Augenprothesen für eine verbesserte Gesichtsästhetik

Der Verlust eines Auges ist ein wichtiger Eingriff im Leben Betroffener. Nicht nur aus rein funktionellen Gründen erleiden Menschen nach einem verlorenen Auge einen schweren Schicksalsschlag. Auch aus optischen Gründen wirkt sich der Verlust eines Auges deutlich negativ auf die Gesichtsästhetik aus. Ein fehlendes Auge hinterlässt Narben auf der Seele und im Gesicht. Doch die ästhetische Seite kann aus medizinischer Sicht behoben werden – mit Augenprothesen aus Glas.

Eine Augenprothese: was ist das?

Augenprothesen, auch als Glasauge oder Kunstauge bezeichnet, dienen als kosmetischer Augenersatz. Diese Hilfsmittel werden in aufwendigen Verfahren hergestellt, um folgende Zwecke zu erfüllen:

  1. Wiederherstellung der Gesichtsästhetik
  2. medizinische Versorgung für die enukleierte Augenhöhle

Eigenschaften der Augenprothesen

Die Prothesen sind individuelle Einzelanfertigungen, die den Augenhöhlen Betroffener individuell angepasst werden. Die medizinischen Hilfsmittel werden vorrangig aus Kryolithglas produziert. Dieses Material hat den Vorteil, dass es keinerlei Bleigehalt aufweist. Diese Eigenschaft ist bei einer Prothese besonders wichtig, weil sich die Oberfläche des künstlichen Auges als extrem widerstandsfähig erweist. Zudem gewährleistet Kryolithglas eine sehr gute Schleimhautverträglichkeit gegenüber stark ätzender Tränenflüssigkeit. Eine Anfertigung der Augenprothesen erfolgt über extrem dünne oder hohle Schalenprothesen. Die individuell sinnvolle Prothesenform wird über einen Okularisten festgelegt und durch diesen in Abhängigkeit der persönlichen Eigenschaften der Augenhöhlen bestimmt. Weil sich Augenprothesen durch eine optimale Tragefähigkeit auszeichnen, sind diese problemlos bei der Arbeit, beim Sport sowie in der Freizeit einsetzbar.

Heutzutage sind Prothesen so hochwertig verarbeitet, dass diese von einem gesunden Auge kaum noch zu unterscheiden sind.

Tipp der Redaktion: Trotz der optischen Perfektion ist partiell nur eine eingeschränkte Mitbewegungen der Kunstaugen möglich. Dennoch fällt dieses Manko dem ungeschulten Auge kaum auf.

Weiterhin sind auf dem Markt Prothesen aus Kunststoff erhältlich. Dieses Ersatzteil bietet in der Augenprothetik den Vorteil, nicht zerbrechlich zu sein. Um die Kunststoffprothesen herstellen zu können, sind im Regelfall mindestens zwei Termine bei einem Ocularist notwendig.

Wann kommen Augenprothesen zum Einsatz

Für eine Verwendung von Augenprothesen ist eine medizinische Indikation erforderlich. Diese medizinische Indikation ist unter folgenden Umständen gegeben:

  1. Verlust eines Auges nach einem Unfall oder einer Krankheit
  2. Verlust des Auges als Folge einer erforderlichen operativen Entfernung, der sogenannten Enukleation
  3. nach einer Tumoroperation, in deren Rahmen größere Gewebemengen entfernt wurden
  4. Kombination mit Epithesen (beispielsweise Ersatzteile für Nasen) bei Defekten von benachbarten Gesichtsarealen

Bei all diesen Krankheitsbildern verfolgen die Prothesen den Zweck, die einstige Gesichtsharmonie wieder herzustellen. Häufig ist die Ursache für den Verlust des Auges für das endgültige kosmetische Erscheinungsbild der Prothese ausschlaggebend.

Die richtige Behandlung der Glasaugen

Eine sorgfältige Behandlung der künstlichen Augen aus Glas ist wichtig, um deren Tragedauer zu verlängern sowie gesundheitlichen Beschwerden aufgrund der Prothesen vorzubeugen. Grundsätzlich sollten Patienten und Patientinnen auf diese Grundregeln achten:

  • Es ist grundsätzlich nicht gestattet, die Glasprothese in Wasser aufzubewahren.
  • Die Augenprothese muss mindestens einmal pro Tag gründlich mit klarem, lauwarmem Wasser gereinigt werden.
  • Aufgrund der entstehenden Temperaturschwankungen beeinflusst ein Kontakt mit heißem Wasser die Tragedauer der Augenprothesen negativ.
  • Säuberungsversuche mit harten Hilfsmitteln oder ätzenden Chemikalien sind untersagt.
  • Hartnäckige Verunreinigungen sind durch zehnminütiges Einweichen in Kochsalzlösung oder keimtötende Flüssigkeiten zu beseitigen.
  • Nach dieser Behandlung muss die Prothese sorgfältig abgespült und mit Zellstoff abgetrocknet werden.
  • Bei Nichtgebrauch sollten Betroffene das künstliche Auge in einer geschlossenen Box verstauen.
  • Okularisten geben je nach Einzelfall Antwort auf die Frage, ob die Kunstaugen 24 Stunden am Tag getragen werden sollen.

