Scheidenplastik für eine bessere Elastizität des Unterleibs

Die Zeit geht an keiner Frau spürbar vorüber. Doch die Auswirkungen des Alterns betreffen nicht nur die Fältchen im Gesicht. Auch das Gewebe des Beckenbodens erschlafft im höheren Alter. Die Haltestrukturen des Beckenbereichs verschlechtern sich. Schlimmstenfalls sinken die Gebärmutter und andere Organe ab. Häufigste Ursachen für den Verlust der Elastizität sind belastende Geburten oder eine klassische Bindegewebsschwäche. Sind diese Beschwerden von Dauer oder treten Begleiterscheinungen wie Harninkontinenz auf, ist Scheidenplastik häufig die letzte Lösung.

Eine Beckenbodensenkung: klassische Symptome

Die häufigsten Gründe, die eine Scheidenplastik erforderlich machen, sind für viele Frauen unumgängliche Belastungen:

  1. häufige oder schwere Geburten
  2. generelle Bindegewebsschwäche
  3. erhöhtes Körpergewicht
  4. Absenkung der Organe aufgrund anstrengender körperlicher Tätigkeit wie regelmäßigem Hochheben schwerer Gegenstände

Diese Belastungen führen im Körper dazu, dass die Organe nach unten sacken. Besonders häufig ist die Gebärmutter von der nachlassenden Elastizität betroffen. Weitere Organe wie die herabsinkende Harnblase, Scheide oder der Darm verursachen ebenfalls gesundheitliche Beschwerden. Als Folge der wechselnden Position der Körperorgane leiden Frauen unter folgenden gesundheitlichen Einschränkungen:

  • leichte Schmerzen und ziehendes Gefühl in der unteren Bauch- und Beckenregion
  • Rückenschmerzen
  • Vorwölbung der Harnblasenwand in der Scheide (sogenannte Zystozele)
  • Vorwölbung des Mastdarms in der Scheide (sogenannte Rektozele)
  • aufkommende Probleme beim Wasserlassen und Stuhlgang
  • Harnwegsentzündung
  • Harninkontinenz (sogenannte Belastungsinkontinenz)

Liegt ein hochgradiger Elastizitätsverlust vor, sinkt die Gebärmutter sogar aus der Scheide heraus. Dieser Vorgang, den Mediziner als „Prolaps“ oder „Gebärmuttervorfall“ bezeichnen, belastet Frauen sehr. Die Probleme beim Wasserlassen verstärken sich. Der Beckenboden und die Blase sind geschwächt. Im schlimmsten Fall diagnostizieren Ärzte sogar einen sogenannten Harnverhalt. Weitere typische Symptome, die einer Scheidenplastik bedürfen, sind Entzündungen sowie am Gebärmutterhals auftretende Geschwüre. Geschlechtsverkehr empfinden Frauen oft als schmerzhaft. Blutiger Ausfluss ist ein typisches Indiz für die bestehenden Erkrankungen.

Doch nicht nur die physischen Folgen der Beckenbodensenkung belasten betroffene Frauen. Auch die Psyche leidet. Patientinnen offenbaren die gesundheitlichen Probleme nur ungern. Denn Begleiterscheinungen wie Harninkontinenz sind Tabuthemen, die in der heutigen Gesellschaft gern belächelt werden. Eine Beckenbodensenkung ist ein sehr sensibles Thema, das den intimsten Bereich der Patienten betrifft. Häufig ist eine Konsultation bei einem behandelnden Facharzt der letzte Ausweg, um eine Lösung für das Problem zu finden.

Scheidenplastik: wie hoch sind die Erfolgschancen?

Wird die Senkung des Beckenbodens operativ behoben, wird dieses Krankheitsbild entweder komplett behoben oder zumindest minimiert. Beim klassischen erfolgreichen Behandlungsverlauf erreichen Fachärzte für Gynäkologie eine massive Verbesserung des Allgemeinbefindens der Frauen. Dennoch gibt es keine Garantie. In Ausnahmefällen müssen Patientinnen damit rechnen, dass überhaupt keine Besserung eintritt oder die Organe schlimmstenfalls noch stärker absacken.

Tipp der Redaktion: Haben Fachärzte im Rahmen der Scheidenplastik die Gebärmutter entfernt, ist die operierte Frau im Anschluss unfruchtbar. Haben sich Arzt und Patientin für eine Beseitigung der Eierstöcke entschieden, müssen Frauen anschließend mit typischen Symptomen wie bei den Wechseljahren rechnen. Eine klassische Anlaufstelle für diese Behandlung ist ein Beckenbodenzentrum.

