Eingriffe an der Netzhaut: Was tun, wenn eine Erblindung droht?

Mit einer Häufigkeit von 1:10.000 ist eine Netzhautablösung eine vergleichsweise seltene Erkrankung. Wird die Krankheit jedoch nicht fachärztlich versorgt, droht in den meisten Fällen eine Erblindung. Das Risiko zu erblinden erhöht sich, wenn die Netzhaut – der medizinische Fachbegriff lautet Retina – nach Operationen oder Unfällen vorgeschädigt ist. Auch bei einer Kurzsichtigkeit von 6 bis 8 Dioptrien sowie steigendem Alter wird eine erkrankte Netzhaut zum hohen gesundheitlichen Risiko. Um die Sehkraft des Auges wieder herzustellen, ist eine Operation oder Lasertherapie unerlässlich.

Wann sind Netzhaut-Eingriffe empfehlenswert?

Die Sehfähigkeit ist nach einer Ablösung der Netzhaut massiv gefährdet. In der Augenheilkunde sind nach aktuellem Stand medizinischer Erkenntnisse keine medikamentösen Behandlungsoptionen bekannt. Deshalb sind betroffene Personen gezwungen, sich nach Eintreten der Erkrankung einer Operation oder Laserbehandlung zu unterziehen. Um die Netzhautablösung vorzeitig zu erkennen, wird Risikogruppen angeraten, die augenärztlich empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Leiden Betroffene hingegen unter Symptomen wie dem Aufkommen schwarzer Punkte vor dem Auge oder dem Sehen von Lichtblitzen, ist eine Konsultation bei einem Augenarzt dringend erforderlich.

Tipp der Redaktion: Die Wahl des richtigen Eingriffs hängt von Komponenten wie der Lokalisation, dem Ausmaß einer etwaigen Ablösung sowie dem individuellen Befund ab.

Gibt es Umstände, weswegen die Behandlung nicht durchgeführt werden kann?

Im Normalfall sind die Eingriffe an der Netzhaut bei allen Patienten sowie Patientinnen durchführbar. Eine mögliche Gegenanzeige ist eine Infektion des äußeren Augenbereichs. Dieses Krankheitsbild bedarf einer vorherigen medizinischen Versorgung.

Gängige Anästhesieverfahren für Netzhautbehandlungen

Die am häufigsten verwendeten Betäubungsverfahren nach einer Netzhautablösung empfehlen Mediziner wie folgt:

  • örtliche Betäubung durch Augentropfen: insbesondere bei Laserbehandlung
  • Leitungsanästhesie: führt zu Unterdrückung des Schutzreflexes des Auges; Auge ist bewegungs- und schmerzlos
  • Vollnarkose: bei Angstpatienten oder übermäßig nervösen Personen

Diese Ratschläge sollten Patienten vor dem Eingriff beherzigen

Besondere Vorsorgemaßnahmen sind notwendig, falls die Behandlung unter Vollnarkose durchgeführt wird. In diesem Fall ist es ratsam, mindestens sechs Stunden vor der Anästhesie keine Nahrung oder trübe Flüssigkeiten mehr zu sich zu nehmen. Mindestens zwei Stunden vor der OP raten Augenärzte ebenfalls zu einem Verzicht auf klare Flüssigkeiten. Zudem ist es sinnvoll, am Tag der Operation den Nikotinkonsum einzustellen.

Tipp der Redaktion: Müssen Betroffene regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten Anästhesisten unbedingt über die Arzneimittel informiert werden. Die Fachärzte wissen, welche Pharmazeutika vor der Anästhesie noch eingenommen werden können.

Wie verläuft die Behandlung?

Die Dauer des Eingriffs an der Retina wird von zwei Komponenten beeinflusst:

  1. angewendete Methode
  2. anatomische Voraussetzungen der Patienten

Generell dauern Lasertherapien kürzer als eindellende OPs oder Glaskörperoperationen an.

Trotz der unterschiedlichen Behandlungsansätze verfolgt jede Methode das Ziel, dass die Netzhaut wieder mit ihrem ursprünglichen „ernährenden“ Augenraum verbunden wird. Zudem möchten die Ärzte mit den Behandlungen bezwecken, das durch einen geringeren Zug des Glaskörpers an der Netzhaut sowie gezielt beabsichtigte Narbenbildungen eine weitere Ablösung vermieden wird.

Lasertherapie

Eine Laserbehandlung, die sogenannte Laserkoagulation, kommt nur dann in Betracht, wenn sich die Retina bis zum Eingriff fest auf ihrer Unterlage befindet. Mit einem Laser wird die Umrandung des Netzhautrisses oder Netzhautloches in Punktform verschweißt. Bei dieser Prozedur entstehen Narben, aufgrund denen die Netzhaut wieder mit der darunter befindlichen Schicht verwächst. Das Laserlicht ist individuell so einstellbar, dass sich die aufkommende Hitze nur in einzelnen Schichten der Pigmenthaut ausbreitet. Auch die Aderhaut wird von den Laserstrahlen durchdrungen. Die durchsichtige Netzhaut beeinflusst das Laserlicht hingegen nicht.

