Die Zirkumzision: so funktioniert die Beschneidung beim Mann

Jeder Mann wird mit einer Vorhaut am Penis geboren. Allerdings gibt es unterschiedliche Beweggründe, die eine partielle oder komplette Beschneidung der Vorhaut erforderlich machen. Medizinische, religiöse, ästhetische oder hygienische Gründe sind die häufigsten Ursachen für die Vorhautbeschneidung. Doch das Ergebnis ist bei jedem Beweggrund das gleiche.

Die wichtigsten Hintergründe zur Vorhautbeschneidung

In vielen Fällen ist eine Beschneidung der Vorhaut medizinisch notwendig. Diagnostizieren Ärzte eine Phimose – die sogenannte Vorhautverengung – muss die Zirkumzision aus medizinischen Gründen durchgeführt werden. Denn schlimmstenfalls führt eine Verengung der Vorhaut zu Erektionsstörungen oder Problemen beim Wasserlassen.

Tipp der Redaktion: Bei Säuglingen ist eine Vorhautverengung völlig normal. Erscheint die Phimose für Fachärzte jedoch unkompliziert, werden chirurgische Behandlungen bis mindestens zum dritten Lebensjahr unterlassen. Häufig verbessert sich der Befund von ganz allein.

Ein anderer Fall sind unterschiedliche chronische Erkrankungen im männlichen Genitalbereich, die ebenfalls einer Beschneidung bedürfen.

Im Islam sowie Judentum ist die Beschneidung des Mannes ein fester Bestandteil zum Ausleben der Religion. In diesem Rahmen vollziehen Jungen und Gemeindemitglieder die Zirkumzision im Rahmen eines festlichen, rituellen Aktes. Speziell ausgebildete Personen nehmen den religiös motivierten Eingriff vor. Diese Personen tragen, abhängig von der jeweiligen Religion, unterschiedliche Bezeichnungen:

  • Mohel: vollführt jüdische Beschneidung „Brit Mila“
  • Sünnetci: vollführt rituelle Beschneidung für Muslime, die „Sünnet“

Tipp der Redaktion: Auch in Deutschland ist es üblich, dass Eltern muslimischen oder jüdischen Glaubens ihre Söhne beschneiden lassen. Diese Vorgehensweise ist umstritten und wurde in der Vergangenheit als rechtswidrige Körperverletzung deklariert. Denn normalerweise erfolgt dieser Eingriff im Kindesalter ohne Einwilligung der Jungen.

Eine Beschneidung aus hygienischen Gründen ist hierzulande nicht mehr von Bedeutung. Für lange Zeit wurden Beschneidungen mit der Begründung gerechtfertigt, dass die Vorhaut bei mangelnder Hygiene Harnwegsinfektionen oder Peniskrebs auslösen kann. Doch diese These hat sich nicht bestätigt. Insbesondere in Industrieländern bzw. sogenannten Schwellenländern ist der Hygienestandard groß genug, um diese Risiken gänzlich einzudämmen.

Was ist die Vorhaut?

Als Vorhaut bezeichnen Mediziner einen kleinen beweglichen Hautlappen, der die am Penis befindliche Eichel umschließt. Wird die Vorhaut von Männern beschnitten, liegt die Eichel anschließend frei. Als Folge dieses Eingriffs verändert sich die Beschaffenheit der Eichel. Die Haut verdickt. Dieser körperliche Prozess setzt automatisch ein, damit die Eichel eine Schutzschicht gegenüber Trockenheit und Reizung erhält.

Formen der Beschneidung

Die Form der Beschneidung richtet sich nach den individuellen Wünschen der Patienten sowie dem Befund.

Vollständige Beseitigung der Vorhaut

Bei dieser Behandlungsmethode liegt die Eichel anschließend komplett frei. In dem Bereich zwischen Eichel sowie Penisschaft ist eine feine Naht sichtbar.

Erweiterungsplastik

Bei diesem medizinischen Verfahren nimmt ein Chirurg keine deutliche Kürzung der Vorhaut vor. In diesem Fall erweitert ein Operateur lediglich die Öffnung an der Vorhaut. Die Erweiterungsplastik beschränkt sich zumeist ebenfalls auf Eingriffe im Kindesalter.

Plastische bzw. unvollständige Beschneidung

Bei dieser Form wird ein Teil der Vorhaut erhalten, um die Eichel noch partiell abzudecken. Diese Variante ist die favorisierte Form für Zirkumzisionen im Kindesalter. Denn bei Jungen genügt es normalerweise, dass die Vorhaut einschließlich des von außen sichtbaren Schnürrings beseitigt wird.

