1. Schmerzen
  2. Entzündungen
  3. Blutungen
  4. Narbenbildung

Zudem sind Gefühlsstörungen am Penis nicht ausgeschlossen. Zahlen belegen, dass bei etwa zehn Prozent aller Patienten nach einer Operation zur Entfernung von Plaques Erektionsstörungen auftreten. Schlimmstenfalls resultieren die chirurgischen Behandlungen sogar in einem Erektionsverlust.

Hinweise zur Nachsorge

Selbstverständlich ist es nach den Behandlungen – insbesondere nach den Operationen – erforderlich, dass sich Patienten viel Ruhe gönnen. In diesen Fällen bekommen Betroffene in den ersten zwei Wochen spezielle Medikamente zur Unterstützung des Heilungsprozesses verabreicht. Diese Maßnahmen begünstigen das Heilungsverfahren:

  1. nach zwei Wochen regelmäßige Manipulationen sowie Erektionen zur Verhinderung von Hautadhäsionen
  2. etwa dreimonatiger Verzicht auf Geschlechtsverkehr
  3. Vermeidung schwerer körperlicher Anstrengungen sowie sportlicher Aktivitäten in den ersten sechs Wochen

Kosten der Behandlung

Die Kosten der Behebung einer Penisverkrümmung hängen vorrangig vom gewählten Therapieansatz ab. Am höchsten sind die Behandlungskosten für eine Operation. Bei mittelschweren Fällen entstehen durchaus Kosten von etwa 13.000 Euro. Dieser Kostenanteil kann bei einer Behebung schwerer Krankheitsbilder auf bis zu ungefähr 20.000 Euro ansteigen. Die Kostenaufstellungen inkludieren Posten wie das Operationsmaterial, die Anästhesie einschließlich aller anderen benötigen Medikamente, Materialien sowie Personalkosten.

Wer trägt die Behandlungskosten?

Es gibt keine einheitliche Regelung für eine Übernahme der Behandlungskosten durch Krankenkassen. Liegt der Krümmung jedoch eine Grunderkrankung zugrunde oder werden die Verfahren als medizinisch notwendig erachtet, stimmen Krankenversicherungen zumeist einer Kostenübernahme zu. Die Erfolgschancen sind für Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen relativ hoch. Auch private Krankenversicherungen erklären sich häufig zu einer Begleichung des Kostenaufwands bereit. In diesem Fall liegen die Erfolgsaussichten bei etwa 80 Prozent.

Tipp der Redaktion: Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollten sich Patienten unbedingt vor den Behandlungen an die Krankenkassen wenden. Sind alle Formalitäten geklärt, können Betroffene erste medizinische Schritte einleiten.

Welcher Arzt führt den Eingriff durch?

Der richtige Ansprechpartner für Behandlungen zur Penisverkrümmungen sind Fachärzte für Urologie. Bei diesem Krankheitsbild sind betroffene Männer gut beraten, keine Ärzte zu konsultieren, die sich selbst als „Schönheitschirurgen“ bezeichnen.

Vor- und Nachteile der Behandlung

Medizinische Verfahren zur Behebung einer Penisverkrümmung sind zumeist keine klassischen schönheitschirurgischen Therapien. Zumeist verspüren Patienten nicht den Wunsch, ihren Penis aus rein optischen Gründen begradigen zu lassen. Die Operation oder andere Behandlungsansätze sollen dazu dienen, die Funktionalität des männlichen Geschlechtsteils wieder herzustellen. Dennoch sind einige medizinische Methoden nicht gänzlich risikofrei.

Vorteile

  • gute Erfolgsaussichten
  • Wahlmöglichkeiten aus unterschiedlichen Behandlungsansätzen
  • bei medizinischer Indikation tragen Krankenkassen die Kosten
  • verbessertes Lebensgefühl nach erfolgreichen Behandlungen

Nachteile

  • (selten auftretende) Komplikationen können vorherigen Zustand dauerhaft verschlechtern
  • einige Behandlungsmethoden sind relativ risikobehaftet