Eine Zahnregulierung: wenn Fehlstellungen der Zähne korrigiert werden müssen

Fehlstellungen des Gebisses sind nicht nur ein ästhetisches Problem. Auch die Funktion umliegender Zähne ist eingeschränkt. Schlimmstenfalls verursachen Fehlstellungen einiger Zähne auch Fehlstellungen an umliegenden Zähnen. Diesem Problem wirkt eine Zahnregulierung entgegen. Eine Zahnregulierung ist im zahnmedizinischen Bereich nichts anderes als eine Zahnspange, die entweder fest sitzt oder flexibel abgenommen werden kann. Diese Spange verfolgt die Funktion, die fehlgestellten Zähne zu korrigieren.

Kieferorthopäden: die richtigen Ansprechpartner

Diese Behandlung ist das Fachgebiet von Kieferorthopäden. Diese Mediziner haben sich im Laufe ihrer Ausbildung auf die Diagnostik sowie Behandlung von Kiefer- bzw. Zahnfehlstellungen spezialisiert. Wer unter einem Gebiss mit Fehlstellung leidet, ist bei diesen Fachärzten in den richtigen Händen.

Gesundheitliche Gründe für Regulierungen der Zähne

Die meisten Menschen assoziieren Zahnregulierungen mit ästhetischen Beweggründen. Allerdings betrifft ein fehlgebildetes Gebiss nicht nur die Zahnästhetik. Zusätzlich verursacht ein Gebiss mit Fehlbildungen auch andere Beschwerden. Tritt durch die falsch wachsenden Zähne eine sogenannte Schutznischenbildung auf, ist die Zahnfleisch- und Kariesentzündungsgefahr deutlich erhöht. Dieses Krankheitsbild hat möglicherweise einen vorzeitigen Zahnverlust zur Folge. Doch es gibt noch weitere gesundheitliche Probleme, die durch die Fehlstellung hervorgerufen können:

  • Verdauungsbeschwerden aufgrund eines schlecht funktionierenden Kauorgans
  • schmerzhafte Verspannungen der Kaumuskulatur
  • Kopfschmerzen
  • Nackenschmerzen
  • schiefe Zähne
  • undeutliche Aussprache
  • geringes Selbstwertgefühl
  • Kiefergelenksprobleme

Dauer der Behandlung

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Methode. Sogenannte Frühbehandlungen dauern etwa ein bis zwei Jahre an. Die sich anschließenden festsitzenden Zahnregulierungen belaufen sich auf zwei bis drei Jahre. Während dieses Zeitraums ist eine intensive zahnmedizinische Behandlung dringend erforderlich.

Welche Zahnfehlstellungen bedürfen der sogenannten Frühbehandlung?

Bestimmte Fehlstellungen bedürfen der sogenannten Frühbehandlung. In diesem Fall werden erste medizinische Maßnahmen bereits vor der Hauptbehandlungsphase durchgeführt, die etwa vom 11. bis zum 15. Lebensjahr erfolgt. Typische Krankheitsbilder dieser Behandlungsform sind:

  • Rückbiss (Progenie)
  • Kreuzbiss
  • Zahnbogendiskrepanzen
  • Kieferbreitendiskrepanzen
  • stark ausgeprägte Formen des Deck-, Tief-, Distal- sowie offenen Bisses
  • Fehlstellungen als Folge eines Traumas
  • traumatisch oder psychisch belastende Fehlstellungen

Der Vorteil dieser frühzeitigen Therapien besteht darin, dass die Prognosen für spätere Hauptbehandlungsphasen wesentlich günstiger sind. In einigen Fällen sorgt eine Frühbehandlung sogar für eine gänzliche Umgehung der sich anschließenden Hauptbehandlung.

Tipp der Redaktion: Eine derartige Frühbehandlung hat allerdings nicht nur Vorteile. Denn die Gesamtbehandlungsdauer verlängert sich durch dieses Verfahren stetig. Ein Abschluss der Gesamtbehandlung ist erst möglich, wenn alle Zähne (mit Ausnahme von Weisheitszähnen) durchgebrochen sind.

In welchem Alter wird das Therapieverfahren durchgeführt?

Heute korrigieren Mediziner die Gebissprobleme bei Patienten jedes Alters. Die Frühbehandlung ist zwar für einige Fehlstellungen geeignet. Aber grundsätzlich gibt es für das Alter der Patienten nur wenige Einschränkungen. Ärzte raten dazu, erste Versuche der Regulierung nicht vor dem fünften Lebensjahr vorzunehmen. Altersgrenzen für ältere Menschen bestehen nicht. Jedoch ist es mit steigendem Alter sinnvoll, die Behandlung mit anderen Fachbereichen wie der Paradontologie, restaurativen und prothetischen Zahnheilkunde sowie Kieferchirurgie zu verbinden. Dennoch ist auch eine Erwachsenenbehandlung im Regelfall erfolgreich.

Tipp der Redaktion: Um einen optimalen Behandlungsverlauf zu gewährleisten, empfehlen Zahnmediziner eine erste Funktionsuntersuchung zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr. Nachfolgeuntersuchungen sollten bei beginnendem Zahnwechsel erfolgen.