Tipp der Redaktion: Im Erwachsenenalter empfehlen Ärzte überwiegend eine komplette Beschneidung. Anderenfalls besteht ein hohes Risiko, dass sich an der operativ bedingten Nahtstelle eine neue Engstelle bildet.

Beschneidung der Vorhaut: vor der Behandlung

Vor der Beschneidung der Vorhaut müssen Arzt und Patient ein Beratungsgespräch durchführen. In diesem Gespräch diskutieren beide Seiten die Möglichkeiten, Risiken sowie Behandlungsmethoden der Zirkumzision. Patienten werden angehalten, blutverdünnende Arzneimittel, Alkohol sowie Nikotin spätestens zwei Wochen vor der OP zu vermeiden. Anderenfalls ist ein optimaler Verlauf des Heilungsprozesses gefährdet. Weiterhin sind diese vorbereitenden Maßnahmen zu beachten:

Haarentfernung

Um Infektionen zu vermeiden, entfernt das medizinische Personal störende Körperbehaarung in der Leistenregion sowie dem Penisschaft. Besonders wichtig ist, an der Körperpartie Hautirritationen zu vermeiden.

Desinfektion

Unmittelbar vor der Operation nehmen der Patient selbst oder das Pflegepersonal eine Säuberung des Genitals vor. Nachdem die Vorhaut zurückgeschoben wurde, führt eine Hautdesinfektion zu einer Keimreduktion des behandelten Körperbereichs.

Anästhesie

Ausschlaggebende Faktoren für die Wahl des Anästhesieverfahrens sind folgende Komponenten:

  • individuelle Wünsche der Patienten
  • Alter
  • persönlicher Gesundheitszustand

Zur Wahl stehen Möglichkeiten zur Lokalanästhesie über einen sogenannten Penisblock oder eine Spinalanästhesie. Wird die Vorhautbeschneidung im Kindesalter durchgeführt, ist eine Vollnarkose die bevorzugte Anästhesieform.

Tipp der Redaktion: Nach Möglichkeit sprechen sich Ärzte für gewöhnlich für einen Penisblock aus. Dieses Anästhetikum bietet den Vorteil einer reduzierten Narkosemedikation. Zusätzlich minimiert diese Betäubungsvariante die nach der Operation entstehenden Schmerzen.

Der Ablauf der Operation

Im ersten Schritt wird die über der Eichel überstehende und vorgezogene Vorhaut mit einer Klemme fixiert. Daraufhin schneidet der behandelnde Facharzt den die Eichel schützenden Hautlappen ab. Nach diesem Schnitt ist es üblich, den zwischen dem Eichelkranz sowie dem Schnitt überschüssigen Hautring – das sogenannte innere Vorhautblatt – einzukürzen.

Vorhautkorrektur: nach der Behandlung

Nach der Zirkumzision sind unterschiedliche Nachsorgemaßnahmen erforderlich. Diese postoperativen Pflegeverfahren helfen dabei, den Wundheilungsprozess zu unterstützen. Neben dem Verzicht auf körperlich anstrengende Aktivitäten sowie sportliches Training raten Fachärzte zu diesen Nachsorgeanwendungen:

  • Sitzbäder: ab erstem Tag Sitzbäder mit entzündungshemmenden tanninhaltigen Wirkstoffen einschließlich Reinigung der verbleibenden Vorhaut
  • Schmerzlinderung: durch Medikamente wie Paracetamol (für Kinder), Ibuprofen oder andere Schmerzmittel
  • Wundkontrolle: Einhaltung der ärztlich empfohlenen Nachsorgetermine

Mögliche Komplikationen und Risiken

Es ist völlig normal, dass nach der Behandlung im operierten Bereich Schwellungen und Rötungen auftreten. Treten allerdings starke Schmerzen oder Fieber auf, sollte der behandelnde Arzt unverzüglich konsultiert werden. Die Einhaltung strengster hygienischer Maßnahmen ist dringend erforderlich. Anderenfalls können Wundinfektionen auftreten. Diese Infektionen können in schwerwiegenden Folgekomplikationen resultieren. Wundheilungsstörungen, Blutungen oder Wundinfektionen sind mögliche Komplikationen, die normalerweise dennoch nur selten auftreten. Noch geringer ist die Gefahr für diese gesundheitlichen Risiken:

  1. Gefäß- oder Nervenschädigungen
  2. erektile Dysfunktion (Erektionsstörungen)
  3. Verlust der Empfindsamkeit auf erogene Reize

Darüber hinaus sind allergische Reaktionen auf Narkosemittel möglich. Dieses Risiko kann jedoch durch eine umfassende Anamnese vor dem Eingriff ausgeschlossen werden. Wurde die Vorhaut im Rahmen der Operation nur partiell beseitigt, ist eine Schrumpfung des Narbengewebes möglich. Schlimmstenfalls erfolgt eine erneute Ausbildung einer Verengung.