Hinweise: worauf vor der Operation achten?

Vor der Behandlung müssen Ärzte sowie Patientin ein umfassendes Beratungsgespräch durchführen. Im Rahmen dieses Gesprächs sowie der damit verbundenen Untersuchung stellen Mediziner die Schwere des Befundes fest. Zusätzlich werden Patientinnen darauf hingewiesen, welche Maßnahmen in Vorbereitung auf die Behandlung durchgeführt werden müssen. Beispielsweise ist es ratsam, für mindestens zwei Wochen auf alle blutgerinnungshemmenden Arzneimittel zu verzichten. Betroffene Pharmazeutika sind beispielsweise Aspirin oder Marcumar.

Therapieansätze der Scheidenplastik

Hat ein Facharzt den Schweregrad der Beckenbodensenkung diagnostiziert, wird die Behandlungsmethodik diskutiert. Möglicherweise ist es sinnvoll, bei einem Befund geringen Grades Beckenbodengymnastik zu empfehlen. Rückbildungsgymnastik dient der Prävention für eine Gewebeerschlaffung nach einer Geburt. Eine Verabreichung von Östrogenen wirkt einer drohenden Harninkontinenz entgegen.

Tipp der Redaktion: Speziell für die Gebärmutter konzipierte Einlagen aus Gummi oder Kunststoff begünstigen eine Stabilisierung des Beckeninhalts. Diese Einlagen, auch als Pessare bezeichnet, sind in unterschiedlichen Größen und Formen erhältlich. Zur Vermeidung von Druckschäden müssen die Pessare nach spätestens sechs Wochen ausgetauscht werden.

Der letzte Ausweg: die Operation

Verhelfen all diese konservativen Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg, empfehlen Gynäkologen eine Operation. Als Narkoseformen kommen folgende Optionen in Frage:

Für eine operative Behandlung kommen mehrere chirurgische Optionen in Betracht.

Vordere Scheidenplastik

Bei der vorderen Scheidenplastik nimmt ein Arzt einen Zugang zur Harnblase vor, die nach Möglichkeit mit umgebendem Gewebe stabilisiert wird. Ferner führen Mediziner die vordere Scheidenplastik durch, indem spezielle Kunststoffnetze stabilisiert und angehoben werden.

Hintere Scheiden-Damm-Plastik

Die hintere Scheiden-Damm-Plastik verfolgt die Funktion, eine weitere Vorwölbung des Mastdarms in Richtung Scheide zu verhindern. Weiterhin ist dieser plastische Eingriff darauf ausgerichtet, die Muskulatur des Dammbereichs sowie des Beckenbodens zu straffen.

Tipp der Redaktion: Häufig kombinieren Fachärzte die vordere und hintere Scheidenplastik in einer Operation. Alternativ ist die chirurgische Behandlung an eine verengende Operation mit dem Scheideneingang gekoppelt.

Lateral-Repair-Methode

Die Lateral-Repair-Methode schließt einen offenen Bauchschnitt über die Scheidenseitenwände in obere Richtung ein. Diese Scheidenseitenwände werden an den Strukturen der vorderen Beckenpartie fixiert.

Bei vielen Patientinnen raten Ärzte zusätzlich zu einer Entfernung der Gebärmutter. Dieses Verfahren – die sogenannte Hypersektomie – ist in erster Linie bei einem deutlichen Hinuntersacken der Gebärmutter empfehlenswert. Allerdings wird diese Behandlung nur durchgeführt, wenn Patientinnen keinen Kinderwunsch mehr haben und der Wechseljahrprozess bereits eingeleitet ist. Diese OP zur Beseitigung der Gebärmutter wird über eine Bauchspiegelung, einen offenen Bauchschnitt oder die Scheide vorgenommen. Bei all diesen Methoden trennen Mediziner die Gebärmutter von umliegenden Organen sowie sogenannten Aufhängestrukturen ab. Besteht medizinischer Bedarf, werden die Eierstöcke während des chirurgischen Verfahrens ebenfalls mit entfernt.

In einigen Fällen ist es ebenfalls notwendig, das Scheidenende zu befestigen. Für diesen Vorgang fixiert der Operateur das Scheidenende bei einem Zugang über die Scheide an einer speziellen Sehne, dem sakrospinalen Band. Fällt die Wahl der OP-Methode auf einen Zugang über den Bauchraum, versehen Mediziner das Scheidenende mit einem Netz aus Kunststoff am Kreuzbein.