Unterschiedliche Arten von Zahnspangen

Einfache Standardmodelle sind sogenannte Metallbrackets. Diese Spangenvarianten sind für alle Zähne gleich groß und mit Stahlbögen sowie Gummis versehen. Brackets sind festsitzende Spangen, die via Klebeplättchen auf den Zähnen verankert werden. Allerdings bieten Kieferorthopäden die Zahnspangen auch in hochwertigeren Ausführungen an.

Ein Beispiel für Zahnersatz mit höherem Tragekomfort sind Modelle, bei denen der Stahlbogen durch einen hochelastischen Bogen aus Nitinol ersetzt wird. Der Vorteil dieser Nickel-Titan-Mischung soll in dem spannungsfreieren Gefühl im Mund bestehen. Andere kostenintensive Alternativen wie Kunststoff- und Keramikbrackets zeichnen sich durch ihre attraktive Optik während der Tragezeit aus. Denn im Gegensatz zu anderen Modellen sind diese Ausführungen zahnfarben.

Tipp der Redaktion: Einige Zahnmediziner stellen die Wertigkeit von Keramik- und Kunststoffbrackets in Frage. Auf Dauer tendieren Kunststoffspangen zu Verfärbungen. Harte Keramikbrackets können Schäden an den Zähnen verursachen.

Empfehlenswerter sind nach Aussagen von Medizinern selbstligierende Brackets. Der Vorteil dieser Spangenmodelle ist es, dass die Bögen ohne die auffälligen Gummis an den Zähnen befestigt werden. Diese Variante gilt als besonders schonend und nicht schmerzhaft. Zudem sagen Mediziner diesen Spangenformen die geringsten Reibungskräfte nach. Allerdings ist der gesundheitliche Effekt dieser Zahnspangen vermutlich auch nicht besser als von klassischen Edelstahlbrackets (aus Metall).

Tipp der Redaktion: Das eine oder andere Extra an Zahnspangen ist möglicherweise komfortabler. Zahnexperten betonen jedoch, dass die kassenärztlich verordneten Brackets für einen optimalen Heilungsverlauf völlig ausreichend sind. Diese Entscheidung sollte dementsprechend gut überlegt sein.

Sinnvolle Vorsorgemaßnahmen im Überblick

Folgende Vorsorgemaßnahmen unterstützen einen optimalen Behandlungsverlauf:

  1. exakte Untersuchung des Mundraums durch einen Zahnmediziner
  2. Beachtung der Stellung sowie Funktion der Lippen sowie der Zunge
  3. Untersuchung des Unter- und Oberkiefers (Stellung und aktueller Zustand)

Zusätzlich zu diesen Untersuchungen unterstützen Fotografien, Röntgenbilder sowie eine Kiefermodellanalyse die Voruntersuchungen. Auf diesen Auswertungen basierend, wählen Arzt und Patient die richtige Behandlungsmethode aus.

Methoden der Zahnregulierung

Die Kieferorthopädie bedient sich für eine Zahnkorrektur unterschiedlicher Methoden. Bei einer Zahnregulierung bei Kindern fokussieren sich Mediziner in erster Linie auf orthopädische Maßnahmen, die Kiefer sowie Schädel beeinflussen. Eine derartige Korrektur ist bei Erwachsenen nicht mehr möglich. Allerdings kommen bei Patienten dieses Alters Korrekturen von Zahnverschiebungen in Betracht.

Erwachsene müssen für diese Behandlungsmethode häufig feste Zahnspangen verwenden, da die Unterstützung durch das Knochenwachstum nicht vorhanden ist.

Tipp der Redaktion: Als Brackets bezeichnete festsitzende Spangen sind so Erfolg versprechend, da diese durch einen Zahnarzt angepasst werden sowie Tag und Nacht getragen werden. Die Aussprache wird nicht beeinträchtigt. Allerdings ist eine sorgfältige Pflege nach jeder Mahlzeit erforderlich. Anderenfalls begünstigen nicht beseitigte Essensreste die Bildung von Karies und Mundgeruch.

Als Alternative zu herkömmlichen Brackets sieht die sogenannte Lingualtechnik eine Befestigung der Zahnspangen auf der Gebissinnenseite vor. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass die Form des Zahnersatzes nicht von außen erkennbar ist. Eine besonders moderne Methode bezieht sich auf herausnehmbare und transparente Schienen von Invisalign. Diese via 3D-Computergrafik erstellten Spangen müssen allerdings im zweiwöchigen Rhythmus neu angefertigt werden. Die durch die Technik entstehenden Schienen – sogenannte Aligner – müssen Patienten 22 Stunden am Tag tragen, um das Behandlungsziel erfolgreich zu erreichen. Eine wichtige Voraussetzung für diesen Behandlungsansatz ist, dass Kinder mindestens das 14. Lebensjahr erreicht haben.

