Rekonstruktion des Jungfernhäutchens

In einigen Kulturen gilt es immer noch als sittenwidrig, Sex vor der Ehe zu praktizieren. In diesen Kulturen oder Religionen ist die Jungfräulichkeit von Frauen sogar eine wichtige Voraussetzung für eine Eheschließung. Diese „Unversehrtheit“ soll bewiesen werden, indem sich in der Hochzeitsnacht ein Blutfleck auf dem Bettlaken bildet. Dieser Blutfleck soll das Reißen des Jungfernhäutchens beim ersten Geschlechtsverkehr kennzeichnen. Zahlreiche junge Frauen, die den muslimischen Glauben praktizieren, befinden sich in einer Misere. Sie leben nicht nach diesen Regeln. Doch ihr soziales Umfeld – der potenzielle Ehemann oder die Eltern – halten an diesen Maximen fest. Damit in der Hochzeitsnacht die erhoffte Blutung eintritt, können Ärzte das Jungfernhäutchen rekonstruieren. Einziger Wehrmutstropfen: es gibt keine Garantie für eine Blutung.

Eine Jungfernhäutchenrekonstruktion: was ist das?

Eine Rekonstruktion des Jungfernhäutchens – im medizinischen Fachjargon als auch Hymenrekonstruktionbezeichnet – ist ein operativer Eingriff der Intimchirurgie. Dieser Behandlungsansatz bezweckt eine Wiederherstellung des Jungfernhäutchens. Dieses Jungfernhäutchen – ein anderer Terminus lautet Hymen – ist eine kleine Hautfalte am Scheideneingang. Im Normalfall reißt dieses Häutchen beim ersten Sex. Eine leichte Blutung entsteht. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, dass das Hymen bereits im Vorfeld durch die Nutzung von Tampons, bei einem Sturz oder sportlichen Aktivitäten einreißt. Das bedeutet, dass eine Frau auch trotz beschädigten Hymens noch Jungfrau sein kann.

Eine Jungfernhäutchenrekonstruktion verfolgt den Zweck, die Hautfalte wieder chirurgisch aufzubauen. Diese Rekonstruktion kann eine Blutung verursachen, die als Nachweis für die Entjungferung der Frau dient.

Müssen Patientinnen für eine Hymenrekonstruktion gewisse Kriterien erfüllen?

Diesen Eingriff nehmen Betroffene nicht leichtfertig an jeder Frau vor. Aus physischer Sicht bestehen nur wenige Ausschlusskriterien für die Behandlung. Dennoch wird Patientinnen angeraten, sich vor dem medizinischen Verfahren intensiv über mögliche Alternativen zu informieren. Eine mögliche Option sind mit einem Echtblutimplantat versehene künstliche Jungfernhäutchen, die während des Geschlechtsverkehrs die gewünschte Blutung erzeugen. Diese Methode ist deshalb so empfehlenswert, weil diese Implantate wie ein Tampon in die Scheide eingeführt werden und keines chirurgischen Ansatzes bedürfen.

Tipp der Redaktion: Ärzte werden die Operation nur dann durchführen, wenn sich eine Frau über alle damit verbundenen Konsequenzen vollkommen sicher ist. Um andere Möglichkeiten zu besprechen und sicher zu gehen, ist ein ausführliches Beratungsgespräch vor der OP unerlässlich.

Vorbereitende Maßnahmen auf die chirurgische Rekonstruktion

Weil ein Eingriff in den Genitalbereich eine besonders intime Behandlung ist, ist es wichtig, dass ein gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient besteht. Es ist unbedingt erforderlich, dass der behandelnde Mediziner die Vorgehensweise der Rekonstruktion detailliert erklärt. Diese vorbereitenden Schritte bilden eine wichtige Grundlage für einen optimalen Behandlungsverlauf:

  • blutverdünnende Arzneimittel bis zu 14 Tage vor der Operation absetzen
  • konsequenter Verzicht auf Alkohol und Nikotin (ebenfalls für 14 Tage)
  • bei einigen Narkoseformen: Verzicht auf Nahrungsaufnahme bis zu sechs Stunden vor der Operation

Der Verfahrensablauf im Überblick

Es bedarf nur eines ambulanten Aufenthalts, um das Jungfernhäutchen zu rekonstruieren. Die Operation erstreckt sich über einen Zeitraum von 30 bis 60 Minuten und wird zumeist unter lokaler Anästhesie durchgeführt. Bevorzugen Patientinnen hingegen eine Vollnarkose, steht diese Option ebenfalls zur Wahl. Wichtige Voraussetzungen sind, dass die Frauen zum Behandlungszeitpunkt nicht ihre Periode haben und der Intimbereich rasiert ist. Die Operation verläuft in folgenden Schritten:

  1. Jungfernhäutchen wird aus Gewebe des ursprünglichen, zerrissenen Hymens vernäht.
  2. Befindet sich an der Vaginalöffnung kein ausreichendes Gewebe, verwendet ein Operateur Hautteile aus der hinteren Vaginalwand.
  3. Chirurg modelliert ein Hymen, das in keiner Weise von einem intakten „originalen“ Jungfernhäutchen abweicht.
  4. Ärzte vernähen Wunde mit selbstauflösenden Fäden