Optionen zur Erweiterung der Operation

Leiden Patientinnen unter Harninkontinenz, resultiert eine Inkontinenz OP in der Beseitigung des geschwächten Blasenschließmuskels. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, dass unerwartet diagnostizierte Befunde eine Änderung oder Erweiterung der Operationsmethode verursachen.

Postoperative Pflegemaßnahmen nach der OP

Die postoperativen Pflegemaßnahmen nach der Operation sind relativ umfangreich. Beherzigen Patientinnen die nachfolgenden Maßnahmen, tragen sie durch ihr eigenes Verhalten zu einem optimalen Heilungsprozess bei:

  1. über mehrere Monate Vermeidung anstrengender körperlicher Belastungen (zum Beispiel kein Hochheben schwerer Gewichte)
  2. Weichhalten des Stuhlgangs durch bewusste Ernährungsweise
  3. Reduktion eines eventuell bestehenden zu hohen Körpergewichts
  4. Verzicht auf Geschlechtsverkehr und Spülungen der Scheide
  5. regelmäßige Ausübung des ärztlich empfohlenen Beckenbodentrainings
  6. Wahrnehmung empfohlener ärztlicher Kontrolltermine

Tipp der Redaktion: Leiden Patientinnen an Beschwerden, die auf eine Komplikation hinweisen, ist eine sofortige Konsultation beim behandelnden Arzt erforderlich.

Welche Komplikationen und Risiken verursacht die Scheidenplastik?

Mit einer Scheidenplastik verbundene Risiken sind sehr vielfältig. Allerdings können Patientinnen die Häufigkeit der Komplikationen eindämmen, indem sie Nachsorgemaßnahmen exakt einhalten und den behandelnden Facharzt mit Bedacht auswählen. Dennoch sind diese Risiken nicht komplett ausgeschlossen:

  1. Verletzung anatomischer Strukturen sowie umliegender Organe während der Operation
  2. Blutungen
  3. Nachblutungen
  4. Lähmungserscheinungen, Funktionsstörungen der Harnblase oder Taubheitsgefühl (aufgrund eventuell auftretender Nervenschädigungen)
  5. im Bauchraum auftretende Verwachsungen
  6. Bildung entzündlicher Verbindungskanäle zwischen Scheide und Mastdarm oder Harnblase sowie Harnröhre
  7. Allergien
  8. Schmerzen in der Scheide
  9. überschießende Narbenbildung einschließlich Funktionseinbußen

All diese Komplikationen können, aber müssen nicht auftreten. Nur in sehr seltenen Fällen leiden Patientinnen unter einem Darmverschluss oder Bauchfellentzündung, die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann.

Wer trägt die Kosten?

Im Normalfall ist eine Scheidenplastik eine medizinische Therapieform, die auf einer medizinischen Notwendigkeit basiert. Denn die Beckenbodensenkung ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Deshalb tragen Krankenversicherungen die Behandlungskosten. Allerdings sind Patientinnen gut beraten, die Kostenübernahme vor Inanspruchnahme der medizinischen Dienstleistungen mit der Krankenversicherung zu klären. Bei einem Eingriff wie diesem ist es sinnvoll, sich das Einverständnis der Krankenkassen vor der OP zu holen.

Vor- und Nachteile

Die Scheidenplastik ist ein medizinischer Eingriff mit funktionellem Hintergrund. Aus dem Grund ist der Nutzen dieser Korrektur bei einem erfolgreichen Behandlungsverlauf wesentlich größer als damit verbundene Nachteile. Dennoch sollten betroffene Frauen bedenken, dass diese medizinischen Verfahren einige Einschränkungen im Alltag verursachen.

Vorteile

  • bei erfolgreichem Verlauf massiv verbesserte Lebensqualität
  • deutlicher Verbesserung des gesundheitlichen Zustands
  • Krankenversicherungen übernehmen bei medizinischer Indikation die Behandlungskosten
  • Wahlmöglichkeiten aus unterschiedlichen operativen Methoden
  • relativ hohe Erfolgsaussichten

Nachteile

  • für optimalen Heilungsverlauf sind intensive Nachsorgemaßnahmen erforderlich
  • verhältnismäßig viele und folgenschwere Komplikationen können auftreten
  • geringe Gefahr für erfolglos verlaufende Operation