Die aktuelle juristische Situation zur Zirkumzision in Deutschland

Wie jeder andere medizinische Eingriff, gilt eine Beschneidung männlicher Kinder und Jugendlicher in Deutschland als Körperverletzung. Liegt eine rechtswirksame Einwilligung der Eltern vor, wird die Operation jedoch nicht rechtlich verfolgt. Nachdem die Behandlung aufgrund der muslimisch und jüdisch motivierten Beschneidung in Deutschland als rechtswidriger Vorgang diskutiert wurde, hat der Deutsche Bundestag ein Gesetz verabschiedet. Dieses Gesetz legt fest, dass medizinisch fachgerecht vorgenommene Beschneidungen bei unnötigen Schmerzen auch zukünftig legitim sind.

Beschneidungen bei Kindern: das richtige Alter

Die Meinungen über den optimalen Zeitpunkt einer Beschneidung gehen weit auseinander. Führt die Phimose zu gesundheitlichen Beschwerden, ist eine zeitnahe Durchführung der OP angedacht. Generell raten Ärzte zu einer Beschneidung im jüngeren Alter. Führt eine Vorhautverengung im Jugendalter zu Einschränkungen bei der Ausübung sexueller Aktivitäten, hat eine Phimose möglicherweise auch psychische Einschränkungen zur Folge. Allerdings sind Vorhautbeschneidungen auch im Erwachsenenalter noch möglich.

Die richtigen Ärzte

In den meisten Fällen fällt die Beschneidung der Vorhaut nicht in den Behandlungsbereich plastisch-ästhetischer Chirurgen. Die richtigen Kontaktpersonen für eine Zirkumzision sind folgende Mediziner:

  1. Fachärzte für Urologie
  2. Kinderchirurgen (für Beschneidungen bei Jungen)

Häufig werden die Operationen in den urologischen Abteilungen größerer Kliniken durchgeführt.

Wer bezahlt die Kosten für die Vorhautbeschneidung?

Je nach Wahl der entsprechenden Betäubung belaufen sich die Kosten einer Vorhautbeschneidung auf 200 bis 700 Euro. Ist der Eingriff medizinisch begründet, tragen Krankenkassen den Kostenaufwand.

Tipp der Redaktion: Ein anderer Fall liegt bei einer Beschneidung aus kosmetischen oder religiösen Gründen vor. Dann richten sich die Behandlungskosten nach der GOÄ, der Gebührenordnung für Ärzte.

Vor- und Nachteile der Beschneidung

Wird eine Beschneidung der Vorhaut aus gesundheitlichen Gründen vorgenommen, steht die Effizienz der chirurgischen Behandlung außer Frage. Eine zu enge Vorhaut verursacht Probleme bei alltäglichen Handlungen wie dem Wasserlassen. Bei diesen Beweggründen ist die medizinische Versorgung dringend erforderlich. Eine Zirkumzision aus religiösen oder kulturellen Gründen wird wesentlich kontroverser diskutiert. Bei einer Vorhautbeschneidung aus kultureller Motivation fließen zwangsläufig moralisch-ethische Aspekte mit ein.

Vorteile

  • Wahlmöglichkeiten aus unterschiedlichen Beschneidungsformen
  • Krankenversicherungen tragen Behandlungskosten bei medizinischer Notwendigkeit
  • verhältnismäßig risikoarmer Eingriff
  • schnelle Genesungszeit
  • massive Verbesserung der Lebensqualität bei erfolgreichem Behandlungsverlauf

Nachteile

  • ethisch-moralische Debatten bei Vorhautbeschneidung aus religiösen oder kulturellen Gründen
  • keine Kostenübernahme bei Zirkumzision ohne medizinischen Grund
  • Erektionsstörungen als Behandlungsfolge nicht gänzlich ausgeschlossen