Hinweise zur Nachsorge nach der Operation

Weil Schönheitschirurgen für dieses medizinische Verfahren ein dünnes Laserskalpell einsetzen, läuft die Behandlung verhältnismäßig blutarm ab. Dementsprechend gering ist die Quote für etwaige Komplikationen. Dennoch wird der Heilungsprozess durch eine Vielzahl medizinisch empfohlener Nachsorgemaßnahmen effektiv begünstigt:

  • regelmäßige Kamillensitzbäder
  • Verzicht auf Vollbäder für vier bis sechs Wochen nach der Operation
  • Vermeidung von körperlichen Anstrengungen wie Sport
  • bei erster Menstruation nach Behandlung keine Tampons verwenden
  • sechswöchiger Verzicht auf Geschlechtsverkehr

Risiken des Verfahrens

Nur in Ausnahmefällen sind nach Hymenrekonstruktionen Komplikationen zu erwarten. Dennoch ist es relativ üblich, dass die OP für einen gewissen Zeitraum eine Hypersensibilisierung des Intimbereichs verursacht. Das Risiko für Nachblutungen oder Entzündungen des Genitalbereichs ist sehr gering. Treten diese Beschwerden auf, klingen diese normalerweise nach kurzer Zeit wieder ab. Ein Risiko für auftretende Infektionen wird deutlich eingedämmt, wenn sich behandelnde Fachärzte an alle klassischen Hygienevorschriften halten.

Tipp der Redaktion: Es versteht sich von selbst, dass Frauen viel Leid und Schmerzen erspart bleiben, wenn sie nicht an auf der Behandlungen beruhenden altmodischen Traditionen festhalten. Wichtig ist zu bedenken, dass ein rekonstruiertes Hymen kein Garant für eine auftretende Blutung beim ersten Geschlechtsverkehr ist. Die Operation erhöht die Chance auf eine Blutung, mehr jedoch nicht.

Kosten für die Behandlung

Es gibt unterschiedliche Ärzte in Deutschland, die Jungfernhäutchen operativ rekonstruieren. Patientinnen sind gut beraten, sich im Vorfeld genau über die Kliniken informieren und den Kostenfaktor nicht als einzigen Aspekt in die Entscheidung einzubeziehen. Grundlegende Faktoren für eine gut durchdachte Arztwahl sind das persönliche Vertrauen in die Mediziner sowie Erfahrungen der Chirurgen auf dem Gebiet der Jungfernhäutchenrekonstruktion. Die Kosten variieren je nach Aufwand von etwa 150 bis zu 3.500 Euro. Eine maßgebliche Komponente ist die Wahl der Narkose. Außerdem bildet die individuelle physische Situation eine ausschlaggebende Grundlage für die Berechnung der Kosten. Sind noch Überreste des ersten Jungfernhäutchens vorhanden, wirkt sich dieser Aspekt positiv auf den Preis aus.

Tipp der Redaktion: Die Klinikwahl sollte sehr gut durchdacht sein. Tatsächlich gibt es Mediziner, die von den Sorgen und Bedenken der Patientinnen profitieren möchten. Diese Dienstleister nehmen eine willkürliche Preisgestaltung vor.

Welche Ärzte führen die Operation durch?

Bei der Arztwahl ist es besonders wichtig, dass zu dem Mediziner ein Vertrauensverhältnis besteht. Die Kennzeichnung „Schönheitschirurg“ hat in Deutschland keine rechtliche Grundlage. Deshalb ist eine Kontaktaufnahme zu einem Arzt mit dieser Bezeichnung kein Garant dafür, sich an einen erfahrenen und versierten Mediziner zu wenden. Folgende Arztgruppen verfügen über die entsprechende Ausbildung und Expertise, eine Jungfernhäutchenrekonstruktion durchzuführen. Allerdings sollten Frauen bedenken, dass nicht jeder Mediziner die gleiche Erfahrung bei dieser speziellen OP hat.

  • Facharzt für Gynäkologie
  • Facharzt für plastisch-ästhetische Chirurgie

Vor- und Nachteile der Rekonstruktion

Eine Jungfernhäutchenrekonstruktion ist ein Eingriff der Intimchirurgie, nach dem nicht mehr nachweisbar ist, dass das ursprüngliche Hymen bereits gerissen ist. Die Operation ermöglicht ein derart gutes Ergebnis, dass nicht einmal mehr ein Gynäkologe die Echtheit nachweisen kann oder nicht. Dennoch befürworten Ärzte den Eingriff nicht zwangsläufig.

Vorteile

  • komplette Rekonstruktion des Hymens
  • risikoarmer Eingriff
  • keine Ausfallzeiten für Patientinnen
  • kein Unterschied zu ursprünglichem Jungfernhäutchen
  • überschaubare Nachsorgemaßnahmen

Nachteile

  • Frauen müssen Kosten selbst tragen
  • keine Garantie auf Blutungen bei erstem Geschlechtsverkehr nach der OP
  • ethische Zweifel aufgrund kultureller Hintergründe, die Frauen zu diesem Schritt bewegen