Nachsorgemaßnahmen begünstigen den Behandlungsverlauf

Die einzige Nachsorgemaßnahme, die Patienten und Patientinnen während der Zahnregulierung beachten müssen, bezieht sich auf eine regelmäßige Pflege der Spange. Damit der Behandlungserfolg auch nach dem Herausnehmen der Spangen bestehen bleibt, erhalten Betroffene daraufhin sogenannte Retainer. Diese medizinischen Hilfsmittel stabilisieren den behandelten Zahn im Mund und stehen in verschiedenen Ausführungen zur Wahl:

  • herausnehmbarer Retainer: für leichte und mittelschwere Fehlstellungen; nach Möglichkeit 24 Stunden am Tag tragen
  • fester Retainer: feiner Draht wird dauerhaft und nur schwer sichtbar an Innenseite der Zähne fixiert

Des Weiteren sollten Patienten regelmäßige Nachsorgetermine wahrnehmen. Diese Untersuchungen verfolgen den Zweck, mögliche Veränderungen des Gebisses frühmöglich zu erkennen sowie diese zu behandeln.

Nach der Behandlung: können die Zähne trotz der Regulierung wieder ihre Position verändern?

Jedes Gebiss unterliegt einem natürlichen Alterungsprozess. Dieser schließt ein erhöhtes Risiko dafür ein, dass regulierte Zähne eine Veränderung in ihre ursprüngliche Position anstreben. Um das erreichte Resultat zu stabilisieren, ist es im Bedarfsfall sinnvoll, die Gebissstellung durch geklebte Retainer (nicht sichtbare Haltedrähte) oder Nachtspangen zu unterstützen.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Eine Korrektur des Gebisses mit einer Zahnspange kann folgende unterschiedliche Komplikationen verursachen:

  • allergische Reaktionen auf für Zahnspangen verwendetes Material
  • erhöhtes Risiko für Zahnfleischentzündungen sowie Karies bei unzureichender Pflege der Zähne und Spange
  • zu schwache, zu starke oder falsche Ausführungen von Zahnbewegungen bei falscher Anbringung einer festen Zahnspange

Tipp der Redaktion: Bei der Beseitigung der Zahnspange ist es wichtig, dass sämtliche Fixierungsreste sorgfältig entfernt werden. Etwaige Rückstände können Zahnfleischbeschwerden verursachen.

Kosten der Therapie

Kieferorthopädische Behandlungen durch Zahnärzte sind relativ langwierig und dauern im Normalfall mehrere Jahre an. Die Kosten für die medizinische Betreuung sind zwar unterschiedlich, aber auf Dauer dennoch sehr hoch. Medizinische Verfahren mit einer losen Zahnspange sind wesentlich preiswerter als mit einem festsitzenden Modell. Doch häufig sieht eine Therapie die Kombination beider Ansätze vor. Deshalb beläuft sich eine Zahnregulierung häufig auf Kosten im hohen vierstelligen Bereich.

Von diesem Betrag übernehmen Krankenversicherungen 80 Prozent. Für die verbleibenden 20 Prozent müssen Eltern in Vorkasse treten. Bei erfolgreichem Abschluss der Therapie wird Eltern der verbleibende Teil erstattet. Durch diese Methode wollen Krankenkassen einen gewissen Druck ausüben. Das Ziel der Vorgehensweise ist es, die Patienten zur effektiven ärztlich empfohlenen Therapie zu motivieren.

Tipp der Redaktion: Gesetzliche Krankenversicherungen bezahlen ausschließlich die Therapie, die als zweckmäßig, ausreichend und wirtschaftlich eingestuft wird. Wünschen Patienten Zusatzleistungen, müssen Betroffene für diesen Aufwand selbst aufkommen. Als Standardmodell gelten die sogenannten Metallbrackets.

Vor- und Nachteile der Zahnregulierung

Haben Zahnmediziner eine Fehlstellung des Gebisses diagnostiziert, ist eine Zahnregulierung keine Kann-Option. Eine Regulierung trägt dazu bei, die Gesundheit sowie Funktionsweise betroffener Zähne auf Dauer aufrecht zu erhalten. Obwohl die Therapien auch einen ästhetischen Faktor beinhalten, steht die funktionelle Komponente bei den Behandlungen im Mittelpunkt. Dass das Selbstwertgefühl betroffene Personen durch die Zahnkorrektur zusätzlich gesteigert wird, ist ein positiver Nebeneffekt dieses Therapieansatzes.

Vorteile

  • Wahlmöglichkeiten aus unterschiedlichen Methoden bzw. Spangenvarianten
  • Behandlung ist in nahezu jedem Lebensalter durchführbar
  • Krankenkassen tragen großen Kostenanteil
  • geringe Risiken bei sachgemäßer Pflege des Gebisses sowie der Spange

Nachteile

  • medizinisches Verfahren ist keine Garantie für lebenslangen Behandlungserfolg
  • verhältnismäßig umfassende Vor- und Nachsorgemaßnahmen sind erforderlich
  • Patienten müssen (zumindest in Vorleistung) einen Teil der Behandlungskosten übernehmen
  • Behandlung erstreckt sich über sehr langen Zeitraum