Eindellende OP

Eine eindellende OP kommt für die Therapie an der Netzhaut in Betracht, wenn sich die Netzhaut bereits zum Teil von der Unterlage im Auge abgehoben hat. Ziel dieser operativen Methode ist es, die Retina wieder an die Unterlage zu drücken. Bei dieser Augenoperation setzen Fachärzte streifenförmige oder runde Kautschukstücke – das sind spezielle Silikonplomben – ein. Diese Plomben werden mithilfe einer raffenden Naht unmittelbar über dem Netzhautloch oder Netzhautriss an der Außenwand des Augapfels eingenäht. Eine etwaig zwischen der Unterlage sowie Netzhaut gebildete Flüssigkeit wird punktiert. Eindellende Kautschukstücke verbleiben auf dem Augapfel. Die darüber befindliche Bindehaut wird vernäht.

Glaskörperoperation

Als besonders problematisch erweisen sich Netzhautablösungen, die den hinteren Augenpol als Bereich für das schärfste Sehen betreffen – den im Auge befindlichen Glaskörper. Leiden Betroffene an dieser Augenpartie unter einer massiven Ablösung der Netzhaut, ist eine Operation des Glaskörpers erforderlich. Die sogenannte Vitrektomie dient der Einbringung eines durchsichtigen Silikonöls oder des Gases Schwefelhexafluorid, durch welche die Netzhaut wieder an die Unterlage gepresst wird. Sind das Gas oder Silikonöl nach etwa zwei Wochen aufgesaugt, werden die Füllsubstanzen durch Kammerwasser ersetzt.

Nach den Eingriffen an der Netzhaut: darauf müssen Patienten achten!

Wird die Netzhaut-OP nur ambulant durchgeführt, müssen sich Patienten sowie Patientinnen für einige Zeit dennoch in Beobachtung der Mediziner begeben. Die medizinische Fachbetreuung muss so lange gewährleistet werden, bis sich behandelte Personen fit genug für den Antritt der Rückfahrt fühlen.

Tipp der Redaktion: Nach einer Operation an der Retina dürfen Betroffene öffentliche Verkehrsmittel nicht allein nutzen oder selbst Auto fahren. Es ist erforderlich, sich von einem Taxi transportieren zu lassen oder Bekannte als Begleitung auszuwählen.

Der Heilungsprozess dauert ungefähr zwei bis drei Wochen an. Nach diesem Zeitintervall können behandelte Personen wieder ihren gewohnten täglichen Aktivitäten nachgehen. Für diesen Zeitraum sollten sich Patienten an folgenden medizinischen Ratschlägen orientieren:

  • einwöchiger Verzicht auf Lesen (damit keine ruckartigen Bewegungen des Auges entstehen)
  • Flüge meiden (falls Gas operativ in Auge eingebracht wurde)

Auf Flügen ist nach einer Behandlung mit Gas ein erhöhtes Risiko gegeben, dass das im Auge verbliebene Gas durch den Außendruck des Flugzeugs einen Gefäßverschluss verursacht.

Mögliche Risiken der Behandlungen der Netzhaut

Ausschlaggebende Faktoren für die Entstehung möglicher Risiken sind eventuell bestehende Grunderkrankungen oder der individuelle Zustand des Auges vor der Operation. Bei keinem operativen Eingriff kann ein Arzt einen Ausschluss möglicher Komplikationen sicher bestätigen. Folgende gesundheitlichen Probleme können auftreten:

  • Infektionen
  • Nachblutungen

Tipp der Redaktion: Die Heilungschancen werden maßgeblich vom Umfang der Netzhautablösung sowie der Regenerationszeit von der Unterlage sowie der abgelösten Netzhaut bestimmt. Zumeist dauert es einige Wochen oder gar Monate, bis sich die Sinneszellen komplett regeneriert haben. Erst nach diesem Zeitraum ist eindeutig absehbar, ob sich die Sehkraft durch die Behandlung massiv verbessert hat.

Übernehmen Krankenversicherungen die Behandlungskosten?

Eingriffe an der Netzhaut sind Behandlungen, die medizinisch notwendig sind. Deshalb werden die Kosten für die Eingriffe in vollem Umfang von gesetzlichen sowie privaten Krankenkassen übernommen.

Vor- und Nachteile der Netzhaut-Behandlungen

Ein Eingriff an der Netzhaut ist keine Behandlung, die betroffenen Personen mehrere Entscheidungsoptionen bietet. Entscheiden sich Betroffene gegen die Operation oder Laserbehandlung, droht der gänzliche Verlust der Sehkraft. Deshalb ist eine Durchführung der medizinischen Maßnahme die einzige sinnvolle Option.

Vorteile

  • gute Erfolgsaussichten durch Behandlungen
  • drohender Erblindung wird entgegengewirkt
  • Wahlmöglichkeiten aus verschiedenen Anästhesieoptionen
  • bei medizinischer Indikation tragen Krankenversicherungen anfallende Kosten
  • Behandlungsrisiken sind weitgehend ausgeschlossen

Nachteile

  • Netzhautablösung ist nicht medikamentös behandelbar
  • Patienten sollten sich strikt an Nachsorgehinweisen orientieren