Tragedauer von Augenprothesen

Die Tragedauer der Kunstaugen hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Beispielsweise wirken sich folgende Komponenten maßgeblich auf die Langlebigkeit der medizinischen Utensilien aus:

  • unzureichender Lidschluss
  • Beschaffenheit der Augenhöhle
  • Umwelteinflüsse
  • Stärke etwaiger Absonderungen

Ergänzend ist es wichtig zu wissen, dass alle Augenprothesen durch die Beeinflussung zersetzender Tränenflüssigkeiten auf natürliche Weise abgenutzt werden. Dennoch erstreckt sich die Tragedauer von künstlichen Augen bei Normalgebrauch auf einen Zeitraum von eins bis zwei Jahren.

Sind die Prothesen abgenutzt, verursachen die Kunstaugen in Augenhöhlen Beschwerden. Die Oberfläche wird rau. Es folgt eine Reizung der Augenhöhle. Ein erstes Indiz für eine abgenutzte Prothese ist ein vermehrter Tränenfluss. Im nächsten Stadium leiden Betroffene unter stark geröteten Augenhöhlen sowie einer Bildung gelblicher Flüssigkeiten im Augenbereich. Spätestens bei Auftreten dieser Beschwerden ist eine Konsultation bei einem Augenarzt unerlässlich, um etwaig auftretende Entzündungen zu beseitigen. Regelmäßige Überprüfungen beim behandelnden Augenarzt und Okularisten beugen unangenehmen Beschwerden vor.

Tipps zum Einsetzen der künstlichen Augen

Bevor die Augenprothese wieder eingesetzt wird, sollte das Kunstauge gründlich gereinigt werden. Ein Einsetzen des Glasauges wird deutlich erleichtert, indem das medizinische Hilfsmittel im Vorfeld etwas angefeuchtet wird.

Tipp der Redaktion: Mediziner und Ocularisten empfehlen, die künstliche Augen stets über einer weichen Unterlage wie Handtüchern herauszunehmen und wieder einzusetzen. Ein Einsetzen des Auges auf harten Unterlagen wie Fliesen oder Steinfußböden ist nicht ratsam. Bei derartigen Untergründen bestände ein zu großes Risiko, dass die Augenprothese herunterfällt und zerstört wird.

Des Weiteren ist zu beachten, dass bei klassischen Augenprothesen der kürzere Teil in Richtung Nase zeigt.

Tipp der Redaktion: Diese Formgebung ist ein grober Anhaltspunkt. Doch viele Prothesen neigen aufgrund ihrer Formgebung auch von dieser starren Vorgabe ab.

Beim eigentlichen Einsetzprozess gilt es, auf folgende Tipps zu achten:

  • Beim Einsetzen müssen Patienten und Patientinnen die Prothese zuerst unter das angehobene Augenlid schieben. Es ist wichtig, dass Glasauge sowie Augenlid in dieser Form bestehen bleiben.
  • Wird das Unterlid nur leicht heruntergezogen, gleitet das künstlich hergestellte Auge in seine finale Position.
  • Im Bedarfsfall ist es empfehlenswert, eine Korrektur der Lage der Augenprothese mit einem leichten fingerdruck auf das Auge vorzunehmen. Diese Maßnahme hilft dabei, etwaig eingedrungene Luft zu entfernen.

Besonderheiten der Prothesen aus Kunststoff

Nach Möglichkeiten sollten Kunststoffprothesen ein- bis zweimal pro Jahr poliert und nach spätestens vier Jahren ersetzt werden. Auch diese Prothesen bedürfen einer regelmäßigen Reinigung.

Wer stellt Augenprothesen her?

Deutschlandweit gilt die Lauschaer Farbglashütte als bekanntester und wichtigster Produzent von Augenprothesen. Seit etwa 1850 nehmen die Manufakturen in der thüringischen Stadt für die Herstellung von Kunstaugen eine führende Rolle ein. Produzenten blasen aus einem Stück Rohr eine Hohlkugel, die durch ihre Form und Farbgebung auf das gesunde Auge der Betroffenen abgestimmt ist. Kleine mehrfarbige Glasstäbe ahmen bei diesen Imitationen detailgetreu individuelle Bindehautgefäßstrukturen, Färbungen der Lederhaut sowie der Iris nach. Ein Hersteller für Augenprothetik aus Kunststoff ist beispielsweise das Unternehmen Meyer Augenprothetik.

Kosten der Glasaugen

Jedes Glasauge kostet etwa 300 Euro. Maßgebliche Faktoren für die Bestimmung des exakten Preises sind eventuell erforderliche anatomische Anpassungen oder der Schwierigkeitsgrad individueller Färbungen.

Erfolgt eine Kostenübernahme durch Krankenkassen?

Die Kosten für Augenprothesen werden in Deutschland zu 100 Prozent von Krankenkassen getragen. Betroffene müssen pro behandeltem Auge jedoch mit einer Zuzahlung in Höhe von 10 Euro rechnen.

Vor- und Nachteile der Augenprothesen

Für Menschen, die nach einem Unfall oder einer Erkrankung ein Auge verloren haben, sind Augenprothesen ein wichtiges Hilfsmittel zur Steigerung der Lebensqualität. Doch die Prothesen sind sensible Utensilien, die einer besonderen Pflege bedürfen.

Vorteile

  • moderne Augenprothesen sehen dem natürlichen Auge zum Verwechseln ähnlich
  • bei medizinischer Indikation werden Kosten für Augenprothesen von Krankenversicherungen übernommen
  • Prothesen sind an individuelle Umstände anpassbar
  • deutliche Verbesserung des Wohlbefindens

Nachteile

  • begrenzte Nutzungsdauer
  • anspruchsvolle Pflegebedürftigkeit der Augenprothesen